Wie viele Seiten pro Tag sind beim Schreiben realistisch?

Schreibtempo: Seiten pro Tag realistisch einschätzen

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2026 · Aufbau der Bachelorarbeit

Wer die Abschlussarbeit plant, fragt sich früher oder später, wie schnell das Schreiben eigentlich vorangeht. Das eigene Tempo lässt sich messen, und ein belegter Richtwert hilft dabei, die Schreibzeit einzuplanen, ohne ihn als feste Regel für jede Arbeit zu verwenden.

Welcher Richtwert ist belegt und was sagt er nicht

Als Richtwert nennt die Universität Wien 2 bis 3 Seiten guten Rohtext pro Tag mit 8 Stunden. Dieser Wert stammt aus dem Planer des Center for Teaching and Learning der Universität Wien, Stand Juni 2020, und ist dort als Daumenregel bezeichnet. Die Quelle beschreibt ausdrücklich, dass dieser Wert für die meisten Schreibenden gilt, aber nicht automatisch für alle. Wer deutlich langsamer oder schneller schreibt, bewegt sich damit nicht außerhalb einer Norm, sondern außerhalb einer Erfahrungszahl aus einer einzelnen Schreibberatung.

Wichtig ist, was in dieser Zahl nicht enthalten ist. Es handelt sich um Rohtext, also einen ersten durchgeschriebenen Entwurf. Recherche, das Sammeln und Auswerten von Daten sowie die spätere Überarbeitung zählen dort nicht mit hinein. Die Zahl ist damit keine Vorgabe für die gesamte Schreibzeit einer Abschlussarbeit, sondern nur für die eine Phase, in der Gedanken erstmals in Sätze gegossen werden. Der Wiener Planer ordnet den Rohtext in ein Modell mit insgesamt fünf Schreibphasen ein, die er als etwa gleich lang beschreibt. Bei theoretischen Arbeiten dauert der Rohtext laut diesem Planer allerdings etwa doppelt so lang wie eine dieser fünf gleich langen Phasen, weil hier mehr Textmasse in dieser Phase entsteht als etwa beim Formulieren der Einleitung oder des Fazits.

Für die eigene Planung bedeutet das: Die 2 bis 3 Seiten sind ein Orientierungspunkt für einzelne Schreibtage, kein Maßstab für die ganze Bearbeitungszeit. Wie viele Seiten die fertige Arbeit insgesamt haben soll, regelt nicht dieser Richtwert, sondern die jeweilige Prüfungsordnung; wer das klären will, findet dazu mehr im Beitrag zum Umfang der Bachelorarbeit. Wenn das Tempo während des Schreibens ganz ausbleibt, lohnt sich zu prüfen, ob statt eines Tempoproblems eine Blockade vorliegt; dazu bietet sich der Ratgeber an, wie man eine Schreibblockade überwinden kann, bevor man die eigene Geschwindigkeit an einem einzelnen schlechten Tag misst.

Schreibtempo einschätzen: der Ablauf in drei Schritten

Wie du dein eigenes Tempo misst

Ein einzelner guter oder schlechter Schreibtag sagt wenig über das tatsächliche Tempo aus. Der Planer der Universität Wien rät deshalb, Tages- und Wochenziele zu protokollieren und Gründe zu klären, wenn ein Ziel verfehlt wurde. Diese Beobachtung lässt sich in eine einfache Messroutine übersetzen, die über mehrere Tage hinweg ein belastbareres Bild liefert als ein einzelner Eintrag.

  1. Einen festen Schreibblock festlegen, also Anfang und Ende einer Schreibsitzung bestimmen
  2. Am Ende des Blocks Seiten oder Zeichen zählen, die seit Beginn neu entstanden sind
  3. Dieses Vorgehen an drei bis fünf Tagen wiederholen und jeweils notieren
  4. Aus den Werten einen Durchschnitt bilden
  5. Gründe für Abweichungen nach oben oder unten festhalten

Die drei bis fünf Tage und der Durchschnitt sind eine eigene Ableitung aus der Empfehlung, Ziele zu protokollieren, und stehen so nicht wörtlich in der Quelle. Ergänzend nennt die Schreibberatung der PH FHNW als Routine, mindestens 2 Stunden am Stück zu schreiben, was für die Messung einen sinnvollen Mindestrahmen für den Schreibblock liefert. Wer die eigene Seitenzahl je Block lieber in Zeichen oder Wörtern erfasst, kann dabei auch auf die Frage stoßen, wie sich Wörter pro Seite ungefähr umrechnen lassen, denn ohne diesen Umrechnungswert bleibt ein Vergleich zwischen Tagen mit unterschiedlicher Schriftgröße oder Formatierung schwierig.

