Wie aus Randnotizen und Markierungen Notizen mit Fundstelle werden
Literaturnotizen ausbauen: So werden Randnotizen brauchbar
Aus Randnotizen und Markierungen werden Literaturnotizen mit Fundstelle, wenn du sie nach dem ersten Durchgang ordnest, Quelle und Seitenzahl festhältst und Zitate sauber von deinen eigenen Worten trennst. So lassen sich die Notizen später in deiner Arbeit wiederfinden und nutzen.
Randnotizen mit eigenem System setzen
Aus Randnotizen und Markierungen werden Literaturnotizen mit Fundstelle, wenn du beim Lesen schon mitdenkst, wie du eine Stelle später wiederfindest und weiterverwendest. Der Umgang mit dem Text beginnt deshalb nicht erst beim Schreiben, sondern beim ersten Durchgang. Das Schreibzentrum der TU Dresden rät, Textstellen erst dann zu unterstreichen, wenn der Text einmal komplett gelesen wurde. Außerdem empfiehlt es, dafür ein eigenes Markierungssystem zu entwickeln. Als Beispiel nennt es eine durchgehende Linie für verstanden, eine gewellte Linie für noch unklar und eine gestrichelte Linie für noch zu diskutieren.
Das Arbeitsblatt Lesestrategien des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt beschreibt, den Text zu markieren und Randnotizen zu machen. Zusätzlich nennt es Kommentare und Fragen, wozu die Inhalte für deine eigene Fragestellung nützlich scheinen. Eine Zahl für Schlagwörter nennt das Arbeitsblatt nicht. Kläre deshalb mit deiner betreuenden Person oder im Leitfaden deines Fachbereichs, ob dort eine Obergrenze steht.
Ein erfundenes Beispiel zeigt, wie das aussehen kann: Du schreibst am rechten Rand kurze Zusammenfassungen des Abschnitts und am linken Rand Fragen, die du später klären willst. Das Beispiel ist frei erfunden und stammt nicht aus einer Quelle. Das Schreibzentrum nennt diese Aufteilung als Beispiel, nicht als Vorschrift.
Daraus lässt sich vorsichtig folgern, dass ein System, das du nach Wochen noch verstehst, besser ist als ein ausgefeiltes, das du nicht einhältst. Das ist eine eigene Schlussfolgerung und keine Vorgabe einer Hochschule. Wähle deshalb wenige Zeichen, die du sicher behältst, und erweitere sie erst, wenn du sie wirklich brauchst.

Fundstelle und Seitenzahl sichern
Der Leitfaden des Seminars für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen verlangt, dass ein Exzerpt mit der vollständigen bibliografischen Angabe und dem Lesedatum beginnt. Außerdem gehört dort die leitende Fragestellung hinein. Für jeden Stichpunkt muss zudem die Seitenzahl notiert werden. Dieselbe Vorgabe sieht vor, mit dem Exzerpieren erst nach der ersten Lektüre des gesamten Textes zu beginnen.
Der Leitfaden der Schreibberatung VWL der Universität Mannheim beschreibt als Bestandteile eines Exzerpts bibliografische Angaben mit mindestens Autor und Titel, Schlüsselwörter, eine kurze Zusammenfassung der zentralen Aussagen, wörtliche Zitate mit genauer Seitenangabe sowie eigene Kommentare. Querverweise oder Fragen gehören ebenfalls dazu, etwa die Frage, wofür der Text in deiner eigenen Arbeit relevant sein könnte.
Die folgende Tabelle fasst die Angaben zusammen, die du pro Notiz festhalten kannst, und ordnet sie den genannten Leitfäden zu.
| Angabe | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Quelle | Der Mannheimer Leitfaden nennt bibliografische Angaben mit mindestens Autor und Titel, der Göttinger Leitfaden verlangt die vollständige Angabe am Kopf. |
| Seitenzahl | Der Göttinger Leitfaden verlangt sie für jeden Stichpunkt, der Mannheimer Leitfaden für wörtliche Zitate. |
| Lesedatum | Der Göttinger Leitfaden verlangt es am Kopf des Exzerpts, zusammen mit der bibliografischen Angabe. |
| eigener Kommentar | Der Mannheimer Leitfaden zählt eigene Kommentare, Querverweise und Fragen zu den Bestandteilen. |
Später in der Arbeit musst du die Seitenzahl am Zitat angeben, deshalb gehört sie schon in die Notiz. Das gilt besonders für übernommene Wörter, denn ab mehr als drei Wörtern verlangt der Göttinger Leitfaden eine Kennzeichnung mit Seitenzahl. Prüfe am Ende der Notiz, ob Kopf, Stichpunkte und Zitate die genannten Angaben tragen.
