Wie schreibst du aus deinem Lernstoff eigene Fragen zum Abfragen?

Übungsfragen schreiben: So fragst du dich selbst ab

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2026 · Lernmethoden im Überblick

Eigene Übungsfragen sind ein Weg, den Stoff aktiv abzurufen, statt ihn nur erneut zu lesen. Hier erfährst du, warum sich der Versuch lohnt, welche Fragetypen du schreiben kannst, wie du dich abfragst und wie Fragelisten und Altklausuren zusammenpassen.

Warum eigene Übungsfragen beim Lernen einen Versuch wert sind

Eigene Übungsfragen üben das aktive Abrufen aus dem Gedächtnis, und genau darin liegt der Reiz beim Lernen. Wer beim Wiederholen eigene Fragen schreibt und sie danach selbst beantwortet, arbeitet mit dem Stoff, statt ihn nur erneut durchzulesen. Die Zentrale Studienberatung der Universität Wuppertal rät in ihrem Merkblatt zur Selbstmotivation und zum Lernen im Studium, passives Lernen zu vermeiden. Dazu gehört, beim Wiederholen so zu tun, als bereite man selbst eine Klausur vor, mit eigenen Fragen samt Antworten zum Lernstoff.

Ein DFG-gefördertes Projekt der Universität Erfurt, das gemeinsam mit der Universität Kassel läuft, befasst sich mit einer offenen Frage. Die Projektseite beschreibt aktiven Abruf als Lerntechnik, etwa beim Vokabellernen mit virtuellen Karteikarten. Zugleich wird dort infrage gestellt, ob sich Selbsttesten auch bei verwickeltem Stoff lohnt, und genau das untersucht das Projekt. Ergebnisse in Zahlen liegen dazu noch nicht vor, die Frage ist also offen.

Daraus folgt ein vorsichtiger Schluss: Eigene Übungsfragen sind ein Versuch, kein Garant für ein bestimmtes Prüfungsergebnis. Wer merkt, dass die selbst geschriebenen Fragen nicht helfen, etwa weil du die Antworten nur wiedererkennst und nichts davon hängen bleibt, sollte die Methode wechseln. Dann lohnt sich der Blick auf andere Wege, den Stoff abzurufen, und das eigene Lernen bleibt flexibel.

Eigene Übungsfragen zum Lernen schreiben: der Ablauf in drei Schritten

Welche Fragetypen du selbst schreiben kannst

Die folgende Einteilung ist ein Vorschlag, mit dem du arbeiten kannst, und keine verbindliche Gliederung. Vier Typen decken gut ab, was du beim Wiederholen brauchst. Die Verständnisfrage fragt nach einem Warum, die Definitionsfrage nach einer Bedeutung in der Form Was bedeutet...?, die Rechen- oder Anwendungsaufgabe verlangt, eine Regel auf einen Fall anzuwenden, und die Vergleichsfrage stellt zwei Konzepte nebeneinander. Die Frageform zeigt, aus welchem Blickwinkel du den Stoff bearbeitest, und der Wechsel zwischen den Typen bringt unterschiedliche Aspekte hervor. Die folgende Tabelle zeigt je einen Typ mit einem Beispiel und der passenden Antwortform.

Tabelle: Fragetyp, Beispiel, Antwortform
FragetypBeispielAntwortform
Verständnisfrage (Warum ...?)Warum ordnest du einen Begriff zuerst einem Oberbegriff zu? (erfundenes Beispiel)Zwei bis drei Sätze in eigenen Worten
Definitionsfrage (Was bedeutet ...?)Was bedeutet der Begriff Nebenbedingung in deinem Skript? (erfundenes Beispiel)Ein Satz mit den passenden Fachbegriffen
Rechen- oder AnwendungsaufgabeWelches Ergebnis entsteht, wenn du die Formel mit den Werten 4 und 7 einsetzt? (erfundenes Beispiel)Rechenweg mit Endergebnis
VergleichsfrageWorin unterscheiden sich zwei Verfahren aus deinem Kapitel? (erfundenes Beispiel)Stichpunkte nebeneinander

