Was kannst du tun, wenn du im ersten Job an dir zweifelst?
Zweifel im neuen Job: So gehst du mit dem Hochstaplergefühl um
Trotz guter Leistung im ersten Job an dir zweifeln? Das Hochstaplersyndrom ist keine Diagnose, sondern ein Muster aus starken Selbstzweifeln, das auch im Berufseinstieg auftreten kann. Hier erfährst du, was damit gemeint ist, welche Gedanken dazu gehören, welche Übungen Quellen nennen und wann Beratung sinnvoll sein kann.
Begriff und Einordnung: Was mit dem Hochstaplersyndrom gemeint ist
Das Hochstaplersyndrom ist keine Diagnose. Gemeint sind starke Selbstzweifel, obwohl du gute Leistungen zeigst, und genau das kann auch im neuen Job auftauchen. Die BARMER beschreibt das Muster als keine eigenständige psychische Erkrankung, sondern als Muster aus Gedanken und Überzeugungen. Sie beobachtet es unter anderem bei Studierenden und Berufseinsteigenden.
Der Begriff wird nicht überall gleich benannt. Die TU Darmstadt führt im Material das Hochstapler-Syndrom auf und nennt Clance 1985 sowie Clance und Imes 1978 im Zusammenhang mit der Attributionstheorie. Diese Theorie fragt, wem oder was Erfolge und Misserfolge zugeschrieben werden. Im selben Material wird Unsicherheit besonders bei hohen Ansprüchen an sich selbst und einer Neigung zu Perfektionismus genannt.
Ausdrücklich als Hinweis für Lehramtsstudierende formuliert die Studienberatung der Universität Potsdam ihre Sicht. Sie beschreibt das Hochstapler-Phänomen nicht als psychische Erkrankung, sondern als veränderbare Wahrnehmung der eigenen Person. Ausgelöst werde sie durch negative Lernerfahrungen. Kleine Rückschläge würden dann als Bestätigung eigenen Versagens gedeutet und verstärkten die Zweifel.
Eine Diagnose stellt diese Seite nicht. Zur Häufigkeit des Musters nennt sie keine Zahl. Wer sich unsicher ist, ob die eigenen Zweifel mehr sind als ein Gefühl beim Berufsstart, spricht mit Fachleuten. Wie der Tag abläuft, zeigt die Seite zum ersten Arbeitstag nach dem Studium, hier geht es nur um die Gedanken dazu.

Gedanken, an denen du das Muster erkennst
Die BARMER nennt drei Gedanken, die zu diesem Muster gehören. Der erste betrifft die eigenen Fähigkeiten, die du unterschätzt. Der zweite führt Erfolge auf Glück zurück. Der dritte ist die Angst, entlarvt zu werden.
Die TU Darmstadt beschreibt ein verwandtes Gefühl bei jungen Berufseinsteigern. Sie haben das Gefühl, ihre erste Stelle beruhe eher auf persönlichen Kontakten oder einer glücklichen Fügung als auf ihrer Qualifikation. Das Material nennt dieses Gefühl ganz normal und keine Erkrankung. Unsicherheit tritt diesem Material zufolge besonders dann auf, wenn hohe Ansprüche an sich selbst bestehen und Perfektionismus eine Rolle spielt.
Die Studienberatung der Universität Potsdam ordnet das Phänomen nicht als psychische Erkrankung ein. Sie beschreibt es als Wahrnehmung der eigenen Person, die sich verändern lässt und durch negative Lernerfahrungen entsteht. Kleine Rückschläge werden dabei als Beweis eigener Unzulänglichkeit gelesen, was die Zweifel wieder verstärkt. Die Seite richtet sich an Lehramtsstudierende, daher ist ihr Hinweis nicht als allgemeine Regel zu lesen.
Im Berufsalltag kannst du auf kleine Momente achten. Du kannst beobachten, ob du Lob sofort relativierst, Aufgaben vorsorglich ablehnst oder nach einer gelungenen Präsentation nur nach Fehlern suchst. Solche Beobachtungen kannst du notieren und später durchgehen. Für eine fachliche Einschätzung wende dich an eine Fachperson.
Das folgende Beispiel ist ein erfundenes Beispiel und kein Beleg: Eine neue Kollegin lobt dein Ergebnis, und du denkst, es war Glück. Der Gedanke passt zum zweiten Punkt aus der BARMER-Liste. In der Tabelle stehen die drei Gedanken mit einer Beobachtung und einem Beleg.
| Gedanke | Beobachtung | Beleg |
|---|---|---|
| Fähigkeiten | Du hältst deine Stärken für kleiner, als deine Arbeit zeigt. | BARMER: eigene Fähigkeiten werden unterschätzt |
| Glück | Du führst gelungene Ergebnisse auf Zufall zurück. | BARMER: Erfolge werden auf Glück zurückgeführt |
| Entlarvung | Du fürchtest, dass andere merken, dass du nicht passt. | BARMER: Angst, entlarvt zu werden; TU Darmstadt: Gefühl, den Job durch Zufall bekommen zu haben |
Die Spalte Beobachtung beschreibt, woran du die Gedanken bei dir selbst erkennen kannst. Sie ist keine Diagnose. Bei Fragen zur eigenen Lage wende dich an eine Fachperson.
