Zwei Modelle, gleiche Finanzierung: Was hinter den Kulissen passiert

MDPI oder Frontiers: Gebühren, Begutachtung, Dauer und Förderung

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 27. September 2026 · Wissenschaftlich publizieren

Wer zwischen diesen beiden Publishern wählt, sollte die dokumentierten Unterschiede kennen. Dieser Guide stellt die belegten Eckdaten gegenüber und zeigt, welche Fragen Sie klären müssen, bevor Sie Ihre Arbeit einreichen.

Grundlegendes Verständnis der Geschäftsmodelle

MDPI und Frontiers verlangen beide Geld vor der Veröffentlichung, nicht nach dem Lesen. Nach den DOAJ-Einträgen der belegten Titel reicht die Article Processing Charge bei MDPI von 2400 bis 2700 Schweizer Franken, während die beiden Frontiers-Titel jeweils bis zu 3150 Schweizer Franken ausweisen. Wie die Begutachtung abläuft, wie lange die Veröffentlichung dauert und ob eine Förderung durch eine Hochschule greift, hängt dabei jeweils vom einzelnen Titel ab.

Tabelle: Frage, MDPI, Frontiers
FrageMDPIFrontiers
Gebührenrahmen der belegten TitelZwischen 2400 und 2700 CHF (Quelle: DOAJ)3150 CHF (Quelle: DOAJ)
LizenzCC-BY (Quelle: DOAJ)CC-BY (Quelle: DOAJ)
Dauer bis zur VeröffentlichungSechs Wochen (Quelle: DOAJ)Vierzehn Wochen (Quelle: DOAJ)
BegutachtungEinfach anonymisiert (Quelle: DOAJ)Namhaft gemachte Gutachter (Quelle: Verlag)
Werke bei OpenAlexRund 2 Millionen (Quelle: OpenAlex)Rund 773 Tausend (Quelle: OpenAlex)
Förderung durch HochschulenInstitutionelle Rabatte möglich (Quelle: UB)Keine Förderung durch eine Hochschule belegt

Frontiers operiert ausschließlich über das Gold-Open-Access-Modell. Das bedeutet, dass sämtliche Texte sofort und dauerhaft kostenfrei zugänglich sind. Die dafür erhobene Bearbeitungsgebühr fungiert dabei als einzige Einnahmequelle des Unternehmens. Da diese Struktur vollständig auf freie Zugänglichkeit ausgelegt ist, existiert hier kein hybrides System und kein alternativer Pfad über abonnierte Publikationen. Dieses Prinzip sorgt für Transparenz hinsichtlich der Kostenträger und der Verfügbarkeit der Inhalte für die gesamte akademische Gemeinschaft weltweit.

Auf der anderen Seite positioniert sich MDPI ebenfalls klar im Bereich der offenen Wissenschaft. Beide Häuser setzen auf dasselbe Finanzierungsprinzip, wonach die Forschungsfinanzierer oder Einrichtungen die Kosten übernehmen. Laut OpenAlex-Verlagsprofil verzeichnet MDPI 2016422 erfasste Werke und 36109987 Zitierungen, während Frontiers Media 773119 erfasste Werke und 16396028 Zitierungen ausweist. Bei der Betrachtung dieser quantitativen Größenordnungen fällt auf, dass die reine Anzahl der produzierten Schriften keinerlei Rückschlüsse auf die inhaltliche Qualität eines spezifischen Einzelwerks zulässt. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, findet weitere Informationen beim Thema Wissenschaftsverlage im Vergleich, wo unterschiedliche Strategien analysiert werden. Die geografische Nähe beider Unternehmen in der Schweiz erleichtert zudem den direkten Kontakt und die rechtliche Zuordnung der Vertragspartner erheblich.

MDPI oder Frontiers: der Ablauf in drei Schritten

Transparenz bei den Publikationskosten

Die Gebührenhöhe unterscheidet sich je nach Titel deutlich. Der Verzeichniseintrag von Sensors nennt eine höchste Bearbeitungsgebühr von 2600 Schweizer Franken und bestätigt eine CC-BY-Lizenz. Für Molecules liegt der ausgewiesene Höchstwert bei 2700 Schweizer Franken, ebenso bei Remote Sensing mit demselben Betrag. Deutlich niedriger fällt der Rahmen bei Applied Sciences mit 2400 Schweizer Franken aus. Alle vier genannten Einträge stammen aus demselben Verzeichnis und tragen ebenfalls die CC-BY-Lizenz, unterscheiden sich also nur in der Höhe der ausgewiesenen Gebühr.

