Darfst du alte Schreibweisen im Zitat anpassen?
Alte Schreibung im Zitat: So gehst du mit überholter Rechtschreibung um
Ein wörtliches Zitat behält die Schreibweise der Quelle, dein eigener Text folgt der aktuellen Rechtschreibung. Wann ein altes dass im Zitat stehen bleibt, wann ein echter Fehler ein sic bekommt und wie du deinen eigenen Satz davon abgrenzt, hängt von der Art der Schreibung ab.
Warum das Zitat seine Schreibung behält
Ein wörtliches Zitat gibt die Quelle so wieder, wie sie gedruckt ist. Das gilt auch dann, wenn das Buch oder der Aufsatz noch nach der alten Rechtschreibung gesetzt wurde. Am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg gelten laut den Vorgaben der Professur Lopatta für die eigene Arbeit die aktuellen Rechtschreib- und Zeichensetzungsregeln. Direkte Zitate, die nach den alten Regeln erstellt wurden, bleiben davon ausdrücklich ausgenommen. Du schreibst also deinen eigenen Satz nach heutiger Regel, lässt das Zitat selbst aber unberührt.
Der Leitfaden zum Zitieren und Belegen von Literatur der Universität Münster, Fachbereich Sozialpädagogik, stellt dazu klar: Die alte Rechtschreibung im Zitat gilt dort nicht als fehlerhaftes Vorgehen. Das bedeutet für deine Arbeit: Eine Schreibung, die vor der Reform üblich war, ist kein Grund zur Korrektur und kein Grund für eine Anmerkung. Du übernimmst das Zitat Wort für Wort, so wie es in der Quelle steht, unabhängig davon, welche Regeln zum Zeitpunkt der Veröffentlichung galten.
Nimm als Beispiel einen erfundenen Fall: In einer älteren Quelle steht das Wort Schiffahrt mit einem f. Im Zitat bleibt es bei Schiffahrt, während du in deinem eigenen Satz davor oder danach Schifffahrt mit drei f schreibst, weil das deiner aktuellen Rechtschreibung entspricht. Dieser Bruch zwischen Zitat und eigenem Text ist kein Widerspruch, sondern Folge der genannten Regelung. Wenn innerhalb eines längeren Zitats selbst ein weiteres Zitat auftaucht, hilft dir der Abschnitt zu Zitat im Zitat weiter, der die Setzung der inneren Anführungszeichen erklärt. Wie die Anführungszeichen um das gesamte Zitat gesetzt werden, kannst du im Beitrag Anführungszeichen richtig setzen nachlesen, der die Zeichensetzung rund um das Zitat behandelt.

Alte Schreibung, Fehler oder eigener Text: drei Fälle im Überblick
In der Praxis begegnen dir beim Zitieren drei unterschiedliche Fälle, die du nicht verwechseln solltest. Der erste Fall ist die alte Schreibung im Zitat selbst, der zweite Fall ein echter Fehler in der Quelle, der dritte Fall dein eigener Text rund um das Zitat. Jeder dieser Fälle verlangt einen anderen Umgang, auch wenn die Grenze auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Die folgende Tabelle fasst das zusammen, bevor im nächsten Abschnitt genauer erklärt wird, wann ein sic überhaupt nötig ist.
| Fall | Umgang | Beleg |
|---|---|---|
| Alte Schreibung im Zitat | Unverändert übernehmen | Münster, Hamburg/Lopatta |
| Echter Fehler im Zitat | Unverändert übernehmen, mit sic in eckigen Klammern kennzeichnen | Münster |
| Eigener Text um das Zitat | Nach der aktuellen Rechtschreibung schreiben | Hamburg/Lopatta |
Ein erfundenes Beispiel macht den Unterschied deutlich: Steht in einer Quelle der Satz Die Analyse zeigte, das die Annahme zutraf, mit einem echten Tippfehler statt dass, kennzeichnest du das mit sic direkt hinter dem fehlerhaften Wort. Steht dort dagegen ein nach damaliger Regel korrektes dass oder eine andere Schreibweise aus der Zeit vor der Reform, bleibt sie einfach stehen, ohne jede Markierung. Wenn du im Zitat zusätzlich Teile weglässt, greift ein eigenes Thema: Wie du solche Lücken kennzeichnest, erklärt der Beitrag zu Auslassungszeichen, der sich speziell mit dieser Markierung befasst. Dein eigener Satz um das Zitat herum folgt in jedem Fall der aktuellen Rechtschreibung, ganz gleich, wie die Quelle geschrieben ist.