Eine einfache Prüffrage lautet, welche Belege für den Gedanken sprechen und welche dagegen. Notiere die Antworten, damit du sie bei Zweifeln wieder vor dir hast. Eine Möglichkeit ist außerdem, Erfolge auf Zettel zu schreiben und in ein Glas zu legen, wie es das Material der TU Darmstadt vorschlägt. Du kannst diese Fragen im ersten Job stellen, wenn ein solcher Gedanke auftaucht.
Umgang im Alltag: Übungen, die Quellen nennen
Die BARMER beschreibt drei Gedanken, die dabei eine Rolle spielen: die eigenen Fähigkeiten werden unterschätzt, Erfolge werden auf Glück zurückgeführt, und es besteht die Angst, entlarvt zu werden. Du kannst prüfen, welcher davon bei dir gerade im Vordergrund steht.
Zu den Schritten gehört auch, Herausforderungen anzunehmen und Feedback einzuholen. Die BARMER nennt beides ausdrücklich als Hilfe im Alltag. Erfundenes Beispiel: Du sollst in deiner ersten Woche einen kurzen Bericht im Team vorstellen und fragst danach eine Kollegin, welcher Teil für sie gut verständlich war.
Die TU Darmstadt nennt das Erfolgsglas, in das du Erfolge auf Zetteln sammelst. Außerdem beschreibt sie eine Detektiv-Liste, mit der du Gedanken überprüfst. Beide Übungen stammen aus der Reihe Mental stark der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle der TU Darmstadt.
- Gedanken bemerken: Du merkst, wenn du einen Erfolg als Zufall abtust.
- Erfolg notieren: Du schreibst ihn auf einen Zettel für dein Erfolgsglas.
- Feedback erfragen: Du fragst nach, was an deiner Arbeit gut war.
- Kompliment annehmen: Du bedankst dich, statt es sofort zu relativieren.
Die Reihenfolge ist eine Zusammenstellung der genannten Übungen und keine verbindliche Abfolge. Die Detektiv-Liste lässt sich beim ersten Schritt nutzen, um zu prüfen, ob ein Gedanke stimmt. Erfundenes Beispiel: Du denkst, du hast die Präsentation nur geschafft, weil das Team alles vorbereitet hat. Du listest auf, welche Teile du selbst erstellt hast.
Die ersten Monate klärt die Seite Probezeit im neuen Job planen; ob dort Fristen und Gespräche stehen, prüfst du direkt auf dieser Seite. Kontakte helfen beim Austausch, etwa wenn du das Alumni-Netzwerk nutzen willst, um Erfahrungen zu hören.

Wann Beratung sinnvoll sein kann
Die BARMER knüpft den Hinweis auf Coaching, Supervision oder psychotherapeutische Unterstützung an eine dauerhafte Belastung durch Selbstzweifel. Einzelne unsichere Momente nennt die Quelle für diesen Hinweis nicht. Erfundenes Beispiel: Du bist vor einer ersten Besprechung im neuen Team unsicher, das ist aber nach dem Gespräch vorbei. Die Quelle verknüpft den Schritt zu einer Beratung also mit der Dauer der Belastung.
Die psychologische Beratungsstelle der FernUniversität in Hagen führt Selbstwertprobleme und Selbstzweifel unter den typischen Problemen von Studierenden auf. Daneben nennt sie Stress- und Überforderungserleben sowie Motivationsprobleme. Sie stellt Fragen zusammen, mit denen sich entscheiden lässt, ob eine Kontaktaufnahme für dich sinnvoll ist. Auf ihrer Seite findest du außerdem den Hinweis auf ihr Beratungsangebot, das unter Schweigepflicht steht.
Das Angebot richtet sich an Studierende der FernUniversität. Ob Absolventinnen und Absolventen es nutzen können, ist in dieser Quelle nicht belegt; diese Frage klärst du bei der Stelle selbst, bevor du einen Termin planst.
Allgemein ordnet die Seite mentale Gesundheit im Studium das Thema ein, hier bleibt es beim Berufsstart.
Wird die Belastung groß, hilft die Seite Burnout im Studium erkennen, die Warnzeichen einzuordnen.
Offene Fragen zu Zuständigkeiten klärst du mit deinem Arbeitgeber oder anhand offizieller Unterlagen.
Quellen und Stand
- BARMER: Impostor-Syndrom (Stand 31.08.2026): www.barmer.de (geprüft am 2026-10-06)
- TU Darmstadt, Hochschuldidaktische Arbeitsstelle: Hochstapler-Syndrom (PDF): download.hrz.tu-darmstadt.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Potsdam, Studienberatung BiWiLa: Bin ich wirklich gut genug?: www.uni-potsdam.de (geprüft am 2026-10-06)
- FernUniversität in Hagen: Psychologische Beratungsstelle: fernuni-hagen.de (geprüft am 2026-10-06)