Diskursanalyse durchführen: Perspektive, Material und Ablauf
Diskursanalyse durchführen
Diese Seite ordnet die Diskursanalyse ein und zeigt einen klaren Arbeitsweg, mit dem sich die Untersuchung im eigenen wissenschaftlichen Text nachvollziehbar darstellen lässt.
Diskursanalyse im wissenschaftlichen Arbeiten einordnen
Wer eine Diskursanalyse durchführen will, arbeitet mit einer Methode oder Perspektive, die in Sozial- und Geisteswissenschaften seit einigen Jahrzehnten aufgegriffen wird. Die Quelle betont zugleich, dass die verschiedenen Perspektiven deutlich auseinandergehen. Sie bezeichnet außerdem als umstritten, ob Diskursanalyse im klassischen wissenschaftlichen Sinn überhaupt eine Methode sein soll. Für das Studium folgt daraus eine konkrete Arbeitsentscheidung: Benenne im eigenen Text zuerst, welche Perspektive du für die Analyse wählst, und prüfe anschließend, ob diese Wahl zur Frage und zum Material passt.
Die Besonderheit liegt nach der Quelle in der Annahme einer diskursiv organisierten Wirklichkeit. Deshalb genügt es nicht, ein Thema nur zu benennen. Kläre vor dem Schreiben, was du im Arbeitszusammenhang als Diskurs behandelst und welche Prämissen deine Betrachtung leiten. Für wissenschaftliches Schreiben bedeutet das: Formuliere die gewählte Perspektive sichtbar, trenne Beschreibung des Materials von deiner Auswertung und halte die Begründung im Text nachvollziehbar fest.
Für die Planung einer Arbeit kannst du die Verbindung zu Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit nutzen: Ordne Fragestellung, Materialauswahl, Perspektive, Analyse und Schluss so, dass ihre Beziehung lesbar bleibt. Beim Hausarbeit schreiben oder Masterarbeit schreiben lässt sich dieselbe Ordnung verwenden, ohne die Diskursanalyse als einheitliches Standardverfahren auszugeben. Prüfe für deinen Text, welche Begriffe erläutert werden müssen, damit Leserinnen und Leser den gewählten Zugang nachvollziehen können.
Eine hilfreiche Startaufgabe lautet: Forschungsfrage formulieren, danach die Perspektive in einem Arbeitssatz festhalten und erst dann Material sichten. Das Ergebnis dieser Vorbereitung ist keine vorweggenommene Deutung, sondern eine dokumentierte Ausgangsentscheidung. So kann auch die wissenschaftliche Argumentation zeigen, worauf einzelne Beobachtungen und Folgerungen im eigenen Text bezogen sind.

Begriff, Merkmale und Bestandteile der Analyse ordnen
Die Quelle stellt Diskursanalyse als Methode oder Perspektive dar und verweist auf unterschiedliche Varianten und Verfahren. Baue deine Darstellung deshalb nicht so auf, als gäbe es nur eine einzige, festgelegte Form. Beginne mit einer eigenen Begriffsbestimmung für die ausgewählte Perspektive. Ergänze unmittelbar, welche Prämissen du zugrunde legst. Das Ergebnis dieses ersten Bestandteils ist eine klare Begrenzung dessen, was die folgende Auswertung leisten soll.
- Diskurs bestimmen: Halte fest, was im konkreten Projekt als Diskurs untersucht wird. Prüfe dafür den Bedeutungsrahmen der verwendeten Begriffe. Ergebnis: ein abgegrenzter Gegenstand.
- Perspektive und Prämissen benennen: Erläutere, aus welcher Sicht du das Material betrachtest und welche Voraussetzungen du offenlegst. Ergebnis: ein erkennbarer Analysezugang.
- Material festlegen: Die Quelle sagt, dass grundsätzlich alles Material für Diskursanalysen sein kann, und nennt unter anderem Reden, Interviews, Zeichnungen und Bilder. Wähle nur das Material, das du tatsächlich auswertest, und beschreibe es im Text. Ergebnis: ein transparenter Materialbestand.
- Auswertung darstellen: Verbinde Beobachtungen mit der zuvor benannten Perspektive. Ergebnis: eine Auswertung, deren Bezugspunkt sichtbar bleibt.
- Darstellung abschließen: Formuliere, was die Auswertung für die eigene Fragestellung zeigt, ohne darüber hinausgehende Aussagen einzuführen. Ergebnis: ein Schluss, der an die Untersuchung anschließt.
