Was steht im Notenspiegel, und was sagt er über die eigene Note?
Notenspiegel: Notenverteilung oder Leistungsübersicht richtig deuten
Notenspiegel kann an einer Hochschule die Notenverteilung eines Moduls meinen und an einer anderen die persönliche Leistungsübersicht mit Noten und Leistungsnachweisen. Eine Notenverteilung zeigt, wie viele Teilnehmende welche Note erreicht haben, und ordnet die eigene Note in dieses Bild ein, ersetzt dabei aber weder den Notendurchschnitt noch die persönliche Leistungsübersicht vom Prüfungsamt.
Zwei Bedeutungen von Notenspiegel
Das Wort Notenspiegel meint an Hochschulen nicht immer dasselbe. Je nach Hochschule steht der Begriff für die Verteilung der Noten in einem einzelnen Modul oder für den persönlichen Ausdruck der eigenen Prüfungsleistungen. Wer den Begriff in einer E-Mail, einem Portal oder einer Ordnung liest, sollte deshalb zuerst prüfen, aus welchem Zusammenhang er stammt, bevor er eine bestimmte Bedeutung annimmt. Die folgenden drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich der Begriff an einzelnen Hochschulen verwendet wird.
| Hochschule | Begriff | Bedeutung |
|---|---|---|
| Universität des Saarlandes | Notenspiegel | Notenverteilung je Modul |
| Universität Mainz | Notenverteilungsskala | eine Art Notenspiegel: statistische Auskunft über die Verteilung in einer Referenzgruppe |
| Universität Gießen | Leistungsübersicht | besteht aus Notenausdruck und Leistungsnachweis |
Aus den drei Beispielen lässt sich folgern: Wer von einem Notenspiegel liest, sollte zuerst klären, ob die Verteilung eines Moduls oder der eigene Ausdruck gemeint ist. Am Saarland bezeichnet der Begriff die Notenverteilung eines Moduls. Mainz beschreibt eine Notenverteilungsskala als Auskunft über die Verteilung von Noten in einer Referenzgruppe. Gießen wiederum ordnet eine Leistungsübersicht zu, die aus Notenausdruck und Leistungsnachweis besteht. Drei Hochschulen, drei unterschiedliche Verwendungen des Begriffs.
Notenausdruck, Leistungsnachweis und Leistungsübersicht gibt es laut Gießen beim zuständigen Prüfungsamt. In bestimmten Studiengängen können Studierende diese Dokumente auf Deutsch selbst in Flexnow erstellen. Der persönliche Ausdruck der eigenen Leistungen ist die Leistungsübersicht und Transcript of Records, die beim Prüfungsamt angefordert wird, und sie unterscheidet sich damit deutlich von einer reinen Notenverteilung eines einzelnen Moduls. Bevor ein Dokument eingereicht oder weitergegeben wird, lohnt sich deshalb ein Blick darauf, ob es die Statistik eines Moduls oder die eigene gesammelte Leistung zeigt.

Die Notenverteilung eines Moduls lesen
Die Universität des Saarlandes nennt die Notenverteilung je Modul und veröffentlicht sie nur, wenn mindestens drei Personen daran teilgenommen haben. In die Berechnung gehen alle benoteten Leistungen ein, Atteste werden dabei nicht einbezogen. Diese Angaben gelten, wie sie dort beschrieben sind, für dieses eine Modul an dieser einen Hochschule und lassen sich nicht ohne weiteres auf ein anderes Modul übertragen.
Bis zu einem Nachtermin im Sommersemester 2024 zählte am Saarland auch ein unentschuldigtes Fehlen mit der Note 5,0 in die Verteilung hinein. Seit diesem Nachtermin zählen dort nur noch teilnehmende Studierende, unentschuldigt Fehlende werden in der Darstellung nicht mehr gezeigt. Wer eine ältere und eine neuere Verteilung desselben Moduls nebeneinanderlegt, vergleicht damit zwei unterschiedlich gezählte Gruppen, auch wenn beide Verteilungen denselben Namen tragen.
Als Leseregel, nicht als Vorgabe einer bestimmten Hochschule, lassen sich an jede Notenverteilung drei Fragen stellen:
- Wie viele Personen sind in der Verteilung erfasst?
- Welche Leistungen zählen in die Berechnung mit hinein?
- Welcher Prüfungstermin ist mit der gezeigten Verteilung gemeint?
