Wie begründest du in der Einleitung, warum deine Arbeit relevant ist?
Relevanz begründen: den Nutzen deiner Arbeit in der Einleitung zeigen
Die Relevanz begründest du in der Einleitung. Sie kann wissenschaftlich, praktisch oder gesellschaftlich sein. Ein bloßes persönliches Interesse trägt laut dem Düsseldorfer Leitfaden nicht.
Was Relevanz in der Einleitung heißt
Die Relevanz sagt, warum es sich lohnt, dein Thema zu bearbeiten. Gemeint ist der Nutzen, den die Antwort auf deine Frage für eine benannte Gruppe hat, und dieser Nutzen wird in der Einleitung deutlich gemacht. Der Leitfaden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft, ohne Datumsangabe, sieht in der Hinführung vor, dass eine plausible Begründung steht, warum es relevant ist, das Thema zu bearbeiten. Die Hinweise der Alice Salomon Hochschule Berlin von Prof. Dr. Oliver Fehren aus dem Jahr 2014 nennen als Aufgabe der Einleitung, dass das Interesse am Thema geweckt und die praktische oder theoretische Relevanz deutlich wird.
Die Relevanz ist ein Baustein innerhalb der Einleitung der Bachelorarbeit und steht mit der Frage in Verbindung, die du danach stellst. Damit deine Begründung nicht wie eine bloße Lücke im Forschungsstand wirkt, prüfe, wie du die Forschungslücke nachvollziehbar begründen kannst. Beide Argumente unterscheiden sich, denn eine Lücke allein sagt noch nichts darüber, wem die Antwort nützt.
Vorsichtig gedacht folgt daraus, dass die Relevanz in die Hinführung zur Frage gehört und nicht an eine feste Stelle, die alle Hochschulen vorgeben. Die Düsseldorfer Vorgabe nennt die Hinführung, die Berliner Vorgabe die Einleitung, und beide Aussagen gelten für genau diese Regelwerke. Frage deshalb bei deiner Betreuung nach, wenn dein Lehrstuhl einen anderen Ort oder ein anderes Format wünscht, und prüfe, ob deine Begründung an der gewünschten Stelle sinnvoll steht.

Drei Arten von Relevanz
Der Düsseldorfer Leitfaden unterscheidet theoretisches, gesellschaftliches und praktisches Interesse nach dem Nutzen der Antwort. Ein theoretisches Interesse liegt laut diesem Leitfaden vor, wenn die Antwort hilft, ein Problem der Wissenschaft zu lösen. Ein gesellschaftliches Interesse liegt laut diesem Leitfaden vor, wenn die Antwort einer gesellschaftlichen Gruppe oder der Gesamtgesellschaft bei einem Problem hilft. Ein praktisches Interesse liegt vor, wenn die Antwort einem Unternehmen, einer Partei oder einer Organisation bei einem Problem hilft.
Die Vorgabe der FAU Erlangen-Nürnberg für wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten nennt aktuelle, praktische und theoretische Relevanz, und die Vorgabe der Frankfurter Professur verlangt politische und wissenschaftliche Relevanz. Welche Art du wählst, prüfst du am Leitfaden, der für dein Fach gilt.
| Art der Relevanz | Woran du sie erkennst | Beleg |
|---|---|---|
| wissenschaftlich | Beispiel, erfunden: Die Antwort klärt einen Widerspruch zwischen zwei bisherigen Studien zur Mediennutzung. | Düsseldorf (theoretisches Interesse); Erlangen-Nürnberg (theoretische Relevanz); Frankfurt (wissenschaftliche Relevanz) |
| praktisch | Beispiel, erfunden: Die Antwort hilft dem Vorstand eines Verbands, ein Abstimmungsproblem zu lösen. | Düsseldorf (praktisches Interesse); Erlangen-Nürnberg (praktische Relevanz) |
| gesellschaftlich | Beispiel, erfunden: Die Antwort hilft Pflegekräften einer Region, ihre Arbeitszeiten zu planen. | Düsseldorf (gesellschaftliches Interesse); Frankfurt nennt daneben politische Relevanz |
Beim Einordnen prüfst du zuerst, für wen die Antwort nützlich ist, und erst danach wählst du die Art. Eine Arbeit kann mehrere Interessen abdecken, muss aber laut Düsseldorf mindestens einem davon dienen. Die Beispiele in der Tabelle sind erfunden und dienen nur der Orientierung.
