So funktioniert die ABC-Analyse in der Praxis
ABC-Analyse: Klassen, Rechenweg und Grenzen
Dieser Guide führt Sie durch die Kernprinzipien der ABC-Analyse. Sie erfahren, wie Artikel, Kunden oder Lieferanten nach ihrem Wertanteil eingeteilt werden, wie der Rechenweg in sieben Schritten aussieht und welche Einschränkungen beim Einsatz bestehen. Die Klassengrenzen legt der Betrieb fest; sie entstehen nicht aus der Rechnung.
Definition und historische Herkunft
Die ABC-Analyse ordnet Artikel, Kunden oder Lieferanten nach ihrem Anteil am Wert und teilt sie in drei Klassen.
Im Vorlesungsskript der Universität Duisburg-Essen wird dabei eine Bestimmung von G. Wöhe wiedergegeben: Die Methode klassifiziert Material mit Blick auf Wert und Menge. Sie kann außerdem Gruppen von Artikeln, Kunden oder Lieferanten nach ihrer Bedeutung sichtbar machen.
Als erste Beschreibung nennt das Skript H. Ford Dickie von General Electric im Jahr 1951. Seine Ausführungen bauten auf Ergebnissen von Pareto und Lorenz auf; damit wurden diese Grundlagen dort erstmals auf Fragen der Unternehmensführung bezogen.
Das Pareto-Prinzip fasst das Skript mit einem Verhältnis von 80 Prozent Wirkung zu 20 Prozent Ursachen zusammen. Es führt die Beobachtung auf Vilfredo Pareto zurück, der für Italien einen Besitzanteil von 80 Prozent bei 20 Prozent der Bevölkerung beschrieb. Dieses Verhältnis ist eine Beobachtung, keine feststehende Vorgabe für eigene Daten.
Für die Darstellung einer Verteilung kann die Lorenzkurve dienen. Max Otto Lorenz entwickelte sie 1905. Sie zeigt statistische Verteilungen; ein größerer Abstand von der Diagonale steht für eine ungleichere Verteilung. Beim Thema BWL-Modelle zeigt die Lorenzkurve statistische Verteilungen.

Abgrenzung der Klassen A, B und C
Das Skript der Universität Duisburg-Essen beschreibt A als wichtig, hochwertig und umsatzstark. B steht dort für weniger wichtige, mittelwertige Positionen mit mittlerer Umsatzstärke. C bezeichnet relativ unwichtige, niedrigwertige und umsatzschwache Positionen.
| Klasse | Wertanteil | Mengenanteil | Umgang |
|---|---|---|---|
| A | REFA: bis 80 % kumuliert | bachelorprint: 5 bis 20 % | Grenze begründen und festhalten |
| B | REFA: bis 95 % kumuliert | REFA-Beispiel: weitere 30 % Aufwand | Grenze begründen und festhalten |
| C | Rest nach REFA | REFA-Beispiel: weitere 50 % Aufwand | Grenze begründen und festhalten |
Das REFA-Lexikon nennt als vielfach verwendete Einteilung A bis zu 80 Prozent des kumulierten Ergebnisses, B bis 95 Prozent und C für den verbleibenden Anteil. Dem stehen beim Aufwand etwa 20 Prozent für A, weitere 30 Prozent für B und weitere 50 Prozent für C gegenüber.
bachelorprint verwendet statt einzelner Grenzwerte Spannen. Für A nennt die Quelle 60 bis 80 Prozent Wertanteil bei 5 bis 20 Prozent Mengenanteil. business-wissen.de zieht im eigenen Beispiel die A-Grenze bei 60 Prozent des kumulierten Werts und erklärt die Grenzen als individuell festzulegen.
Die abweichenden Zahlen zeigen: Die Trennlinie wird vom Betrieb festgelegt; sie entsteht nicht automatisch aus der Rechnung. Für die eigene Auswertung sind die gewählte Kennzahl, die Grenze und ihre Begründung offen auszuweisen. Die BCG-Matrix ist ein anderes Einordnungsmodell und ersetzt diese Festlegung nicht.
Siebstufiger Berechnungsvorgang
Das Skript der Universität Duisburg-Essen beschreibt den Rechenweg in sieben Schritten:
- Für jedes Material die absoluten Gesamtkosten aus Jahresbedarf mal Stückpreis berechnen.
- Den Anteil dieser Kosten an allen Gesamtkosten bestimmen.
- Die Materialien nach diesem Anteil absteigend ordnen.
- Die geordneten Anteile fortlaufend aufsummieren.
- Die Positionen den drei Klassen zuweisen.
- Den Mengenanteil als Jahresbedarf geteilt durch Gesamtbedarf ermitteln.
- Diese Mengenanteile für jede Materialklasse addieren.
Erst die Mengenrechnung ergänzt die Wertrechnung vollständig: Für jede Klasse stehen damit ein Wertanteil und ein Mengenanteil zur Verfügung. Die Kosten sind im Skript ein Beispiel. Welche Kennzahl verwendet wird, richtet sich nach der jeweiligen Frage.
Die grafische Darstellung verbindet den kumulierten Mengenanteil in Prozent mit dem kumulierten Wert- oder Umsatzanteil in Prozent. Für die Nutzwertanalyse sollte geprüft werden, ob deren Kriterien zur gewählten Fragestellung passen; sie ist nicht Teil dieses Kostenbeispiels.
Anwendung am Beispiel Kundensegmente
business-wissen.de führt die Analyse an einem Kundenbestand vor. In diesem Beispiel erreichen drei A-Kunden zusammen 54 Prozent des Umsatzes; die Quelle ordnet ihnen eine intensive Betreuung zu.
