American vs. British English in wissenschaftlichen Arbeiten sauber
American vs. British English in der Wissenschaft
Ob "analyse" oder "analyze", "colour" oder "color": In wissenschaftlichen Texten entscheidet die Konsistenz, nicht der Geschmack. Hier liest du, wie du dich einmal festlegst und den Rest der Arbeit sauber durchziehst.
Warum die Varietät früh feststehen muss
American English (AE) und British English (BE) unterscheiden sich nicht nur in einzelnen Wörtern, sondern in Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Zitationsstil. Wer im Fließtext zwischen beiden hin und her springt, wirkt unsauber, und genau darauf schauen Gutachter zuerst.
Eine Auswertung von Grammarly Business (2023) zu über 400.000 englischsprachigen Studierendentexten zeigt, dass rund 18 Prozent der Arbeiten AE und BE innerhalb desselben Dokuments mischen, meist ohne dass es den Verfassenden auffällt. In der akademischen Bewertung zählt das schnell als sprachliche Nachlässigkeit.
Deshalb gilt: Varietät vor dem ersten Kapitel festlegen, im Word- oder LibreOffice-Sprachpaket sauber einstellen und im Style Sheet notieren. Alles danach ist Ausführung.
Welche Varietät passt zu deinem Fach
Es gibt keine Universalregel, aber klare Gepflogenheiten. Wenn du dich orientieren willst, schau zuerst auf drei Signale:
- Zielzeitschrift oder Verlag: Nature, BMJ und Oxford UP sind BE-lastig, IEEE, APA-Journals und die meisten US-Publisher AE.
- Betreuer und Lehrstuhl: Wenn dein Prüfer selbst in AE publiziert, ist AE die pragmatische Wahl.
- Zitationsstil: APA 7 nutzt AE-Rechtschreibung in eigenen Beispielen, Harvard und OSCOLA tendieren zu BE.
Faustregel für den DACH-Raum: Naturwissenschaften und Informatik veröffentlichen überwiegend in AE, Geistes- und Rechtswissenschaften häufiger in BE. Fixiere die Entscheidung im Deckblatt-Kommentar oder in deiner Style-Sheet-Datei, damit du beim Korrekturlesen einen Referenzpunkt hast.

Die Stolperfallen, die wirklich Punkte kosten
Ein paar Wortpaare kennt jeder (color vs. colour), gefährlich sind aber die unauffälligen Fälle. Diese Liste deckt die häufigsten Fehler in Bachelor- und Masterarbeiten ab:
- Endungen -ize vs. -ise: AE nutzt fast durchgängig "organize", "analyze", "realize". BE erlaubt "organise/organize", schreibt aber "analyse" (nie "analyze") und "advertise".
- Endungen -or vs. -our: "behavior/behaviour", "labor/labour", "favor/favour". Konsequent durchhalten, auch in Grafik-Beschriftungen.
- Endungen -er vs. -re: "center/centre", "fiber/fibre", "meter/metre". Ausnahme in AE: die Maßeinheit "meter" (Zähler) vs. "metre" existiert nicht, aber "kilometer" ja.
- Doppelkonsonanten: BE verdoppelt in "travelled", "modelling", "labelled", AE schreibt "traveled", "modeling", "labeled".
- Datum: AE 07/08/2026 = 8. Juli, BE 07/08/2026 = 7. August. In Tabellen immer ausschreiben oder ISO 8601 (2026-07-08) nutzen.
- Anführungszeichen: AE setzt Punkt und Komma innerhalb der Anführungszeichen ("analysis."), BE außerhalb ("analysis".).
- Kollektivnomen: BE erlaubt "the team are", AE verlangt "the team is". Für die Wissenschaft ist der Singular in beiden Varietäten die sicherere Wahl.
Besonders tückisch: Zitate aus Fremdquellen. Zitate darfst du nicht "eindeutschen" oder auf deine Varietät umschreiben, sie bleiben im Original. Das ist die einzige legitime Ausnahme vom Konsistenzgebot.
So stellst du Word und deinen Workflow richtig ein
Die meisten Mischfehler entstehen, weil die Spracheinstellung nicht durchgehend gesetzt ist. So vermeidest du das in fünf Minuten:
- Word: Alles markieren (Strg+A), dann "Überprüfen > Sprache > Sprache für die Korrekturhilfen" auf "English (United States)" bzw. "English (United Kingdom)" setzen. Auch für Kopf-, Fußzeilen und Fußnoten separat prüfen.
- LaTeX: Im babel- oder polyglossia-Paket klar deklarieren:
\usepackage[american]{babel}oder[british]. Bei biblatex das Feldlangidpro Eintrag setzen. - Zotero und Citavi: Zitationsstil einmal auf AE- oder BE-Variante festlegen. Viele Styles gibt es in beiden Fassungen (z. B. APA-en-US vs. APA-en-GB).
- Style Sheet: Lege eine kurze Textdatei mit fünf bis zehn kritischen Wörtern deiner Arbeit an ("analyse", "behaviour", "programme"). Vor dem Abgabetermin machst du eine Suchen-und-Ersetzen-Runde gegen diese Liste.
Nach der Rohfassung ein letzter Schritt: In Word unter "Datei > Optionen > Dokumentprüfung" den Haken bei "Rechtschreibung während der Eingabe prüfen" aktivieren und die gesamte Datei erneut durchgehen. Word markiert Varietätsmischungen zuverlässiger als die meisten kostenlosen Online-Tools.

Der Abgleich vor der Abgabe
Kurz vor dem Druck lohnt sich ein systematischer Durchlauf, unabhängig vom Rechtschreibprüfer. Drei Checks reichen:
- Suchlauf über typische Marker: Suche nach "ize", "ise", "our", "or ", "re ", "er " (mit Leerzeichen, damit du keine Wortstämme triffst). Auffällige Treffer klärst du mit dem Style Sheet ab.
- Abbildungen und Tabellen: Beschriftungen, Legenden und Diagramm-Achsen werden beim Rechtschreibcheck oft übersprungen. Hier stecken erfahrungsgemäß die meisten Restfehler.
- Literaturverzeichnis: Titel bleiben im Original, deine eigenen Kommentare (Übersetzungen, Anmerkungen in eckigen Klammern) folgen deiner gewählten Varietät.
Wenn du unsicher bist, wie deine Arbeit auf Muttersprachler wirkt, lies einen Absatz laut vor oder lass ihn dir per Text-to-Speech vorlesen. Rhythmus und Wortwahl fallen dabei stärker auf als beim stillen Lesen.
Studien zum Thema
- Grammarly Business Report 2023: Rund 18 Prozent der ausgewerteten englischsprachigen Studierendentexte mischen AE- und BE-Rechtschreibung innerhalb desselben Dokuments. Quelle