Die richtige Schreibweise von langen und kurzen Vokalen

Lange und kurze Vokale sicher erkennen So üben Sie die Regel im Alltag

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 21. September 2026 · Rechtschreibregeln im Überblick

Diese Übersicht erklärt Grundlagen der deutschen Orthografie zur Vokallänge. Sie beschreibt das Dehnungs-h, zeigt Doppelvokale und stellt Fehlerquellen korrekten Schreibweisen gegenüber.

Grundlagen der Vokallängenbestimmung

Ein Vokal gilt als lang, wenn ihm im Wortstamm kein Konsonant folgt. Für die Einordnung ist wichtig, was nach dem betonten Vokal innerhalb des Stamms steht. Fehlt dort ein Konsonant, beschreibt das amtliche Regelwerk den Vokal als lang. Folgen zwei verschiedene Konsonanten, ist der Vokal kurz. Bei genau einem folgenden Konsonanten ist die Lage nicht allein an dieser Stelle entschieden: Der Vokal kann kurz oder lang sein. Nur in diesem Fall braucht die Schreibung eine zusätzliche Kennzeichnung, etwa ein h oder einen Doppelvokal. Deshalb folgt aus einem einzelnen Konsonanten weder automatisch eine lange Aussprache noch zwingend ein sichtbares Zeichen.

Sprich ein Wort deutlich laut und achte darauf, ob der betonte Vokal länger oder kürzer klingt. Dieser Höretest hilft beim ersten Einordnen. Für die Schreibung reicht das Hören jedoch nicht immer aus, besonders wenn nur ein Konsonant folgt. Dann kann ein Blick auf bekannte Schreibungen und verwandte Formen weiterhelfen. Bei einheimischen Wörtern ist ie die übliche Schreibung für einen langen i-Laut. Einzelne Wörter werden trotz langem i mit einfachem i geschrieben; außerdem nennt das Regelwerk ih und ieh als besondere Formen. Andere lange Vokale können eine besondere Schreibung haben, etwa ein h oder die Verdopplung aa, ee oder oo. Diese Zeichen sind keine einheitliche Vorgabe für alle langen Vokale.

Beleg: Amtliches Regelwerk, Abschnitt 1.3 und Paragraf 10. Dort werden die Fälle ohne folgenden Konsonanten, mit einem Konsonanten und mit zwei verschiedenen Konsonanten getrennt beschrieben. Die Übersicht nennt außerdem ie für den langen i-Laut sowie h und Doppelvokale als besondere Schreibweisen anderer langer Vokale.

Ablauf: lange und kurze Vokale unterscheiden: der Ablauf in drei Schritten

Funktion und Einsatz des Dehnungs-h

Ein Dehnungs-h steht nach einem betonten langen Vokal, wenn unmittelbar danach ein unbetonter kurzer Vokal folgt. Es kann auch erforderlich sein, wenn dieser unbetonte Vokal erst in einer erweiterten Wortform erscheint. Das amtliche Regelwerk beschreibt diese Schreibung in Paragraf 6. Beispiele mit verschiedenen Vokalen sind nahen und bejahen mit ah, drehen mit eh, drohen und Floh mit oh sowie Kuh und Ruhe mit uh. Auch bei Umlauten nennt das Regelwerk Formen wie fähig, Höhe und früh. Die h-Schreibung kann nach dem langen Vokal vor l, m, n oder r auftreten. Diese Buchstaben sind aber keine selbstständige Entscheidungshilfe: Ein langer Vokal vor l, m, n oder r führt nicht automatisch zu einem Dehnungs-h.

Das h kann zugleich die Grenze zwischen Silben sichtbar machen. Die Schreibweise Ku-he zeigt diese Funktion. Ein silbenöffnendes h leitet eine neue Silbe ein und trennt dabei zwei Vokale; ein Beispiel ist dre-hen. Für die Unterscheidung hilft diese Eselsbrücke: Steht das h zwischen zwei Vokalen, kann es die nächste Silbe öffnen. Bei einem stummen h kann das Verlängern und deutliche Sprechen in Silben beim Prüfen helfen. Das Regelblatt veranschaulicht dies mit seht und sehen. So wird sichtbar, ob beim Sprechen eine weitere Silbe hinzukommt.

Für Fremdwörter sieht Paragraf 6 diese h-Schreibung nicht vor. Der Paragraf nennt jedoch Ausnahmen, darunter Allah und Schah. Bei Unsicherheit hilft es, die Schreibweise des einzelnen Wortes im Wörterverzeichnis zu prüfen, statt aus der Länge des Vokals allein auf ein h zu schließen.

