Unterrichtsentwurf im Referendariat schreiben

Bewertet wird nicht die Stunde allein, sondern ihre Begründung

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 6. August 2026 · für Lehrkräfte

Der Unterrichtsentwurf im Referendariat ist eine eigene Textsorte, und viele unterschätzen, wie viel von der Note daran hängt. Bewertet wird nicht nur, ob die Stunde gelingt, sondern ob der Entwurf zeigt, dass die Entscheidungen begründet und nicht zufällig sind.

Genau deshalb scheitern gute Stunden an schwachen Entwürfen: Die Planung stimmt, aber der Text macht die Logik dahinter nicht sichtbar.

Der rote Faden, den Prüfende suchen

Ein Entwurf ist dann überzeugend, wenn sich eine Kette durchzieht: Aus der Lerngruppe folgt der Schwerpunkt, aus dem Schwerpunkt folgen die Lernziele, aus den Zielen folgt der Ablauf, und die Methoden dienen genau diesen Zielen.

Wo diese Kette reißt, fällt es sofort auf. Der häufigste Bruch: In der Bedingungsanalyse steht, dass die Klasse in Gruppenarbeit unruhig wird, im Ablauf folgt eine halbe Stunde Gruppenarbeit ohne ein Wort dazu, wie damit umgegangen wird.

Beim Prüfen achten wir genau auf solche Stellen: Wir markieren, wo eine Aussage im vorderen Teil im hinteren keine Entsprechung findet.

Bedingungsanalyse: beobachten, nicht bewerten

Die Analyse der Lerngruppe soll erklären, warum die Stunde so und nicht anders geplant ist. Sie ist kein Ort für Zuschreibungen. "Die Klasse ist leistungsschwach" hilft niemandem und ist zudem angreifbar.

Nützlich sind konkrete, überprüfbare Beobachtungen mit unmittelbarer Folge für die Planung: wie viele Kinder Deutsch als Zweitsprache sprechen und was das für die Arbeitsblätter bedeutet, welche Vorkenntnisse aus der letzten Einheit tragfähig sind, wie lange konzentrierte Einzelarbeit erfahrungsgemäß gelingt.

Vermeiden Sie Angaben, die Sie nicht brauchen. Alles, was keine Konsequenz für die Stunde hat, gehört nicht hinein, und personenbezogene Details ohnehin nur, wenn sie unvermeidlich sind.

Unterrichtsentwurf im Referendariat schreiben: Überblick
Unterrichtsentwurf im Referendariat schreiben im Überblick.

Lernziele operationalisieren

Lernziele sind der Teil, an dem sprachlich am meisten schiefgeht. Formulierungen wie "die Schülerinnen und Schüler sollen das Thema verstehen" sind nicht überprüfbar: Am Ende der Stunde lässt sich nicht feststellen, ob es eingetreten ist.

Statt: Die Lernenden sollen die Bedeutung des Wassers verstehen.

Besser: Die Lernenden benennen drei Funktionen des Wassers im menschlichen Körper und erklären an einem Beispiel, welche Folge Wassermangel hat.

Die zweite Fassung nennt eine beobachtbare Handlung und ein Ergebnis, das man am Stundenende einsammeln kann. Achten Sie darauf, dass die verwendeten Verben zu den Operatoren Ihres Fachs passen.

Anhang und Materialien

Zum Entwurf gehören Arbeitsblätter, Tafelbild, Erwartungshorizont und oft der Sitzplan. Diese Anlagen werden meist zuletzt angehängt und dann nicht mehr gegengelesen, obwohl sie mitbewertet werden.

Achten Sie auf drei Dinge: Jede Anlage ist nummeriert und wird im Text an der richtigen Stelle erwähnt, die Arbeitsblätter sind fehlerfrei und in derselben Sprache formuliert wie die Aufgabenstellung im Verlauf, und Quellenangaben für übernommene Materialien fehlen nicht. Gerade der letzte Punkt fällt in Prüfungssituationen negativ auf.

Sprache: Präsens, Aktiv, keine Ankündigungsfloskeln

Entwürfe leiden oft unter einem Metatext, der nichts trägt: "Im Folgenden soll dargestellt werden, inwiefern die im Vorangegangenen erläuterten Aspekte Berücksichtigung finden." Solche Sätze kosten Platz und Aufmerksamkeit.

Schreiben Sie stattdessen direkt, im Präsens und im Aktiv: "Die Einstiegsphase greift das Vorwissen aus der letzten Stunde auf." Das ist kürzer, klarer und wirkt souveräner.

Ein zweiter Punkt ist die Zeitform im Verlaufsplan. Entscheiden Sie sich für eine Form und halten Sie sie durch. Wechsel zwischen "die Lernenden schreiben" und "die Lernenden werden schreiben" fallen beim Lesen auf.

Unterrichtsentwurf im Referendariat schreiben: Schritte

Der Verlaufsplan als Tabelle

In der Tabelle zählen Kürze und Einheitlichkeit. Jede Phase braucht Zeitangabe, Inhalt, Sozialform, Medien und, wo verlangt, den didaktischen Kommentar. Was in einer Spalte steht, sollte in allen Zeilen demselben Muster folgen.

Häufiger Befund beim Prüfen: Die Zeitangaben summieren sich nicht auf die Stundenlänge, oder eine Phase im Plan taucht in der Beschreibung gar nicht auf. Beides ist leicht zu beheben und fällt in der Prüfung sofort auf.

Was wir prüfen und was Sie selbst entscheiden

Wir korrigieren Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung und arbeiten im Lektorat an Verständlichkeit und Struktur. Zusätzlich prüfen wir formal: ob Zeitangaben aufgehen, ob die Ziele operationalisiert sind, ob Anhänge und Verweise zusammenpassen und ob die Kette aus Analyse, Zielen und Ablauf trägt.

Die fachdidaktische Bewertung nehmen wir nicht vor. Ob eine Methode zum Inhalt passt, entscheiden Sie und Ihre Ausbildungslehrkräfte.

Ein Entwurf umfasst meist 8 bis 20 Normseiten zu 1.800 Zeichen, im Korrektorat ab 1,90 € also rund 15 bis 38 €. Vor einer benoteten Lehrprobe lohnt das Lektorat ab 4,90 €, weil dort auch am Aufbau gearbeitet wird. Weiterführend: Korrekturlesen für Lehrkräfte.

Lehrprobe steht an? Lassen Sie den Entwurf prüfen, solange noch Zeit zum Ändern ist.

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Häufige Fragen zum Unterrichtsentwurf

Wie lange vorher soll ich den Entwurf einreichen?

Planen Sie mindestens fünf Werktage ein, damit Sie die Anmerkungen noch einarbeiten können. Kürzere Lieferzeiten bis 24 Stunden sind möglich, lassen Ihnen aber wenig Spielraum.

Prüfen Sie die didaktische Qualität?

Nein. Wir arbeiten an Sprache, Struktur und formaler Stimmigkeit und melden, wo Bedingungsanalyse, Ziele und Verlauf nicht zusammenpassen. Die fachliche Bewertung bleibt bei Ihrer Ausbildung.

Dürfen Namen von Kindern im Entwurf stehen?

Für die Prüfung nicht nötig. Ersetzen Sie sie durch Platzhalter, das ist ohnehin in vielen Seminaren die Vorgabe.

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