Was steht im Literaturverzeichnis, wenn der Autor fehlt?
Quelle ohne Autor: So kennzeichnest du den fehlenden Autor
Fehlt bei einer Quelle der Autor, kennzeichnest du die Lücke je nach Hochschule mit N. N., o. A. oder o. V. Bevor du eines dieser Kürzel einsetzt, steht am Anfang immer die Recherche.
So kennzeichnest du den fehlenden Autor
Fehlt der Autor, erfindest du keinen Namen und kennzeichnest die Lücke stattdessen mit einem Kürzel. Welches Kürzel du verwendest, hängt davon ab, welche Hochschule oder welcher Lehrstuhl den Leitfaden vorgibt, denn hier gehen die Vorgaben auseinander. Die LMU München nennt für diesen Fall N. N. für nomen nescio und führt daneben die Varianten Anon. und o. A. als mögliche Schreibweisen an. Damit ist für den Leser erkennbar, dass an dieser Stelle bewusst kein Name steht und die Angabe nicht schlicht vergessen wurde.
Die Universität Trier geht einen anderen Weg und schreibt in solchen Fällen o.V. für ohne Verfasser. Auch hier zeigt das Kürzel, dass die fehlende Angabe erkannt und nicht übersehen wurde. Die WU Wien setzt ebenfalls auf o.V., allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Dort wird dieses Kürzel nur verwendet, wenn zusätzlich auch kein Herausgeber erkennbar ist.
Aus diesen drei Beispielen folgt vorsichtig: Das Kürzel übernimmt im Eintrag die Funktion, die sonst der Autorenname hat, und es macht deutlich, dass an dieser Stelle recherchiert und nicht geraten wurde. Welches Kürzel im eigenen Eintrag richtig ist, bestimmt aber nicht ein allgemeiner Zitierstil, sondern der Leitfaden der eigenen Hochschule. Ein Beispiel, rein erfunden und ohne Bezug zu einer echten Veröffentlichung, könnte im Eintrag so aussehen: N. N.: Titel der Quelle, Verlag, Erscheinungsort. Wie das gefundene Kürzel dann konkret im Satz steht, zeigt die Anleitung zum Thema Quellenangabe im Text richtig anwenden. Für Seiten aus dem Netz gibt die Universität Trier vor, dass bei positiv geprüfter Zitierwürdigkeit der laut Impressum Verantwortliche an die Stelle des Autors tritt; wie du diese Prüfung vornimmst, erklärt die Anleitung zum Thema Internetquellen zitieren.

Kennzeichnung an drei Hochschulen im Vergleich
Die drei vorgestellten Hochschulen zeigen, wie unterschiedlich die Kennzeichnung eines fehlenden Autors ausfallen kann. An der LMU München stehen N. N., Anon. oder o. A. für den fehlenden Namen. Ist die Person als Urheber zwar bekannt, wird sie in der Quelle selbst aber nicht offiziell als Autor genannt, setzt die LMU den Namen stattdessen in eckige Klammern. Die Universität Trier verlangt dagegen o.V., stellt dieser Kennzeichnung aber eine Bedingung voran: Die fehlende Angabe muss zuerst recherchiert werden, bevor das Kürzel überhaupt zum Einsatz kommt.
Die WU Wien nutzt o.V. ebenfalls, beschränkt den Einsatz aber auf Fälle, in denen zusätzlich kein Herausgeber erkennbar ist. Außerdem empfiehlt die WU Wien, auf solche Quellen nach Möglichkeit zu verzichten. Ergänzend zeigt der Leitfaden für Baubetriebslehre an der Universität Stuttgart, wie die Kennzeichnung in der Fußnote aussehen kann: Dort steht o. V. mit Jahreszahl, und der Herausgeber wird genannt, sofern einer vorhanden ist. Zu den Abkürzungen beim Zitieren zählen an denselben Hochschulen auch o. J. und o. O., die für eine fehlende Jahres- beziehungsweise Ortsangabe stehen.
Die folgende Tabelle fasst die drei Hochschulen mit ihrer jeweiligen Kennzeichnung und Besonderheit zusammen.
| Hochschule | Kennzeichnung | Besonderheit |
|---|---|---|
| LMU München | N. N., Anon. oder o. A. | Bekannter, aber nicht offiziell genannter Name steht in eckigen Klammern |
| Universität Trier | o.V. | Angabe muss zuvor intensiv recherchiert werden |
| WU Wien | o.V. | Nur wenn zusätzlich kein Herausgeber erkennbar ist, Verzicht auf solche Quellen empfohlen |
Die drei Leitfäden zeigen: Eine einheitliche Regel für alle Hochschulen gibt es nicht. Welche Kennzeichnung im eigenen Eintrag steht, entscheidet der Leitfaden des jeweiligen Lehrstuhls, nicht eine allgemeine Konvention.
