Ein Experteninterview fachlich auswerten
Experteninterview auswerten
Ein Experteninterview liefert Wissen aus einem untersuchten Handlungsfeld. Die Auswertung ordnet Aussagen, Wissensarten und Grenzen für das wissenschaftliche Arbeiten ein.
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Interview: Leitfaden, Einwilligung und Transkript
Die Anleitung zum Auswerten eines Experteninterviews, dazu der Leitfaden mit Themenblöcken und Nachfragen, die Einwilligungserklärung zum Unterschreiben und der Transkriptkopf mit Transkriptionsregeln vor dem ersten Interview.
Wozu die Auswertung im wissenschaftlichen Arbeiten dient
Ein Experteninterview entsteht, wenn Spezialistinnen oder Spezialisten anhand eines Leitfadens zu ihrem Gebiet befragt werden. Die befragte Person verfügt über Sachverstand zum interessierenden Sachverhalt und gehört zum untersuchten Handlungsfeld. Beim wissenschaftlichen Arbeiten bedeutet die Auswertung daher, Aussagen aus diesem Handlungsfeld einzuordnen.
Ein solches Interview kann besonders bei Themen hilfreich sein, zu denen möglicherweise nichts veröffentlicht ist. Es kann außerdem dazu dienen, ein Forschungsfeld zunächst zu erkunden und anschließend die Gestaltung der Untersuchung zu bedenken. Die Aussagen können dabei Betriebswissen über Abläufe, fachliche Deutungen oder Kontextwissen über andere Gruppen enthalten.
Beim Thema Hausarbeit schreiben oder Masterarbeit schreiben bleibt eine klare Grenze wichtig: Die Aussage einer sachverständigen Person ist nicht mit Wahrheit schlechthin gleichzusetzen. Auch Expertinnen und Experten deuten und interpretieren Sachverhalte; sie können sich irren. Mache deshalb sichtbar, welche Wissensart eine Aussage trägt und in welchem Handlungsfeld sie steht.
Prüfe bei einer Aussage, ob sie einen Ablauf beschreibt, eine Einschätzung enthält oder Wissen über eine andere Personengruppe vermittelt. Wenn der Inhalt dafür nicht ausreicht, halte den Punkt offen, statt eine zusätzliche Behauptung zu formulieren.
Beim wissenschaftlichen Schreiben hilft eine nachvollziehbare Darstellung: Benenne die Rolle der befragten Person, ordne die Aussage ein und wahre ihre Grenze als Deutung oder Interpretation.
Passend dazu findest du weitere Hinweise im Beitrag wissenschaftliches Schreiben.

Begriff, Merkmale und Wissensarten geordnet erfassen
Am Anfang steht die Einordnung des Gesprächs: Von einem Experteninterview ist die Rede, wenn Fachleute mit einem Leitfaden zu ihrem eigenen Gebiet befragt werden. Die befragte Person ist für den interessierenden Sachverhalt sachkundig und gehört zum untersuchten Handlungsfeld. Im Alltag kann eine solche Person auch als Insider gelten.
Danach lässt sich erfassen, welche Art von Wissen eine Aussage enthält. Betriebswissen betrifft Abläufe etwa in Institutionen, Organisationen, Verwaltungen oder Netzwerken. Deutungswissen umfasst fachliche Einschätzungen, beispielsweise zu Risiken, Entwicklungen oder Relevanz. Kontextwissen kann sich auf andere Personengruppen beziehen, denen die befragte Person selbst nicht angehört.
Diese Abfolge ordnet zunächst Gesprächsform und Rolle, dann die Wissensart und schließlich die Bedeutung der Aussage für die Untersuchung. Für die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit und die Gliederung einer Hausarbeit kann sie als inhaltliche Orientierung dienen. Sie ersetzt keine Vorgabe eines konkreten Studienangebots.
Trenne dabei, was die Person schildert, von ihrer Deutung. Eine Aussage über Abläufe, Zusammenhänge oder Einschätzungen ist nicht ohne Weiteres eine allgemeine Wahrheit: Auch sachverständige Personen interpretieren und können sich irren. Halte deshalb fest, welche Wissensart erkennbar ist und wie die Aussage zum untersuchten Handlungsfeld passt.
