Empirische Sozialforschung verstehen und einordnen

Empirische Sozialforschung: Begriff, Prozess, Gütekriterien

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 16. September 2026 · Methodik im Überblick

Empirische Sozialforschung ist ein Teilgebiet der empirischen Forschung und untersucht gesellschaftliche Erscheinungen mit systematischen Erhebungsverfahren. Der Beitrag erklärt Begriff, Abgrenzung, Forschungsprozess, Gütekriterien und Forschungsethik.

Was empirische Sozialforschung bedeutet

Empirische Sozialforschung bezeichnet die wissenschaftliche Untersuchung gesellschaftlicher Erscheinungen und Zusammenhänge. Sie arbeitet insbesondere mit Methoden der empirischen Sozialforschung und richtet sich auf reale gesellschaftliche Zustände sowie Verhaltensweisen. Dabei werden Daten durch systematische, nachvollziehbare Erhebungsverfahren gewonnen und ausgewertet. Das unterscheidet diese Untersuchung von rein theoretischen oder spekulativen Betrachtungen, die keine eigenen Daten erheben. Der DWDS-Wortartikel ordnet Sozialforschung dem Fachgebiet Soziologie zu und belegt den Begriff mit wissenschaftlichem Schrifttum.

Der Oberbegriff empirische Forschung steht für Untersuchungen, die eigene Daten erheben. In der Sozialforschung ist der Gegenstand dabei gesellschaftlich: untersucht werden Erscheinungen, Zusammenhänge, Zustände oder Verhaltensweisen in der Gesellschaft. Das Wuppertaler Skript beschreibt für sozialwissenschaftliche Forschung eine Grundstruktur aus Problemstellung und Theorie, der Übertragung von Begriffen in untersuchbare Merkmale, einem Untersuchungsdesign, Datenerhebung, Auswertung und Ergebnisdeutung. Diese Darstellung ergänzt die Wortbedeutung um einen beschriebenen Ablauf, ohne für alle Studien eine identische Reihenfolge festzulegen.

Als Erhebungsarten nennt das Skript Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment. Quantitative Verfahren verwenden standardisierte Daten, die zahlenmäßig ausgewertet werden können. Qualitative Verfahren arbeiten mit offenen Daten, deren Auslegung Teil der Auswertung ist; Interviewtranskripte nennt das Skript als Beispiel. Die Begriffsbestimmung verbindet folglich einen gesellschaftlichen Gegenstand mit eigener Datenerhebung und nachvollziehbaren Verfahren. Die folgenden Abschnitte erläutern den Forschungsprozess, Gütekriterien und den Umgang mit Daten über Personen.

Empirische Sozialforschung: der Ablauf in drei Schritten

Abgrenzung zur empirischen Forschung

Als Teilgebiet der empirischen Forschung richtet empirische Sozialforschung die Untersuchung auf gesellschaftliche Erscheinungen. Der DWDS-Wortartikel ordnet Sozialforschung der Soziologie zu. Er beschreibt Untersuchungen realer gesellschaftlicher Zustände und Verhaltensweisen, bei denen Daten mit systematischen und nachvollziehbaren Erhebungsverfahren gewonnen werden. Damit bezeichnet die Abgrenzung vor allem den Gegenstand der Untersuchung: Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Zusammenhänge, Zustände und Verhaltensweisen. Rein theoretische oder spekulative Betrachtungen ohne eigene Datenerhebung gehören nicht zu dieser Beschreibung.

Gütekriterien betreffen die Beurteilung empirischer Untersuchungen. Das Wuppertaler Skript nennt für quantitative Forschung Objektivität, Reliabilität und Validität als zentrale Kriterien. Für qualitative Ansätze verweist es auf abweichende Kriterien, etwa nachvollziehbares und transparentes Vorgehen. Gütekriterien machen daher neben dem gesellschaftlichen Gegenstand einen weiteren Gesichtspunkt der Einordnung sichtbar. Der Wortartikel selbst legt jedoch weder ein vollständiges Methodenprogramm noch sämtliche Kriterien für Sozialforschung fest.

Bei Daten über Personen kommt außerdem die Forschungsethik hinzu. Der Ethik-Kodex behandelt informierte Einwilligung, Persönlichkeitsrechte, Anonymität und den Schutz personenbezogener Daten bei elektronischer Verarbeitung. Empirische Sozialforschung lässt sich somit als gesellschaftsbezogener Bereich innerhalb des weiteren Rahmens einordnen. Ihre Beschreibung verbindet eigene Datenerhebung mit gesellschaftlichen Erscheinungen; die Bewertung von Messungen und der Umgang mit Personendaten folgen den jeweils einschlägigen Aussagen zu Kriterien und Ethik.

Passend dazu findest du weitere Hinweise im Beitrag empirische Forschung.

