Vancouver-Zitierstil – Anleitung mit Beispielen
Vancouver richtig zitieren – Schritt für Schritt
Vancouver ist der Standard-Zitierstil in Medizin, Pharmazie, Pflegewissenschaft und vielen Naturwissenschaften. Anders als bei Harvard, APA oder MLA werden Quellen fortlaufend nummeriert – die erste zitierte Quelle wird zur „1", die zweite zur „2", und so weiter. Im Text steht dann nur noch eine Zahl, oft hochgestellt oder in eckigen Klammern. Das macht den Lesefluss sehr sauber, hat aber den Nachteil: Wer nachschauen will, was Quelle „17" ist, muss zur Reference List am Ende blättern.
Was ist Vancouver und wann brauche ich es?
Der Vancouver-Stil ist nach einem Treffen von Medizin-Editoren in Vancouver 1978 benannt. Er wird vom International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE) gepflegt und ist heute der Standard in fast allen medizinischen Fachzeitschriften. In Deutschland gilt er für Doktorarbeiten in Medizin oft verbindlich, in vielen Studiengängen der Naturwissenschaften und in Pflegewissenschaft ebenfalls. In den Geistes- und Sozialwissenschaften wird er praktisch nicht verwendet.
Wenn dein Lehrstuhl „nach Vancouver" verlangt, ist meist die ICMJE-Variante gemeint. Manche Fachzeitschriften und einzelne Lehrstühle haben kleine Hausvarianten – schau in deinem Modulhandbuch oder im Style-Guide der Zielzeitschrift nach. Eine Übersicht aller Stile findest du im Hub Zitierweisen.
Verweis im Text
Im Text taucht jede Quelle als Nummer auf – entweder hochgestellt oder in eckigen Klammern. Welche Variante du nimmst, gibt der Lehrstuhl vor. Hochgestellt ist häufiger.
Hochgestellt: Lernen ist besonders wirksam, wenn Lernende emotional beteiligt sind.¹
In eckigen Klammern: Lernen ist besonders wirksam, wenn Lernende emotional beteiligt sind [1].
Wenn du mehrere Quellen gleichzeitig belegst, listest du sie kommagetrennt: ¹,²,³ oder [1,2,3]. Bei aufeinanderfolgenden Nummern darfst du auch Bindestriche verwenden: ¹⁻³ oder [1–3].
Wiederholung einer Quelle
Eine zentrale Eigenheit von Vancouver: Eine Quelle behält im ganzen Text ihre einmal vergebene Nummer. Wenn du Quelle 1 zum dritten Mal zitierst, schreibst du wieder ¹ – nicht etwa eine neue Nummer.
Lernen ist besonders wirksam, wenn Lernende emotional beteiligt sind.¹ Auch andere Studien bestätigen diese Beobachtung.² Schmidt zeigt zudem, dass die Wirkung dauerhaft anhält.¹
Wenn du eine konkrete Seite belegen willst, ergänzt du sie nach der Nummer: ¹⁽ᵖ⁴⁷⁾ oder „(p. 47)" hinter der Klammer-Variante. Manche Leitfäden machen das verbindlich, andere nicht – schau nach.
Reference List am Ende
Die Reference List am Ende der Arbeit ist nicht alphabetisch, sondern nach der Reihenfolge des ersten Auftretens im Text sortiert. Quelle 1 steht oben, Quelle 2 darunter, und so weiter. Hängende Einrückung mit der Nummer am linken Rand.
1. Schmidt A. Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium. 3. Aufl. Weinheim: Beltz; 2022. p. 47.
2. Becker L, Klein M. Prüfungsangst im Lehramtsstudium. Z Padagog Psychol. 2023;37(1):5–22.
Buch zitieren in Vancouver
Buchangaben in der Reference List: Autor (Initialen ohne Punkt nach dem Vornamen), Titel (nicht kursiv), Auflage (ab der zweiten), Verlagsort, Verlag, Jahr, Seite.
1. Schmidt A. Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium. 3. Aufl. Weinheim: Beltz; 2022. p. 47.
Bei mehreren Autoren werden bis zu sechs vollständig genannt, ab dem siebten reicht „et al.". Vorname kommt als Initiale ohne Punkt – das ist eine Vancouver-Eigenheit. Verlagsort und Verlag werden mit Doppelpunkt getrennt, dann Semikolon vor dem Jahr.
Zeitschriftenartikel zitieren
Zeitschriftenartikel sind das Herzstück von Vancouver. Format: Autor(en). Titel des Artikels. Abkürzung der Zeitschrift Jahr;Jahrgang(Heft):Seitenzahlen. DOI als URL am Ende.
2. Becker L, Klein M. Prüfungsangst im Lehramtsstudium. Z Padagog Psychol. 2023;37(1):5–22. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000345.
Wichtig: Vancouver verlangt die standardisierte Abkürzung der Zeitschrift, nicht den ausgeschriebenen Namen. Welche Abkürzung gilt, findest du in der NLM-Datenbank (National Library of Medicine). „Z Padagog Psychol" ist die Standardabkürzung der „Zeitschrift für Pädagogische Psychologie".
Internetquelle zitieren
Online-Quellen werden mit „[Internet]" markiert. Format: Autor. Titel [Internet]. Verlag oder Plattform; Jahr [zitiert am Datum]. URL.
3. Statistisches Bundesamt. Bildungsstand der Bevölkerung 2023 [Internet]. Wiesbaden: Destatis; 2024 [zitiert am 15. April 2026]. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsstand/_inhalt.html
Das Abrufdatum ist Pflicht – Online-Inhalte können sich ändern. Mehr Sonderfälle findest du auch unter Internetquellen zitieren.
ChatGPT und KI-Quellen in Vancouver
Für KI-Quellen gibt es bisher keine offizielle Vancouver-Empfehlung. In der Praxis behandelst du sie wie eine spezielle Internetquelle – mit Anbieter, Modellname, Versionsdatum, URL.
4. OpenAI. ChatGPT (Version vom 24.01.2024) [Großes Sprachmodell, Internet]. San Francisco: OpenAI; 2024 [zitiert am 24. Januar 2024]. Verfügbar unter: https://chat.openai.com/
In medizinischen Doktorarbeiten ist die Verwendung von KI-Quellen meist eingeschränkt – frag im Zweifel deine Betreuerin. Wer KI nutzt, prüft mit einem KI-Detektor, ob Spuren im eigenen Text bleiben.
Häufige Fehler beim Vancouver-Zitieren
- Quellen alphabetisch sortiert in der Reference List – Vancouver sortiert nach Reihenfolge im Text.
- Vorname mit Punkt – Vancouver schreibt Initialen ohne Punkt: „A" statt „A.".
- Voller Zeitschriftenname statt Abkürzung – die NLM-Abkürzung ist Pflicht.
- Eine Quelle bekommt mehrere Nummern – jede Quelle behält ihre erste Nummer im ganzen Text.
Mehr typische Stolperfallen findest du in unserem Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Eine systematische Prüfung der Reference-List-Reihenfolge ist Standard im professionellen Lektorat.