Bei den beiden ausgewählten Frontiers-Titeln aus den Bereichen Psychologie und Immunologie liegt der jeweils höchste berechnete Betrag laut Verzeichniseintrag bei 3150 Schweizer Franken, ebenfalls verbunden mit einer CC-BY-Lizenz. Damit liegen diese beiden Werte über den vier genannten MDPI-Beträgen, ohne dass daraus eine allgemeine Regel für weitere, hier nicht belegte Titel beider Häuser folgt. Jeder Titel führt seinen eigenen Eintrag mit eigenen Werten.

Diese Summen sind jeweils Höchstsätze der einzelnen, hier belegten Publikation und ergeben keinen einheitlichen Verlagspreis. Vor einer Einreichung lohnt deshalb der Blick in den aktuellen Verzeichniseintrag des Zieltitels sowie auf dessen eigene Seite, denn die tatsächliche Gebühr kann von den hier genannten Werten abweichen. Wer sich grundsätzlich mit den Bedingungen freier Zugänglichkeit befassen möchte, findet dazu weiterführende Hinweise unter Open Access publizieren.

Unterschiedliche Ansätze im Prüfvorgang

Der Prozess der Qualitätskontrolle unterscheidet sich in der Umsetzung. Beim Anbieter Frontiers läuft die Überprüfung in zwei getrennten Etappen ab. Zunächst erhält jede beteiligte Expertin oder jeder Experte eine persönliche Anfrage. Innerhalb eines zeitlichen Rahmens von zehn Tagen nach Annahme der Einladung verfasst jede Person unabhängig ein eigenes, standardisiertes Gutachten, getrennt von den anderen Gutachtenden. Erst wenn alle Stellungnahmen vorliegen, gibt die betreuende Redaktion die anschließende Phase frei, in der Autorinnen, Autoren, Gutachtende und Redaktion im selben Forum direkt kommunizieren, bis die Bedenken zum Manuskript geklärt sind.

Ein Merkmal dieses Systems ist die Namensnennung. Die Namen der begutachtenden Personen und der betreuenden Redaktion erscheinen zusammen mit dem endgültigen Artikel. Ein vollständiger Artikeltyp kann bei Frontiers zudem erst angenommen werden, wenn mindestens zwei begutachtende Personen die Veröffentlichung befürworten. Zusätzlich läuft vor der Begutachtung das in die Plattform eingebaute Werkzeug AIRA mit nach Verlagsangabe mehr als 50 automatisierten Prüfungen, das unter anderem mögliche Plagiate, Bildmanipulationen und erfundene Inhalte kennzeichnet, als Ergänzung zur menschlichen Prüfung.

Anders liegt der Fall bei den vier betrachteten MDPI-Magazinen. Hier nennt der Katalog ein einfach anonymisiertes Verfahren und bestätigt eine Kontrolle auf unerlaubte Übernahme fremder Ideen. Wichtig ist die Trennung der Quellen: Die Angaben im öffentlichen Verzeichniseintrag und die Beschreibungen auf der Website des Verlags sind zwei separate Quellen und werden nicht vermischt. Die genaue Art der Prüfung hängt am einzelnen Titel. Weitere Details dazu liefert die Übersicht über passende Zeitschriften.

Spezifische Anforderungen an die Bewerbung

Bevor Ihr Manuskript hochgeladen wird, sollten Sie die formalen Bedingungen genau prüfen. Anstelle eines klassischen Cover Letters verlangt Frontiers eine verpflichtende Angabe von rund 200 Wörtern zu Umfang und Relevanz des Manuskripts, verständlich auch für fachfremde Leserinnen und Leser. Diese kurze Relevanzangabe liegt idealerweise vor dem Upload bereits fertig formuliert vor, damit die Einreichung ohne Verzögerung starten kann.