Passend dazu findest du weitere Hinweise im Beitrag Gütekriterien.

Der Forschungsprozess der Sozialforschung

Der Forschungsprozess der Sozialforschung wird im Wuppertaler Vorlesungsskript als Grundstruktur dargestellt. Er beginnt dort mit Problemstellung und Theorie. Danach werden Begriffe operationalisiert, also für die Untersuchung in eine erfassbare Form überführt. Es folgt die Auswahl eines Untersuchungsdesigns. Anschließend nennt das Skript die Datenerhebung, die Datenauswertung und die Interpretation der Ergebnisse. Diese Darstellung beschreibt eine Grundstruktur des empirischen Forschungsprozesses; sie behauptet keine ausnahmslose Reihenfolge für sämtliche sozialwissenschaftlichen Studien.

  • Problemstellung und Theorie geben dem Forschungsvorhaben seinen Ausgangspunkt.
  • Die Operationalisierung betrifft die Begriffe der Untersuchung.
  • Das Untersuchungsdesign wird als eigener Schritt ausgewählt.
  • Bei der Datenerhebung werden die Daten gewonnen.
  • Datenauswertung und Interpretation beziehen sich auf die Ergebnisse.

Als Haupterhebungsmethoden führt das Skript Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment auf. Quantitative Verfahren beruhen auf standardisierten Daten, die zahlenmäßig auswertbar sind. Qualitative Verfahren erheben und werten dagegen offene Daten aus, die einer Interpretation bedürfen. Interviewtranskripte nennt das Skript als Beispiel für solche Daten. Die Unterscheidung betrifft damit sowohl die Art der Daten als auch deren Auswertung.

Beim Begriff teilnehmende Beobachtung wird hier keine zusätzliche Methode behauptet. Belegt ist, dass Beobachtung zu den im Skript genannten Haupterhebungsmethoden zählt. Ebenso nennt das Skript Inhaltsanalyse, Befragung und Experiment, ohne diese Aufzählung als vollständige Vorgabe für jedes Vorhaben auszuweisen. Der dargestellte Prozess verbindet Theorie, Begriffsarbeit, Design, Datenerhebung, Auswertung und Interpretation in der vom Skript beschriebenen Grundstruktur.

Gütekriterien empirischer Forschung

Validität, Reliabilität, Objektivität nennt das Wuppertaler Vorlesungsskript als drei zentrale Gütekriterien empirischer Forschung. Objektivität bedeutet dort, dass ein Ergebnis unabhängig von der Person, die die Untersuchung durchführt, gleich ausfällt. Reliabilität beschreibt die Zuverlässigkeit oder Wiederholbarkeit einer Messung. Validität betrifft die Frage, ob tatsächlich das gemessen wird, was gemessen werden soll. Die drei Begriffe beziehen sich damit auf unterschiedliche Eigenschaften einer Messung und ihres Ergebnisses.

Tabelle: Gütekriterium, Bedeutung
GütekriteriumBedeutung
ObjektivitätDas Ergebnis fällt unabhängig von der durchführenden Person gleich aus.
ReliabilitätEine Messung ist zuverlässig beziehungsweise wiederholbar.
ValiditätDie Messung erfasst, was sie erfassen soll.

Das Skript verbindet diese drei Kriterien vor allem mit quantitativer Forschung. Dort stehen standardisierte, zahlenmäßig auswertbare Daten im Mittelpunkt. Qualitative Ansätze ziehen nach dem Skript eigene und abweichende Kriterien heran. Genannt werden die Nachvollziehbarkeit und die Transparenz des Vorgehens. Die Zuordnung folgt dem Begriffspaar qualitative und quantitative Forschung. Sie bedeutet nicht, dass die drei zentralen Kriterien in derselben Form für qualitative Verfahren gelten.

Gütekriterien machen sichtbar, worauf sich eine Beurteilung von Messungen oder Vorgehensweisen jeweils bezieht. Bei Objektivität geht es um die Unabhängigkeit des Ergebnisses von der durchführenden Person. Bei Reliabilität steht die Wiederholbarkeit einer Messung im Vordergrund. Bei Validität wird geprüft, ob die Messung ihren vorgesehenen Gegenstand trifft. Ein eigener Ratgeber zu Gütekriterien kann diese drei Begriffe weiter vertiefen.

Forschungsethik der Sozialforschung

Forschungsethik der Sozialforschung betrifft die Erhebung von Daten über Personen. Der Ethik-Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und des Berufsverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen verlangt dafür eine informierte Einwilligung. Dies gilt jedoch nicht ohne Einschränkung: Besondere Gründe können dagegensprechen; der Kodex nennt verdeckte Feldforschung als Beispiel. Daraus folgt keine Vorgabe, dass die Einwilligung bei jeder Erhebung schriftlich erfolgen muss. Maßgeblich ist die im Kodex beschriebene Einwilligung unter Berücksichtigung der benannten Ausnahme.