Zitat und eigene Worte trennen
Das Arbeitsblatt Lesestrategien der Goethe-Universität Frankfurt warnt, dass die Grenze zum Plagiat schnell ungewollt überschritten wird. Der Grund liegt in unklaren Kennzeichnungen von Exzerpten und Zitatsammlungen, die es erschweren, fremden und eigenen Text auseinanderzuhalten. Deshalb lohnt es sich, schon bei der Notiz festzulegen, welche Passage wörtlich übernommen ist und welche in deinen Worten steht.
Der Leitfaden des Seminars für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen setzt hier eine feste Grenze: Werden mehr als drei Wörter des Textes übernommen, sind sie als Zitat zu kennzeichnen und mit Seitenzahl zu belegen. Diese Vorgabe steht dort als Regel dieses Lehrstuhls. Prüfe am eigenen Leitfaden, ob dein Fachbereich dieselbe Grenze nennt.
Der Leitfaden der Schreibberatung VWL der Universität Mannheim sieht im Formulieren in eigenen Worten eine Brücke zur eigenen Arbeit. Wer wichtige Aussagen in eigenen Worten formuliert, löst sich vom Gelesenen und verringert die Gefahr eines Plagiats. Die Fundstelle bleibt dabei trotzdem nötig, denn eigene Worte ersetzen die Angabe nicht.
Für die Literaturnotiz solltest du Gelesenes in eigenen Worten wiedergeben und die Fundstelle trotzdem daneben notieren.
Erfundenes Beispiel: Du übernimmst einen markanten Satz wörtlich, setzt ihn in Anführungszeichen und notierst daneben die Seite 42. Darunter schreibst du in einem eigenen Satz, was er für deine Fragestellung bedeutet. Das Beispiel ist frei erfunden und keine Zitatangabe aus einer Quelle.

Notizen ordnen und wiederfinden
Der Leitfaden der Schreibberatung VWL der Universität Mannheim nennt Schlüsselwörter und Querverweise als Teil der Notiz. Du kannst Schlüsselwörter als Stichworte nutzen, um Notizen zu einem Thema wieder zusammenzutragen, auch wenn sie aus unterschiedlichen Lektüren stammen. Querverweise zeigen, welche andere Notiz zum selben Gedanken passt. Derselbe Leitfaden zählt außerdem Fragen dazu, wofür der Text in deiner eigenen Arbeit relevant sein könnte, zu den Bestandteilen einer Notiz.
Das Schreibzentrum der TU Dresden rät, Rahmeninformationen wie Quelle und Art der Veröffentlichung festzuhalten. Notierst du diese Angaben direkt in der Notiz, musst du sie später nicht aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Das Schreibzentrum empfiehlt außerdem, die Position des Autors im Konjunktiv von deiner eigenen zu trennen, damit beim Ordnen der Notizen klar bleibt, wer welche Aussage macht.
Für viele kleine Notizen ist ein Zettelkasten für Lesenotizen geeignet, weil jede Notiz einzeln auffindbar bleibt. Du kannst jede Literaturnotiz thematisch ablegen und über die notierten Schlüsselwörter jederzeit wieder aufrufen, ohne den gesamten Stapel durchsehen zu müssen.
Mit einem Literaturprogramm kannst du Wissenselemente in Citavi anlegen, damit Zitate, Kommentare und Seitenzahlen beieinander bleiben. So ist beim Schreiben schnell erkennbar, welche Notiz zu welcher Quelle gehört.
Wird eine Quelle zentral, solltest du ein Exzerpt anfertigen, das alle Notizen zu einem Text bündelt. Dort sammelst du die Notizen an einer Stelle, statt sie über mehrere Zettel zu verteilen. Ob dein Fachbereich eine bestimmte Ablage vorgibt, kläre mit deiner betreuenden Person oder im Leitfaden deines Fachbereichs.
Quellen und Stand
- Universität Göttingen, Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte: Das Anfertigen eines Exzerpts (Stand Oktober 2011): www.uni-goettingen.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Mannheim, Schreibberatung VWL: Wie schreibt man ein Exzerpt? (2014): www.vwl.uni-mannheim.de (geprüft am 2026-10-06)
- TU Dresden, Schreibzentrum: Lesen wissenschaftlicher Texte (Infothek, Konzept 2020): tu-dresden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Goethe-Universität Frankfurt, Schreibzentrum: Lesestrategien (Arbeitsblatt): www.starkerstart.uni-frankfurt.de (geprüft am 2026-10-06)