Strukturell gliedert Frontiers seine Zeitschriften in Fachabschnitte, sogenannte Specialty Sections, von denen jeder ein eigenes, unabhängiges Redaktionsgremium mit eigenem Editorial Board hat. Die Wahl des passenden Fachabschnitts ist dabei eine eigene Entscheidung neben der Wahl der Zeitschrift selbst und verdient vor der Einreichung eine ebenso sorgfältige Prüfung wie die Wahl des Titels.

Sie dürfen Ihren Text vorher auf einem Repositorium oder Preprint-Server einstellen, sofern dieser die Rechte der Autorinnen und Autoren nicht einschränkt. Geteilte Manuskriptdateien dürfen dabei kein Frontiers-Logo tragen. Eine generative KI darf zudem nicht als Koautor oder Autorin genannt werden, weil solche Werkzeuge nach Ansicht des Verlags keine Verantwortung für Inhalte tragen können; wurde KI zur Erstellung von Text oder Abbildungen genutzt, ist dies im Dankeschön-Teil offenzulegen. Wer sich beim Thema Paper einreichen fragt, wie die Vorbereitung optimal gelingt, sollte diese Punkte vor dem Klick auf Senden abhaken.

Zeitliche Planung und Erwartungsmanagement

Wie lange es von der Einreichung bis zur Veröffentlichung dauert, ist ein wichtiges Kriterium bei der Verlagswahl. Laut den verfügbaren Registereinträgen benötigen die vier besprochenen Magazine aus dem Hause MDPI jeweils sechs Wochen, um den Weg von der Eingabe bis zur Live-Schaltung zurückzulegen. Diese Wochenangabe stammt aus dem jeweiligen Verzeichniseintrag und bezieht sich auf die genannte Zeitschrift. Für das eigene Manuskript ist diese Angabe keine Zusage; die aktuelle Zeitschriftenseite gibt vor der Einreichung Aufschluss über den Einzelfall.

Im Kontrast dazu legen die beiden Frontiers-Exemplare einen längeren Zeitraum nahe. Hier sind vierzehn Wochen als Registerangabe eingetragen. Auf den offiziellen Autorenseiten von Frontiers selbst ist dagegen keine Kennzahl zur durchschnittlichen Dauer bis zur ersten Entscheidung veröffentlicht; die Hinweise dort konzentrieren sich auf Verfahrensschritte und ethische Grundsätze.

Bei Frontiers nutzen die begutachtenden Personen ein strukturiertes Formular für ihre Bewertung und können über ein Selbstzuweisungswerkzeug selbst nach Manuskripten aus ihrem Fachgebiet suchen. Diese Wochenangaben stammen aus dem Verzeichnis, beziehen sich auf sechs einzelne Zeitschriften und enthalten keine Zusage für das eigene Manuskript. Vor der eigenen Einreichung lohnt daher ein Blick in den aktuellen Verzeichniseintrag und in die Autorenhinweise der gewählten Zeitschrift.

MDPI oder Frontiers: Prüfliste mit vier Punkten

Finanzielle Hilfen und nächste Schritte

Hochschulbibliotheken können Forschungsbudgets entlasten. Die Universitätsbibliothek Marburg nennt für Angehörige der Universität 15 Prozent Nachlass auf die Gebühr bei MDPI-Zeitschriften. Die Bibliothek der Bergischen Universität Wuppertal nennt für korrespondierende Autorinnen und Autoren der Universität 30 Prozent Rabatt bei allen MDPI-Zeitschriften, sofern die Rechnung über die Bibliothek läuft, gestützt auf eine Konsortialvereinbarung von ZB MED mit MDPI für die Jahre 2025 und 2026. Diese beiden Vereinbarungen gelten jeweils nur für Angehörige der genannten Universität und lassen sich nicht auf andere Hochschulen übertragen.