Die so gemessene Zahl ist ein persönlicher Wert, kein allgemeiner Maßstab. Wer diesen Wert kennt, kann ihn mit dem Richtwert aus Wien vergleichen, ohne eine Abweichung sofort als Problem zu werten. Für die Frage, wie lange das Schreiben insgesamt dauert und wie sich dieser Wert in die gesamte Bearbeitungszeit einordnet, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Dauer der Bachelorarbeit, denn das eigene Tagesvolumen ist nur ein Baustein in einer längeren Zeitspanne mit Recherche, Gliederung und Überarbeitung.

Wie du das Tempo in den Plan einrechnest

Aus dem gemessenen Tempo lässt sich die Schreibzeit ausrechnen, indem man die geplante Seitenzahl durch die Seiten pro Tag teilt. Der Planer der Universität Wien zeigt dieses Vorgehen an einem Rechenbeispiel: Bei 80 Seiten und einem Tempo von 2 Seiten pro Tag ergeben sich 40 Tage für den Rohtext, während der Gesamtplan der Arbeit mit allen Phasen dort mit 120 Tagen plus etwa einem weiteren Monat Puffer angesetzt wird. Dieses Beispiel zeigt vor allem, wie stark sich der reine Rohtext von der gesamten Bearbeitungszeit unterscheidet, und dass eine Rechnung allein mit Seiten pro Tag die anderen Phasen nicht ersetzt.

Welcher Seitenumfang für die eigene Arbeit tatsächlich gilt, lässt sich aus diesem Rechenbeispiel nicht ableiten, das steht in der jeweiligen Prüfungsordnung oder im Leitfaden des Fachbereichs. Die Rechnung dient nur dazu, aus einem bekannten oder angenommenen Seitenumfang eine ungefähre Zeitspanne für das Schreiben selbst abzuleiten, nicht umgekehrt. Für die Umrechnung von Seiten in Wörter oder Zeichen und die Frage, was als Normseite in der Abschlussarbeit gilt, lohnt sich ein eigener Blick, denn davon hängt ab, wie die gezählten Seiten überhaupt definiert sind.

Ergänzend empfiehlt die Universität Leipzig in ihrem Portal zum wissenschaftlichen Schreiben, auf die so errechnete Zeit einen Puffer von bis zu 50 Prozent der geplanten Zeit aufzuschlagen. Diese Empfehlung stammt aus einem Beispiel mit einem festen Abgabetermin, bei dem rückwärts geplant wird und am Ende einige Tage für Druck, Bindung und letzte Korrekturen reserviert bleiben. Eine aus dem eigenen Tempo errechnete Schreibzeit ist damit ein erster Anhaltspunkt, der durch einen Puffer ergänzt werden sollte, bevor er als feste Größe im Kalender steht.

Schreibtempo einschätzen: Prüfliste mit vier Punkten

Was das Tempo bremst und wie du es schützt

Das Tempo schwankt, deshalb braucht der Plan Blöcke und Puffer. Das Schreibzentrum der Universität Hamburg empfiehlt in seinem Beitrag zum Zeitplan, Arbeitspakete in Blöcke mit klarem Anfang und Ende zu teilen und zwischen diesen Blöcken Puffer einzuplanen. Diese Struktur kann abfangen, dass ein Schreibtag mal mehr und mal weniger Text bringt, ohne dass gleich der gesamte Zeitplan für die Bachelorarbeit ins Wanken gerät, wenn ein einzelner Block länger dauert als angenommen.

