Plagiatsarten im Erkennungstest: 22 Texte mit bekannter Herkunft
Wörtlich kopiert wird gefunden, umformuliert nicht
Eine Plagiatsprüfung, die 0 Prozent meldet, kann beruhigen. Die Frage ist nur, was sie überhaupt finden kann. Für diesen Test haben wir 22 Texte zusammengestellt, bei denen wir vorher wussten, ob und wie sie übernommen wurden, und sie durch die kostenlos nutzbare Webversion von plagiarismdetector.net geschickt. Die Unterschiede zwischen den Plagiatsarten waren in dieser Testreihe deutlich.
Texte, deren Herkunft vorher feststeht
Bei einem echten Kundendokument weiß niemand, wie viel übernommen wurde. Ein Test braucht deshalb Texte, deren Herkunft dokumentiert ist, bevor die Prüfung läuft. Wir haben fünf Gruppen gebildet, die den gängigen Plagiatsarten entsprechen, insgesamt 22 Texte zu je rund 1.400 Zeichen:
- Unbearbeitete Internetpassagen: originale Abschnitte aus frei zugänglichen deutschen Onlinetexten, sechs Exemplare
- Sinngemäß geändert: gleicher Sachinhalt komplett neu formuliert, vier Beispiele
- Sprachwechsel: englische Originale ins Deutsche übertragen, vier Varianten
- Hochschulpublikationen: wortwörtliche Zitate aus online verfügbaren Abschlussarbeiten als PDF, drei Fundstücke
- Eigener Text: von uns geschrieben, nie veröffentlicht, fünf Stück als Kontrollgruppe
Die letzte Gruppe ist der Gegentest: Wenn eine Prüfung dort anschlägt, weist sie eine Übereinstimmung aus, obwohl der Text in dieser Testreihe nicht übernommen wurde.
Das Ergebnis
Zur Untersuchung nutzten wir die kostenlos nutzbare Webversion von plagiarismdetector.net. Angeschlagen bedeutet hier: Die Prüfung weist für das Dokument mindestens 20 Prozent textuelle Übereinstimmung aus.
| Art der Übernahme | Texte | angeschlagen | Mittelwert | höchster Wert |
|---|---|---|---|---|
| Wörtlich aus dem Web | 6 | 6 | 85,2 % | 100 % |
| Übersetzung aus dem Englischen | 4 | 1 | 25,0 % | 100 % |
| Paraphrase | 4 | 0 | 0 % | 0 % |
| Wörtlich aus einer Abschlussarbeit | 3 | 0 | 0 % | 0 % |
| Eigener Text, unveröffentlicht | 5 | 0 | 0 % | 0 % |
Zentrale Erkenntnisse liefern zwei Beobachtungen. Erstens: Jede einzelne wörtliche Übernahme aus dem Web wurde gefunden, durchschnittlich mit 85 Prozent, einmal mit 100. Bei den wörtlichen Webübernahmen zeigte die Prüfung jeweils einen Quelllink an.
Zweitens: Keine einzige Paraphrase wurde erkannt, und auch keiner der wörtlichen Auszüge aus veröffentlichten Abschlussarbeiten. Nicht etwa knapp verfehlt, sondern glatte null Prozent, als wären es Originaltexte.
In der Kontrollgruppe wurde kein selbst geschriebener Text angeschlagen. Dieses Ergebnis zeigt nur für diese fünf Texte, dass das Werkzeug keine Übereinstimmung auswies.

Die Lücke liegt genau dort, wo es zählt
Beim Abschreiben in Hausaufgaben wird nicht immer ein Wikipedia-Absatz wortwörtlich übernommen. Plagiatsarten können auch umformulierte oder übersetzte Übernahmen umfassen. In dieser Testreihe blieben diese Fälle häufig ohne Treffer:
- Umformulierte Quelle. Ein Buchkapitel wird eigenständig paraphrasiert, die Quellenangabe fehlt vollständig. Das kann ein Plagiat sein. In keinem der Testfälle wurde diese Art der Übernahme angeschlagen.
- Alte Abschlussarbeit. Auf Hochschulservern liegen frei zugängliche Arbeiten. In unserem Test wurden daraus wörtlich übernommene Passagen nicht angeschlagen. Ob das an den jeweiligen PDF-Dateien, der Datenbasis oder anderen Faktoren lag, lässt sich aus dem Test nicht ableiten.
- Übersetzter Text. Drei von vier Übersetzungen blieben unentdeckt.
Das Ergebnis ist keine allgemeine Bewertung der Anbieter, sondern beschreibt die Datenbasis und Funktionsweise des getesteten Werkzeugs nicht vollständig. Ein Ähnlichkeitswert hängt unter anderem von den durchsuchten Quellen, dem Format und der Formulierung des Textes ab.
