Gesetze und Urteile zitieren: der Leitfaden für Jura und mehr
Von § 433 BGB bis zum BGH-Urteil: die Zitierregeln der Juristen
Ob Jura-Hausarbeit oder BWL-Thesis mit Rechtsbezug: Wer Gesetze zitieren muss, stößt auf eigene Regeln, die mit APA und Harvard nichts zu tun haben. Paragraphenzeichen, Absatz, Satz, Gesetzeskürzel: die Reihenfolge ist festgelegt, und Urteile haben noch einmal ein eigenes Format. Hier ist beides mit Beispielen erklärt.
Paragraphen: die feste Reihenfolge
Ein Gesetzesbeleg wandert vom Kleinen zum Großen: Paragraph, Absatz, Satz, gegebenenfalls Nummer oder Alternative und am Ende das amtliche Gesetzeskürzel:
§ 433 Abs. 1 S. 1 BGB (Paragraph, Absatz, Satz, Gesetz)
§§ 929, 932 BGB (mehrere Paragraphen)
Art. 12 Abs. 1 GG (Grundgesetz und EU-Recht zählen in Artikeln)
In juristischen Arbeiten steht der Beleg direkt im Text oder in der Fußnote, ohne „vgl.", denn die Norm wird nicht verglichen, sondern angewendet. Juristen kürzen zudem „Absatz" als römische Ziffer ab (§ 433 I 1 BGB); außerhalb der Rechtswissenschaft ist die ausgeschriebene Form üblicher. Einheitlichkeit entscheidet.

Urteile zitieren: Gericht, Datum, Aktenzeichen
Gerichtsentscheidungen brauchen mehr Angaben: Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und eine Fundstelle, also die Sammlung oder Zeitschrift, in der das Urteil veröffentlicht ist:
BGH, Urt. v. 12.03.2020 – VI ZR 125/19, NJW 2020, 1587.
BVerfG, Beschl. v. 06.06.2018 – 1 BvL 7/14, BVerfGE 149, 126.
Bei Zitaten aus Datenbanken wie juris oder Beck-online ergänzt du die Randnummer (Rn.) statt der Seitenzahl: sie ist das präzisere Zitierziel moderner Entscheidungen.
Gehören Gesetze ins Literaturverzeichnis?
In der Regel nein: Gesetze gelten als allgemein zugänglich und werden nur im Text belegt. Ausnahmen sind historische Fassungen, ausländisches Recht und Vorgaben einzelner Lehrstühle: dann hilft ein eigenes Rechtsquellenverzeichnis. Urteile sammeln viele Arbeiten in einem Entscheidungsverzeichnis. Was sonst ins Verzeichnis gehört: Literaturverzeichnis erstellen.

Präzision, die Juristen erwarten
Rechtstexte verzeihen keine Ungenauigkeit: Ein falscher Absatz zitiert eine andere Norm, ein vertipptes Aktenzeichen führt ins Leere. Beim Korrekturlesen Jura prüfen Korrektoren mit juristischer Erfahrung neben der Sprache auch die formale Konsistenz der Belege, vom Gutachtenstil bis zur letzten Randnummer. Mit diesem Leitfaden kannst du Paragraphen und Urteile richtig belegen.