Didaktische Analyse: Begriff, Aufbau und Anwendung
Didaktische Analyse
Die didaktische Analyse untersucht die Lernstruktur eines Lerngegenstandes, ordnet ihn einem Lernbereich zu und arbeitet seine Bedeutung für Gesellschaft, Fach, Kind und Jugendliche heraus.
Didaktische Analyse fachlich einordnen
Die didaktische Analyse untersucht die Lernstruktur eines Lerngegenstandes. Dabei wird betrachtet, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Zugleich wird der Lerngegenstand einem Lernbereich zugeordnet.
Für eine Studienaufgabe oder einen wissenschaftlichen Text: Halte zum Lerngegenstand fest, welche Verhaltensdimension angesprochen wird und welchem Lernbereich er zugeordnet ist. Dokumentiere anschließend, welche Auswahl-, Zusammenhangs- und Bedeutungsfragen das verwendete Material beantwortet.
Die Analyse berücksichtigt außerdem Auswahlentscheidungen. Zu prüfen ist, was weggelassen werden kann. Ebenso ist zu prüfen, ob das Besondere eines Gegenstandes allgemeine Zusammenhänge veranschaulicht. Hinzu kommen Sinn- und Sachzusammenhänge sowie die gesellschaftliche Bedeutung des Gegenstandes und sein Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche.
Prüfe im eigenen Text, ob Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutungsfragen ausdrücklich benannt sind. Ergänze keine Aussage, für die das verwendete Material keinen Beleg enthält.

Begriff, Merkmale und Bestandteile
Bearbeite die im Quellenauszug genannten Analysebereiche in folgender Arbeitsreihenfolge: Ausgangspunkt ist der Lerngegenstand. Danach folgen Lernstruktur und Lernbereich. Anschließend werden Auswahl-, Zusammenhangs- und Bedeutungsfragen bearbeitet.
- Lerngegenstand bestimmen: Halte fest, welcher Gegenstand analysiert wird. Ergebnis: eine eindeutige Bezeichnung des Gegenstandes.
- Lernstruktur untersuchen: Prüfe, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Ergebnis: eine Beschreibung der angesprochenen Verhaltensdimension.
- Lernbereich zuordnen: Ordne den Gegenstand einem Lernbereich zu. Ergebnis: eine ausdrücklich benannte Zuordnung.
- Auswahlkriterien entwickeln: Frage, was weggelassen werden kann. Ergebnis: eine festgehaltene Eingrenzung für die Darstellung.
- Besonderes und Allgemeines verbinden: Prüfe, ob das Besondere des Gegenstandes allgemeine Zusammenhänge veranschaulicht. Ergebnis: eine Beschreibung der Verbindung zwischen Gegenstand und Zusammenhang.
- Sinn- und Sachzusammenhänge beschreiben: Stelle die Zusammenhänge dar. Ergebnis: eine geordnete Beschreibung der Sinn- und Sachzusammenhänge.
- Bedeutungen ausarbeiten: Arbeite die gesellschaftliche Bedeutung sowie den Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche getrennt heraus. Ergebnis: getrennte Aussagen zu diesen Bedeutungsfragen.
Prüfe, ob die Darstellung von Gegenstand, Lernstruktur über Lernbereich bis zu Auswahl, Zusammenhang und Bedeutung führt. Ergänze keine historischen oder fachlichen Angaben ohne direkten Beleg.
| Bestandteil | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lernstruktur | Welches Verhalten fördert der Gegenstand? | Beschreibung der kognitiven, affektiven oder sensomotorischen Dimension |
| Lernbereich | Wo wird der Gegenstand eingeordnet? | Benannte Zuordnung |
| Auswahl | Was kann weggelassen werden? | Festgehaltene Eingrenzung |
| Zusammenhänge | Welche Sinn- und Sachzusammenhänge sind zu beschreiben? | Geordnete Zusammenhangsdarstellung |
| Bedeutung | Welche gesellschaftliche Bedeutung und welcher Eigenwert werden herausgearbeitet? | Getrennte Bedeutungsdarstellung |
Die Analyse Schritt für Schritt umsetzen
Bearbeite die belegten Analysebereiche nacheinander und benenne nach jedem Schritt das Ergebnis.
- Gegenstand festhalten: Benenne den Lerngegenstand sachlich. Ergebnis: eine eindeutige Bezeichnung des Gegenstandes.
- Lernstruktur ermitteln: Prüfe, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Ergebnis: eine Zuordnung zu einer Verhaltensdimension oder die Prüfhandlung, die Zuordnung anhand des Materials zu ermitteln.
- Lernbereich ordnen: Ordne den Gegenstand einem Lernbereich zu. Ergebnis: eine dokumentierte Einordnung oder die Prüfhandlung, den Lernbereich aus dem Material zu ermitteln.
- Weglassbares bestimmen: Frage, welche Inhalte weggelassen werden können. Ergebnis: eine abgegrenzte Auswahl für die weitere Darstellung.
- Das Besondere prüfen: Untersuche, ob ein besonderes Merkmal des Gegenstandes allgemeine Zusammenhänge veranschaulicht. Ergebnis: eine Beschreibung oder die Prüfhandlung, den Zusammenhang anhand des Materials zu ermitteln.
- Sinn- und Sachzusammenhänge formulieren: Beschreibe die Zusammenhänge. Ergebnis: ein Abschnitt zu Sinn- und Sachbezügen.