Beim Thema Forschungsfrage formulieren kannst du prüfen, ob die befragte Person für den interessierenden Sachverhalt und das Handlungsfeld passend erscheint. Bleibt dies offen, kennzeichne den Prüfbedarf, statt eine Rolle zu unterstellen.
Schritt für Schritt vom Interview zur Auswertung
- Gegenstand benennen: Bestimme den Sachverhalt, zu dem Fachleute befragt werden. Ergebnis ist ein klarer Bezugspunkt für die Auswertung.
- Gesprächsform einordnen: Prüfe, ob die Befragung mit einem Leitfaden geführt wird und sich auf das Gebiet der spezialisierten Person bezieht. Ergebnis ist die begründete Einordnung als Experteninterview.
- Rolle der Person erfassen: Halte fest, ob die befragte Person sachkundig für den interessierenden Sachverhalt ist und dem untersuchten Handlungsfeld angehört. Ergebnis ist eine begrenzte Rollenbeschreibung.
- Betriebswissen erkennen: Prüfe, ob eine Aussage Kenntnisse über Abläufe in Institutionen, Organisationen, Verwaltungen oder Netzwerken enthält. Ergebnis ist die Einordnung als Betriebswissen, sofern dieser Inhalt vorliegt.
- Deutungswissen erkennen: Prüfe, ob eine Aussage fachliche Einschätzungen etwa zu Risiken, Entwicklungen oder Relevanz enthält. Ergebnis ist die Einordnung als Deutungswissen, sofern die Aussage eine solche Einschätzung trägt.
- Kontextwissen erkennen: Prüfe, ob die Person über eine andere Personengruppe spricht, ohne selbst zu dieser Gruppe zu gehören. Ergebnis ist die Einordnung als Kontextwissen, wenn diese Abgrenzung erkennbar ist.
- Reichweite festhalten: Unterscheide Beschreibung und Deutung. Ergebnis ist eine Auswertung, die sachverständige Aussagen nicht als Wahrheit schlechthin behandelt, weil auch Expertinnen und Experten interpretieren und irren können.
- Forschungsnutzen bewerten: Dokumentiere, ob das Dialogformat hilft, neues Terrain abzustecken und die Studienplanung zu stützen. Dies führt zu einer textnahen Darstellung dieses potenziellen Nutzens.
- Struktur aufbauen: Präsentiere Thema, Status, Art des Wissens und Limits sequenziell. Damit erhält man einen kohärenten Block für die wissenschaftliche Argumentation.
- Offene Punkte markieren: Wenn die Rolle, Wissensart oder Reichweite nicht erkennbar ist, formuliere keine Ergänzung. Ergebnis ist eine sichtbare Grenze der Auswertung.
Themen wie Quellenangaben richtig zitieren, Zitierweisen, deutsche Zitierweise und Harvard-Zitierweise brauchen bei diesem Gesprächstyp keinen eigenen Schritt. Halte am Ende fest, welche Wissensart erkennbar ist, welche Funktion die Aussage für die Untersuchung haben kann und wo ihre Aussagekraft begrenzt bleibt.
Kurzes durchgängiges Anwendungsbeispiel
Ein Projekt untersucht Abläufe in einer Organisation. Dafür wird eine Person aus dem untersuchten Handlungsfeld mit einem Leitfaden befragt. Bei der Auswertung wird zunächst festgehalten, dass die Person zu ihrem fachlichen Gebiet befragt wurde und als sachverständig für den interessierenden Sachverhalt gilt.
Ein Textabschnitt beschreibt die Struktur eines internen Vorgangs. Da er Wissen über Abläufe in einer Organisation vermittelt, wird er als Betriebswissen eingeordnet. Das Ergebnis der ersten Auswertung lautet: Die Passage beschreibt einen Ablauf aus dem untersuchten Handlungsfeld.
Eine zweite Passage enthält eine Einschätzung zu einer möglichen Entwicklung. Sie wird als Deutungswissen eingeordnet. Das Ergebnis lautet: Die Passage enthält eine sachverständige Interpretation zu einer Entwicklung.
