Diskursanalyse durchführen: Perspektive, Material und Ablauf

Diskursanalyse durchführen

Lesezeit ca. 8 Min. · zuletzt aktualisiert: 15. August 2026 · Weitere Tipps für Studium und wissenschaftliches Arbeiten

Hier findest du einen möglichen Arbeitsweg, um eine Diskursanalyse in einer wissenschaftlichen Arbeit nachvollziehbar zu planen, durchzuführen und darzustellen.

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Die Durchführung einer Diskursanalyse, dazu die Schritte von der Transkription bis zur Kategorienbildung, die Varianten der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, der Unterschied zwischen induktiver und deduktiver Vorgehensweise sowie die Gütekriterien qualitativer Forschung.

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Diskursanalyse in wissenschaftlichen Arbeiten einordnen

Wer eine Diskursanalyse durchführen will, arbeitet mit einer Methode oder Perspektive, die in Sozial- und Geisteswissenschaften seit einigen Jahrzehnten aufgegriffen wird. Die verschiedenen Perspektiven gehen dabei deutlich auseinander. Außerdem ist umstritten, ob Diskursanalyse im klassischen wissenschaftlichen Sinn überhaupt eine Methode sein soll. Für das Studium folgt daraus eine konkrete Arbeitsentscheidung: Benenne im eigenen Text zuerst, welche Perspektive du für die Analyse wählst, und prüfe anschließend, ob diese Wahl zur Frage und zum Material passt.

Die Besonderheit liegt in der Annahme einer diskursiv organisierten Wirklichkeit. Deshalb genügt es nicht, ein Thema nur zu benennen. Kläre vor dem Schreiben, was du im Arbeitszusammenhang als Diskurs behandelst und welche Prämissen deine Betrachtung leiten. Für wissenschaftliches Schreiben bedeutet das: Formuliere die gewählte Perspektive sichtbar, trenne Beschreibung des Materials von deiner Auswertung und halte die Begründung im Text nachvollziehbar fest.

Für die Planung einer Arbeit kann der Beitrag Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit als Orientierung dienen: Ordne Fragestellung, Materialauswahl, Perspektive, Analyse und Schluss so, dass ihre Beziehung nachvollziehbar wird. Willst du eine Hausarbeit schreiben oder eine Masterarbeit schreiben, kannst du diese Ordnung nutzen, ohne Diskursanalyse als einheitliches Standardverfahren darzustellen. Prüfe, welche Begriffe du erläutern musst, damit Leserinnen und Leser den gewählten Zugang nachvollziehen können.

Ein sinnvoller erster Schritt ist die Aufgabe Forschungsfrage formulieren. Halte anschließend deine analytische Perspektive in einem kurzen Leitsatz fest, bevor du das Material sichtest. Das ist keine vorweggenommene Deutung, sondern eine dokumentierte Ausgangsentscheidung. So kann die wissenschaftliche Argumentation transparent machen, worauf einzelne Beobachtungen und Folgerungen im Manuskript bezogen sind.

Konkreter Abschlusscheck zu Diskursanalyse durchführen

Begriff, Merkmale und Bestandteile der Analyse ordnen

Diskursanalyse gilt als Methode oder Perspektive und kennt unterschiedliche Varianten und Verfahren. Baue deine Darstellung deshalb nicht so auf, als gäbe es nur eine einzige, festgelegte Form. Beginne mit einer eigenen Begriffsbestimmung für die ausgewählte Perspektive. Ergänze unmittelbar, welche Prämissen du zugrunde legst. Das Ergebnis dieses ersten Bestandteils ist eine klare Begrenzung dessen, was die folgende Auswertung leisten soll.

  1. Diskurs bestimmen: Lege fest, was im konkreten Vorhaben als Diskurs untersucht wird, und begründe die Abgrenzung mit deiner Fragestellung und dem Material. Ergebnis: ein abgegrenzter Untersuchungsgegenstand.
  2. Perspektive und Prämissen benennen: Stelle dar, aus welcher Sicht du die Unterlagen betrachtest und welche Voraussetzungen du offenlegst. Ergebnis: ein erkennbarer Analysezugang.
  3. Material festlegen: Möglich sind unter anderem Reden, Interviews, Zeichnungen und Bilder, es gibt also unterschiedliche Materialbestände. Wähle das Material aus, das du tatsächlich auswertest, und beschreibe es im Text. Ergebnis: ein transparenter Materialbestand.
  4. Auswertung darstellen: Verbinde deine Beobachtungen mit der zuvor benannten Perspektive. Ergebnis: eine Auswertung, deren Bezugspunkt sichtbar bleibt.
  5. Darstellung abschließen: Formuliere, was die Ergebnisse für dein Anliegen bedeuten, und verzichte auf spekulative Erweiterungen. Ergebnis: ein Schluss, der an die Untersuchung anschließt.

Daraus kann sich für den Aufbau eine praktische Orientierung ergeben: Dokumentiere nicht nur, welches Material vorliegt, sondern erläutere auch den Blickwinkel und die zugrunde liegenden Annahmen. Für die Gliederung einer Hausarbeit kann daraus eine Reihenfolge aus Einordnung, Begriffsbestimmung, Material, Analyse und Schluss entstehen. Prüfe diese Reihenfolge gegen deine eigene Fragestellung und übernimm sie nur dort, wo die Abschnitte im Text tatsächlich ausgearbeitet werden.

