Die Zielsetzung einer Abschlussarbeit klar bestimmen
Zielsetzung einer Abschlussarbeit formulieren
Die Zielsetzung ordnet eine Abschlussarbeit auf eine konkrete wissenschaftliche Fragestellung aus. Sie richtet den Blick auf das Material, das für deren schriftliche Bearbeitung und Beantwortung benötigt wird.
Wofür die Zielsetzung im beschriebenen Arbeitsrahmen steht
Im Rahmen der vorliegenden Handreichung zeigt eine Haus- oder Abschlussarbeit die Fähigkeit, eine wissenschaftliche Fragestellung selbstständig zu bearbeiten. Dafür werden einschlägige Literatur und, sofern eingesetzt, eigene empirische Analysen herangezogen. Die Zielsetzung einer Abschlussarbeit formulieren heißt in diesem Rahmen: Die Arbeit auf die Beantwortung einer konkreten Frage auszurichten und diese Frage nicht durch eine bloße Sammlung verfügbarer Informationen zu ersetzen.
Ausgangspunkt ist eine Problemstellung mit wissenschaftlicher sowie politisch-praktischer Relevanz. Von dieser Problemstellung führt der Weg zu einer präzise gefassten Fragestellung. Die Zielsetzung benennt damit nicht einfach ein Thema, sondern den Gegenstand, der im Licht der Frage ausgewertet und neu zusammengeführt wird. Für eine Abschlussarbeit verweist die Handreichung dabei auf eine Fragestellung, die zu Lehr- und Forschungsthemen der Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Methoden, passt.
Die Frage wird schriftlich bearbeitet und beantwortet. Ihre Bearbeitung verbindet eine theoretisch-konzeptionelle Rahmung mit methodischen Werkzeugen. Die Zielsetzung hält diese Verbindung zusammen: Sie richtet die Auswertung des vorhandenen Materials an der konkreten Fragestellung aus. Als Ergebnis der Beantwortung nennt die Handreichung ein neues empirisches Ergebnis; auch eine systematische Aufarbeitung vorhandener Literatur wird als Bezugspunkt genannt.
Als Arbeitsnotiz für die weitere Ausarbeitung können folgende Begriffe festgehalten werden: wissenschaftliches Schreiben, Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit, Hausarbeit schreiben, Masterarbeit schreiben und Forschungsfrage formulieren. Sie ändern die hier beschriebene Zielsetzung nicht, helfen aber dabei, die eigene Arbeit entlang von Problemstellung, Frage, Rahmung, Methoden und Antwort zu lesen.

Problemstellung, Fragestellung und Bearbeitung zusammenführen
Die Quelle beschreibt keinen Aufbau, bei dem zuerst möglichst viel Wissen zu einem Thema gesammelt wird. Sie beschreibt eine Reihenfolge, in der eine relevante Problemstellung zuerst steht. Daraus wird eine konkrete und präzise Fragestellung abgeleitet. Diese Frage erhält eine theoretisch-konzeptionelle Rahmung und wird mit methodischen Werkzeugen schriftlich bearbeitet. Anschließend richtet sich die Auswertung des Materials auf die Beantwortung dieser Frage.
- Problemstellung bestimmen: Benenne die Problemstellung, aus der die Arbeit hervorgeht. Ergebnis dieses Schritts ist ein Ausgangspunkt mit wissenschaftlicher und politisch-praktischer Relevanz.
- Fragestellung ableiten: Formuliere aus der Problemstellung eine konkrete und präzise Frage. Ergebnis ist die Frage, auf die sich die weitere schriftliche Bearbeitung bezieht.
- Rahmung und Werkzeuge festhalten: Ordne der Frage eine theoretisch-konzeptionelle Rahmung und methodische Werkzeuge zu. Ergebnis ist ein Zusammenhang zwischen Frage, Rahmung und Bearbeitung.
- Material auswerten: Werte vorhandenes Material im Licht der konkreten Fragestellung aus und führe es neu zusammen. Ergebnis ist eine auf die Frage bezogene Bearbeitung statt einer bloßen Materialsammlung.
