Unterrichtsentwurf im Referendariat: die Bausteine
Struktur, Beispiele und typische Fehler für deine Lehrprobe
Der Unterrichtsentwurf ist im Referendariat oft die erste große Hürde: Er begleitet deine gezeigte Stunde und zeigt der Prüfungskommission, dass du planvoll unterrichtest. Ein guter Unterrichtsentwurf verbindet Analyse und Praxis, statt nur Ablaufkästchen zu füllen. Auf dieser Seite bekommst du die zentralen Bausteine, konkrete Beispiele und die häufigsten Stolperfallen, damit du deine Planung ruhig und strukturiert angehen kannst, egal ob in der ersten oder in einer benoteten Lehrprobe.
Was der Unterrichtsentwurf leisten muss
Ein Unterrichtsentwurf ist kein Selbstzweck, sondern dein schriftlicher Beweis, dass du eine Stunde begründet planen kannst. Er dokumentiert, welche Ziele du verfolgst, warum du bestimmte Methoden wählst und wie du auf deine Lerngruppe eingehst. Die Prüfungskommission liest ihn meist vor der gezeigten Stunde und gleicht danach Anspruch und Wirklichkeit ab.
Üblich ist ein roter Faden von der Analyse über die Ziele bis zur konkreten Verlaufsplanung. Wie streng der Aufbau vorgegeben ist, hängt vom Seminar und vom Bundesland ab, deshalb lohnt ein Blick in die Vorgaben deines Studienseminars. Ein starker Text bleibt konkret: Statt allgemeiner Floskeln nennst du, was Schülerinnen und Schüler am Ende können sollen und woran du das erkennst.
Die Bedingungsanalyse: deine Lerngruppe im Blick
Am Anfang steht die Bedingungsanalyse: Du beschreibst deine Lerngruppe so, dass ein Außenstehender nachvollziehen kann, unter welchen Voraussetzungen du unterrichtest. Dazu gehören Klassengröße, Vorwissen, Leistungsspanne, das soziale Gefüge und besondere Förderbedarfe. Wichtig ist, dass du daraus Konsequenzen ableitest und nicht nur Zahlen aufzählst.
Ein Beispiel: Wenn drei Kinder noch Leseunsicherheiten haben, begründest du, warum du Arbeitsblätter differenzierst oder Partnerarbeit einsetzt. Beobachtungen aus deinen Hospitationen liefern dir dafür belastbares Material. Halte dich an das, was du wirklich gesehen hast, statt Annahmen als Fakten zu verkaufen. Häufig verlangt das Seminar auch Angaben zum Raum, zur Uhrzeit und zur Stellung der Stunde in der Unterrichtsreihe, weil all das den Verlauf beeinflusst. Je konkreter dieser Teil, desto überzeugender wirken später deine didaktischen Entscheidungen.

Die Sachanalyse: fachlich sauber durchdringen
In der Sachanalyse arbeitest du den fachlichen Kern deiner Stunde auf, und zwar auf deinem eigenen Niveau, nicht auf dem der Klasse. Du klärst Begriffe, ordnest das Thema fachwissenschaftlich ein und legst offen, welche Aspekte du bewusst weglässt. Das schützt dich davor, im Unterricht selbst ins Straucheln zu geraten.
Ein typischer Fehler ist, hier ganze Lehrbuchkapitel abzuschreiben. Gefragt ist eine begründete Auswahl: Was genau brauchen deine Schülerinnen und Schüler, um das Lernziel zu erreichen? Wie du eine Sachanalyse schreiben kannst, ohne dich zu verzetteln, hängt stark vom Fach ab, das Grundprinzip bleibt aber gleich: erst durchdringen, dann didaktisch reduzieren. Halte den Umfang angemessen. Häufig genügen ein bis zwei Seiten, doch die genauen Erwartungen legt dein Seminar fest, also prüfe die Vorgaben, bevor du zu ausführlich wirst.
Die didaktische Analyse: vom Stoff zum Lernziel
Die didaktische Analyse ist das Herzstück und oft der Abschnitt, an dem sich die Bewertung entscheidet. Hier begründest du, warum dieser Stoff für diese Lerngruppe bedeutsam ist, und formulierst ein klares Stundenziel plus einige Teilziele. Ein häufig genutzter Bezugspunkt ist die didaktische Reduktion: Du entscheidest, was Kern ist und was wegfällt.