- Bedeutung trennen: Arbeite die Bedeutung für die Gesellschaft sowie den Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche getrennt heraus. Ergebnis: unterscheidbare Aussagen zu den Bedeutungsfragen.
- Darstellung prüfen: Prüfe, ob Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutung im Text vorkommen. Ergebnis: eine Fassung mit diesen Analysebereichen.
Fehlt für einen Schritt ein Beleg, formuliere eine konkrete Prüfhandlung statt einer Vermutung. Schreibe etwa: Prüfe, welchem Lernbereich der Lerngegenstand zugeordnet wird.
Ein kurzes durchgängiges Anwendungsbeispiel
Als Lerngegenstand dient in diesem Beispiel eine Fotografie eines Schulwegs. Die Analyse grenzt den Gegenstand auf dieses eine Bild ein. Für die Bearbeitung werden der Weg, sichtbare Elemente entlang des Weges und die Anordnung im Bild ausgewählt. Andere sichtbare Einzelheiten bleiben außerhalb der Auswahl. Damit wird nachvollziehbar, welche Teile des Gegenstandes in diesem Beispiel betrachtet werden.
Danach wird die Lernstruktur geprüft. Die Prüfung richtet sich darauf, ob der Lerngegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Im Beispiel hält die Analyse als Ergebnis dieser Prüfung kognitives Verhalten fest. Diese Festhaltung beschreibt die Lernstruktur; sie legt noch keinen Lernbereich fest. Die Zuordnung zu einem Lernbereich bleibt als gesonderte Prüfhandlung offen: Für das Bild ist zu klären, welchem Lernbereich der Gegenstand zugeordnet wird.
Die Arbeitsaufgabe lautet: Die Lernenden wählen drei sichtbare Elemente aus dem Bild aus, beschreiben diese und ordnen ihre Auswahl. Das Ergebnis ist eine begründete Auswahl von Bildteilen. Die Fotografie bildet dabei den besonderen Fall. An diesem einzelnen Fall kann die Analyse nach einem Zusammenhang fragen, der über den ausgewählten Bildausschnitt hinausweist. Zugleich kann sie prüfen, welche Teile des Bildes für die Aufgabe weggelassen werden.
Im nächsten Schritt werden Sinn- und Sachzusammenhänge beschrieben. Für die gesellschaftliche Bedeutung wird geprüft, welche Bedeutung der Lerngegenstand in diesem Zusammenhang hat. Der Eigenwert wird getrennt für das Fach, für das Kind und für den Jugendlichen herausgearbeitet. Im Beispiel wird dafür jeweils notiert, welche Bedeutung der ausgewählte Lerngegenstand haben kann und worauf sich die Begründung bezieht. Die drei Perspektiven werden nicht zu einer einzigen Aussage zusammengezogen.
Am Ende enthält die Beispielanalyse einen abgegrenzten Lerngegenstand, eine Auswahl von Bildteilen und das Ergebnis der Prüfung seiner Lernstruktur. Sie hält außerdem die offene Prüfung der Zuordnung zu einem Lernbereich fest. Hinzu kommen die Fragen nach dem besonderen Fall, nach dem Weglassen von Teilen, nach Zusammenhängen sowie nach gesellschaftlicher Bedeutung und Eigenwert. Das Beispiel macht keine allgemeine Aussage über Schulwege oder Fotografien. Es zeigt eine mögliche Ordnung der Gesichtspunkte an einem einzelnen Lerngegenstand.

Definition, Abgrenzung und Form prüfen
Der abschließende Qualitätscheck trennt Inhalts-, Abgrenzungs- und Formprüfung.
Inhaltliche Prüfung:
- Ist die didaktische Analyse als Untersuchung der Lernstruktur eines Lerngegenstandes beschrieben?
- Wird geprüft, ob kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten gefördert wird?
- Ist der Lerngegenstand einem Lernbereich zugeordnet oder ist die offene Zuordnung als Prüfhandlung gekennzeichnet?
- Sind Auswahl, das Besondere, Sinn- und Sachzusammenhänge sowie Bedeutungsfragen berücksichtigt?
- Sind gesellschaftliche Bedeutung und Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche getrennt dargestellt?
Abgrenzungsprüfung:
- Enthält der Text keine unbelegten Epochenmerkmale?
- Enthält der Text keine unbelegten Jahreszahlen?
- Werden keine zusätzlichen Fachbehauptungen ergänzt?
- Ist jeder offene Punkt als konkrete Prüfhandlung statt als Vermutung formuliert?
Formale Prüfung:
- Ist der Lerngegenstand klar benannt?
- Folgen Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutung nachvollziehbar aufeinander?
- Ist nach jedem Arbeitsschritt ein Ergebnis erkennbar?
- Sind Definition, Anwendung und Abgrenzung als unterschiedliche Textfunktionen erkennbar?
- Bleibt das Beispiel kurz, eigenständig und frei von unbelegten Zahlen oder historischen Angaben?
Prüfe für jede Aussage, ob das verwendete Material sie trägt. Fehlt ein Beleg, ersetze die Aussage durch eine konkrete Prüfhandlung.
Passende nächste Schritte
Quellen und Stand
- Fachquelle: toolbox.edu.tum.de (geprüft am 2026-08-15)