- Antwort ausarbeiten: Bearbeite und beantworte die Fragestellung schriftlich. Ergebnis ist die Antwort, für die die Handreichung ein neues empirisches Ergebnis oder eine systematische Aufarbeitung vorhandener Literatur als Bezug nennt.
Für die sprachliche und formale Arbeitsorganisation können zusätzlich diese Stichworte notiert werden: wissenschaftliche Argumentation, Gliederung einer Hausarbeit, Literaturverzeichnis erstellen, Quellenangaben richtig zitieren und Zitierweisen. Die Zielsetzung selbst bleibt dabei an die konkrete Fragestellung gebunden.
Die Anwendung dieses Aufbaus besteht darin, jeden Bestandteil an der Frage zu prüfen. Steht ein Materialstück nicht im Licht der Frage, beschreibt die Quelle keine Begründung dafür, es bloß wegen seiner Verfügbarkeit aufzunehmen. Steht eine Aussage im Zusammenhang mit der Frage, kann sie innerhalb der schriftlichen Bearbeitung ausgewertet und neu zusammengeführt werden.
Die Zielsetzung Schritt für Schritt formulieren
Das folgende Vorgehen überträgt die in der Handreichung beschriebene Abfolge in einzelne Arbeitsschritte. Es ergänzt keine Vorgaben zu Umfang, Fristen oder institutionellen Verfahren. Jeder Schritt endet mit einem sichtbaren Zwischenergebnis, das unmittelbar zum nächsten Schritt führt.
- Eine Problemstellung festhalten. Schreibe auf, welche Problemstellung den Ausgangspunkt bildet und worin ihre wissenschaftliche sowie politisch-praktische Relevanz liegt. Ergebnis: eine benannte Problemstellung.
- Die Frage daraus ableiten. Formuliere aus dieser Problemstellung eine konkrete und präzise Fragestellung. Ergebnis: eine Frage, die den Gegenstand der schriftlichen Bearbeitung bestimmt.
- Den Kontext der Abschlussarbeit prüfen. Ermittle aus den Unterlagen der betreffenden Professur, ob die Fragestellung zu deren Lehr- und Forschungsthemen, insbesondere Methoden, passt. Ergebnis: ein dokumentierter Prüfschritt für den in der Handreichung genannten Bezug.
- Rahmung und Werkzeuge zuordnen. Halte fest, mit welcher theoretisch-konzeptionellen Rahmung und welchen methodischen Werkzeugen die Frage bearbeitet wird. Ergebnis: eine Zuordnung von Frage, Rahmung und Werkzeugen.
- Material auf die Frage beziehen. Werte einschlägige Literatur und, falls vorgesehen, eigene empirische Analysen im Licht der Frage aus. Ergebnis: neu zusammengeführtes Material mit Bezug zur Fragestellung.
- Die Antwort schriftlich ausarbeiten. Bearbeite und beantworte die Frage schriftlich. Ergebnis: eine Antwort mit dem in der Quelle genannten Bezug zu einem neuen empirischen Ergebnis oder zu einer systematischen Aufarbeitung vorhandener Literatur.
Für die Benennung der methodischen Arbeitsschritte können die Begriffe Methoden wissenschaftlicher Arbeiten sowie qualitative und quantitative Forschung als Prüfnotizen danebenstehen. Für das Festhalten von Übernahmen kann Plagiat vermeiden als weitere Prüfnotiz notiert werden. Die Handreichung trägt jedoch nur die Auswertung einschlägiger Literatur und gegebenenfalls eigener empirischer Analysen als Bestandteile der beschriebenen Bearbeitung.
Ein kurzes Beispiel als durchgängige Anwendung
Ein Beispiel kann die Reihenfolge sichtbar machen, ohne zusätzliche Fachbehauptungen über einen Gegenstand aufzustellen. Ausgangspunkt ist die neutrale Festhaltung: Für ein ausgewähltes Material soll eine wissenschaftlich und politisch-praktisch relevante Problemstellung bestimmt werden. Daraus wird die Fragestellung formuliert: Wie lässt sich das ausgewählte Material im Licht dieser Problemstellung auswerten und neu zusammenführen?