Wann du kein sic brauchst
Ein sic setzt du nur bei einem echten Fehler, nicht bei einer anderen Schreibweise nach alter Regel. Der Leitfaden der Universität Münster verlangt sic hinter dem fehlerhaften Wort in eckigen Klammern und rechnet die alte Rechtschreibung ausdrücklich nicht dazu. Das heißt konkret: Ein Wort, das nach alter Regel korrekt geschrieben wurde, aber nach heutiger Regel anders geschrieben würde, ist kein Fehler im Sinne dieser Markierung. Nur ein tatsächlicher Rechtschreib-, Grammatik- oder Druckfehler in der Quelle bekommt das sic.
Daraus lässt sich vorsichtig folgern: Ein sic hinter jedem alten dass oder jeder alten Worttrennung wirkt belehrend und stört den Lesefluss, weil es eine korrekte historische Schreibung fälschlich als Fehler markiert. Bist du dir bei einem einzelnen Fall unsicher, ob eine Schreibung damals üblich war oder tatsächlich ein Fehler vorliegt, ist es sinnvoll, den Lehrstuhl oder die betreuende Person direkt dazu zu fragen, statt selbst zu entscheiden.
Bei Online-Quellen kann die Schreibung zwischen verschiedenen Ausgaben oder Digitalisaten unterschiedlich sein, deshalb solltest du Quelle und Ausgabe im Beleg genau nennen, damit die Herkunft der Schreibung nachvollziehbar bleibt. Wenn du ein Zitat grammatisch in deinen eigenen Satz einfügen musst, etwa bei einem Fall- oder Zeitwechsel, hilft dir der Abschnitt zu Zitat an den eigenen Satz anpassen, der genau diese Anpassung erklärt und von der hier besprochenen Frage nach sic klar zu trennen ist.

So gehst du beim Übernehmen vor
Wenn du ein Zitat aus einer Quelle mit alter Rechtschreibung in deine Arbeit übernimmst, hilft dir eine feste Abfolge von Schritten, Fehler und Unsicherheiten zu vermeiden. Hamburg und Münster behandeln die alte Schreibung im Zitat gleich: Beide Leitfäden verlangen die unveränderte Übernahme der Quelle und sehen die alte Rechtschreibung nicht als Fehler an. Die folgende Schrittfolge fasst das praktische Vorgehen zusammen.
- Zitat Buchstabe für Buchstabe abschreiben
- Alte Schreibung stehen lassen
- Echten Fehler mit sic kennzeichnen
- Eigenen Satz in aktueller Schreibung formulieren
- Zitat mit dem Original vergleichen
- Beleg mit Seitenzahl setzen
Beim Abschreiben zählt jedes einzelne Zeichen: Lies die Textstelle zuerst einmal ganz durch, bevor du sie Wort für Wort übertragst, damit dir keine stillschweigende Angleichung an die heutige Schreibweise unterläuft. Vergleiche das abgeschriebene Zitat anschließend noch einmal sorgfältig mit dem Original, am besten Zeile für Zeile, und kontrolliere dabei auch Kommas und Absatzumbrüche. Setze den Beleg mit der genauen Seitenzahl direkt hinter das Zitat, damit die Angabe eindeutig zuordenbar bleibt und nicht mit deinem eigenen Satz verschmilzt.
Für den Unterschied zwischen wörtlicher und sinngemäßer Wiedergabe insgesamt lohnt sich ein Blick in die Regeln für direkte und indirekte Zitate, die diese grundlegende Unterscheidung behandeln. Stand dieser Einschätzung ist Oktober 2026; Vorgaben einzelner Lehrstühle können sich ändern, weshalb ein Blick in den aktuellen Leitfaden deines Fachbereichs sinnvoll bleibt, bevor du die Arbeit einreichst.
Quellen und Stand
- Universität Münster: Leitfaden zum Zitieren und Belegen von Literatur (Sozialpädagogik, WS 2023/24): uni-muenster.de (geprüft am 2026-10-05)
- Universität Hamburg, Sozialökonomie, Professur Lopatta: Vorgaben zum wissenschaftlichen Schreiben: www.wiso.uni-hamburg.de (geprüft am 2026-10-05)
Die Frage „Darfst du alte Schreibweisen im Zitat anpassen?“ beantworten die Leitfäden aus Münster und Hamburg gleich: Du kannst die alte Rechtschreibung im Zitat beibehalten, weil ein wörtliches Zitat die Quelle so wiedergibt, wie sie gedruckt ist.