Persönlichkeitsrechte der Untersuchten sind zu wahren. Ebenso schützt der Kodex die Anonymität der Angaben. Bei elektronischer Verarbeitung personenbezogener Daten müssen die Daten so gesichert sein, dass Unbefugte keinen Zugriff erhalten. Der Schutz bezieht sich damit nicht nur auf die Erhebung, sondern auch auf die Verarbeitung der personenbezogenen Angaben. Welche Daten als personenbezogen behandelt werden, ist für die im Kodex verlangte Sicherung entscheidend.

Auch Aufbewahrung und Veröffentlichung der erhobenen Daten behandelt der Kodex. Daten sind so aufzubewahren und zu veröffentlichen, dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind, soweit ein solcher Ausschluss zugesagt wurde. Die Zusage begrenzt somit die Aussage auf den dort genannten Fall. Ein eigener Ratgeber zu Validität, Reliabilität, Objektivität vertieft diesen Punkt. Gütekriterien betreffen die Beurteilung von Forschung, während die hier beschriebenen Anforderungen den Schutz von Personen und ihren Angaben bei Datenerhebung und Datenverarbeitung betreffen.

Empirische Sozialforschung: Prüfliste mit vier Punkten

Begriff, Prozess und Prüfung in drei Schritten

Ordnen Sie die empirische Sozialforschung in drei verbundenen Schritten ein. Klären Sie zuerst den Gegenstand: Es geht um gesellschaftliche Erscheinungen, Zusammenhänge, Zustände und Verhaltensweisen, die mit systematischen und nachvollziehbaren Erhebungen untersucht werden. Als Teilgebiet der empirischen Forschung richtet sich dieser Zugang auf solche gesellschaftlichen Fragen. Halten Sie fest, welcher Gegenstand untersucht werden soll und ob dafür eigene Daten erhoben werden.

Danach prüfen Sie den mehrstufigen Forschungsprozess. Berücksichtigen Sie Problemstellung und Theorie, Operationalisierung, Untersuchungsdesign, Datenerhebung sowie Auswertung und Interpretation. Für die Erhebung sind im Skript Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse und Experiment genannt. Prüfen Sie außerdem, ob die Daten standardisiert und zahlenmäßig auswertbar sind oder offen bleiben und ausgelegt werden müssen.

Zuletzt prüfen Sie Gütekriterien und Forschungsethik, bevor Daten über Personen erhoben werden. Bei Messungen behandelt das Skript Objektivität, Reliabilität und Validität. Für qualitative Ansätze nennt es unter anderem Nachvollziehbarkeit und Transparenz. Bei Daten über Personen sind Einwilligung, Persönlichkeitsrechte, Anonymität und die Sicherung gegen unbefugten Zugriff anhand des Ethik-Kodex zu prüfen.

Zum Schluss ist die Untersuchung gegenüber der allgemeinen empirischen Forschung einzuordnen und nach qualitativen sowie quantitativen Verfahren zu unterscheiden. Dadurch bleibt sichtbar, welcher Gegenstand untersucht wird, welches Vorgehen geplant ist und welche Anforderungen für Messung und Datenumgang gelten.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zur empirischen Sozialforschung

Was bedeutet empirische Sozialforschung?

Sie ist die wissenschaftliche Erforschung gesellschaftlicher Erscheinungen und Zusammenhänge mit systematischen und nachvollziehbaren Erhebungsverfahren.

Wie unterscheidet sie sich von empirischer Forschung?

Empirische Forschung ist der weitere Oberbegriff. Empirische Sozialforschung richtet die eigene Datenerhebung auf gesellschaftliche Erscheinungen, Zustände und Verhaltensweisen.

Welche Schritte umfasst der Forschungsprozess?

Die Grundstruktur umfasst Problemstellung und Theorie, Operationalisierung, Untersuchungsdesign, Datenerhebung sowie Datenauswertung und Interpretation der Ergebnisse.

Welche Gütekriterien werden genannt?

Genannt werden Objektivität, Reliabilität und Validität. Sie betreffen Unabhängigkeit, Zuverlässigkeit beziehungsweise Wiederholbarkeit und die passende Messung des vorgesehenen Gegenstands.

Was ist bei Daten über Personen zu prüfen?

Zu prüfen sind informierte Einwilligung, Persönlichkeitsrechte, Anonymität sowie die Sicherung personenbezogener Daten gegen den Zugriff Unbefugter.

Gelten die drei Gütekriterien für jeden Forschungsansatz gleich?

Das Vorlesungsskript ordnet sie vor allem der quantitativen Forschung zu. Qualitative Ansätze verwenden eigene, davon abweichende Kriterien wie Nachvollziehbarkeit und Transparenz des Vorgehens.

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