Chicago-Zitierweise – Anleitung mit Beispielen
Chicago Style richtig zitieren – Schritt für Schritt
Chicago ist einer der ältesten und vielseitigsten Zitierstile, ursprünglich aus dem Chicago Manual of Style der University of Chicago Press, aktuell in der 17. Auflage von 2017. Das Besondere an Chicago: Es gibt zwei parallele Subsysteme, die du sauber auseinanderhalten musst. Author-Date funktioniert wie Harvard oder APA – mit Klammer im Text. Notes-Bibliography arbeitet mit Fußnoten oder Endnoten – ähnlich der Deutschen Zitierweise. Welches System du nimmst, hängt von deinem Fach und deiner Hochschule ab.
Was ist Chicago und wann brauche ich es?
Chicago ist im internationalen Raum vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften verbreitet, in Geschichte, Kunstgeschichte, Theologie und teilweise in Politik und Soziologie. In Deutschland verlangt nicht jeder Lehrstuhl ausdrücklich Chicago – häufiger trifft man auf Harvard oder die Deutsche Zitierweise. Wenn du in einem internationalen Programm schreibst (z. B. einem englischsprachigen Master) oder mit einer angloamerikanischen Betreuerin arbeitest, kommt Chicago dagegen oft auf den Tisch.
Die wichtigste erste Frage ist: Author-Date oder Notes-Bibliography? Author-Date ist klarer für sozialwissenschaftliche Arbeiten mit vielen empirischen Quellen, Notes-Bibliography eher für historische und literarische Arbeiten, in denen Quellen kommentiert werden müssen. Wenn dein Lehrstuhl nur „Chicago" sagt, frag in der Sprechstunde nach – die beiden Subsysteme sehen so unterschiedlich aus, dass es ein paar Tage Korrekturarbeit kostet, das später umzustellen. Eine Übersicht aller Stile findest du im Hub Zitierweisen.
Subsystem 1: Chicago Author-Date
Author-Date funktioniert wie Harvard und APA: Im Text steht eine Klammer mit Nachname, Jahr und Seitenzahl. Am Ende der Arbeit steht eine alphabetische Reference List.
Im Text: „Lernen findet vor allem dann statt, wenn Lernende emotional involviert sind" (Schmidt 2022, 47).
In der Reference List: Schmidt, Anton. 2022. Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium. 3. Aufl. Weinheim: Beltz.
Das Komma zwischen Jahr und Seite ist nicht da – Chicago Author-Date setzt nur ein Leerzeichen („Schmidt 2022, 47"). Das ist eine kleine, aber konsequente Eigenheit. Auch das „S." vor der Seitenzahl entfällt – die Zahl steht nackt.
Subsystem 2: Chicago Notes-Bibliography
Notes-Bibliography arbeitet mit Fußnoten oder Endnoten. Im Text steht eine hochgestellte Zahl, die Fußnote unten enthält die Quellenangabe. Am Ende der Arbeit steht zusätzlich eine Bibliography.
Im Text: Lernen findet vor allem dann statt, wenn Lernende emotional involviert sind.¹
Fußnote (erste Erwähnung): ¹ Anton Schmidt, Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium, 3. Aufl. (Weinheim: Beltz, 2022), 47.
Fußnote (zweite Erwähnung): ² Schmidt, Lernen mit Gefühl, 53.
In der Bibliography: Schmidt, Anton. Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium. 3. Aufl. Weinheim: Beltz, 2022.
Wichtig: In Notes-Bibliography wird in der Fußnote der Vorname zuerst genannt (Anton Schmidt), in der Bibliography der Nachname (Schmidt, Anton). Das verwirrt am Anfang, ist aber Standard und sollte konsequent durchgehalten werden.
„Ibid." und „Ebd." – Wiederholungen
Wiederholt sich eine Quelle in zwei aufeinanderfolgenden Fußnoten, kannst du „Ibid." schreiben (das englische Pendant zum deutschen „Ebd."). Bei einer anderen Seite: „Ibid., 48". Das gilt allerdings nicht mehr als Standard im aktuellen Chicago Manual – die 17. Auflage empfiehlt stattdessen den verkürzten Beleg (Schmidt, Lernen mit Gefühl, 48). Beides ist akzeptiert, der verkürzte Beleg ist transparenter.
Buch zitieren in Chicago
In beiden Subsystemen gilt: Autor, Titel kursiv, Auflage (ab der zweiten), Verlagsort und Verlagsname. Das Erscheinungsjahr steht in Author-Date direkt nach dem Autor; in Notes-Bibliography steht es in der Fußnote in Klammern hinter dem Verlag, in der Bibliography am Ende.