Erst recherchieren, dann kennzeichnen
Bevor du o. V. in den Eintrag schreibst, suchst du den Autor noch einmal. Die Universität Trier verlangt genau das: Fehlende Angaben sind intensiv zu recherchieren, bevor das Kürzel eingesetzt wird. Als konkreten Ansatzpunkt nennt der Leitfaden der Universität Trier den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, mit dem sich viele fehlende Angaben zu Monographien ergänzen lassen. Erst wenn diese Recherche erfolglos bleibt, kommt o.V. zum Einsatz.
Bei Internetseiten geht die Universität Trier noch einen Schritt weiter: Dort wird zunächst die Zitierwürdigkeit der Quelle geprüft. Fällt diese Prüfung positiv aus, wird nicht einfach o.V. eingesetzt, sondern der für die Seite Verantwortliche laut Impressum genannt, versehen mit dem Zusatz Hrsg. Die Reihenfolge ist also klar: zuerst die Quelle prüfen, dann erst die passende Kennzeichnung wählen.
Die WU Wien geht in eine ähnliche Richtung und empfiehlt, Quellen ohne erkennbaren Autor und ohne Herausgeber nach Möglichkeit gar nicht erst zu verwenden. Daraus lässt sich vorsichtig folgern: Eine Quelle ohne Autor ist in ihrer Zuverlässigkeit schwerer zu prüfen als eine Quelle mit klar erkennbarem Urheber. Im Zweifel lohnt sich daher die Suche nach einer besser belegten Quelle, bevor der Eintrag mit einem Kürzel für den fehlenden Autor steht. Wie ein solcher Eintrag am Ende im Verzeichnis einsortiert wird, hängt auch davon ab, wie du dein Literaturverzeichnis alphabetisch sortieren willst, denn ein Kürzel wie o.V. oder N. N. braucht im Verzeichnis eine feste Position.

So gehst du Schritt für Schritt vor
Wenn du bei einer Quelle keinen Autor findest, hilft eine feste Abfolge von Schritten, damit du beim Beleg nicht die Quellenangabe vergessen musst, sondern die Lücke sauber kennzeichnest. Die folgenden Schritte bauen aufeinander auf und führen von der ersten Suche bis zum fertigen Eintrag im Verzeichnis.
- Titelblatt, Impressum und Quellenangaben der Quelle gezielt nach dem Autor absuchen
- Den Bibliothekskatalog befragen, um die fehlende Angabe doch noch zu finden
- Prüfen, ob ein Herausgeber oder eine Institution erkennbar ist, die an die Stelle des Autors treten kann
- Im Leitfaden des eigenen Lehrstuhls nachlesen, welches Kürzel dort für den fehlenden Autor vorgesehen ist
- Den Eintrag nach dem gewählten Kürzel in das Verzeichnis einsortieren
- Die gewählte Form im ganzen Literaturverzeichnis einheitlich verwenden
Diese Schritte sind nötig, weil LMU, Trier und WU Wien unterschiedliche Kürzel für denselben Fall vorsehen: Die LMU nennt N. N., Anon. oder o. A., Trier schreibt o.V. nach vorheriger Recherche, und die WU Wien setzt o.V. nur ein, wenn zusätzlich kein Herausgeber erkennbar ist. Weil sich diese drei Vorgaben unterscheiden, geht der eigene Leitfaden jeder allgemeinen Faustregel vor. Stand dieser Übersicht ist Oktober 2026, Vorgaben einzelner Lehrstühle können sich seitdem geändert haben, weshalb sich ein Blick in den aktuellen Leitfaden der eigenen Hochschule lohnt.
Quellen und Stand
- LMU München, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte: Leitfaden zum Zitieren (Version April 2021): www.ngzg.geschichte.uni-muenchen.de (geprüft am 2026-10-05)
- Universität Trier, Volkswirtschaftslehre: Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten: www.uni-trier.de (geprüft am 2026-10-05)
- WU Wien, Wirtschaftspädagogik: Zitierleitfaden: www.wu.ac.at (geprüft am 2026-10-05)
- Universität Stuttgart, Institut für Baubetriebslehre: Leitfaden für Abschlussarbeiten (04/2023): www.ibl.uni-stuttgart.de (geprüft am 2026-10-05)
Musst du eine Quelle ohne Autor im Literaturverzeichnis angeben, lautet die Frage: „Was steht im Literaturverzeichnis, wenn der Autor fehlt?“ Die Antwort ist ein Kürzel wie N. N. oder o.V., je nach Leitfaden, und nie ein vermuteter Name.