Kommas richtig prüfen: Was eine Kommakorrektur leistet
Kommakorrektur: Kommas prüfen und richtig setzen
Eine Kommakorrektur folgt keinem Gefühl, sondern dem Satzbau. Das amtliche Regelwerk nennt drei Regelgruppen, der Duden ergänzt die Faustregel: Kein Komma ohne Grund. Wer diese Grundlage kennt, prüft sicher.
Was eine Kommakorrektur prüft
Eine Kommakorrektur prüft jedes Komma gegen drei Regelgruppen: Reihung, Zusatz und Nebensatz. Wer einen Text auf Kommafehler prüft, stellt bei jedem Zeichen dieselbe Frage: Welcher Grund im Satzbau rechtfertigt dieses Komma an dieser Stelle? Ohne eine solche Frage bleibt das Ergebnis Ermessenssache.
Das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung (Fassung 2024) weist die Kommasetzung im Abschnitt Zeichensetzung vier Paragrafen zu: Paragraf 70 bis 73. Jeder dieser Paragrafen beschreibt eine eigene Gruppe von Fällen. Paragraf 70 gilt den Reihungen ohne Bindewort, Paragraf 71 den Reihungen mit und oder oder: dort steht normalerweise kein Komma, vor aber, doch, jedoch und sondern dagegen immer. Paragraf 72 gilt den Zusätzen und Appositionen, Paragraf 73 den Nebensätzen. Dabei unterscheidet das Regelwerk zwischen Kommas, die zwingend gesetzt werden müssen, und solchen, bei denen eine Wahl nach Lesbarkeit offen bleibt.
Der Duden fasst dieselben Fälle in drei Regelgruppen sowie eine Kombinationsregel zusammen und nennt dabei die Faustregel: Kein Komma ohne Grund. Dieser Grundsatz benennt das Prinzip jeder Kommakorrektur. Ein gesetztes Zeichen braucht einen benennbaren Anlass im Satzbau. Ein fehlendes Zeichen ist nur dann ein Fehler, wenn eine der Regelgruppen es verlangt. Wer nach Gefühl oder Sprechpause urteilt, trifft manchmal das Richtige, kann aber einen Fehler weder sicher belegen noch eine korrekte Setzung schlüssig begründen.
Kommasetzung im Überblick lässt sich deshalb auf drei prüfbare Fragen zurückführen: Liegt eine Reihung vor? Ist ein Zusatz oder eine Apposition eingeschoben? Oder beginnt hier ein Nebensatz? Wer bei jedem Komma eine dieser Fragen beantworten kann, prüft nach dem Maßstab des amtlichen Regelwerks und des Dudens. Wer keine Antwort findet, prüft weiter: Erlaubt eine der optionalen Regelgruppen eine Setzung, oder muss das Zeichen wegfallen?

Die wichtigsten Kommaregeln mit Paragraf und Beispiel
Kommaregeln: richtig schreiben und prüfen setzt voraus, dass die einzelnen Fälle und ihre Paragrafen bekannt sind. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Gruppen, die eine Kommakorrektur berücksichtigt.
| Regel | Beispiel | Grundlage |
|---|---|---|
| Reihung ohne und/oder | Sie kaufte Äpfel, Birnen, Kirschen. | § 70, amtliches Regelwerk 2024 |
| Gegensatz mit aber oder sondern | Er wollte kommen, aber er schaffte es nicht. | § 71, amtliches Regelwerk 2024 |
| Kann-Komma bei gereihten Hauptsätzen | Ich lese das Buch[,] und sie geht spazieren. | § 71, amtliches Regelwerk 2024 |
| Zusatz oder Apposition | Mein Kollege, ein erfahrener Lektor, prüft den Text. | § 72, amtliches Regelwerk 2024 |
| Nebensatz | Sie rief an, weil sie eine Frage hatte. | § 73, amtliches Regelwerk 2024 |
| Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, außer, als | Er lernte täglich, um die Prüfung zu bestehen. | § 73, amtliches Regelwerk 2024 / Schreibzentrum Frankfurt |
Paragraf 70 des amtlichen Regelwerks beschreibt, dass gleichrangige Glieder einer Reihung durch Kommas getrennt werden, sofern keine Konjunktion wie und oder oder sie verbindet. Paragraf 71 legt fest, dass vor aber, doch, jedoch und sondern ein Komma zwingend steht, weil diese Wörter einen Gegensatz ausdrücken. Beim Kann-Komma, das Paragraf 71 bei gereihten Hauptsätzen mit und erlaubt, liegt die Wahl beim Schreibenden: Das Komma darf gesetzt werden, wenn es die Lesbarkeit verbessert, muss aber nicht.