Die Beispiele in der Tabelle sind erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Du kannst die Frageform übernehmen und nur das Thema austauschen, sodass eine Verständnisfrage aus deinem eigenen Kapitel entsteht. Achte darauf, dass die Antwort zu der Frage passt, die du gestellt hast, und nicht zu einer benachbarten. Bei der Rechenaufgabe kannst du den Rechenweg vollständig aufschreiben, damit du später nachvollziehst, an welcher Stelle eine Abweichung aufgetaucht ist. Bei der Vergleichsfrage kannst du die Punkte nebeneinander notieren.

Wer die Antwort in eigenen Worten erklärt, kann dafür die Feynman-Methode zum Erklären nutzen. Erklärst du die Antwort laut, zeigt sich schnell, an welchen Stellen dir die passenden Worte fehlen. Auf diese Weise wird die Frage nicht nur gelesen, sondern tatsächlich beantwortet, und das ist der eigentliche Zweck einer Abfrage.

Fragen schreiben und dich selbst abfragen

Die folgende Schrittfolge hilft dir, aus deinem Stoff eine Reihe von Fragen zu machen, mit denen du dich selbst abfragst. Ein Kapitel reicht dafür als Startpunkt. Die Fachschaft Mathematik der Universität Jena empfiehlt in ihrer Anleitung zur Klausurvorbereitung, einander zu befragen und Karteikarten heranzuziehen. Dieselbe Anleitung nennt außerdem Übungsserien, die man nochmals durchgeht, um den eigenen Lernstand zu testen. Diese Hinweise passen gut zusammen, weil sie Fragen, Abfrage und Wiederholung miteinander verbinden.

  1. Teile den Stoff in Abschnitte, zum Beispiel nach Kapiteln oder Themen.
  2. Schreibe je Abschnitt zwei bis drei Fragen.
  3. Versuche, die Antwort ohne Notizen aufzuschreiben.
  4. Vergleiche deine Antwort mit den Unterlagen.
  5. Markiere Fehlerfragen, also alle Fragen, bei denen deine Antwort nicht stimmte.
  6. Wiederhole die markierten Fragen nach einigen Tagen.

Für die Karten bietet sich der Artikel Karteikarten lernen an, denn dort wird erklärt, wie das Kartensystem beim Abfragen funktioniert. Ob du die Fragen auf Karten oder in einer Liste festhältst, bleibt dir überlassen. Wichtig ist, dass du die Fehlerfragen wiederfindest, wenn der Wiederholungstermin kommt. Eine Liste, in der du Fragen nach Abschnitten sortierst, hilft dir dabei, den Überblick zu behalten, wenn der Stoff wächst.

Die Fragen, die Lehrende für eine Klausur schreiben, folgen einem anderen Zweck, und wer diese Gegenrichtung einschlagen möchte, findet dazu Prüfungsaufgaben formulieren. Für dein eigenes Lernen hilft es, deine Fragen nach dem Vergleich mit den Unterlagen zu sortieren und die Fehlerfragen gezielt wieder aufzugreifen.

Eigene Übungsfragen zum Lernen schreiben: Prüfliste mit vier Punkten

Fragelisten tauschen und mit Altklausuren arbeiten

Die Zentrale Studienberatung der Universität Wuppertal nennt, dass sich Fragelisten untereinander austauschen lassen. Das kann im kleinen Kreis geschehen, wenn die Beteiligten ihre Listen mitbringen und die Fragen der anderen beantworten. Eine Lerngruppe, in der sich Fragelisten austauschen lassen, passt gut zu diesem Vorgehen; wie du eine solche Runde aufbaust, zeigt dir der Text Lerngruppe im Studium finden. Beim Tauschen lohnt es sich, auf Fragen zu achten, die klar formuliert sind, damit die Antwort eindeutig prüfbar bleibt.

