Typische Fehler von Nicht-Muttersprachlern im Deutschen
Es sind weniger Muster, als man denkt, und sie wiederholen sich
Wer auf Deutsch als Fremdsprache wissenschaftlich schreibt, begegnet häufig wiederkehrenden Fehlermustern. Die typischen Fehler von Nicht-Muttersprachlern hängen oft mit Unterschieden zur Erstsprache zusammen. Wer diese Muster kennt, kann den eigenen Text gezielter prüfen, bevor er ihn abgibt.
Hier finden Sie typische Bereiche aus Hausarbeiten, Abschlussarbeiten und Bewerbungen.
Artikel und Genus
Das Genus folgt nicht durchgehend einer einfachen Regel und kann besonders schwierig sein, wenn die Erstsprache kein vergleichbares System kennt. Hilfreich sind Ableitungen auf -ung, -heit, -keit und -schaft, die feminin sind, sowie Zusammensetzungen, deren Genus sich nach dem letzten Bestandteil richtet.
Der praktische Rat lautet, Nomen immer mit Artikel zu lernen und im eigenen Text die zwanzig häufigsten Fachbegriffe einmal gezielt zu prüfen. In einer Hausarbeit tauchen dieselben Wörter dutzendfach auf, ein falsches Genus wirkt deshalb schwerer als ein einzelner Schreibfehler.
Präpositionen und feste Verbindungen
Präpositionen und feste Verbindungen lassen sich oft nicht direkt aus der Erstsprache übertragen. Verbindungen wie "diskutieren über", "bestehen aus", "hinweisen auf" oder "sich beziehen auf" lernt man deshalb am besten zusammen mit der jeweiligen Präposition.
Im akademischen Sprachgebrauch kommen viele Verben mit festen Präpositionen vor. Eine persönliche Sammlung der Verben, die Sie in Ihrer Disziplin häufig verwenden, kann das Nachschlagen erleichtern.

Satzbau: die Klammer
Im Nebensatz steht der Verbalkomplex in der Regel am Ende. Bei mehrteiligen Verbformen stehen dort mehrere Verbformen zusammen; bei langen Sätzen gerät ihre Reihenfolge leicht durcheinander.
Falsch: Die Studie zeigt, dass die Ergebnisse nicht können verallgemeinert werden.
Richtig: Die Studie zeigt, dass die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden können.
Kürzere und übersichtlich gegliederte Sätze können helfen. Wer Sätze auf zwei Teilsätze begrenzt, verliert die Verbstellung seltener aus dem Blick. Präzise Formulierungen sind auch im wissenschaftlichen Deutsch ein Vorteil.
Nominalstil und Passiv: der wissenschaftliche Reflex
Viele Lernende glauben, wissenschaftliches Deutsch bestehe aus Passiv und aneinandergereihten Nomen. Das Ergebnis sind Sätze wie "Die Durchführung der Untersuchung erfolgte unter Berücksichtigung der Zielsetzung", die zwar formal korrekt, aber weniger direkt formuliert sind.
Wissenschaftlich ist nicht, was kompliziert klingt, sondern was präzise ist. Formulierungen wie "Wir untersuchten X mit der Methode Y" können, abhängig von Fach und Vorgaben, klarer sein. Prüfen Sie im eigenen Text, wo ein Nomen ein Verb ersetzt hat, und formulieren Sie die Stelle bei Bedarf wieder verbal.
Falsche Freunde und Register
Aus dem Englischen wandern regelmäßig Wörter ein, deren Bedeutung leicht verwechselt wird: "eventuell" bedeutet nicht eventually, "aktuell" nicht actually, "sensibel" nicht sensible und "Fabrik" nicht fabric. Auch "kontrollieren" kann je nach Kontext prüfen, überwachen oder steuern bedeuten.
Ein zweiter Bereich ist das Register. Umgangssprachliche Wendungen fallen in einer Hausarbeit stärker auf als in einer kurzen E-Mail. "kriegen" statt "erhalten", "machen" statt "durchführen", "Sachen" statt "Aspekte": Solche Wörter sind nicht falsch, aber sie passen nicht zur Textsorte.

Kommasetzung und Groß- und Kleinschreibung
Bestimmte Regeln fallen Muttersprachlern oft weniger auf, während sie Nicht-Muttersprachlern erhebliche Schwierigkeiten bereiten können. Deutsche Zeichensetzung richtet sich nach der Satzstruktur, nicht nach Pausen: Nebensätze werden durch Kommas vom übergeordneten Satz abgegrenzt.
Substantivierte Formen sowie alle Nomen schreibt man groß: das Schreiben, das Wichtigste, im Allgemeinen. Adjektive schreibt man meist klein, auch Ableitungen auf -isch von Personennamen; bei festen geografischen Bezeichnungen gelten besondere Regeln.
Beides lässt sich gezielt prüfen: einmal durch den Text nur mit Blick auf Nomen, einmal nur mit Blick auf Nebensätze. Regeln zum Nachschlagen stehen unter Kommasetzung und Rechtschreibregeln.
Was Sie selbst finden können
Drei gezielte Durchgänge können bei der Selbstkontrolle helfen. Erstens: Artikel bei allen Nomen prüfen. Zweitens: die Verbstellung kontrollieren, indem Sie jeden Nebensatz einzeln lesen. Drittens: den Text laut lesen, weil dabei manche unübersichtlichen Satzstrukturen auffallen.
Meist verbleiben dann die Passagen, bei denen Ihnen das Sprachgefühl fehlt; hier kann ein Lektorat helfen. Fehler werden korrigiert, Formulierungen nur dort geglättet, wo sie missverständlich sind.
Im Word-Korrekturmodus erkennen Sie jede Änderung und behalten die Entscheidungshoheit. Weiterführende Informationen finden Sie unter Lektorat für Nicht-Muttersprachler und Motivationsschreiben für die deutsche Hochschule.
Zum Schluss ein Hinweis, der oft entlastet: Fehler in einer Fremdsprache sind keine Frage der Begabung, sondern der Übung und der Rückmeldung. Wer zehn Texte mit Korrekturen zurückbekommt und die Muster darin erkennt, kann beim elften gezielter darauf achten. Genau deshalb geben wir die Änderungen nachvollziehbar zurück, statt still zu glätten.