Paragraf 72 gilt Zusätzen und Appositionen. Der Duden zeigt an dem Satz Sie liest viele Bücher, vor allem Romane, und spricht auch oft darüber, dass die Regel für Zusätze mehr Gewicht hat als die Reihungsregel: Das Komma nach Romane bleibt stehen, obwohl unmittelbar danach und folgt. Wer diesen Fall nicht kennt, würde das Komma vor und irrtümlicherweise als falsch streichen.
Das Arbeitsblatt des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt nennt feste Konjunktionspaare mit Pflichtkomma, darunter einerseits und andererseits sowie zwar und jedoch. Beim erweiterten Infinitiv gilt: Wird eine Infinitivgruppe durch um, ohne, statt, außer oder als eingeleitet, ist das Komma zwingend. Das Schreibzentrum listet insgesamt neun Fallgruppen auf, die Studierende kennen sollten, darunter Aufzählungen, Appositionen, Vergleichssätze und mehrteilige Datums- sowie Ortsangaben.
Kommakorrektur Schritt für Schritt selbst durchführen
Rechtschreibprüfung: Kommata richtig schreiben beginnt nicht beim Komma selbst, sondern beim Satzbau. Wer den Aufbau eines Satzes kennt, findet Fehler zuverlässiger als jemand, der nur nach Zeichen sucht. Die folgende Schrittfolge zeigt, wie eine Kommakorrektur strukturiert ablaufen kann.
- Jedes konjugierte Verb im Satz markieren. Ein zweites konjugiertes Verb weist auf einen Nebensatz hin und macht ein trennendes Komma wahrscheinlich.
- Aufzählungen prüfen. Werden Wörter oder Wortgruppen gleichrangig aneinandergereiht, braucht jedes Glied ein Komma, sofern keine Konjunktion wie und oder oder es ersetzt.
- Zusätze und Appositionen einrahmen. Jede Stelle, an der ein Einschub den Kernsatz unterbricht, ohne seine Hauptaussage zu verändern, ist ein Kandidat für ein Komma-Paar.
- Infinitivgruppen prüfen. Wird eine Infinitivgruppe durch um, ohne, statt, außer oder als eingeleitet, ist das Komma zwingend.
- Jedes übrige Komma befragen. Für jedes noch nicht zugeordnete Zeichen gilt: Welche Regelgruppe trägt es? Findet sich keine, ist das Komma zu hinterfragen.
Das Arbeitsblatt Kommaregeln kompakt des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt listet neun Fallgruppen für Studierende auf. Dazu gehören Appositionen, wie sie in einem Satz erscheinen können: Maren Meier, 70 Jahre, war frühere Vorstandsvorsitzende. Auch Nebensätze mit Einleitewörtern wie da, weil, dass, als oder obwohl werden dort als eigene Gruppe aufgeführt.
Ein wichtiger Hinweis aus demselben Arbeitsblatt: Ein Komma kann die Bedeutung eines Satzes verändern. Das Blatt zeigt das an dem Satz Katha erbte den Schmuck, nicht aber ihr Mann. Je nachdem, ob das Komma steht oder fehlt, kann der Satz unterschiedlich gelesen werden. Wer prüft, ob ein Komma gesetzt oder ausgelassen ist, prüft damit auch den Sinn des Satzes.
Bei gereihten Hauptsätzen mit und erlaubt das amtliche Regelwerk ein Komma als Lesehilfe. Ein Satz wie Ich fotografierte die Berge, und meine Frau machte einen Spaziergang ist mit Komma korrekt, muss es aber nicht tragen. Das sind Fälle, in denen eine Wahl nach Lesbarkeit getroffen wird und kein Fehler vorliegt, egal wie man entscheidet.
Grenzen der automatischen Kommakorrektur
Kommasetzung prüfen mit einem automatischen Werkzeug hat klare Grenzen, die sich aus der Erkennungsweise ergeben. Der Wikipedia-Artikel zu LanguageTool beschreibt, dass die Software einen Satz nicht auf grammatikalische Korrektheit untersucht, sondern darauf, ob er typische Fehler enthält. Die Erkennung gelingt mit einer Vielzahl von Regeln, die in XML oder Java geschrieben sind. XML-basierte Regeln können über ein Onlineformular erstellt werden.