Bei den C-Kunden zeigt das Beispiel einen anderen Zusammenhang: Zehn Kunden kommen zusammen auf 17 Prozent Umsatz, lösen jedoch 37 Prozent der Bestellungen aus. Wertanteil und Arbeitsaufwand sind daher getrennt zu betrachten.
bachelorprint beschreibt eine Anwendung, in der auf Basis des Jahresumsatzes über eine Servicehotline entschieden wird. Für A-Kunden nennt die Quelle Rabatte, verkürzte Lieferzeiten sowie eine eigene Betreuung im Key-Account-Management. Die Ergebnisse können als Lorenzkurve oder als Treppendiagramm gezeigt werden.
Aus einem niedrigen Umsatzanteil folgt nicht, dass C-Kunden entfernt werden sollen. Die Quellen verweisen auf Verbundwirkungen zwischen Positionen. Vor einer Maßnahme sind deshalb die Beziehungen der betroffenen Positionen in den eigenen Daten zu prüfen.
Methodische Kritik und Ergänzungsmöglichkeiten
Die XYZ-Analyse bewertet eine andere Achse als die ABC-Analyse: die Verbrauchsstruktur. Der RKW-Leitfaden beschreibt X als konstanten Verbrauch mit hoher Vorhersagegenauigkeit, Y als saisonale Schwankung und Z als unregelmäßigen Verbrauch.
Werden beide Verfahren verbunden, ergeben sich drei mal drei, also neun Felder. Der Leitfaden richtet die Aufmerksamkeit zuerst auf Material mit hohem Wert und guter Vorhersagbarkeit. Für die eigene Beschaffung ist zu prüfen, ob Verbrauchsdaten und Wertdaten für diese Zuordnung vorliegen.
Das Skript der Universität Duisburg-Essen nennt drei Grenzen der ABC-Methode: Drei Klassen bilden nur grob ab, Grenzwerte beruhen auf Erfahrungswerten, und das Ergebnis zeigt nur die aktuelle Lage. Das REFA-Lexikon beschreibt das Verfahren deshalb als statisch und rückblickend und leitet eine regelmäßige Wiederholung ab.
bachelorprint nennt eine weitere Grenze: Wenn sich prozentuale Anteile kaum unterscheiden, liefert die Einteilung keine aussagekräftige Trennung. Für die eigene Anwendung sind daher die Unterschiede der Anteile und der gewählte Stichtag zu prüfen.

Integration in akademische Studienarbeiten
Für eine Abschlussarbeit kann der Ablauf in fünf Schritten dokumentiert werden:
- Ordnungsmerkmal und Kennzahl festlegen.
- Klassengrenzen vor der Auswertung begründen und offenlegen.
- Wert- und Mengenanteil für jede Klasse gemeinsam ausweisen.
- Den Stichtag der verwendeten Daten nennen.
- Die Grenzen des Verfahrens im eigenen Text benennen.
Die Seminararbeit von Manüla Gaigg nennt Einsatzfelder in Absatzwirtschaft mit ABC-Kunden, Materialwirtschaft, Zeitmanagement und Dienstleistungsmanagement. Das REFA-Lexikon ergänzt ABC-Lieferanten, Kostenrechnung und Controlling. Die Seminararbeit beschreibt die Analyse als statisch und an eine Planungsperiode gebunden; deshalb gehört der Datenstichtag in die Darstellung.
Ihr Fall zu Lieferanten eines Elektrounternehmens zeigt, dass Umsatz allein nicht genügt, wenn zwischen Positionen Verbundeffekte bestehen. Diese Beziehungen sind für den untersuchten Fall gesondert zu prüfen.
Eine studentische Arbeit kann eine Anwendung veranschaulichen, genügt aber nicht als methodischer Hauptbeleg. Dafür sind das Hochschulskript oder das Fachlexikon heranzuziehen. Forschungsfrage formulieren: Kennzahl, Untersuchungsobjekt und Zeitraum vor der Rechnung festlegen. Bachelorarbeit Tipps: Quellen, Grenzen und Stichtag im Text nachvollziehbar ausweisen.
Quellen und Stand
- Universität Duisburg-Essen, Transportsysteme und -logistik: ABC-XYZ Analyse, Einführung: www.uni-due.de (geprüft am 2026-09-23)
- business-wissen.de, Dr. Jürgen Fleig: ABC-Analyse, Beispiel mit Erklärung und Hintergründen: www.business-wissen.de (geprüft am 2026-09-23)
- Universität Duisburg-Essen, Transportsysteme und -logistik: ABC-XYZ Analyse, Einführung: www.uni-due.de (PDF) (geprüft am 2026-09-23)
- REFA AG, REFA-Lexikon: ABC-Analyse: refa.de (geprüft am 2026-09-23)
- business-wissen.de, Dr. Jürgen Fleig: ABC-Analyse, Beispiel mit Erklärung und Hintergründen: www.business-wissen.de (weitere Quelle) (geprüft am 2026-09-23)
- RKW Kompetenzzentrum, Leitfaden Produktivität für kleine und mittelständische Unternehmen II: Kombination von ABC- und XYZ-Analyse: www.rkw-kompetenzzentrum.de (geprüft am 2026-09-23)
- GRIN Verlag, Manüla Gaigg: Die ABC-Analyse, Theorie und Fallbeispiel (Seminararbeit 2007): www.grin.com (geprüft am 2026-09-23)
Die Einordnung „So funktioniert die ABC-Analyse in der Praxis“ fasst den vollständigen Zusammenhang zusammen.