Kyrillische Zeugnisse und ISO 9: Welche Schreibweise gilt?
ISO 9: kyrillische Namen einheitlich umschreiben
Wer kyrillische Zeugnisse für ein Studium in Deutschland braucht, steht vor einer praktischen Frage: Welche lateinische Schreibweise des Namens ist richtig? Dieser Artikel erklärt, was ISO 9 als Norm leistet, welche Rolle der Reisepass im deutschen Personenstandsrecht spielt, was uni-assist bei der Beglaubigung verlangt und wo die vorhandenen Quellen an ihre Grenzen kommen.
Was ISO 9 leistet und was sie nicht festlegt
ISO 9 ist eine Norm, die kyrillische Buchstaben Zeichen für Zeichen in lateinische Buchstaben umschreibt und umkehrbar ist. Sie arbeitet bijektiv: Jedem kyrillischen Buchstaben wird genau ein lateinisches Zeichen mit Diakritika zugeordnet, sodass dieser Vorgang ohne Informationsverlust rückgängig gemacht werden kann. Die Norm gilt unabhängig von der Quellsprache, ob der Name also aus dem Russischen, dem Bulgarischen oder dem Serbischen stammt, ändert an der Zuordnungstabelle nichts, wobei daraus nicht folgt, dass Reisepässe oder amtliche Urkunden tatsächlich auf Basis dieser Norm ausgestellt werden.
In Deutschland regelt die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Personenstandsgesetz, wie Namen mit nichtlateinischen Schriftzeichen wiederzugeben sind. Nach Nummer A 4.2 dieser Verwaltungsvorschrift sind Namen soweit möglich durch Transliteration zu erfassen, und dabei sind die Normen der Internationalen Normenorganisation anzuwenden, obwohl sich diese Vorschrift ausschließlich an Standesämter richtet und keine direkte Bindungswirkung für Hochschulen entfaltet. Für Bewerbende mit kyrillischen Zeugnissen bedeutet das: Die Vorschrift beschreibt den behördlichen Rahmen, ersetzt aber keine konkrete Auskunft der Zielhochschule.
So gelingt die beglaubigte Übersetzung Deines Zeugnisses am verlässlichsten, wenn die Frage nach der Namensschreibweise vor der Beauftragung einer Übersetzung geklärt ist. Weder die Norm selbst noch das Personenstandsrecht legt fest, welche Schreibweise eine Hochschule in Bewerbungsunterlagen erwartet. Die passende Antwort kommt von der Zielhochschule oder von der vereidigten Übersetzerin beziehungsweise dem vereidigten Übersetzer, die den Auftrag ausführen sollen.

Reisepass, ISO-9-Umschrift und Klangschreibweise im Vergleich
Die Frage, welche Schreibweise bei kyrillischen Namen gilt, hängt im deutschen Personenstandsrecht von der vorhandenen Urkundenlage ab. Nach Nummer A 4.2 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Personenstandsgesetz ist die lateinische Schreibweise eines Namens maßgebend für die Eintragung im Personenstandsbuch, wenn sie sich aus einer öffentlichen Urkunde des Heimatstaats ergibt, wobei der Reisepass ausdrücklich als Beispiel genannt wird. Diese Rangfolge gilt für Eintragungen im Personenstandsbuch und nicht automatisch für Zeugnisübersetzungen, sodass Hochschulen und Übersetzerinnen oder Übersetzer diesen Bereich eigenständig handhaben können.
Beglaubigte Urkundenübersetzungen für Behörden vorbereiten bedeutet, die Namensschreibweise frühzeitig zu klären. Liegt kein lateinischer Name in einer amtlichen Urkunde vor, schreibt die Verwaltungsvorschrift vor, den Namen nach Klang und den Lautregeln der deutschen Rechtschreibung wiederzugeben. Welche der drei möglichen Ausgangslagen vorliegt, zeigt die folgende Tabelle.
| Quelle des Namens | Schreibweise | Bedeutung |
|---|---|---|
| Reisepass (öffentliche Urkunde des Heimatstaats) | Lateinische Schreibweise aus der Passseite | Maßgebend für die Eintragung im Personenstandsbuch nach PStG-VwV A 4.2 |
| ISO-9-Umschrift | Bijektive Transliteration mit Diakritika | Wissenschaftlicher Standard; sprachunabhängig und umkehrbar |
| Klangschreibweise | Wiedergabe nach deutschen Lautregeln | Gilt nach PStG-VwV, wenn weder Pass noch Transliteration die Schreibweise liefert |
Die Universität Heidelberg zeigt an einem konkreten Beispiel, wie eine Hochschule den Namen sicherstellt: Für die Bewerbung in ein höheres Fachsemester eines Masterstudiengangs verlangt sie eine Kopie der Passseite mit der Namensangabe in lateinischer Transkription. Wer sich über diesen Bewerbungsweg in Heidelberg bewirbt und einen kyrillischen Namen trägt, legt diese Passseite als Teil der Unterlagen vor. Diese Anforderung gilt für den genannten Bewerbungsweg an der Universität Heidelberg; andere Einrichtungen können abweichende Regelungen treffen, denn ein allgemeiner Grundsatz für alle Hochschulen ist aus diesem Einzelfall nicht ableitbar.
