Giffey-Doktortitel entzogen – Chronik der Affäre an der FU Berlin
Warum die FU Berlin den Doktortitel von Giffey aberkannte
Im Juni 2021 verlor Franziska Giffey ihren Doktortitel. Die Giffey-Doktortitel-Affäre an der FU Berlin zog sich über Jahre hin, bis die Hochschule den Titel im zweiten Verfahren endgültig aberkannte. Hier erfahren Sie, wie es zur Aberkennung kam, welche juristischen Schritte folgten und welche Lehren sich daraus für heutige Promovierende ziehen lassen.
Giffey-Doktortitel entzogen: worum es geht
Die Freie Universität Berlin entzog der damaligen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am 10. Juni 2021 den Doktorgrad. Dem Beschluss ging ein zweites Prüfverfahren voraus. Ihre 2009 eingereichte Dissertation „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“ behandelte Bürgerbeteiligung in europäischen Politikprozessen. Dass der Giffey-Doktortitel entzogen wurde, beruhte auf dem Bericht des zweiten Prüfgremiums und der Entscheidung des Präsidiums der Freien Universität Berlin.
Chronik der Plagiatsaffäre FU Berlin
Anfang Februar 2019 leitete die FU Berlin ein formelles Prüfverfahren ein, nachdem das VroniPlag-Wiki Fundstellen in der Dissertation dokumentiert hatte. Im Oktober 2019 erteilte das Präsidium zunächst eine Rüge und entzog den Doktorgrad nicht. Im November 2020 teilte die Hochschule eine erneute Prüfung mit; dabei spielten mehrere juristische Gutachten aus dem Jahr 2020 eine Rolle. Im Juni 2021 beschloss das Präsidium den Entzug. Damit reihte sich die Plagiatsaffäre FU Berlin unter die prominenten Fälle ein; siehe auch die Übersicht zur Plagiatsaffäre.
Begründung des Entzugs durch die FU Berlin
Zur Begründung führte die FU Berlin an, die Plagiate seien „systematisch und nicht versehentlich" erfolgt. In der Dissertation fanden sich zahlreiche ungekennzeichnete Textübernahmen aus der Sekundärliteratur, dazu übernommene Argumentationslinien in ganzer Länge. Die Note „magna cum laude" ließ sich unter diesen Umständen nicht mehr rechtfertigen. Heute ließe sich eine solche Bewertung schon früher mit einer systematischen Plagiatsanalyse und dem Wissen um die Plagiatuntertypen hinterfragen.
Politische Folgen, nachdem der Giffey-Doktortitel entzogen wurde
Als absehbar war, dass der Giffey-Doktortitel entzogen werden würde, trat Giffey im Mai 2021 vom Amt der Bundesfamilienministerin zurück. Sie begründete das nicht in erster Linie mit der Plagiatsaffäre FU Berlin, sondern damit, „Schaden vom Amt abzuwenden". Bereits im Herbst 2021 übernahm sie das Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin. Ihre politische Laufbahn endete durch die Affäre also nicht, blieb aber sichtbar geprägt, ähnlich wie beim Guttenberg-Plagiat Bayreuth.
Lernpunkte für Promovierende aus dem Fall Giffey
Der Entzug des Giffey-Doktortitels stand nach Darstellung der FU Berlin mit Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis in Zusammenhang. Für Dissertationen sind sorgfältige Quellenarbeit, die Beachtung der jeweiligen Hochschulvorgaben und eine eigene Kontrolle des Manuskripts wichtig. Eine Plagiatsprüfung mit Plagiatssoftware kann dabei Hinweise auf Textähnlichkeiten liefern, ersetzt aber nicht die fachliche Prüfung von Quellen und Zitaten. Hinweise zu Eigenplagiat vermeiden sowie die DFG-Leitlinien bieten Orientierung; für Beratung kommen auch die Ombudsstelle und Informationen zu wissenschaftlichem Fehlverhalten in Betracht.
Giffey-Doktortitel entzogen: Lehren aus der Chronik der Affäre an der FU Berlin
Der Fall des entzogenen Giffey-Doktortitels ist eine öffentlich beachtete Plagiatsaffäre der jüngeren deutschen Politik. Die Chronik der Affäre an der FU Berlin zeigt, dass hochschulische und rechtliche Fragen in solchen Verfahren Zeit in Anspruch nehmen können. Sorgfältiges Quellenarbeiten von Anfang an kann Risiken wissenschaftlichen Fehlverhaltens mindern. Eine Plagiatsprüfung und eine Plagiatsanalyse können die eigene Prüfung unterstützen, ersetzen sie jedoch nicht.
Der Fall zeigt zudem, dass Quellenangaben und Paraphrasen auch nach der Abgabe einer Arbeit überprüft werden können. Wer richtiges Paraphrasieren übt und Quellen sorgfältig kennzeichnet, verbessert die Nachvollziehbarkeit der eigenen Arbeit und kann Risiken einer Plagiatsaffäre verringern.
Sorgfältige Quellenarbeit und nachvollziehbare Dokumentation helfen dabei, Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten auch später erläutern zu können. Dass der Giffey-Doktortitel entzogen wurde, macht deutlich: Nachträgliche Prüfungen einzelner Stellen können für Betroffene erhebliche Folgen haben.
Konsequenzen für heutige Promovierende nach der Affäre an der FU Berlin
Wer promoviert, sollte Vorarbeiten sauber dokumentieren und die Vorgaben der zuständigen Hochschule beachten, etwa zum Thema Eigenplagiat vermeiden. Auch bei einer eidesstattlichen Erklärung sind die jeweils geltenden Hochschulregelungen maßgeblich; unzutreffende Angaben können Konsequenzen nach sich ziehen.
Der Fall des entzogenen Giffey-Doktortitels kann das Bewusstsein für sorgfältige Quellenarbeit schärfen. Wer das Manuskript vor der Einreichung prüfen lassen möchte, kann eine Doktorarbeitsprüfung in Betracht ziehen und Unterstützung beim Bachelorarbeit-Korrekturlesen nutzen, damit Sprache und Quellenangaben nochmals geprüft werden.
Die Chronik der Affäre an der FU Berlin kann als Anlass dienen, die eigene Arbeitsweise und Qualitätssicherung zu reflektieren. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von Fach, Hochschule und Umfang der Arbeit ab.