Vergleiche den gewählten Zugang bei Bedarf mit Methoden wissenschaftlicher Arbeiten und beschreibe Unterschiede nur, wenn du sie begründen kannst. Wenn du qualitative und quantitative Forschung als Vergleich heranziehst, erläutere, warum dieser Vergleich für deine Fragestellung sinnvoll ist. Halte fest, welche Quellen und Materialien du verwendest. Die Beiträge Literaturverzeichnis erstellen, Quellenangaben richtig zitieren und Zitierweisen helfen dir dabei, Nachweise entsprechend der gewählten Zitierweise auffindbar zu gestalten.

Diskursanalyse Schritt für Schritt strukturiert anwenden und umsetzen

  1. Leitfrage dokumentieren. Formuliere eine präzise Frage, die du anhand deiner Belege beantworten möchtest. Prüfe danach, ob die Perspektive darin erkennbar ist. Ergebnis: eine schriftlich festgehaltene Ausgangsfrage.
  2. Rahmen und Annahmen spezifizieren. Bestimme, was in deinem Kontext als Diskurs gilt, und notiere die Prämissen deiner Betrachtung. Ergebnis: eine knappe Orientierung für die Analyse.
  3. Materialbestand dokumentieren. Grenze für die gewählte Perspektive einen ausreichend breiten, diskursiv verknüpften Materialbestand ab und liste die ausgewählten Texte, Reden, Interviews, Zeichnungen, Bilder oder sonstigen Gegenstände auf. Diese Materialtypen sind nur Beispiele und ersetzen nicht deine eigene Auswahlentscheidung. Prüfe während der Auswertung, ob weitere Stücke noch neue wiederkehrende Aussagen oder Zeichen ergeben; wenn nicht, begründe die erreichte Sättigung. Ergebnis: ein dokumentierter und tragfähiger Bestand.
  4. Konkreten Ansatz wählen und anwenden. Wähle zuerst eine konkrete Variante der Diskursanalyse und begründe, warum sie zur Leitfrage und zum Material passt. Lege anhand ihrer Begriffe fest, wonach du im Material suchst, und untersuche jedes Stück nach denselben Auswertungsschritten auf wiederkehrende Aussagen oder Zeichen. Ergebnis: materialnahe Notizen nach einem begründeten Ansatz.
  5. Deutungsmuster bilden und prüfen. Bündele wiederkehrende Aussagen oder Zeichen zu Deutungsmustern. Prüfe jedes Muster am gesamten Material sowie anhand der gewählten Theorie und ändere oder verwerfe es, wenn es sich nicht belegen lässt. Ergebnis: begründete Auswertungspassagen.
  6. Darstellung überarbeiten. Kontrolliere, ob Frage, Begriffsbestimmung, Prämissen, Material und Auswertung in einer nachvollziehbaren Reihenfolge stehen. Ergebnis: ein Text, dessen Schritte nachvollziehbar sind.

Für die Textorganisation kannst du eine Tabelle mit den Spalten Material, Beobachtung, Perspektive und Auswertung anlegen. Die Tabelle dient als Arbeitsmittel; in den fertigen Text gehören nur die Punkte, die du erläutern kannst. Wenn du die deutsche Zitierweise oder die Harvard-Zitierweise verwendest, weise Übernahmen entsprechend der gewählten Zitierweise und den Fachvorgaben nach. Entscheidend ist nicht ein bestimmter Stil, sondern seine einheitliche Anwendung.

Setze nach jedem Schritt eine kurze Kontrollfrage: Was liegt nun schriftlich vor? Kann diese Frage nicht mit einem konkreten Ergebnis beantwortet werden, kehre zum vorherigen Schritt zurück und ergänze die Dokumentation. So bleibt der Ablauf eine nachvollziehbare Verbindung aus Entscheidung, Material und Auswertung.

Kurze Vorübung mit einem kleinen Materialbestand

Ein kurzes Beispiel kann mit zwei selbst ausgewählten Materialien beginnen: einem Interviewauszug und einer Zeichnung. Die Frage lautet: Wie werden in diesen beiden Materialien bestimmte Aussagen und Darstellungen unter der gewählten Perspektive sichtbar? Dieser Satz sagt nichts über die Materialien aus, sondern legt fest, was die Untersuchung klären soll.

Im ersten Schritt notiert die bearbeitende Person, dass sie beide Stücke als Material eines abgegrenzten Diskurses betrachten will. Im zweiten Schritt hält sie ihre Prämissen in wenigen eigenen Sätzen fest. Danach legt sie eine Tabelle an. In der ersten Zeile steht der Interviewauszug, in der zweiten die Zeichnung. Daneben werden jeweils Beobachtungen notiert, ohne sie sofort zu einer umfassenden Erklärung auszubauen.