Aus dieser Beschreibung lässt sich ableiten: Ein Komma vor aber oder vor dass folgt einem festen Wortmuster und ist für ein solches Programm gut erkennbar, sofern dafür eine Regel hinterlegt ist. Ob ein bestimmtes Werkzeug einen einzelnen Fehlertyp tatsächlich erkennt, zeigt nur ein Blick in die Anbieterseite des jeweiligen Programms.
Anders sieht es bei Kommas aus, die allein von der Satzbedeutung oder einer Ermessensentscheidung abhängen. Das Kann-Komma bei gereihten Hauptsätzen wird nach Lesbarkeit gesetzt und ist kein Fehler, ob es steht oder fehlt. Ein bedeutungsveränderndes Komma, wie es das Schreibzentrum der Goethe-Universität Frankfurt beschreibt, liegt ebenfalls außerhalb fester Wortmuster. Ein Programm, das nur typische, als Regel hinterlegte Fehler erkennt, wird solche Fälle nicht sicher beurteilen können.
Derselbe Wikipedia-Artikel hält fest, dass sich leicht Sätze erfinden lassen, die von der Prüfung akzeptiert werden, obwohl sie ungrammatisch sind. Neuere Entwicklungen setzen laut dem Artikel auf N-Gramm-Bibliotheken und neuronale Netze, die Vorschläge für Falschschreibungen liefern. Auch das ändert das Grundprinzip nicht: Ein Programm findet das, wofür eine Regel oder ein Muster hinterlegt ist. Was kein Muster hat, bleibt unentdeckt.

Wann eine menschliche Kommakorrektur sinnvoll ist
Lektorat umfasst unter anderem die Prüfung der Kommasetzung durch einen Menschen, der den Text als Ganzes liest und beurteilt. Für eine Abschlussarbeit, eine Bewerbung oder einen Vertragstext ist das besonders sinnvoll, weil dort Entscheidungen zu treffen sind, die ein Programm nicht zuverlässig treffen kann: Kann-Kommas setzen oder weglassen, Zusätze korrekt einrahmen und Kommas beurteilen, die den Sinn eines Satzes verändern würden.
Das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung lässt beim Kann-Komma eine Wahl offen, die nach Lesbarkeit getroffen wird. Ein Beispiel dafür ist die Konstruktion je nachdem(,) ob, bei der das Komma laut Regelwerk optional bleibt. Ob es gesetzt wird oder nicht, hängt davon ab, ob der Satz ohne Komma klar genug ist oder ob das Zeichen dem Leser eine Orientierung bietet. Diese Entscheidung setzt voraus, dass die prüfende Person den Kontext des Textes versteht.
Der Duden nennt die Kombinationsregel, nach der bei zwei zusammentreffenden Regelgruppen die Regel für Zusätze oder Nebensätze den Ausschlag gibt. Wer beide Regeln erkennt und weiß, welche die andere verdrängt, kann einen Satz korrekt beurteilen, auch wenn das Ergebnis auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt. Für Texte, die bewertet oder veröffentlicht werden, ist diese Kenntnis kein Luxus.
Eine Kommakorrektur durch einen Menschen ist deshalb keine Frage des Misstrauens gegenüber Werkzeugen, sondern eine Frage der Anforderung an den Text. Programme erkennen Muster. Menschen beurteilen Bedeutung und Lesbarkeit, und sie treffen die Ermessensentscheidungen, die das Regelwerk ausdrücklich offen lässt. Bei einem Text, auf den es ankommt, ist dieser Unterschied wichtig.
Quellen und Stand
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk 2024, Abschnitt Zeichensetzung Paragrafen 70 bis 73: www.rechtschreibrat.com (geprüft am 2026-09-22)
- Duden online: Sprachwissen, Rechtschreibregeln, Komma: www.duden.de (geprüft am 2026-09-22)
- Schreibzentrum der Goethe-Universität Frankfurt (Starker Start ins Studium): Arbeitsblatt Kommaregeln kompakt: www.starkerstart.uni-frankfurt.de (geprüft am 2026-09-22)
- Wikipedia: Artikel LanguageTool, Abschnitt Technik zur regelbasierten Fehlererkennung: de.wikipedia.org (geprüft am 2026-09-22)
Die Einordnung „Kommas richtig prüfen: Was eine Kommakorrektur leistet“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.