Empfehlungsschreiben Englisch anfordern: Was britische und amerikanische Hochschulen verlangen
Empfehlungsschreiben Englisch anfordern: Ton, Umfang und Versandwege
Ein Empfehlungsschreiben auf Englisch anfordern bedeutet mehr als eine Übersetzung beauftragen. Ton, Umfang und Versandweg unterscheiden sich je nach Hochschule. Dieser Artikel erklärt, was das Department Maschinenbau der FAU, ein Trierer Professor sowie die Universitäten Cambridge, NYU Steinhardt und Edinburgh konkret verlangen.
Gutachten und Letter of Recommendation: zwei Sprachvarianten desselben Verfahrens
Ein Gutachten auf Deutsch und ein Letter of Recommendation auf Englisch sind an manchen Fakultäten zwei Sprachvarianten desselben Verfahrens, keine wortgleiche Übersetzung. Das Department Maschinenbau der Universität Erlangen-Nürnberg führt beide Dokumentformen auf einer gemeinsamen Seite auf und behandelt sie als sprachliche Ausprägungen desselben Vorgangs. Das deutsche Gutachten erscheint dort auf Deutsch, der Letter of Recommendation auf Englisch. Wer eine der beiden Varianten anfordert, muss außerdem darauf achten, dass Lebenslauf und Notenübersicht ebenfalls in der jeweils passenden Sprache vorliegen.
Für die Ausstellung setzt die Geschäftsstelle eine Frist von drei Wochen an. Anfragen nimmt sie ausschließlich über ein Online-Formular entgegen, andere Einreichungswege sind nicht vorgesehen. Pro anfragender Person werden höchstens zwei Gutachten ausgestellt. Von diesen kann die Geschäftsstelle maximal drei Originale herausgeben. Den Versand übernimmt sie entweder direkt an die Empfängerin oder den Empfänger oder gibt die Originale der anfragenden Person zur eigenen Weitergabe mit.
Empfehlungsschreiben fürs Auslandssemester laufen bei dieser Stelle über denselben Online-Weg und dieselbe Dreiwochenfrist wie jede andere Anfrage dort. Ob dieselbe Frist auch aktuell noch gilt, lässt sich am zuverlässigsten direkt auf der Seite der Geschäftsstelle prüfen. Festzuhalten bleibt: ein deutsches Gutachten ist laut dieser Seite inhaltlich nicht als wortgleiche Übersetzung seiner englischen Version zu verstehen. Beide Sprachvarianten sind eigenständige Texte in der jeweiligen Sprache und können sich im Wortlaut voneinander unterscheiden.

Ton und Ausführlichkeit: Warum ein sachliches Gutachten im englischsprachigen Raum scheitern kann
Ein Professor der Universität Trier hält in seinen Hinweisen zu Gutachten und Empfehlungsschreiben fest, dass Schreiben für den angelsächsischen Raum deutlich ausführlicher und enthusiastischer ausfallen müssen als im deutschsprachigen Kontext üblich. Als Grund nennt er die Betreuungsverhältnisse dort, die von gutachtenden Personen eine erkennbar persönliche Kenntnis der bewerbenden Person erwarten lassen. Ein knapp gehaltenes, sachliches Schreiben nach deutschem Muster kann im englischsprachigen Bewerbungsverfahren seinen Zweck verfehlen, weil Auswahlkommissionen Zurückhaltung als Zeichen mangelnder Begeisterung für die bewerbende Person werten.
Aus diesem Befund folgt eine klare Warnung, die der Trierer Professor ausdrücklich ausspricht: ein deutsches Gutachten sollte nicht einfach wörtlich übersetzt werden. Eine Übersetzung bildet zwar den Inhalt ab, transportiert aber nicht den Ton und das persönliche Engagement, die laut dem Professor im angelsächsischen Kontext von einem solchen Schreiben erwartet werden. Wer ein vorhandenes deutsches Gutachten für eine englischsprachige Bewerbung verwenden möchte, sollte es demnach neu formulieren lassen, statt es lediglich sprachlich zu übertragen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass Ausführlichkeit und Ton den Anforderungen der aufnehmenden Einrichtung entsprechen.
Empfehlungsschreiben fürs Stipendium, das über ein englischsprachiges Programm vergeben wird, unterliegen denselben Tonerwartungen. Die Hinweise des Professors beschreiben dabei nur eine allgemeine Tendenz des angelsächsischen Raums; die Quelle hält ausdrücklich fest, dass einzelne Programme davon abweichen können. Wer die konkreten Erwartungen des jeweiligen Programms kennen möchte, sollte diese direkt bei der aufnehmenden Einrichtung erfragen, bevor das Schreiben formuliert wird.
University of Cambridge: Vorgaben für das Referee-Portal
Für Bewerbungen an der University of Cambridge steht ein eigenes Referee-Portal bereit, über das referierende Personen ihr Schreiben einreichen. Die Universität verlangt ein Schreiben mit einem Umfang von 500 bis 1000 Wörtern, das als PDF-Datei mit höchstens 2 Megabyte hochgeladen wird. Das Dokument muss datiert und unterschrieben sein, und der Versand sollte möglichst von einer akademischen E-Mail-Adresse aus erfolgen. Der Zugang zum Portal wird per E-Mail verschickt, sobald die bewerbende Person die referierende Person im Bewerbungssystem eingetragen hat.
| Merkmal | Vorgabe |
|---|---|
| Wortumfang | 500 bis 1000 Wörter |
| Dateiformat und Größe | PDF, höchstens 2 Megabyte |
| Versandweg | Referee-Portal, möglichst von akademischer E-Mail-Adresse |
| Inhaltliche Schwerpunkte | Abschlussnote, akademisches Potenzial, kritisches und analytisches Denken, Motivation, Zeit- und Aufgabenmanagement |
Inhaltlich erwartet die University of Cambridge, dass das Schreiben mehrere Bereiche abdeckt: die voraussichtliche Abschlussnote, das akademische Potenzial der Person, intellektuelle Fähigkeiten wie kritisches und analytisches Denken, Motivation sowie Zeit- und Aufgabenmanagement. Sprachnachweis für die Studienbewerbung und Referenzschreiben sind dabei zwei getrennte Dokumente, die unabhängig voneinander eingereicht werden und unterschiedlichen Anforderungen folgen.
