Wie Promovierte den Weg in eine Stelle außerhalb der Hochschule gehen
Berufseinstieg planen: So gelingt der Wechsel aus der Hochschule
Der Wechsel aus der Hochschule in eine Stelle außerhalb der Wissenschaft verlangt eigene Unterlagen und eigene Gespräche. Hier siehst du, welche Hilfe Hochschulen nennen und wie du dich auf Anschreiben, Gespräch und Gehalt vorbereitest.
Welche Hilfe deine Hochschule bereitstellt
Wer kurz vor der Abgabe steht oder frisch promoviert ist, sollte früh klären, welche Hilfe bereitsteht, denn der Wechsel aus der Hochschule in eine Stelle außerhalb der Wissenschaft verlangt eigene Unterlagen und eigene Gespräche. Frag zuerst nach, welche Hilfe die Angebote des Career Service deiner eigenen Hochschule umfassen, denn der erste Blick dorthin lohnt sich. Die folgenden drei Beispiele beziehen sich ausschließlich auf die jeweils genannte Hochschule.
Die Universität Göttingen beschreibt auf ihrer Seite Nach der Promotion Angebote für Promovierende. Dazu zählen der Zugang zur Datenbank GoinGlobal für die Stellensuche, ein Start Guide sowie der Transfer und Startup Hub für Wege in die Gründung. Daraus folgt nicht, dass andere Hochschulen dieselben Angebote haben oder dass Ehemalige ohne Mitgliedschaft sie nutzen können.
Laut dem Faltblatt der Graduierten-Akademie der Universität Jena zum Career Service für Promovierende und Postdocs gehören zum Angebot eine Karriereberatung, Workshops wie Plan B sowie der Workshop Die schriftliche Bewerbung für den außeruniversitären Arbeitsmarkt und Karriereabende. Der Workshop zur schriftlichen Bewerbung richtet sich damit ausdrücklich an den außeruniversitären Arbeitsmarkt. Ob die Workshops regelmäßig stattfinden, lässt sich dem Faltblatt nicht entnehmen; frag deshalb direkt beim Career Service nach den Terminen.
Das Graduate Center der LMU München führt auf seiner Seite zu Karrierewegen außerhalb der Wissenschaft den Career Service an, dazu Bewerbungsworkshops für Promovierende. Ergänzend nennt es GUAT-Hefte unter dem Titel Perspektiven nach der Promotion, die 13 Portraits und Arbeitgeberinterviews enthalten. Daraus folgt nicht, dass die Portraits die Berufswege aller Promovierten abbilden.
Die drei Beispiele haben gemeinsam, dass sie jeweils zu ihrer eigenen Hochschule gehören. Prüfe deshalb auf den Seiten deiner Hochschule, welche Zugänge dort für dich vorgesehen sind. Bei Fragen zu Arbeitsvertrag und Probezeit wende dich ebenfalls an eine Beratungsstelle, denn dazu gibt es hier keine rechtliche Auskunft.
Notiere dir beim Gespräch mit dem Career Service, ob Workshops verfügbar sind, ob Zugänge auch nach der Promotion bestehen und welche Fristen gelten. So kannst du die Angebote deiner Hochschule gezielt einplanen und entscheiden, welche du nutzt.

Anschreiben und Lebenslauf anpassen
Für das Anschreiben liegt eine Handreichung des SchreibCenters der TU Darmstadt vor, die du als Orientierung heranziehen kannst. Die Handreichung trägt den Stand 17.11.2020 und orientiert sich an Slaghuis 2015. Die Hinweise gelten für das Anschreiben und nicht für den gesamten Bewerbungsprozess.
Die Handreichung rät, Fachtermini vorsichtig zu verwenden und den Stil nicht zu akademisch zu halten. Außerdem rät sie, die Motivation für die Promotion mit Kompetenzen zu verknüpfen, Praxis- und Leitungserfahrung zu betonen und den Bezug der Dissertation zur Stelle herzustellen. Die folgende Tabelle ordnet drei Punkte den Anpassungen zu, die daraus für dein Anschreiben folgen.
| Bestandteil | Anpassung für Promovierte | Beleg |
|---|---|---|
| Fachsprache | Fachtermini vorsichtig einsetzen und den Stil nicht zu akademisch halten | TU Darmstadt, SchreibCenter, Handreichung Anschreiben für Promovierende |
| Praxiserfahrung | Praxis- und Leitungserfahrung betonen | TU Darmstadt, SchreibCenter, Handreichung Anschreiben für Promovierende |
| Bezug zur Stelle | Den Bezug der Dissertation zur Stelle herstellen | TU Darmstadt, SchreibCenter, Handreichung Anschreiben für Promovierende |
Ordne die Stationen neu, sodass beim Lebenslauf für Berufseinsteiger die Stelle zählt und nicht die Liste der Vorträge; das ist eine Empfehlung ohne Erfolgsaussage. Publikationen kannst du weiter hinten aufführen, damit die für die Stelle relevanten Kompetenzen vorne stehen.
