Attitüde Bedeutung: Definition und Herkunft
Herkunft, Verwendung und Synonyme des Begriffs Attitüde
Die Attitüde Bedeutung ist zweigeteilt, und genau darin liegt die Stolperstelle: Sachlich meint das Wort eine Haltung oder Einstellung, im deutschen Sprachgebrauch schwingt fast immer eine Abwertung mit. Wer jemandem eine Attitüde zuschreibt, sagt selten etwas Nettes. Im Englischen ist attitude dagegen neutral, und aus dieser Differenz entstehen in Übersetzungen und in psychologischen Arbeiten regelmäßig Fehler.
Attitüde Bedeutung: Kurze Definition
Eine Attitüde ist eine Haltung, die jemand einnimmt, und zwar meist eine zur Schau gestellte. Der Begriff bezeichnet nicht die innere Überzeugung, sondern das nach außen gezeigte Verhalten, und deshalb klingt er im Deutschen nach Pose.
Neutral verwendet wird das Wort nur in Fachtexten der Psychologie und der Kunst. Dort bezeichnet es eine Einstellung beziehungsweise eine Körperhaltung, ganz ohne Wertung. Im Alltag ist die abwertende Lesart die geläufige, und wer das nicht bedenkt, beleidigt unabsichtlich.
Herkunft und Wortbedeutung im Detail
Das Wort kam über das Französische attitude ins Deutsche und stammt aus dem Italienischen attitudine, das auf das lateinische aptitudo zurückgeht: Eignung oder Tauglichkeit. Dieselbe Wurzel steckt in Aptitude im Englischen und in unserem Fremdwort adäquat.
Ursprünglich bezeichnete die Attitüde die Körperhaltung einer dargestellten Figur in Malerei und Bildhauerei. Im Ballett ist die Attitude bis heute eine genau definierte Position mit angehobenem, gebeugtem Bein. Aus der äußeren Haltung wurde im übertragenen Gebrauch die innere.
Der Plural lautet die Attitüden und ist gebräuchlich, meist in Verbindung mit einer Kritik: jemand legt sich Attitüden zu.

Beispielsätze und Verwendung von Attitüde
Abwertend: Seine Attitüde des Unbeteiligten geht mir auf die Nerven. Der Satz sagt, dass die Haltung gespielt ist, nicht echt.
Fachlich: In der Sozialpsychologie bezeichnet Attitüde die Einstellung gegenüber einem Objekt. Hier ist keine Wertung enthalten, und die deutschsprachige Fachliteratur verwendet inzwischen meist das Wort Einstellung.
Kunstgeschichtlich: Die Figur zeigt die Attitüde eines Redners. Gemeint ist die dargestellte Körperhaltung, also die ursprüngliche Bedeutung.
Synonyme und passende Alternativen
Für die gespielte Haltung stehen Pose, Gehabe und Allüren bereit. Allüren ist am schärfsten und unterstellt Launenhaftigkeit, Gehabe wirkt umgangssprachlich, Pose beschreibt am sachlichsten das Gestellte.
Für die innere Einstellung passen Einstellung, Haltung und Grundeinstellung. In wissenschaftlichen Arbeiten ist Einstellung der etablierte Fachbegriff und sollte dem Fremdwort vorgezogen werden.
Für das Auftreten eignen sich Habitus und Gebaren. Habitus ist bei Bourdieu ein eigener soziologischer Begriff und bezeichnet verinnerlichte Muster, nicht eine bewusst gewählte Pose.
Richtige Verwendung und häufige Verwechslungen
Der wichtigste Fehler ist die Übernahme aus dem Englischen. Dort ist attitude neutral und meint schlicht die Einstellung; a positive attitude ist ein Lob. Wer das eins zu eins mit Attitüde übersetzt, erzeugt im Deutschen genau die gegenteilige Wirkung.
Ebenfalls verwechselt wird die Attitüde mit dem Habitus. Eine Attitüde wird eingenommen und kann abgelegt werden, der Habitus ist erlernt und wirkt unbewusst. In soziologischen Arbeiten ist der Unterschied erheblich.
In Beurteilungen und Zeugnissen hat das Wort nichts zu suchen. Wer ein Verhalten kritisieren will, beschreibt es, statt eine Haltung zu unterstellen: Das ist überprüfbar und lässt Raum für eine andere Erklärung.
In der Sozialpsychologie wird die Einstellung üblicherweise in drei Anteile zerlegt: einen gedanklichen, einen gefühlsmäßigen und einen verhaltensbezogenen. Wer über Einstellungen schreibt, sollte deshalb angeben, welchen Anteil eine Erhebung überhaupt gemessen hat. Fragebögen erfassen meist die ersten beiden, das tatsächliche Verhalten dagegen selten, und aus dieser Lücke erklärt sich, warum gemessene Einstellungen und beobachtetes Handeln oft auseinanderfallen.
Für die eigene Textarbeit folgt daraus eine einfache Regel: Im Alltag ist Attitüde ein Urteil über eine Person, im Fachtext ein Begriff mit Messvorschrift. Beides in einem Text zu mischen, macht die Aussage unklar, weil die Lesenden nicht wissen, ob eine Beobachtung oder eine Bewertung gemeint ist.

Attitüde in Medien und Alltagssprache
In Musik- und Modekritiken ist Attitüde ein häufiges Wort und dort ausnahmsweise positiv gemeint: Wer Attitüde hat, tritt selbstbewusst und unverwechselbar auf. Diese Verwendung ist aus dem englischen Sprachgebrauch übernommen und hat sich in der Kulturberichterstattung eingebürgert.
Außerhalb dieser Textsorte trägt das Wort die Abwertung weiter mit sich. In Nachrichtentexten, Berichten und geschäftlicher Korrespondenz ist es deshalb riskant, weil die Lesenden je nach Gewohnheit Lob oder Kritik heraushören.
Für die eigene Textarbeit gilt eine einfache Regel: Wo die Wirkung eindeutig sein muss, gehört ein eindeutiges Wort hin. Selbstbewusstes Auftreten, gespielte Gleichgültigkeit oder schlicht Haltung sagen jeweils genau eine Sache, und keine davon lässt sich in die entgegengesetzte Richtung lesen.
Fazit: Attitüde Bedeutung auf den Punkt gebracht
Attitüde meint eine zur Schau gestellte Haltung und trägt im Deutschen fast immer eine Abwertung. Das Wort stammt über das Französische vom lateinischen aptitudo für Eignung und bezeichnete zunächst die Körperhaltung in der bildenden Kunst.
Für sachliche Texte ist Einstellung das bessere Wort, für die Kritik an einer Pose ist Attitüde treffend. Und beim Übersetzen aus dem Englischen gilt: attitude ist neutral, Attitüde ist es nicht.
Verwandte Begriffe erklären wir hier Narrativ, pejorativ und ambivalent.