Die Zielsetzung lautet dann: Die Arbeit bearbeitet und beantwortet diese konkrete Fragestellung schriftlich, indem sie einschlägige Literatur auswertet, eine theoretisch-konzeptionelle Rahmung einbezieht und methodische Werkzeuge heranzieht. Wenn eigene empirische Analysen vorgesehen sind, werden sie in diesem Beispiel nur als möglicher, in der Quelle genannter Bestandteil der Bearbeitung festgehalten. Das Beispiel behauptet weder Eigenschaften des ausgewählten Materials noch ein bestimmtes Ergebnis.
Die Anwendung folgt anschließend derselben Linie: Zuerst wird die Problemstellung benannt. Danach wird die präzise Frage festgehalten. Als Nächstes werden Rahmung und Werkzeuge der Frage zugeordnet. Dann wird das Material anhand der Frage ausgewertet und neu zusammengeführt. Zum Schluss wird die Antwort schriftlich formuliert. Das sichtbare Ergebnis jedes Schritts ist jeweils die Grundlage des nächsten: Problemstellung, Fragestellung, Zuordnung, Auswertung und Antwort.
Für die eigene Textarbeit können die Stichworte deutsche Zitierweise und Harvard-Zitierweise getrennt notiert werden. Dieses Beispiel legt keine Auswahl zwischen ihnen fest. Es verdeutlicht ausschließlich die von der Quelle getragene Verbindung aus Problemstellung, präziser Fragestellung, Rahmung, methodischen Werkzeugen, Auswertung und schriftlicher Beantwortung.

Definition, Abgrenzung und Form getrennt prüfen
Die Qualitätsprüfung trennt zwei Bereiche: erstens die fachliche Passung der Zielsetzung zur beschriebenen Definition und zweitens die formale Kontrolle des eigenen Textes. Fachlich geht es darum, ob die Zielsetzung von einer Problemstellung mit wissenschaftlicher und politisch-praktischer Relevanz zu einer konkreten, präzisen Fragestellung führt. Sie muss außerdem erkennen lassen, dass die Frage theoretisch-konzeptionell gerahmt, mit methodischen Werkzeugen bearbeitet und schriftlich beantwortet wird.
- Definition prüfen: Ist die Zielsetzung auf die selbstständige Bearbeitung und Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung ausgerichtet?
- Merkmale prüfen: Sind Problemstellung, wissenschaftliche und politisch-praktische Relevanz sowie eine konkrete und präzise Fragestellung ausdrücklich erkennbar?
- Anwendung prüfen: Werden einschlägige Literatur und, falls eingesetzt, eigene empirische Analysen im Licht der konkreten Fragestellung ausgewertet und neu zusammengeführt?
- Abgrenzung prüfen: Ersetzt der Text die Bearbeitung der Frage durch das bloße Zusammentragen verfügbarer Informationen? Wenn ja, formuliere die Verbindung zur konkreten Fragestellung neu.
- Ergebnis prüfen: Führt die schriftliche Bearbeitung zu einer Antwort und bleibt dabei beim in der Quelle genannten Bezug zu einem neuen empirischen Ergebnis oder einer systematischen Aufarbeitung vorhandener Literatur?
Die formale Prüfung ist davon getrennt vorzunehmen. Lies den eigenen Text und prüfe, ob Problemstellung, Fragestellung, Rahmung, methodische Werkzeuge, Auswertung und Antwort als unterscheidbare Bestandteile erkennbar sind. Prüfe außerdem, ob Aussagen über Material tatsächlich auf die konkrete Fragestellung bezogen sind. Wenn der Bezug nicht sichtbar ist, überarbeite die betreffende Formulierung so, dass sie die Frage, die Auswertung oder die schriftliche Beantwortung benennt.
Für eine weitere Sichtung können die bereits notierten Begriffe erneut neben den Text gelegt werden. Ihre Funktion besteht hier nur darin, die eigene Prüfung zu ordnen. Die Abgrenzung bleibt klar: Eine wissenschaftliche Arbeit besteht nach der Quelle nicht im Niederschreiben aller verfügbaren Informationen, sondern in deren Auswertung und neuer Zusammenführung im Licht der konkreten Fragestellung.
Quellen und Stand
- Handreichung zu Haus- und Abschlussarbeiten: www.wiso.uni-hamburg.de (geprüft am 2026-08-24)