Formuliere Ziele beobachtbar. Statt die Schülerinnen und Schüler verstehen den Wasserkreislauf schreibst du besser, dass sie die Stationen benennen und in eigenen Worten erklären können. Genau an dieser Stelle merkt die Kommission, ob dein Unterrichtsentwurf trägt oder nur gut klingt. Weitere fachdidaktische Grundlagen und passende Ratgeber findest du im Lehramt-Hub. Verknüpfe Ziele, Inhalte und Methoden logisch, damit die spätere Verlaufsplanung nicht wie ein zufälliger Ablauf wirkt, sondern als Konsequenz deiner Überlegungen.
Die Verlaufsplanung: die Stunde im Takt
Die Verlaufsplanung übersetzt deine Analyse in eine konkrete Choreografie der Stunde. Üblich ist eine Tabelle mit Phasen, Zeitangaben, Sozialform, Medien und geplanter Lehrer- sowie Schülertätigkeit. Sie zeigt, dass du den Ablauf realistisch getaktet hast und nicht in fünf Minuten drei Lernziele erreichen willst.
Achte besonders auf drei Dinge:
- klare Phasenübergänge, damit kein Leerlauf entsteht
- ein Zeitpuffer, weil Klassen selten exakt nach Plan arbeiten
- eine geplante Sicherung, in der das Gelernte festgehalten wird
Formuliere die Tätigkeiten aktiv und beobachtbar, etwa die Lernenden ordnen Kärtchen den Oberbegriffen zu. So bleibt nachvollziehbar, was im Raum passiert. Plane außerdem eine Alternative ein, falls eine Phase schneller oder langsamer läuft, denn genau diese Flexibilität wird in der anschließenden Nachbesprechung oft positiv gewürdigt.

Umfang, Formalia und typische Fehler
Wie lang ein Entwurf sein darf, ist nicht bundesweit einheitlich. Manche Studienseminare erwarten wenige Seiten plus Anhang, andere lassen mehr Raum. Verlässlich ist nur ein Blick in die aktuellen Vorgaben deines Seminars und deines Bundeslandes, denn die Erwartungen ändern sich immer wieder.
Typische Fehler tauchen erfahrungsgemäß immer wieder auf:
- Ziele, die nicht überprüfbar sind
- eine Sachanalyse, die zur Materialsammlung ausufert
- eine Verlaufsplanung, deren Zeiten nicht aufgehen
Dazu kommen sprachliche Stolperfallen: unklare Bezüge, Passivketten und Rechtschreibfehler, die den sonst starken Eindruck trüben. Lies deinen Unterrichtsentwurf am besten laut und lass ihn von jemandem gegenlesen. Wenn du sichergehen willst, unterstützt dich ein professionelles Lektorat fürs Staatsexamen bei Sprache und Form, ohne dir inhaltliche Entscheidungen abzunehmen. So reichst du einen Text ein, der auch formal überzeugt.
Fazit: mit Struktur zur überzeugenden Stunde
Ein überzeugender Entwurf entsteht nicht aus Textbausteinen, sondern aus einer durchdachten Kette: Du analysierst deine Lerngruppe, durchdringst den Stoff fachlich, leitest daraus beobachtbare Ziele ab und planst die Stunde realistisch. Genau dieser rote Faden unterscheidet einen soliden Entwurf von einer bloßen Materialsammlung. Wenn diese Teile ineinandergreifen, wirkt deine Planung stimmig, und du gehst mit deutlich mehr Ruhe in die gezeigte Stunde.
Nimm dir Zeit für die Analyse, halte die Sprache klar und prüfe die Formalia deines Seminars, statt sie zu raten. Wer den Aufbau und die einzelnen Bausteine wirklich verstanden hat, kann den Unterrichtsentwurf im Referendariat ruhig und souverän schreiben und ihn Schritt für Schritt zu einem Text ausbauen, der die Kommission überzeugt.
Verwandte Berufs-Abschlussarbeiten: Sachanalyse schreiben, Hospitationsbericht schreiben und Lehramt-Hub.