Wenn du die Forschungslücke identifizieren willst, prüfst du, ob der bisherige Forschungsstand Lücken im Verständnis hat oder ob neue Daten das bisherige Wissen infrage stellen. Nach den Hinweisen der Goethe-Universität Frankfurt, Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse, Stand Januar 2023, ist ein Thema dann wissenschaftlich relevant, wenn einer dieser Fälle vorliegt. Dieselben Hinweise verlangen für Hausarbeiten eine Begründung politischer und wissenschaftlicher Relevanz.
Was als Begründung nicht trägt
Der Düsseldorfer Leitfaden hält drei Gedanken für nicht ausreichend: das eigene Interesse am Thema, eine angebliche Forschungslücke und die weite Verbreitung eines Phänomens. Diese Gedanken wirken im ersten Moment überzeugend, tragen die Relevanz aber nicht, weil sie noch niemanden benennen, dem die Antwort etwas bringt. Ein persönliches Interesse allein nennt keine Gruppe, der die Antwort nützt.
Statt Sätze wie das Thema ist aktuell zu verwenden, nenne eine Gruppe, für die etwas gewonnen ist, wenn die Frage beantwortet ist. Ein erfundenes Beispiel: Eine Arbeit über Lern-Apps hilft den Schulleitungen einer Region, ihre Auswahl sachlich zu begründen. Hier steht der Nutzen für eine benannte Gruppe im Vordergrund, nicht die Aktualität. Den benannten Nutzen kannst du in der Problemstellung der Bachelorarbeit aufgreifen, damit die Begründung und die Problemstellung dieselbe Gruppe nennen.
Ob andere Lehrstühle das genauso sehen, lässt sich aus dem Düsseldorfer Leitfaden nicht ableiten. Im Zweifel fragst du bei deiner Betreuung nach, welche Begründungen sie für dein Fach akzeptiert, bevor du deine Einleitung festlegst.

So begründest du die Relevanz Schritt für Schritt
Die Hinweise der Goethe-Universität Frankfurt, Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse, Stand Januar 2023, verlangen, die einschlägige Fachliteratur gründlich zu lesen, bevor du die wissenschaftliche Relevanz begründest. Das ist die Vorgabe dieser Professur und nicht automatisch die Vorgabe deines Fachbereichs. Der Stand ist Oktober 2026, und Vorgaben einzelner Lehrstühle können sich ändern, deshalb prüfst du vor dem Schreiben den aktuellen Leitfaden deines Lehrstuhls. Prüfe dafür, welche Literatur zu deinem Thema vorliegt. Gehe dann in dieser Reihenfolge vor:
- Benenne das Thema in einem Satz.
- Frage, wer vom Ergebnis etwas hat.
- Wähle die Art der Relevanz: wissenschaftlich, praktisch oder gesellschaftlich.
- Belege die Begründung mit Literatur.
- Fasse die Begründung in einem Satz zusammen.
- Leite zur Frage über, die deine Arbeit beantwortet.
Ein Beispiel, erfunden: Ein Thema zur Nutzung von Podcasts in der Lokalpolitik benennst du zuerst. Danach fragst du, ob Parteigeschäftsstellen von der Antwort profitieren, wählst praktisches Interesse, belegst es mit Literatur und fasst es in einem Satz zusammen. Prüfe danach die Zusammenfassung, ob sie den benannten Nutzen nennt.
Nach den Frankfurter Hinweisen leitest du aus der Relevanz eine präzise Frage ab. Aus dem benannten Nutzen lässt sich die Forschungsfrage formulieren. Ein Satz wie „Parteien brauchen Hinweise, wie sie Podcasts für den Kontakt zu Bürgern nutzen können“ ist ein erfundenes Beispiel, das den Nutzen benennt und den Übergang zur Frage vorbereitet.
Quellen und Stand
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Kommunikations- und Medienwissenschaft: Leitfaden für die Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten: sozwiss.hhu.de (geprüft am 2026-10-06)
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Kommunikations- und Medienwissenschaft: Leitfaden für die Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten: sozwiss.hhu.de (PDF) (geprüft am 2026-10-06)
- FAU Erlangen-Nürnberg, Institut für Wirtschaftswissenschaft (BWL): Leitfaden zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten (2018): www.economics.phil.fau.de (geprüft am 2026-10-06)
- Goethe-Universität Frankfurt, Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse: Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten (Stand Januar 2023): www.starkerstart.uni-frankfurt.de (geprüft am 2026-10-06)
- Alice Salomon Hochschule Berlin, Prof. Dr. Oliver Fehren: Hinweise zur Erstellung von schriftlichen wissenschaftlichen Arbeiten (2014): www.ash-berlin.eu (geprüft am 2026-10-06)