Sekundärzitat: mit „zitiert nach“ korrekt zitieren
Wenn das Original fehlt: die Regeln für Zitate aus zweiter Hand
Du willst eine Aussage zitieren, kennst sie aber nur aus einem anderen Buch — das Original liegt dir nicht vor. Genau dafür gibt es das Sekundärzitat mit dem Zusatz „zitiert nach". Es ist erlaubt, aber nur als Ausnahme — und es hat feste Formregeln, die hier mit Beispielen erklärt sind.
Wann ein Sekundärzitat zulässig ist
Die Grundregel der Wissenschaft lautet: immer aus dem Original zitieren. Ein Zitat aus zweiter Hand ist nur dann akzeptabel, wenn die Originalquelle trotz ernsthafter Suche nicht beschaffbar ist — etwa weil das Werk vergriffen, nicht übersetzt oder in keiner erreichbaren Bibliothek vorhanden ist. „Ich hatte keine Zeit" zählt für Prüfer nicht als Grund.
Die Form: erst Original, dann „zitiert nach"
Im Beleg nennst du zuerst die Originalquelle, dann die Quelle, in der du sie gefunden hast:
Deutsche Zitierweise (Fußnote): Weber, M. (1922): Wirtschaft und Gesellschaft, S. 12, zitiert nach: Müller, T. (2020): Soziologie im Überblick, S. 88.
APA 7: (Weber, 1922, zitiert nach Müller, 2020, S. 88)
Harvard: (Weber 1922, zit. nach Müller 2020: 88)
Ins Literaturverzeichnis kommt dabei nur die Quelle, die du wirklich gelesen hast — im Beispiel also Müller, nicht Weber. Das verlangen APA wie die meisten Prüfungsordnungen; die Details deines Stils zeigen die APA-Anleitung und die deutsche Zitierweise.

Die drei häufigsten Fehler
Erstens: das Sekundärzitat verschweigen und so tun, als hättest du das Original gelesen — fliegt bei Rückfragen auf und gilt als unsauberes Arbeiten. Zweitens: beide Quellen ins Literaturverzeichnis stellen. Drittens: „zitiert nach" inflationär verwenden — mehr als eine Handvoll Sekundärzitate pro Arbeit wirkt wie Recherche-Verweigerung.

Besser: das Original doch noch beschaffen
Bevor du „zitiert nach" schreibst, lohnen drei Minuten Suche: Bibliothekskatalog samt Fernleihe, Google Scholar und die Datenbanken deiner Hochschule finden erstaunlich viel — gerade Klassiker liegen oft digitalisiert vor. Jedes vermiedene Sekundärzitat macht die Arbeit belastbarer, erspart dir die Abhängigkeit von fremden Lesarten und hält deine Belege korrekt.
Sicherheit für die ganze Zitierebene
Sekundärzitate sind nur eine von vielen Formfallen: Uneinheitliche Belege, fehlende Seitenzahlen und Verzeichnis-Lücken kosten in Summe richtig Punkte. Die Zitierkorrektur zieht alle Belege deiner Arbeit auf einen einheitlichen Stand — nach genau dem Stil, den dein Lehrstuhl vorgibt.