Die Fachschaft Mathematik und Informatik der Universität zu Lübeck rät in ihren Tipps aus dem Dezember 2020, den Stoff zuerst nachzuarbeiten und Altklausuren erst im Anschluss als Test einzusetzen. Diese Reihenfolge trennt Wiederholen und Prüfen voneinander. Wer eine Altklausur bearbeitet, schreibt sich die Zeit auf und vergleicht danach die Antworten mit Lösungen, sofern welche vorliegen. So sieht man schnell, welche Aufgaben noch Mühe machen.

Die Fragen, die du gesammelt hast, bilden später eine Grundlage, um Lernzettel erstellen zu können. Ob deine Fakultät Altklausuren bereitstellt, prüfst du am besten bei der Fachschaft oder im Modulangebot deines Studiengangs. Bei Unklarheiten, etwa ob Fragelisten geteilt werden dürfen, frag im Prüfungsamt nach.

Quellen und Stand

Soll jemand deine Arbeit vor der Abgabe noch auf Rechtschreibung, Ausdruck und Formatierung prüfen?

Datei hochladen

Häufige Fragen zu eigenen Übungsfragen beim Lernen

Hilft es wirklich, eigene Übungsfragen zu schreiben?

Die Zentrale Studienberatung der Universität Wuppertal rät in ihrem Merkblatt zur Selbstmotivation und zum Lernen im Studium, passives Lernen zu vermeiden und beim Wiederholen eigene Fragen samt Antworten zu erarbeiten. Ob aktiver Abruf auch bei komplexem Lernmaterial hilft, ist laut Projektseite der Universität Erfurt noch offen, Ergebnisse in Zahlen liegen nicht vor. Eigene Fragen sind deshalb ein Versuch, kein Garant für ein bestimmtes Prüfungsergebnis.

Welche Fragetypen eignen sich für den Anfang?

Als Vorschlag eignen sich eine Verständnisfrage mit Warum, eine Definitionsfrage mit Was bedeutet, eine Rechen- oder Anwendungsaufgabe und eine Vergleichsfrage. Diese Einteilung ist ein Vorschlag und keine verbindliche Liste, du kannst sie für deinen Stoff frei anpassen.

Wie viele Fragen schreibst du pro Abschnitt?

Die Schrittfolge schlägt zwei bis drei Fragen je Abschnitt vor. Die Fachschaft Mathematik der Universität Jena empfiehlt in ihrer Anleitung, sich gegenseitig abzufragen und mit Karteikarten zu arbeiten. Die Zahl ist ein Vorschlag für deinen Ablauf und keine feste Vorgabe.

Kann ich Altklausuren als Test nutzen?

Die Fachschaft Mathematik und Informatik der Universität zu Lübeck rät, zuerst die Inhalte zu wiederholen und danach Altklausuren als Test einzusetzen. Die Fachschaft Mathematik der Universität Jena nennt Altklausuren als Übungsmaterial, um das Können an neuen Aufgaben zu messen. Ob Altklausuren in deinem Fach vorliegen, prüfst du bei der Fachschaft.

Darf ich meine Fragelisten mit anderen teilen?

Die Zentrale Studienberatung der Universität Wuppertal nennt, dass sich Fragelisten untereinander austauschen lassen. Welche Regeln an deiner Hochschule für das Teilen von Material gelten, frag im Prüfungsamt nach.

Gilt das auch für Aufgaben, die Lehrende stellen?

Mit eigenen Übungsfragen fragst du dich beim Wiederholen selbst ab. Aufgaben für Klausuren, die Lehrende stellen, folgen einem anderen Zweck.

Was tue ich, wenn meine Fragen nicht helfen?

Wer merkt, dass die selbst geschriebenen Fragen nicht helfen, sollte die Methode wechseln. Die Universität Erfurt untersucht im DFG-Projekt, ob Selbsttesten bei komplexem Lernmaterial wirkt, und die Projektseite nennt dafür keine Zahlen.

Unsere Partner