Die Quelle nennt keine besondere Erhebungsmethode für dieses Analyseverfahren. Daraus ergibt sich für den Aufbau eine praktische Regel als Handlung: Beschreibe nicht nur, welches Material vorliegt, sondern auch, aus welcher Perspektive und unter welchen Prämissen du es ansiehst. Für die Gliederung einer Hausarbeit kann daraus eine Reihenfolge aus Einordnung, Begriffsbestimmung, Material, Analyse und Schluss entstehen. Prüfe diese Reihenfolge gegen deine eigene Fragestellung und übernimm sie nur dort, wo die Abschnitte im Text tatsächlich ausgearbeitet werden.
Vergleiche die gewählte Herangehensweise bei Bedarf mit Methoden wissenschaftlicher Arbeiten und formuliere den Unterschied nicht ohne Grundlage. Wenn du qualitative und quantitative Forschung als Vergleichspunkt nennst, beschreibe nur die Entscheidung, die du für deine Arbeit überprüfst. Für die formale Ausarbeitung halte außerdem fest, welche Literatur oder Materialien du nachweist. Dabei helfen die Arbeitsaufgaben Literaturverzeichnis erstellen, Quellenangaben richtig zitieren und Zitierweisen, weil sie die Belegstellen in deinem Text auffindbar machen.
Diskursanalyse Schritt für Schritt umsetzen
- Arbeitsfrage notieren. Schreibe eine präzise Frage auf, die du mit deinem Material bearbeiten willst. Prüfe anschließend, ob die Frage die Perspektive erkennen lässt. Ergebnis: eine schriftlich festgehaltene Ausgangsfrage.
- Diskurs und Prämissen klären. Definiere für den eigenen Arbeitszusammenhang, was als Diskurs gilt, und notiere die Prämissen deiner Betrachtung. Ergebnis: eine kurze Orientierung für die Analyse.
- Materialbestand sichtbar machen. Liste die ausgewählten Texte, Reden, Interviews, Zeichnungen, Bilder oder sonstigen Gegenstände auf, die du tatsächlich bearbeitest. Die Quelle eröffnet verschiedene Materialbestände; sie ersetzt nicht deine eigene Auswahlentscheidung. Ergebnis: ein dokumentierter Bestand.
- Perspektive am Material anwenden. Lies, betrachte oder ordne jedes ausgewählte Stück unter derselben zuvor genannten Perspektive. Schreibe Beobachtungen zunächst materialnah auf. Ergebnis: Notizen, die Material und Blickrichtung verbinden.
- Beobachtungen auswerten. Prüfe jede Deutung darauf, ob sie aus deinen Notizen und der festgelegten Perspektive hervorgeht. Formuliere unbelegte Ergänzungen nicht als Ergebnis. Ergebnis: begründete Auswertungspassagen.
- Darstellung überarbeiten. Kontrolliere, ob Frage, Begriffsbestimmung, Prämissen, Material und Auswertung in einer nachvollziehbaren Reihenfolge stehen. Ergebnis: ein Text, dessen Arbeitsschritte lesbar sind.
Für die Textorganisation kannst du eine Tabelle mit den Spalten Material, Beobachtung, Perspektive und Auswertung anlegen. Die Tabelle dient als Arbeitsmittel; in den fertigen Text gehören nur die Punkte, die du erläutern kannst. Wenn du deutsche Zitierweise oder Harvard-Zitierweise verwendest, prüfe die Nachweise an den Stellen, an denen du Material oder Literatur heranziehst. Ziel dieser Prüfung ist nicht die Wahl einer vorgegebenen Form, sondern die einheitliche Umsetzung der Form, die du in deinem Text verwendest.
Setze nach jedem Schritt eine kurze Kontrollfrage: Was liegt nun schriftlich vor? Kann diese Frage nicht mit einem konkreten Ergebnis beantwortet werden, kehre zum vorherigen Schritt zurück und ergänze die Dokumentation. So bleibt der Ablauf eine nachvollziehbare Verbindung aus Entscheidung, Material und Auswertung.
Kurzes Anwendungsbeispiel mit einem kleinen Materialbestand
Ein kurzes Beispiel kann mit zwei selbst ausgewählten Materialien beginnen: einem Interviewauszug und einer Zeichnung. Die Arbeitsfrage lautet: Wie werden in diesen beiden Materialien bestimmte Aussagen und Darstellungen unter der gewählten Perspektive sichtbar? Dieser Satz behauptet keine Eigenschaft der Materialien; er legt nur fest, was die Untersuchung prüfen soll.