Tabelle: Material, Beobachtung, Nächster Schritt
MaterialBeobachtungNächster Schritt
InterviewauszugDie Formulierung wird im Wortlaut festgehalten.Die Formulierung wird anhand des gewählten Blickwinkels analysiert.
ZeichnungEin sichtbares Gestaltungselement wird beschrieben.Die Beschreibung wird mit demselben Blickwinkel untersucht.

Danach schreibt die Person zwei Absätze: Der erste verbindet eine Beobachtung aus dem Interview mit der Perspektive, der zweite eine Beobachtung aus der Zeichnung mit derselben Perspektive. Im Schlussabsatz wird nur festgehalten, welche Beobachtungen zur Beantwortung deiner Frage im gewählten Material herangezogen werden. Bei einer Hausarbeit kann dieses Muster helfen, die einzelnen Abschnitte vor dem Ausformulieren zu ordnen. Bei einer Masterarbeit kannst du denselben Kern als Miniatur verwenden, bevor ein größerer Materialbestand beschrieben wird.

Vor der Abgabe prüft die Person, ob jede Übernahme als solche erkennbar ist. Sie nutzt dafür den Beitrag Plagiat vermeiden und kontrolliert zusätzlich, ob der Nachweis an den Stellen steht, an denen der Interviewauszug oder weitere Literatur aufgegriffen werden. Das Beispiel zeigt nur eine mögliche Reihenfolge aus Frage, Perspektive, Materialnotiz, Auswertung und Kontrolle.

Konkrete Schritte zu Diskursanalyse durchführen

Qualität prüfen: Analyseinhalt und Form getrennt kontrollieren

Prüfe den Analyseinhalt zunächst getrennt von der Form. Kläre bei der Definition, welche Variante der Diskursanalyse du verwendest, und stelle sie nicht als allgemein verbindlich dar. Prüfe bei den Merkmalen, ob die gewählte Perspektive, die Diskursfrage und deine Prämissen im Text sichtbar werden. Prüfe bei der Anwendung, ob das ausgewählte Material genannt und aus dieser Perspektive ausgewertet wird.

  • Ist der untersuchte Diskurs im Arbeitszusammenhang benannt?
  • Sind Perspektive und Prämissen ausdrücklich notiert?
  • Ist erkennbar, welche Materialien ausgewertet werden?
  • Trennt der Text Beobachtung und Auswertung?
  • Stützt sich die Schlussfolgerung auf deine Frage und die dokumentierten Beobachtungen?

Prüfe danach die Abgrenzung als eigenen Punkt. Diskursanalyse ist keine unstrittig festgelegte klassische Methode, es gibt verschiedene Perspektiven. Kontrolliere deshalb, ob dein Text die gewählte Fassung benennt, statt sie als einzige Definition auszugeben. Wenn du andere Verfahren erwähnst, prüfe in deinen Unterlagen, welche Abgrenzung dort direkt belegt ist, und bleibe bei dieser Zuordnung.

Erst anschließend folgt die formale Prüfung. Kontrolliere die Überschriften auf ihre Funktion, gleiche Tabellen mit dem Fließtext ab und prüfe, ob Übernahmen sowie verwendete Quellen auffindbar nachgewiesen sind. Kontrolliere außerdem, ob die gewählte Zitierform einheitlich umgesetzt ist. Nutze bei Bedarf Quellenangaben richtig zitieren als eigene Prüfrichtung und notiere offene Fundstellen, statt fehlende Angaben zu ergänzen.

Eine abschließende Lesekontrolle kann so aussehen: Lies jeden Satz und markiere, ob er Definition, Merkmal, Materialbeschreibung, Beobachtung, Auswertung oder formale Angabe enthält. Hat ein Satz keine erkennbare Aufgabe, überarbeite oder streiche ihn im eigenen Arbeitsdokument. Prüfe dabei auch, ob die Begriffe im gesamten Text dieselbe Bedeutung tragen. Das Ergebnis ist eine klar getrennte Kontrolle von Definition, zentralen Merkmalen, Anwendung, Abgrenzung und Form.

Quellen und Stand

  • Diskursanalyse | Methodenportal der Uni Leipzig: home.uni-leipzig.de (geprüft am 2026-08-23)

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Häufige Fragen zu Diskursanalyse durchführen

Ist Diskursanalyse eine klassische wissenschaftliche Methode?

Das ist umstritten. Diskursanalyse gilt als Methode oder Perspektive und kennt unterschiedliche Varianten und Verfahren.

Welches Material kann eine Diskursanalyse untersuchen?

Möglich sind unter anderem Texte, Archivmaterial, Reden, Interviews, Zeichnungen und Bilder. Welches Material geeignet ist, richtet sich nach Fragestellung und gewählter Perspektive.

Wie grenze ich meine Diskursanalyse ab?

Benenne die gewählte Perspektive und begründe die Abgrenzung mit Fragestellung, Material und den verwendeten Quellen. Ordne nicht weiter zu, als du begründen kannst.

Was kontrolliere ich vor dem Fertigstellen?

Prüfe getrennt Definition, Merkmale, Material, Anwendung, Abgrenzung und formale Nachweise. Kontrolliere anschließend, ob die Begriffe im Text einheitlich verwendet werden.

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