Übersicht über Doppelvokale und ihre Bedeutungen

Tabelle: Vokal, Merkwort, Bedeutungshinweis, Verwechslungswort
VokalMerkwortBedeutungshinweisVerwechslungswort
aaAal, HaarAal: Tier; Haar: KopfhaarWaage / Wagen
eeBeere, SeeBeere: Frucht; See: GewässerMeer / mehr
ooBoot, MoorBoot: Wasserfahrzeug; Moor: nasses GebietBoot / bot

Die Tabelle sammelt Merkwörter mit den Doppelvokalen aa, ee und oo. Das amtliche Regelwerk ordnet diese Schreibungen einer kleinen Gruppe von Wörtern zu. Mit aa nennt es beispielsweise Aal, Haar, Saal und Staat. Für ee führt es Beere, Klee, See und Tee an. Bei oo stehen Boot, Moor und Zoo in den Beispielen. Die Tabelle enthält je Doppelvokal zwei dieser belegten Wörter.

Die Doppelung kennzeichnet in diesen Wörtern die Länge von a, e oder o. Daraus entsteht keine Vorgabe, lange Vokale allgemein zu verdoppeln. Das Regelwerk behandelt aa, ee und oo als festgelegte Schreibweisen dieser begrenzten Wortgruppe. Beim Schreiben kann ein Vergleich mit diesen Merkwörtern helfen.

Die Spalte Verwechslungswort zeigt Paare, die das Regelwerk gegenüberstellt. Waage und Wagen sowie Meer und mehr klingen ähnlich, werden aber unterschiedlich geschrieben. Daraus folgt keine Übertragungsregel für andere Wörter.

Bei der Umlautung steht nur ein einzelnes ä oder ö: Aus Haar wird Härchen, aus Boot Bötchen. Die Doppelung erscheint dabei nicht als doppelter Umlautbuchstabe.

Für den langen i-Laut nennt Paragraf 10 ie in einheimischen Wörtern wie Liebe oder Dieb. Daneben gibt es einzelne Wörter mit einfachem i, darunter dir, mir, wir, Biber, Igel und Tiger. Die Tabelle behandelt nur aa, ee und oo.

Irrtümer und Selbstcheck

Ein langer i-Laut wird in einheimischen Wörtern üblicherweise mit ie geschrieben, doch es gibt einzelne Ausnahmen mit einfachem i. Paragraf 10 nennt unter anderem Igel und Tiger. Diese Wörter sind deshalb keine Belege dafür, dass jedes lange i einfach geschrieben werden kann. Beim h entstehen zwei unterschiedliche Fehlerarten: Ein nötiges h kann fehlen, oder ein h wird zusätzlich gesetzt. Wer Kuu statt Kuh schreibt, lässt das h aus. Wer Sohhn statt Sohn schreibt, fügt ein weiteres h ohne Grundlage ein.

Für die Prüfung eines stummen h hilft eine verwandte oder verlängerte Form. Das Regelblatt nennt seht und sehen: Sprich die verlängerte Form in Silben. So wird sichtbar, ob ein h in der Schreibweise vorkommt. Bei einem silbenöffnenden h liegt die Silbenfuge zwischen zwei Vokalen, etwa in dre-hen. Die Probe trennt damit nicht willkürlich Wörter, sondern nutzt die verlängerte Form und das deutliche Sprechen in Silben.

Setze in jede Lücke nur ie, einen Doppelvokal oder ein h ein:

  1. Die L___be ist groß.
  2. Das B___t liegt am Ufer.
  3. Der S___ ist ruhig.
  4. Der ___l ist ein Fisch.
  5. Die Ku___ gibt Milch.
  6. Der Flo___ steht auf der Wiese.

Die Lösungen sind Liebe, Boot, See, Aal, Kuh und Floh. Die ersten vier Aufgaben prüfen ie oder einen Doppelvokal; die letzten beiden prüfen ein h. Vergleiche die Schreibungen anschließend mit den Merkwörtern und sprich bei einer h-Aufgabe eine passende Form in Silben.

Beleg: Amtliches Regelwerk, Paragraf 9 und 10, sowie Landesbildungsserver Baden-Württemberg, Regelblatt Schreibweisen für lange, betonte Vokale.

Rechtschreibregel das und dass: die Ersatzprobe verweist als weiteres Rechtschreibthema auf diese Seite.