Der eine Fall, den wir nicht erklären können
Eine der vier Übersetzungen wurde mit 100 Prozent angeschlagen, die anderen drei mit null. Wir können aus den Daten nicht sagen, warum. Plausibel wäre, dass die deutsche Fassung an mehreren Stellen zufällig mit einem bereits vorhandenen deutschen Text übereinstimmte, denn bei einem Sachtext über wissenschaftliches Publizieren ist der Formulierungsspielraum begrenzt.
Wir lassen den Wert deshalb stehen, ohne ihn zu deuten. Bei vier Texten in dieser Gruppe ist er ohnehin kein belastbarer Beleg dafür, dass Übersetzungen manchmal auffallen, sondern nur ein Hinweis, dass es vorkommen kann.
Was sich hier nicht testen ließ
Vier kostenfreie Analysewerkzeuge waren eingeplant. Davon blieben drei wegen praktischer Hindernisse außer Kraft, deren Ursachen für Anwender relevanter erscheinen als die eigentlichen Ergebnisse:
- smallseotools.com verlangt vor jeder Prüfung die Bestätigung, dass man ein Mensch ist. Diese Sperre haben wir als Schutzmechanismus des Anbieters bewusst nicht umgangen.
- Das Eingabefeld von duplichecker.com akzeptierte unseren automatisierten Textupload nicht. Manuell könnte es funktionieren.
- Die Prüfschaltfläche bei prepostseo.com reagierte in unserer Umgebung nicht.
Der Test erlaubt keine belastbare Aussage über einen Vergleich der Anbieter. Deshalb nutzt diese Untersuchung nur ein Programm und beschreibt die beobachteten Ergebnisse dieses Werkzeugs.

Wichtigste Erkenntnisse, die du daraus mitnehmen solltest
Drei praktische Schlüsse aus dem Vergleich der Plagiatsarten:
- Null Prozent heißt nicht plagiatsfrei. Im Test bedeutete der Wert lediglich, dass das Werkzeug keine Übereinstimmung auswies. Er ersetzt keine fachliche Bewertung von Paraphrasen, Übersetzungen oder Hochschulschriften.
- Für eine rasche Selbstkontrolle kann es trotzdem hilfreich sein. Vergessene Anführungszeichen und versehentlich übernommene Absätze können als Übereinstimmungen sichtbar werden; ein vollständiger Nachweis ist das nicht.
- Bei einer Abschlussarbeit lohnt der Blick auf die Datenbasis. Entscheidend ist nicht der ausgewiesene Prozentwert, sondern wogegen verglichen wurde: nur gegen das offene Web oder auch gegen Verlagsinhalte und Hochschulschriften.
Eigene Plagiatsanalyse gehörte nicht zum Untersuchungsgegenstand. Ein Dienstleister, der seinen Service selbst bewertet, erzielt erfahrungsgemäß positive Werte, was für Nutzer wenig aussagt. Details dazu, welche Bereiche unser System erfasst und welche nicht, findest du im Beitrag zur Aussagekraft von Plagiatsprüfung und KI-Detektor.
Methodik
Die Randbedingungen vollständig:
- Korpus: 22 Texte zu je rund 1.400 Zeichen, Herkunft vor dem Test dokumentiert
- Quellen: frei zugängliche Onlinetexte für die wörtlichen Übernahmen, veröffentlichte Hochschulschriften für die PDF-Gruppe, eigene unveröffentlichte Texte als Kontrolle
- Umgeschriebene Fassungen und Sprachversionen wurden algorithmisch aus denselben Ausgangstexten erzeugt, ohne weitere Überarbeitung
- Werkzeug: plagiarismdetector.net, kostenlose Fassung, ohne Konto
- Durchführung: ein Durchlauf je Text, ausgewertet wurde der ausgewiesene Übereinstimmungswert
- Schwelle: als angeschlagen gilt ein Text ab 20 Prozent ausgewiesener Übereinstimmung
Die Grenzen sind deutlich: ein Werkzeug, 22 Texte und kleine Gruppen. Die Ergebnisse zeigen für diese Testreihe deutliche Unterschiede: sechs von sechs wörtlichen Webübernahmen wurden angeschlagen, bei sieben Paraphrasen und Auszügen aus Abschlussarbeiten keine.
Weiterführend: Vergleich kostenloser Plagiatsprüfungen, das Copy-and-paste-Plagiat, Blindtest der Korrekturprogramme sowie der Falschalarm-Test der KI-Detektoren.