Author-Date: Schmidt, Anton. 2022. Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium. 3. Aufl. Weinheim: Beltz.
Notes-Bibliography (Bibliography): Schmidt, Anton. Lernen mit Gefühl: Emotion und Kognition im Studium. 3. Aufl. Weinheim: Beltz, 2022.
Zeitschriftenartikel zitieren
Zeitschriftenartikel haben ein zusätzliches Feld: den Zeitschriftennamen (kursiv), den Jahrgang, die Heftnummer (oft in Klammern) und die Seiten. DOIs werden in beiden Subsystemen am Ende angehängt.
Author-Date: Becker, Lena, und Markus Klein. 2023. „Prüfungsangst im Lehramtsstudium." Zeitschrift für Pädagogische Psychologie 37 (1): 5–22. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000345.
Notes-Bibliography (Fußnote): ¹ Lena Becker und Markus Klein, „Prüfungsangst im Lehramtsstudium," Zeitschrift für Pädagogische Psychologie 37, Nr. 1 (2023): 12, https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000345.
Beachte: Artikeltitel stehen in englischen Anführungszeichen, in deutschen Texten oft in deutschen Anführungszeichen („…"). Halte das im ganzen Dokument einheitlich.
Internetquelle zitieren
Bei Internetquellen brauchst du Autor (Person oder Institution), Titel, Datum (oder „Zugriff am …"), URL. In Author-Date funktioniert es analog zu Harvard, in Notes-Bibliography in der Fußnote frei formuliert.
Author-Date: Statistisches Bundesamt. 2024. „Bildungsstand der Bevölkerung 2023." Letzter Zugriff 15. April 2026. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsstand/_inhalt.html.
Notes-Bibliography (Fußnote): ¹ Statistisches Bundesamt, „Bildungsstand der Bevölkerung 2023," letzter Zugriff 15. April 2026, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsstand/_inhalt.html.
ChatGPT und KI-Quellen in Chicago
Chicago hat seit Ende 2023 eine Empfehlung für KI-Quellen veröffentlicht. Die Logik: KI-Antworten sind wie eine persönliche Kommunikation – nicht reproduzierbar, aber zitierfähig.
Author-Date: OpenAI. 2024. ChatGPT (Version vom 24. Januar 2024). Großes Sprachmodell. https://chat.openai.com/.
Notes-Bibliography (Fußnote): ¹ OpenAI, ChatGPT, Antwort auf eine Anfrage des Autors, 24. Januar 2024, https://chat.openai.com/.
Wichtig: Eine KI-Antwort ist keine wissenschaftliche Quelle. Belege müssen aus echter Literatur kommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt vor der Abgabe einen KI-Detektor – manche Lehrstühle scannen mittlerweile selbst nach KI-Spuren.
Bibliography vs. Reference List – das Literaturverzeichnis
Author-Date verwendet den Begriff „Reference List", Notes-Bibliography spricht von „Bibliography". Inhaltlich sind beide ähnlich: alphabetisch nach Nachnamen, hängende Einrückung. Bei mehreren Werken einer Autorin wird in Author-Date chronologisch sortiert (älteste zuerst), in Notes-Bibliography alphabetisch nach Titel.
Drei häufige Stolperfallen: (1) In Author-Date steht das Jahr direkt nach dem Autor, in Notes-Bibliography nicht – das wird oft verwechselt. (2) Vor- und Nachname werden in der Bibliography invertiert (Schmidt, Anton), in Fußnoten nicht. (3) Verlagsort vor Doppelpunkt, Verlag dahinter – beide werden in Chicago immer angegeben.
Häufige Fehler beim Chicago-Zitieren
Aus dem Lektorat sehen wir vier Klassiker:
- Mischen von Author-Date und Notes-Bibliography in einer Arbeit – das kommt vor, wenn vorher andere Stile genutzt wurden.
- Vorname in der Bibliography statt nur Nachname zuerst – Chicago invertiert in der Bibliography, nicht in den Fußnoten.
- „Ibid." nach Seitenwechsel ohne neue Seitenangabe – verweist dann unklar.
- Komma vor der Seitenzahl bei Author-Date – Chicago Author-Date setzt nur ein Leerzeichen („Schmidt 2022, 47"), kein zusätzliches Komma vor der Zahl.
Mehr typische Stolperfallen findest du in unserem Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Konsistenzprüfung von Belegen und Bibliography ist Standard im professionellen Lektorat – das deckt genau die Stellen auf, an denen Chicago am häufigsten vermurkst wird.