Im ersten Schritt notiert die bearbeitende Person, dass sie beide Stücke als Material eines abgegrenzten Diskurses betrachten will. Im zweiten Schritt hält sie ihre Prämissen in wenigen eigenen Sätzen fest. Danach legt sie eine Tabelle an. In der ersten Zeile steht der Interviewauszug, in der zweiten die Zeichnung. Daneben werden jeweils Beobachtungen notiert, ohne sie sofort zu einer umfassenden Erklärung auszubauen.
| Material | Beobachtung | Weiterer Arbeitsschritt |
|---|---|---|
| Interviewauszug | Eine Formulierung wird im Wortlaut festgehalten. | Die Formulierung wird mit der gewählten Perspektive geprüft. |
| Zeichnung | Ein sichtbares Gestaltungselement wird beschrieben. | Die Beschreibung wird mit derselben Perspektive geprüft. |
Danach schreibt die Person zwei Absätze: Der erste verbindet eine Beobachtung aus dem Interview mit der Perspektive, der zweite eine Beobachtung aus der Zeichnung mit derselben Perspektive. Im Schlussabsatz wird nur festgehalten, welche Beobachtungen die Arbeitsfrage im gewählten Material bearbeitbar machen. Für Hausarbeit schreiben kann dieses Muster helfen, die einzelnen Abschnitte vor dem Ausformulieren zu ordnen. Für Masterarbeit schreiben lässt sich derselbe Kern als überprüfbare Miniatur verwenden, bevor ein größerer Materialbestand beschrieben wird.
Vor der Abgabe prüft die Person, ob jede Übernahme als Übernahme erkennbar ist. Sie verwendet dabei die eigene Aufgabe Plagiat vermeiden und kontrolliert zusätzlich, ob der Nachweis dort steht, wo der Interviewauszug oder weitere Literatur aufgegriffen werden. Das Beispiel führt keine Behauptung über Epochen, Jahreszahlen oder fachliche Eigenschaften ein. Es zeigt ausschließlich eine mögliche Reihenfolge aus Frage, Perspektive, Materialnotiz, Auswertung und Kontrolle.

Qualität prüfen: Analyseinhalt und Form getrennt kontrollieren
Prüfe den Analyseinhalt zuerst getrennt von der Form. Für die Definition kontrollierst du, ob du Diskursanalyse als Methode oder Perspektive eingeordnet hast, ohne die Quelle zu vereinheitlichen. Für die Merkmale kontrollierst du, ob die unterschiedlichen Perspektiven, die Frage nach dem Diskurs und die Bedeutung der Prämissen im eigenen Text sichtbar sind. Für die Anwendung kontrollierst du, ob das tatsächlich ausgewählte Material genannt und aus der festgelegten Perspektive bearbeitet wurde.
- Ist der untersuchte Diskurs im Arbeitszusammenhang benannt?
- Sind Perspektive und Prämissen ausdrücklich notiert?
- Ist erkennbar, welche Materialien ausgewertet werden?
- Trennt der Text Beobachtung und Auswertung?
- Schließt die Schlussfolgerung an die Arbeitsfrage und an die dokumentierten Beobachtungen an?
Prüfe danach die Abgrenzung als eigenen Punkt. Die Quelle beschreibt Diskursanalyse nicht als unstrittig festgelegte klassische Methode und verweist auf verschiedene Perspektiven. Kontrolliere deshalb, ob dein Text die gewählte Fassung benennt, statt sie als einzige Definition auszugeben. Wenn du andere Verfahren erwähnst, ermittle aus den verwendeten Unterlagen, welche Abgrenzung dort direkt belegt ist, und formuliere keine weitergehende Zuordnung.
Erst anschließend folgt die formale Prüfung. Kontrolliere die Überschriften auf ihre Funktion, gleiche Tabellen mit dem Fließtext ab und prüfe, ob Materialstellen und Literaturstellen auffindbar nachgewiesen sind. Kontrolliere außerdem, ob die gewählte Zitierform einheitlich umgesetzt ist. Nutze bei Bedarf Quellenangaben richtig zitieren als eigene Prüfrichtung und notiere offene Fundstellen, statt fehlende Angaben zu ergänzen.
Eine abschließende Lesekontrolle kann so aussehen: Lies jeden Satz und markiere, ob er Definition, Merkmal, Materialbeschreibung, Beobachtung, Auswertung oder formale Angabe enthält. Hat ein Satz keine erkennbare Aufgabe, überarbeite oder streiche ihn im eigenen Arbeitsdokument. Prüfe dabei auch, ob die Begriffe im gesamten Text dieselbe Bedeutung tragen. Das Ergebnis ist eine klar getrennte Kontrolle von Definition, zentralen Merkmalen, Anwendung, Abgrenzung und Form.
Quellen und Stand
- Diskursanalyse | Methodenportal der Uni Leipzig: home.uni-leipzig.de (geprüft am 2026-08-23)
Zum vollständigen Zusammenhang „Diskursanalyse durchführen: Perspektive, Material und Ablauf“ gehören auch „strukturiert“.