Eigenplagiat und Fremdplagiat: Unterschied und Folgen
Herkunft der Textstelle entscheidet über die Bewertung
Fremdplagiat versteht jeder: fremder Text ohne Nachweis. Eigenplagiat wirkt zunächst widersinnig, weil man den eigenen Text schließlich selbst geschrieben hat. Für die Prüfungsordnung zählt aber nicht die Urheberschaft, sondern die Frage, ob eine Leistung zweimal als neu eingereicht wurde.
Die Definitionen
Fremdplagiat ist die Übernahme fremder Gedanken oder Formulierungen ohne kenntlich gemachte Quelle. Das umfasst wörtliche Übernahmen ohne Anführungszeichen ebenso wie umformulierte Passagen ohne Beleg und übernommene Gliederungen fremder Arbeiten.
Eigenplagiat ist die erneute Einreichung eigener, bereits bewerteter Texte als neue Prüfungsleistung. Die Passage stammt von dir, sie wurde aber schon einmal für eine Note verwendet. Bewertet werden soll jedoch eine neue Leistung.

Warum das eine strenger geahndet wird als das andere
Fremdplagiat gilt als Täuschung über die Urheberschaft und führt in der Regel zur Bewertung mit nicht bestanden, in schweren Fällen zu weitergehenden Konsequenzen bis hin zur Exmatrikulation.
Eigenplagiat wird uneinheitlicher behandelt. Manche Prüfungsordnungen nennen es ausdrücklich, andere gar nicht. Die Praxis reicht von Punktabzug über die Nichtwertung der betroffenen Passage bis zur Bewertung der gesamten Arbeit als nicht bestanden. Verlass dich deshalb nicht auf Erfahrungswerte aus anderen Fächern, sondern lies die Ordnung deines Studiengangs.
Wie Software beides erkennt
Plagiatssoftware vergleicht deinen Text mit Webquellen, Verlagsdatenbanken und, je nach Hochschule, mit einem hochschuleigenen Bestand früherer Arbeiten. Fremdplagiate aus offen zugänglichen Quellen werden zuverlässig gefunden.
Eigenplagiate findet Software nur, wenn deine frühere Arbeit im durchsuchten Bestand liegt. Genau das ist an vielen Hochschulen der Fall, weil eingereichte Arbeiten dort archiviert werden. Verlass dich also nicht darauf, dass eine unveröffentlichte Hausarbeit unsichtbar bleibt.

Der praktische Ausweg beim Eigenplagiat
Der Umgang mit eigenem Vorwissen ist unproblematisch, solange du ihn kenntlich machst. Zitiere deine frühere Arbeit wie jede andere Quelle, mit Titel, Jahr und Hochschule, und weise im Text darauf hin, dass du an eigene Vorarbeiten anknüpfst.
Zwei Punkte kommen hinzu: Frag vorab die Betreuung, ob der Aufbau auf einer eigenen Vorarbeit zulässig ist. Und schreibe Passagen neu, statt sie zu kopieren. Erkenntnisse darfst du weiterverwenden, Formulierungen sind die bewertete Leistung.
Ein Sonderfall ist die eigene Publikation. Wer vor der Abschlussarbeit einen Aufsatz veröffentlicht hat, muss ihn genauso zitieren wie fremde Literatur. Hier kommt hinzu, dass beim Verlag Nutzungsrechte liegen können, was den erneuten Abdruck längerer Passagen zusätzlich einschränkt.
Wo eine Prüfung vorab hilft
Eine Plagiatsprüfung vor der Abgabe zeigt dir, welche Passagen ein System als Übereinstimmung markiert. Bei Fremdplagiaten sind das meist vergessene Anführungszeichen oder Paraphrasen, die zu nah an der Quelle liegen.
Beim Eigenplagiat zeigt die Prüfung nur dann etwas an, wenn die frühere Arbeit im durchsuchten Bestand liegt. Ein unauffälliger Bericht ist deshalb kein Freibrief für übernommene eigene Passagen.
Wichtig ist die Einordnung: Ein Prozentwert allein sagt nichts. Ein korrekt zitiertes Blockzitat erscheint als Übereinstimmung, ohne ein Plagiat zu sein. Entscheidend ist, ob zu jeder markierten Stelle ein Nachweis vorhanden ist. Weiterführend: Eigenplagiat vermeiden, versehentliches Fremdplagiat und Plagiatsprüfung.