Prüfungsaufgaben formulieren für Klausur und Modulprüfung

Was mehrdeutig ist, wird in der Einsichtnahme teuer

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 6. August 2026 · für Lehrende

Wer Prüfungsaufgaben formulieren muss, schreibt für Leser unter maximalem Druck. Anders als in der Schule kommt an der Hochschule hinzu, dass Bewertungen regelmäßig in die Einsichtnahme gehen und dort Wort für Wort geprüft werden. Eine Aufgabe, die zwei Lesarten zulässt, kostet dann nicht nur Korrekturzeit, sondern muss verteidigt werden.

Anforderung, Umfang, Gewicht

Drei Angaben entscheiden darüber, ob eine Aufgabe fair ist. Die Anforderung sagt, was zu tun ist, der Umfang, wie ausführlich, das Gewicht, wie viel es zählt. Fehlt eine davon, raten die Prüflinge.

Beim Umfang genügt oft eine Orientierung in Zeilen oder Minuten. "Erläutern Sie in etwa 15 Zeilen" ist keine Bevormundung, sondern eine Information darüber, welche Tiefe erwartet wird. Ohne sie schreiben die einen zwei Sätze und die anderen zwei Seiten, und beide können sich auf den Wortlaut berufen.

Das Gewicht gehört sichtbar an die Teilaufgabe, nicht in eine Tabelle am Ende. Wer bei Aufgabe 3 sieht, dass sie 20 von 60 Punkten trägt, teilt sich die Zeit anders ein.

Der Abgleich mit den Lernzielen

Modulbeschreibungen nennen Lernziele, und die Prüfung soll genau diese abprüfen. In der Praxis driftet beides auseinander, weil die Modulbeschreibung Jahre alt ist und die Klausur mit der Vorlesung mitgewachsen ist.

Ein kurzer Abgleich vor der Klausurerstellung deckt das auf: Welches Lernziel prüft welche Aufgabe? Wenn ein Lernziel keine Aufgabe hat oder eine Aufgabe kein Lernziel, ist eines von beidem zu überarbeiten. Bei einer Anfechtung ist genau dieser Abgleich das erste, wonach gefragt wird.

Prüfungsaufgaben formulieren für Klausur und Modulprüfung: Pflichtangaben pro Aufgabe
Prüfungsaufgaben formulieren für Klausur und Modulprüfung im Überblick.

Wiederverwendung von Altklausuren

Aufgaben aus Vorsemestern werden gern angepasst statt neu geschrieben, und dabei entstehen die typischen Reste: eine Zahl, die zur neuen Angabe nicht passt, ein Verweis auf ein Material, das nicht mehr beiliegt, eine Punktzahl, die zur gekürzten Aufgabe nicht mehr stimmt.

Rechnen Sie die Punktsumme jedes Mal nach. Es klingt banal, aber Klausuren mit Punktsummen, die nicht aufgehen, sind einer der häufigsten Befunde beim Prüfen, und sie sind in der Einsichtnahme sofort sichtbar.

Beachten Sie außerdem, dass Altklausuren oft im Umlauf sind. Eine wiederverwendete Aufgabe bevorzugt die, die Zugang zu Sammlungen haben. Das ist keine sprachliche Frage, aber eine der Fairness.

Hilfsmittel und Nachteilsausgleich

Was erlaubt ist, gehört eindeutig auf das Deckblatt: Formelsammlung, Taschenrechner, Wörterbuch, eigene Notizen. Unbestimmte Angaben wie "übliche Hilfsmittel" führen im Prüfungsraum zu Diskussionen, die dann unter Zeitdruck entschieden werden müssen.

Wenn Nachteilsausgleiche gewährt sind, entstehen angepasste Fassungen, meist kurzfristig. Achten Sie darauf, dass die Anforderung dieselbe bleibt: Mehr Zeit gleicht einen Nachteil aus, eine abgesenkte Anforderung wäre etwas anderes und müsste bewusst entschieden sein.

Multiple Choice: eigene Regeln

Bei Antwortwahlverfahren verschiebt sich das Problem von der Aufgabe zu den Distraktoren. Falsche Antworten müssen plausibel sein, dürfen aber nicht teilweise richtig sein. Formulierungen mit "immer", "nie" oder "ausschließlich" sind fast immer die falsche Antwort und damit ein Hinweis für Ratende.

Achten Sie auf gleiche Länge und gleichen Aufbau aller Optionen. Wenn die richtige Antwort regelmäßig die längste ist, wird das Muster erkannt, und die Prüfung misst Aufmerksamkeit statt Wissen.

Prüfungsaufgaben formulieren für Klausur und Modulprüfung: Ablauf vor Abgabe

Die Angaben auf dem Deckblatt

Ein oft übersehener Teil ist der Kopf der Klausur: Modulname, Prüfungsnummer, Datum, Bearbeitungszeit, Anzahl der Blätter, Hinweis auf zusätzliche Seiten. Fehlt eine Angabe, entsteht im Zweifel Streit darüber, ob die richtige Prüfung geschrieben wurde.

Besonders wichtig ist die Blattzahl. Wenn Prüflinge nicht wissen, wie viele Seiten die Klausur hat, bemerken sie ein fehlendes Blatt erst am Ende. Ein Vermerk wie "Diese Klausur umfasst 6 Seiten" kostet eine Zeile und verhindert genau das.

Was wir prüfen

Wir lesen Prüfungsaufgaben auf Eindeutigkeit, Verständlichkeit und formale Konsistenz: Stimmen Punktsummen, existieren alle Materialverweise, ist die Nummerierung durchgehend, passen Operatoren zur erwarteten Leistung? Fachliche Richtigkeit prüfen wir nicht.

Wichtig ist der Zeitpunkt: Prüfungsunterlagen unterliegen bis zum Termin der Geheimhaltung. Alle Lektorinnen und Lektoren arbeiten unter Vertraulichkeitsvereinbarung, die Dateien werden nach Abschluss gelöscht und nicht weitergegeben. Details unter Vertraulichkeit und Datenschutz.

Sinnvoll ist außerdem, die Klausur einer fachfremden Person zum Lesen zu geben. Sie erkennt zwar nicht, ob eine Aufgabe fachlich stimmt, aber sie merkt sofort, wenn ein Satz zwei Lesarten hat oder eine Angabe fehlt. Genau das ist die Perspektive, die Prüflinge unter Zeitdruck einnehmen.

Für Nachschreibetermine gilt: Eine zweite Fassung muss gleichwertig sein, nicht gleich. Prüfen Sie beide Fassungen gegeneinander auf Umfang, Punktzahl und Schwierigkeitsgrad, bevor der erste Termin stattfindet.

Klausur steht? Lassen Sie Aufgaben und Punkteverteilung vor dem Termin prüfen.

Datei hochladen

Häufige Fragen zu Prüfungsaufgaben

Sind meine Aufgaben vor dem Termin sicher?

Ja. Alle Bearbeitenden stehen unter Vertraulichkeitsvereinbarung, die Dateien werden nach Abschluss gelöscht und nicht für Referenzen oder Training verwendet.

Prüfen Sie die fachliche Richtigkeit?

Nein. Wir prüfen Sprache, Eindeutigkeit und formale Konsistenz wie Punktsummen und Verweise. Die fachliche Verantwortung bleibt bei Ihnen.

Können Sie auch den Erwartungshorizont prüfen?

Ja, und das ist besonders sinnvoll. Im Abgleich fällt auf, wenn die Musterlösung etwas voraussetzt, das die Aufgabe nicht verlangt.

Unsere Partner