Lies die Ausschreibung genau und markiere die Begriffe, die dort vorkommen. Prüfe anschließend, ob dein Anschreiben und dein Lebenslauf die Fachbegriffe zurückhaltend und in verständlicher Sprache aufgreifen. Bei Fragen zu Arbeitsvertrag und Probezeit ermittelst du die zuständige Beratungsstelle aus offiziellen Unterlagen deiner Hochschule.
Die Promotion im Gespräch einordnen
Im Gespräch kann die Dissertation zur Sprache kommen, und deine Antwort sollte zeigen, was du gelernt hast und was das für die Stelle bedeutet. Die TU Darmstadt empfiehlt in ihrer Handreichung, die Motivation für die Promotion mit Kompetenzen zu verknüpfen und Soft Skills zu benennen. Ob diese Hinweise im Gespräch greifen, prüfst du an deiner eigenen Antwort.
Übe die Antworten laut, und orientiere dich beim Vorstellungsgespräch üben an der folgenden Schrittfolge.
- Thema in einem Satz fassen, etwa welche Frage deine Dissertation beantwortet.
- Methoden benennen, mit denen du gearbeitet hast, zum Beispiel Umfragen oder Laborversuche.
- Ergebnis für das Unternehmen übersetzen, also sagen, was dein Befund für die ausgeschriebene Stelle bedeutet.
- Fragen vorab üben, die zur Stelle passen, und die Antworten laut sprechen.
- Nachfragen klären, die du im Gespräch stellen willst, etwa zu Aufgaben oder zum Team.
Ein erfundenes Beispiel zeigt die Form. Angenommen, du promovierst in der Stadtforschung. Du sagst etwa: Meine Dissertation untersucht, wie Kommunen Daten für die Planung nutzen, und ich habe dafür Verwaltungsdokumente ausgewertet. Das Beispiel ist erfunden und dient nur der Veranschaulichung; deine eigene Antwort gibt deine Arbeit wieder.
Prüfe vorab, ob Lebenslauf und mündliche Antwort dieselben Schwerpunkte nennen. Wenn du den Bezug der Dissertation zur Stelle herstellst, wie es die Handreichung rät, notiere deine Antwort vorab in drei Sätzen, damit du diesen Bezug klar formulieren kannst.

Stellen finden und den Gehaltswunsch vorbereiten
Die Stellensuche außerhalb der Wissenschaft beginnt mit der Frage, welche Datenbank deine Hochschule nennt. Die Universität Göttingen nennt auf ihrer Seite Nach der Promotion GoinGlobal als Datenbank für die Stellensuche. Ob du Zugang zu dieser Datenbank hast, prüfst du auf den Seiten deiner eigenen Hochschule.
Eine Liste hilft, die Suche zu strukturieren. Notiere dir zu einer Stelle, die du prüfst, den Titel, die Branche, den Ort und das Datum der Ausschreibung. So siehst du, welche Angebote zu deinem Profil passen und welche du zurückstellst.
Netzwerke helfen bei der Suche, und beim Thema LinkedIn oder Xing wählen geht es um die Frage, auf welcher Plattform du sichtbar sein willst. Dafür lohnt ein Blick in die Branche deiner Wunschstelle: Prüfe, welche Profile dort sichtbar sind und welche Plattform du selbst für deine Suche nutzen willst. Entscheide danach, wo du dein Profil pflegst.
Sprich das Gehalt gezielt an, und bereite dafür den Gehaltswunsch beim Berufseinstieg vor, indem du Stellenprofil, Branche und Region zusammenträgst. Aus diesen Angaben lässt sich der Wunsch herleiten. Notiere dir dafür, welche Aufgaben das Stellenprofil beschreibt, welcher Branche die Stelle angehört und in welcher Region du arbeiten willst. Wer das Gehalt vorbereitet, sammelt vorher genau diese Angaben.
Prüfe, welche Angaben die Ausschreibung zum Gehalt macht, bevor du im Gespräch einen Wunsch nennst. Ermittle zuerst in den offiziellen Unterlagen deiner Hochschule, welche Stelle für Vertragsfragen zuständig ist, und kläre offene Fragen dort.
Quellen und Stand
- Universität Göttingen: Nach der Promotion: uni-goettingen.de (geprüft am 2026-10-06)
- Friedrich-Schiller-Universität Jena, Graduierten-Akademie: Career Service für Promovierende und Postdocs: uni-jena.de (geprüft am 2026-10-06)
- LMU München, Graduate Center: Career outside academia: www.en.graduatecenter.lmu.de (geprüft am 2026-10-06)
- TU Darmstadt, SchreibCenter: Anschreiben für Promovierende (Stand 17.11.2020): www.owl.tu-darmstadt.de (geprüft am 2026-10-06)