Die Universitätsbibliothek Frankfurt beschreibt zusätzlich einen Fonds, der bei im Verzeichnis DOAJ gelisteten Zeitschriften bis zu 1400 Euro brutto der Gebühren bei MDPI übernimmt, neben 10 Prozent Rabatt auf den Listenpreis. Dieselbe Seite nennt Cancers, Sustainability und IJERPH als Beispiele für MDPI-Zeitschriften, die früher bei DOAJ gelistet waren und inzwischen aus der Liste entfernt wurden (Stand: 27. September 2026), weshalb die Förderung für diese drei Titel entfällt. Die Listung im Verzeichnis kann damit über die Förderfähigkeit entscheiden, weshalb vor der Einreichung ein Blick in den aktuellen DOAJ-Eintrag des Zieltitels sinnvoll ist. Wer Hilfe bei der Einschätzung seriöser Anbieter sucht, findet Hinweise unter Predatory Journals erkennen. Eine Korrekturlesen deines wissenschaftlichen Artikels genannte sprachliche Prüfung ändert dagegen nichts an den formalen Kriterien der Aufnahme und ist keine Annahmegarantie.

Nach einer Ablehnung nennt Frontiers als Wege eine Überarbeitung mit erneuter Einreichung bei derselben Zeitschrift oder die eigenständige Einreichung bei einer anderen Zeitschrift; ein automatisches Weiterreichen innerhalb des Verlags wird dort nicht beschrieben. Associate Editors und Community-Gutachtende erhalten bei Frontiers nach Verlagsangabe keine Bezahlung für ihre Rolle, und ein Anerkennungsprogramm hängt nicht an der Annahme von Manuskripten. Vor der eigenen Einreichung ist deshalb bei der eigenen Bibliothek nach dem aktuellen Stand für den Zieltitel zu fragen, denn eine Einreichung ist keine Zusage.

Quellen und Stand

Der Beitrag „Zwei Modelle, gleiche Finanzierung: Was hinter den Kulissen passiert“ trägt den vollständigen Titel „MDPI vs. Frontiers: Faktencheck für Forschende“.

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Häufige Fragen zu MDPI und Frontiers

Warum unterscheiden sich die Preise trotz gleicher Lizenz?

Die Differenzen entstehen durch die individuelle Einstufung der einzelnen Magazine. Während einige Titel niedrigere Sätze aufrufen, liegen andere höher. Entscheidend ist der konkrete Eintrag im Register, der die maßgebliche Obergrenze für den jeweiligen Fall festlegt und die Grundlage für die spätere Rechnung bildet.

Müssen meine Gutachter bei Frontiers anonym bleiben?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Namen der Beteiligten werden zusammen mit dem fertigen Aufsatz veröffentlicht. Diese Maßnahme dient der Transparenz und signalisiert, dass die Prüferinnen und Prüfer persönlich für ihre geäußerte Meinung einstehen und Verantwortung für den Prozess übernehmen möchten.

Darf ich meinen Text vorher als Preprint posten?

Ja, das ist grundsätzlich gestattet. Allerdings müssen Sie sicherstellen, dass der verwendete Dienstleister Ihre urheberrechtlichen Belange respektiert. Zudem dürfen keine Markenzeichen des künftigen Publishers im Dokument auftauchen, solange der finale Status noch nicht entschieden wurde und die Verhandlungen laufen.

Habe ich Anspruch auf einen Bibliotheks-Rabatt?

Dies hängt vollständig von Ihrem Arbeitgeber ab. Verschiedene Universitäten haben spezielle Verträge geschlossen, die bestimmte Prozente oder Festsummen abdecken. Ob diese Vorteile für Sie greifen, klärt die zuständige Abteilung Ihrer Hochschule anhand aktueller Listenstände und individueller Berechtigungen.

Was passiert, wenn mein Papier abgelehnt wird?

Sie haben die Option, den Text entsprechend den Kommentaren zu verbessern und erneut dort einzureichen. Oder Sie wählen einen ganz anderen Träger für Ihre Publikation. Ein automatischer Wechsel innerhalb des gleichen Unternehmenssystems findet nicht statt, sodass Sie die Initiative in eigener Hand behalten und flexibel reagieren können.

Sind KI-Tools als Co-Autorschaft erlaubt?

Absolut nein. Softwarelösungen können keine rechtliche Verantwortung tragen und erfüllen damit nicht die Kriterien für eine Mitarbeiterschaft. Sollten Sie dennoch solche Programme zur Unterstützung genutzt haben, ist eine deutliche Deklaration im Danksagungsteil erforderlich, um die Integrität der Arbeit zu wahren und Transparenz zu gewährleisten.

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