Die Schreibberatung der PH FHNW nennt Erholung ausdrücklich als Teil der Planung und empfiehlt, bei der Zeitplanung auch eigene Verpflichtungen wie Praktikum oder Job sowie persönliche Prioritäten zu berücksichtigen. Ein Plan, der ausschließlich auf maximaler Schreibleistung aufbaut und Pausen nicht einrechnet, lässt damit einen Faktor außer Acht, der das Tempo an den folgenden Tagen beeinflussen kann. Wer ständig über die eigene Kapazität hinaus plant, riskiert Tage, an denen gar kein Text entsteht, und solche Einbrüche lassen sich durch eingeplante Erholung abfedern.

Die Universität Leipzig rät zusätzlich, den Zeitplan regelmäßig anzupassen, statt ihn einmal zu erstellen und dann unverändert abzuarbeiten. Das passt zu der Beobachtung, dass gemessenes Tempo kein fester Wert ist, sondern von Woche zu Woche schwanken kann, etwa wenn Recherche länger dauert als gedacht oder ein Kapitel schwieriger ist als die anderen. Ein Plan, der Blöcke, Puffer und regelmäßige Anpassung miteinander verbindet, schützt das Schreibtempo eher als eine starre Tagesvorgabe, die bei der ersten Abweichung schon nicht mehr zutrifft.

Quellen und Stand

„Wie viele Seiten pro Tag sind beim Schreiben realistisch?“ erscheint auf dieser Seite unter dem Titel „Schreibtempo für die Abschlussarbeit richtig einschätzen“.

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Häufige Fragen zum Schreibtempo bei der Abschlussarbeit

Gilt der Wiener Richtwert von 2 bis 3 Seiten auch für die Überarbeitung?

Nein. Der Planer der Universität Wien beschreibt diesen Wert ausdrücklich als Rohtext pro Tag. Recherche, Datenarbeit und Überarbeitung sind darin laut dieser Quelle nicht enthalten und müssten gesondert eingeplant werden.

Was mache ich, wenn mein gemessenes Tempo deutlich unter dem Wiener Richtwert liegt?

Der Planer der Universität Wien weist selbst darauf hin, dass die Daumenregel für die meisten gilt, aber nicht automatisch für alle. Notiere laut der dort empfohlenen Protokollierung die Gründe für Abweichungen an den gemessenen Tagen, statt den Wert als festen Maßstab zu betrachten.

Wie lange sollte ein Schreibblock für die Tempomessung mindestens dauern?

Die Schreibberatung der PH FHNW nennt als Routine mindestens 2 Stunden am Stück zu schreiben. Das liefert einen sinnvollen Mindestrahmen, wenn du einen Schreibblock für die eigene Messung festlegen.

Woher stammt das Beispiel mit 80 Seiten und 40 Tagen Schreibzeit?

Dieses Rechenbeispiel stammt aus dem Planer des Center for Teaching and Learning der Universität Wien. Es zeigt dort, wie sich aus einer angenommenen Seitenzahl und einem angenommenen Tagestempo eine Schreibzeit für den Rohtext ableiten lässt, nicht einen allgemeingültigen Wert für jede Arbeit.

Wie viel Puffer empfiehlt die Universität Leipzig auf die errechnete Schreibzeit?

Die Universität Leipzig nennt in ihrem Portal zum wissenschaftlichen Schreiben einen Puffer von bis zu 50 Prozent der geplanten Zeit. Diese Angabe stammt aus einem Planungsbeispiel mit einem bekannten Abgabetermin und ist dort als Empfehlung formuliert, nicht als feste Vorgabe.

Warum empfiehlt das Schreibzentrum Hamburg Blöcke mit Puffer dazwischen?

Das Schreibzentrum der Universität Hamburg beschreibt in seinem Beitrag zum Zeitplan, dass Arbeitspakete in Blöcke mit Anfang und Ende geteilt werden und zwischen den Blöcken Puffer liegt. So fängt der Plan laut dieser Quelle Schwankungen im Arbeitsfortschritt auf, ohne dass der gesamte Zeitplan sofort angepasst werden muss.

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