Beglaubigung und einheitliche Namensschreibweise in den Unterlagen
Zeugnisse übersetzen lassen für die Anerkennung an einer deutschen Hochschule setzt eine qualifizierte Beglaubigung voraus. Nach den Anforderungen von uni-assist sind Zeugnisse im Original einzureichen, begleitet von einer Übersetzung ins Deutsche oder Englische. Als Beglaubigungsquelle kommen vereidigte oder gerichtlich zugelassene Personen und Institutionen in Frage, ebenso eine dazu befugte Stelle der ausstellenden Schule oder Hochschule. Unbeglaubigte Übersetzungen von gewöhnlichen Agenturen nimmt uni-assist nicht an, wobei die uni-assist-Seite zu diesem Beglaubigungsthema keine Angabe macht, welche Transliterationsnorm für Namen gilt.
Bewerbung über uni-assist setzt also eine klar qualifizierte Übersetzung voraus. Wenn im Zeugnis ein Name in kyrillischen Buchstaben steht und die Übersetzerin oder der Übersetzer diesen in lateinischen Buchstaben wiedergibt, kann die gewählte Schreibweise von der Schreibweise im Reisepass abweichen. Um Unstimmigkeiten in den Bewerbungsunterlagen zu vermeiden, empfiehlt sich, dieselbe Schreibweise des Namens konsequent in Zeugnisübersetzung, Lebenslauf, Anschreiben und Bewerbungsformular zu verwenden. Liegt eine Abweichung zur Passschreibweise vor, ist es ratsam, der Übersetzerin oder dem Übersetzer die Passseite zu zeigen, damit die einheitliche Wiedergabe gesichert ist.
Der folgende Ablauf hilft dabei, die Namensschreibweise von Beginn an einheitlich festzulegen.
- Den Reisepass prüfen und notieren, welche lateinische Schreibweise der Name dort trägt.
- Die Schreibweise festlegen, die in allen Unterlagen einheitlich verwendet werden soll.
- Die Übersetzung mit dieser Schreibweise beauftragen und der Übersetzerin oder dem Übersetzer bei Abweichungen die Passseite zeigen.
- Alle fertigen Unterlagen abgleichen, um sicherzustellen, dass der Name überall gleich geschrieben ist.
Wer diese vier Schritte durchgeht, bevor die Übersetzung beauftragt wird, verringert das Risiko späterer Korrekturen. Preise, Fristen und spezifische Anforderungen können sich ändern; die aktuellen Angaben der jeweiligen Stelle haben Vorrang. Stand: September 2026.

Was die Quellen offen lassen
Ob eine Hochschule ISO 9 oder die Schreibweise im Pass verlangt, klären die Quellen nicht. Die verwendeten Belege stammen aus dem deutschen Personenstandsrecht, aus den Übersetzungshinweisen von uni-assist, aus einem konkreten Hochschulbeispiel und aus der Beschreibung der Norm selbst, wobei diese Belege zusammen keine einheitliche Regel für Hochschulen aufstellen.
Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Personenstandsgesetz, die ISO-Normen bei der Namenserfassung vorschreibt, richtet sich an Standesämter und begründet keine Bindungswirkung für Bildungseinrichtungen. Die Hinweisseite von uni-assist regelt, wer eine Übersetzung beglaubigen darf, enthält aber keine Angabe zur Transliterationsnorm für Namen. Das Heidelberger Beispiel belegt eine Passseitenanforderung für einen bestimmten Masterbewerbungsweg, erlaubt aber keine Verallgemeinerung auf andere Einrichtungen oder Bewerbungsarten.
Auslandsstudium komplett planen heißt deshalb auch, die Anforderungen der Zielhochschule direkt dort nachzufragen. Weder ein allgemeiner Hinweis auf ISO 9 noch das Personenstandsrecht liefert eine verbindliche Antwort für alle Hochschulen. Die Empfehlung lautet: Vor der Übersetzungsbeauftragung bei der Zielhochschule erfragen, welche Namensschreibweise in Übersetzung und Bewerbungsformular erwartet wird, und die Übersetzerin oder den Übersetzer entsprechend informieren.
Diese Lücke spiegelt den tatsächlichen Stand der öffentlich zugänglichen Quellen wider. Die Norm ISO 9 ist technisch präzise beschrieben, das Personenstandsrecht hat einen klar abgegrenzten Anwendungsbereich, und die Hochschulhinweise beziehen sich auf ihre eigenen Verfahren. Eine übergreifende Vorgabe, die alle drei Bereiche für Zeugnisübersetzungen verbindlich zusammenfasst, ist in diesen Quellen nicht nachweisbar. Wer die Anforderungen kennt, bevor die Übersetzung in Auftrag gegeben wird, spart sich eine spätere Nachbesserung.
Quellen und Stand
- Wikipedia: ISO 9: de.wikipedia.org (geprüft am 2026-09-30)
- PStG-VwV, Nummer A 4.2 Transliteration: www.umwelt-online.de (geprüft am 2026-09-30)
- PStG-VwV, Nummer A 4.2 Transliteration: www.umwelt-online.de (weitere Quelle) (geprüft am 2026-09-30)
- uni-assist: Translations: www.uni-assist.de (geprüft am 2026-09-30)
- Universität Heidelberg: Unterlagen für die Bewerbung in ein höheres Fachsemester (Masterstudiengänge): www.uni-heidelberg.de (geprüft am 2026-09-30)