Die University of Cambridge betont außerdem, dass Referenzen vertraulich behandelt und der bewerbenden Person nicht zugänglich gemacht werden. Hält eine referierende Person die Einreichungsfrist nicht ein, zieht die Universität die Bewerbung zurück. Diese Regelungen gelten ausschließlich für Bewerbungen an der University of Cambridge; andere Hochschulen setzen eigene Formate und Grenzen, die gesondert geprüft werden müssen.
NYU Steinhardt: Einreichungswege und Höchstgrenzen für Empfehlungsschreiben
Bei Bewerbungen an der Graduate-Zulassungsstelle der New York University Steinhardt School erlaubt das Bewerbungssystem höchstens drei Empfehlungsschreiben. Die genaue Anzahl richtet sich nach den Vorgaben des jeweiligen Programms. Wer sich bewirbt, sollte daher vorab prüfen, wie viele Schreiben das gewählte Programm tatsächlich verlangt oder zulässt.
Die Zulassungsstelle bevorzugt die elektronische Einreichung. Die referierende Person kann das Schreiben direkt über das Bewerbungssystem hochladen oder den Dienst Interfolio nutzen. Schreiben, die per Fax oder per E-Mail verschickt werden, akzeptiert die Stelle ausdrücklich nicht. Die Verantwortung dafür, dass alle Schreiben rechtzeitig vor der Bewerbungsfrist eingehen, liegt bei der bewerbenden Person selbst. Sie kann im System den Einreichungsstatus einsehen und Erinnerungen an die referierenden Personen verschicken.
Bewerbung über uni-assist betrifft ein eigenes Verfahren, das hier nicht beschrieben wird; wer diesen Weg nutzt, sollte die Einreichungsvorgaben direkt bei der Graduate-Zulassungsstelle der NYU Steinhardt School erfragen. Bei der NYU Steinhardt School muss die bewerbende Person außerdem entscheiden, ob sie auf ihr Recht verzichtet, die eingereichten Schreiben später einzusehen. Die Seite der Zulassungsstelle stellt klar, dass dieser Verzicht eine Wahlmöglichkeit ist und keine Pflicht.

University of Edinburgh: Ablauf, Versandwege und Anforderungen an Referenzschreiben
Die University of Edinburgh beschreibt für Postgraduate-Bewerbungen einen klar gegliederten Ablauf. Nachdem die bewerbende Person eine studentische Kennung erhalten hat, was bis zu sieben Tage dauern kann, leitet die Universität die Anfrage an die referierende Person weiter. Diese soll innerhalb von fünf Arbeitstagen antworten. Wie viele Referenzen insgesamt verlangt werden, schwankt je nach Studiengang zwischen keiner, einer oder zwei, wie dieselbe Seite ausdrücklich festhält.
Für die Einreichung eines Referenzschreibens stehen drei Wege zur Verfügung:
- Die referierende Person direkt von der Universität kontaktieren lassen, damit sie das Schreiben auf Anfrage einreicht.
- Das Schreiben selbst online hochladen oder per E-Mail an die zuständige Stelle schicken.
- Das Schreiben postalisch an das zuständige College- oder School-Office senden.
Geeignete Referierende sind vorrangig akademische Betreuende aus dem Bachelor- oder Masterstudium. Hat die bewerbende Person das Studium für längere Zeit unterbrochen, akzeptiert die University of Edinburgh ersatzweise eine berufliche Referenz der direkten Vorgesetzten. Das Schreiben selbst muss auf offiziellem Briefpapier gedruckt, datiert und handschriftlich unterschrieben sein.
Bewerbung fürs Masterstudium an der University of Edinburgh sollte diesen Zeitrahmen einkalkulieren: die mögliche Wartezeit von bis zu sieben Tagen auf die studentische Kennung und die fünf Arbeitstage für die Antwort der referierenden Person. Die drei beschriebenen Versandwege stehen je nach Situation der referierenden Person zur Auswahl.
Quellen und Stand
- Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Department Maschinenbau: Gutachten und Empfehlungsschreiben, Letter of Recommendation: www.department.mb.tf.fau.de (geprüft am 2026-09-29)
- Universität Trier, Fachbereich V (Prof. Dr. Diederich Eckardt): Hinweise zu Gutachten und Empfehlungsschreiben, Abschnitt englischsprachige Bewerbungen: www.uni-trier.de (geprüft am 2026-09-29)
- University of Cambridge, Postgraduate Admissions: Guidance for academic referees: www.postgraduate.study.cam.ac.uk (geprüft am 2026-09-29)
- New York University, Steinhardt School: Graduate Application Letters of Recommendation: steinhardt.nyu.edu (geprüft am 2026-09-29)
- University of Edinburgh: References, Postgraduate Applying: study.ed.ac.uk (geprüft am 2026-09-29)
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