Ablauf: lange und kurze Vokale unterscheiden: Prüfliste mit vier Punkten

Systematische Einbettung in die Phonologie

Vokale und Konsonanten gehören bei der Schreibung der Vokallänge zusammen, weil die Einordnung auf die Konsonanten nach einem betonten Vokal im Wortstamm schaut. Folgt kein Konsonant, wird der Vokal als lang eingeordnet. Bei zwei verschiedenen folgenden Konsonanten ist er kurz. Ein einzelner Konsonant legt die Länge dagegen nicht fest: Der Vokal kann in diesem Fall kurz oder lang sein. Für diesen unklaren Fall nennt das amtliche Regelwerk zusätzliche Kennzeichnungen, ohne sie als durchgehende Pflicht für jedes Wort mit einem Konsonanten zu behandeln.

Bei langen i-Lauten in einheimischen Wörtern ist ie die übliche Schreibung. Einzelne Wörter haben trotz langem i ein einfaches i, etwa Igel oder Tiger. Daneben nennt die Übersicht ih und ieh als besondere Schreibungen, zum Beispiel ihr, ihm und Vieh. Für andere lange Vokale nennt die Übersicht besondere Schreibungen: ein h vor l, m, n oder r sowie die Doppelungen aa, ee und oo. Diese Angaben verbinden die Vokallänge mit der Wortschreibung. Sie ersetzen keine eigenständige Regel für jedes einzelne Wort. Beleg: Amtliches Regelwerk, Abschnitt 1.3 sowie Paragraf 10.

Vokal einfach erklärt: Laute und Beispiele verweist auf die Grundlagenseite zu Vokalen. Dort kann der Ausgangspunkt für die Betrachtung eines betonten Vokals nachgeschlagen werden. Konsonant einfach erklärt: Mitlaute verstehen verweist auf die Grundlagenseite zu Konsonanten. Für die Längenfrage ist anschließend die Stelle nach dem betonten Vokal im Wortstamm relevant.

Rechtschreibregeln im Überblick führt zur Hub-Seite mit allen Rechtschreibregeln. Sie ordnet das Thema neben weiteren Rechtschreibfragen ein. Silbentrennung: Regeln verweist auf die Seite zu den Regeln der Silbentrennung. Diese Verknüpfung ergänzt die Silbenprobe, die bei Formen mit h verwendet werden kann. Die Seiten behandeln damit benachbarte Grundlagen, ohne die Regeln zu k, z, ck oder tz an dieser Stelle zu wiederholen.

Quellen und Stand

„Die richtige Schreibweise von langen und kurzen Vokalen“ erscheint auf dieser Seite unter dem Titel „Vokallänge: Lange und kurze Vokale richtig schreiben“.

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Häufige Fragen zu langen und kurzen Vokalen

Woran erkenne ich zuverlässig, ob ein Vokal lang oder kurz gesprochen wird?

Ein Vokal ist im Wortstamm lang, wenn ihm kein Konsonant folgt; bei zwei verschiedenen folgenden Konsonanten ist er kurz. Bei einem einzelnen Konsonanten kann er kurz oder lang sein. Eine sichtbare Kennzeichnung ist dafür nicht durchgängig vorgeschrieben.

Warum steht manchmal ein h nach einem Vokal, obwohl es nicht gelesen wird?

Ein Dehnungs-h steht nach einem betonten langen Vokal, wenn unmittelbar ein unbetonter kurzer Vokal folgt oder in einer erweiterten Wortform folgen kann. Es kann zugleich eine Silbengrenze markieren, etwa in Ku-he.

Welche Doppelvokale gehören zu den Standardausprägungen deutscher Wörter?

Aa, ee und oo kennzeichnen die Länge von a, e und o nur in einer kleinen Wortgruppe, etwa Aal, See oder Boot. Bei einer Umlautung steht ein einzelnes ä oder ö, zum Beispiel Härchen zu Haar und Bötchen zu Boot.

Wie unterscheidet man das stumme h vom silbenöffnenden h praktisch?

Die Silbenprobe unterscheidet die Funktionen des h: Ein silbenöffnendes h markiert die Silbenfuge zwischen zwei Vokalen, etwa in dre-hen. Um ein stummes h zu prüfen, bildet man eine verwandte oder verlängerte Form und spricht sie in Silben, etwa seht zu sehen.

Existieren Ausnahmen bei der Anwendung der Dehnungsregeln?

Igel und Tiger gehören zu den einheimischen Ausnahmen mit langem i und einfachem i. Bei Fremdwörtern kommt die h-Schreibung bis auf wenige Ausnahmen wie Allah oder Schah nicht vor.

Wo finde ich systematische Informationen zu Vokalen und Konsonanten?

Für die Vokallänge ist im Wortstamm der folgende Konsonant wichtig: Ohne folgenden Konsonanten ist ein betonter Vokal lang. Nach einem einzelnen Konsonanten kann er kurz oder lang sein. Bei zwei verschiedenen folgenden Konsonanten ist er kurz.

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