Diese drei Fragen helfen, eine Verteilung einzuordnen, bevor die eigene Note dort gesucht wird. Vorsichtig lässt sich daraus folgern, dass dieselbe eigene Note je nach Verteilung und Zählweise anders eingeordnet werden kann. Aus der Verteilung der Noten lässt sich außerdem eine relative Einstufung ableiten, und wie sich ECTS-Noten umrechnen lassen, hängt von der jeweiligen Skala der Hochschule ab, die die Verteilung veröffentlicht. Ohne diese drei Fragen bleibt eine Verteilung eine Zahlenreihe ohne erkennbaren Rahmen.
Was die Verteilung über die eigene Note aussagt
Die Universität Mainz beschreibt ihre Notenverteilungsskala als Auskunft, die für eine transparente Umrechnung von Einzelnoten gedacht ist, nicht für den Vergleich von Durchschnittsnoten. Eine Verteilung zeigt also, wo eine einzelne Note innerhalb einer Referenzgruppe liegt, sie beantwortet aber keine Frage zu einem Notendurchschnitt über mehrere Module hinweg. Wer eine einzelne Note einordnen will, findet in einer solchen Skala einen Anhaltspunkt, keine fertige Gesamtbewertung des Studiums.
Die LMU München zeigt die Notenverteilung ihrer Klausuren erst ab 30 bestandenen Prüfungen und kennt seit dem Wintersemester 2017/18 je Studiengang eine eigene ECTS-Einstufungstabelle. Bei der Berechnung schneidet die LMU nach der ersten Nachkommastelle ab, ohne zu runden. Diese Rechenweise gehört zur Tabelle der LMU und wird dort in dieser Form beschrieben, sie betrifft die jeweilige Studiengangstabelle dieser Hochschule.
Mindestzahlen und Rechenregeln sind damit Sache der einzelnen Hochschule: Die Mindestzahl von drei Teilnehmenden am Saarland, die Mindestzahl von 30 Prüfungen an der LMU und die Schnittregel ohne Rundung gelten jeweils nur für die Quelle, aus der sie stammen, nicht für andere Hochschulen. Die Verteilung eines Moduls ersetzt dabei nicht die Rechnung, mit der sich der Uni-Notendurchschnitt berechnen lässt, denn Verteilung und Durchschnitt beantworten unterschiedliche Fragen. Wie die Hochschulnotensysteme Grenzen und Rundung festlegen, bestimmt zugleich, welche Note am Ende in welcher Spalte der Verteilung landet, und diese Festlegung unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule.

Grenzen der Beispiele und der Blick ins Ausland
Die Beispiele zeigen einzelne Hochschulen, sie ersetzen nicht das eigene Prüfungsamt. Die hier genannten Angaben stammen aus vier Quellen: der Universität des Saarlandes, der Universität Gießen, der Universität Mainz und der LMU München. Jede dieser Hochschulen beschreibt ihre eigene Praxis zu Notenspiegel, Notenverteilung oder Leistungsübersicht, und keine der vier Beschreibungen gilt automatisch für eine andere Hochschule.
Ob die Verteilung eines Moduls überhaupt angezeigt wird, welche Mindestzahl an Teilnehmenden dafür gilt und in welcher Sprache der persönliche Ausdruck der eigenen Leistungen erhältlich ist, steht für die eigene Hochschule beim Prüfungsamt oder im Prüfungsportal. Diese Angaben lassen sich aus den vier Beispielen dieses Artikels nicht auf eine fremde Hochschule übertragen, selbst wenn Aufbau und Wortwahl ähnlich wirken.
Wer die Noten im Ausland oder für eine ausländische Hochschule braucht, muss bei der Notenumrechnung aus dem Ausland beachten, dass die Skalen verschieden sind und eine Verteilung aus einem deutschen Modul nicht automatisch zu einer fremden Skala passt. Stand dieses Artikels ist Oktober 2026, Vorgaben können sich ändern, weshalb ein Blick in die aktuelle Fassung der jeweiligen Prüfungsordnung oder des Prüfungsportals vor einer Entscheidung sinnvoll bleibt.
Quellen und Stand
- Universität des Saarlandes: Notenspiegel (Fakultät HW): www.uni-saarland.de (geprüft am 2026-10-02)
- Justus-Liebig-Universität Gießen: FAQ Leistungsnachweis (Flexnow): www.uni-giessen.de (geprüft am 2026-10-02)
- Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Notenverteilungsskala: ordnungen.he.uni-mainz.de (geprüft am 2026-10-02)
- LMU München: ECTS-Übersichten, Rankings und Notenverteilung: www.lmu.de (geprüft am 2026-10-02)