Eine dritte Passage bezieht sich auf eine Personengruppe, der die befragte Person nicht selbst angehört. Sie wird daher als Kontextwissen behandelt. Das Ergebnis lautet: Die Person vermittelt Kontextwissen über eine Gruppe außerhalb ihrer eigenen Zugehörigkeit.
Der abschließende Text beschreibt die drei Passagen getrennt und verbindet sie nicht zu einer einzigen allgemeinen Aussage. Zusätzlich wird kenntlich gemacht, dass es sich um Deutungen und Interpretationen einer Expertin oder eines Experten handelt. Es wird deshalb nicht behauptet, das Interview beweise die Wahrheit des beschriebenen Sachverhalts.
Für die Einordnung in Methoden wissenschaftlicher Arbeiten prüfst du anschließend nur, was die konkrete Quelle trägt. Ordne das Beispiel nicht automatisch der qualitative und quantitative Forschung zu, wenn die vorliegenden Angaben diese Einordnung nicht ausdrücklich belegen.

Definition, Anwendung, Abgrenzung und Form prüfen
Dieser Check trennt die inhaltliche Eingrenzung von der formalen Prüfung. Zuerst prüfst du, ob die Beschreibung die Merkmale des Experteninterviews erkennen lässt und zeigt, wo die Aussagen an ihre Grenzen stoßen. Danach kontrollierst du, ob diese Einordnung im Text verständlich dargestellt ist.
Inhaltliche Abgrenzung:
- Prüfe, ob eine spezialisierte Person mit einem Leitfaden zu ihrem Gebiet befragt wurde.
- Prüfe, ob die befragte Person für den interessierenden Sachverhalt sachkundig ist und zum untersuchten Handlungsfeld gehört.
- Weise Aussagen Betriebs-, Deutungs- oder Kontextwissen zu, sofern dies anhand des Inhalts eindeutig möglich ist.
- Bei Betriebswissen kann es um Abläufe in Institutionen, Organisationen, Verwaltungen oder Netzwerken gehen.
- Einschätzungen zu Risiken, Entwicklungen oder Relevanz können beim Deutungswissen auftauchen.
- Bei Kontextwissen kann die Person über eine andere Gruppe sprechen, ohne selbst zu dieser Gruppe zu gehören.
- Achte darauf, dass das Gespräch zur ersten Erkundung eines Forschungsfeldes und zur Überlegung über die weitere Untersuchung eingeordnet wird.
- Merke dir, dass fachkundige Aussagen Deutungen und Interpretationen enthalten können und damit nicht absolute Wahrheiten darstellen.
Bleibt eine Wissensart, die Rolle der Person oder die Reichweite einer Aussage offen, ergänze keine Tatsachenbehauptung. Kennzeichne stattdessen den offenen Punkt. Definition, Merkmale, Anwendung und Abgrenzung sollen getrennt erkennbar bleiben.
Formale Prüfung:
- Prüfe, ob die Beschreibung von Gesprächsform, Rolle, Wissensart und Geltungsbereich der Aussage voneinander unterscheidbar bleibt.
- Achte darauf, dass Deutung und Beschreibung nicht vermischt werden.
- Bezeichne Aussagen zu fremden Gruppen nur als Kontextwissen, wenn die Befragte nicht Teil jener Gruppe ist.
- Plagiat vermeiden und Literaturverzeichnis erstellen: Aus der Einordnung des Experteninterviews ergibt sich keine zusätzliche Regel.
- Setze keine formalen Anforderungen hinzu, die sich nicht aus besprochener Struktur, Funktion oder Kenntnisbasis herleiten lassen.
Die formale Prüfung ersetzt die inhaltliche Einordnung nicht. Umgekehrt genügt eine passende Wissensart nicht, wenn unklar bleibt, wie weit die Aussage reicht. Halte beide Ergebnisse getrennt fest und prüfe abschließend, ob keine Aussage einer befragten Person als allgemeingültige Wahrheit erscheint.
Quellen und Stand
- Uni Leipzig Methodenportal: Experteninterview, home.uni-leipzig.de (Stand 2026-08-22).
Das Thema „Ein Experteninterview fachlich auswerten“ wird hier als Gesamtzusammenhang aufgegriffen.