Moderne Anreden: Inklusive Kommunikation in Geschäftskorrespondenz
Sehr geehrte Damen und Herren gendern: neutrale Anreden für Brief, E-Mail und Bewerbung
„Sehr geehrte Damen und Herren“ berücksichtigt nonbinäre Menschen nicht. Dieser Beitrag zeigt belegte neutrale Anreden für Brief, E-Mail und Bewerbung.
Warum die klassische Formel heute kritisch gesehen wird
Sehr geehrte Damen und Herren nennt zwei Geschlechter. Die Formel ist nicht generell falsch oder verboten, hat aber eine Lücke: Nonbinäre Menschen werden damit nicht berücksichtigt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache beschreibt gerade diesen Punkt bei traditionellen Anreden. Auch der Beitrag von Karrierebibel ordnet die Formel als Ansprache weiblicher und männlicher Personen ein und weist auf mögliche Ausschlusserfahrungen von Menschen hin, die sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen oder sich als divers verstehen.
Eine korrekte Anrede ist nach der GfdS ein Zeichen von Wertschätzung. Deshalb sollen die individuellen Wünsche einer angesprochenen Person beachtet werden. Wenn ein Wunsch bekannt ist, kann er die Formulierung leiten. Wenn er nicht bekannt ist, stehen verschiedene neutrale Wege zur Verfügung. Die GfdS nennt etwa einen schlichten Gruß, eine Anrede an eine Gruppe oder eine Formulierung über eine Funktion.
Für einen einzelnen Kontakt kann ein Gruß mit Vor- und Nachnamen passen. Für eine Gruppe kommen etwa Begriffe wie Leserschaft oder Kollegium infrage. Bei einem fachlich klaren Kreis kann die Funktion in der Anrede stehen. Welche Variante passt, richtet sich nach dem konkreten Anlass und danach, wer angesprochen wird. Die folgenden Abschnitte zeigen die im Quellenmaterial genannten Formulierungen für Schreiben, E-Mails und die Bewerbung.
Beim Thema gendergerechte Sprache steht hier keine Pflicht im Mittelpunkt. Es geht um die belegte Lücke der Doppelformel und um vorhandene Alternativen. Für eine Bewerbung mit bekannter Kontaktperson ist außerdem entscheidend, diese Person persönlich anzusprechen. Ist das Geschlecht bei bekanntem Namen unklar, kann ein neutraler Gruß zusammen mit Vor- und Nachnamen verwendet werden.

Geprüfte Optionen für inklusive Ansprache
| Anrede | Anlass | Tonlage |
|---|---|---|
| Guten Tag | Schreiben ohne bekannte Person | förmlich |
| Herzlich willkommen | Begrüßung einer Gruppe | locker |
| Guten Tag, Kim Müller | Name bekannt, Geschlecht unklar | förmlich |
| Liebe Leserschaft | Ansprache einer Leserschaft | förmlich |
| Wertes Kollegium | Ansprache eines Kollegiums | förmlich |
| Sehr geehrte Fachkräfte für Gebäudeunterhaltung | Ansprache über eine Funktion | förmlich |
| Liebe Lehrkräfte | Ansprache von Lehrkräften | locker |
| Sehr geehrte Anwesende | Konferenz oder öffentlicher Anlass | förmlich |
| Hallo Team | Ansprache eines Teams | locker |
| Liebe Mitarbeitende | Ansprache von Mitarbeitenden | locker |
| Sehr geehrte Beschäftigte | Ansprache von Beschäftigten | förmlich |
| Sehr geehrtes Kollegium | Ansprache eines Kollegiums | förmlich |
| Sehr geehrte Teilnehmende | Ansprache von Teilnehmenden | förmlich |
Die Tabelle ordnet die genannten Formulierungen nach Anlass und Tonlage ein. Ein Gruß mit Namen ist eine Möglichkeit, wenn der Name vorliegt, das Geschlecht jedoch nicht bekannt ist. Für Konferenzen und öffentliche Anlässe führt der Duden unter anderem eine Anrede für Anwesende auf. Die GfdS nennt daneben Anreden für eine Leserschaft, ein Kollegium und einen fachlich bestimmten Personenkreis.
Die Auswahl ersetzt keine individuelle gewünschte Anrede. Ist ein solcher Wunsch bekannt, kann er berücksichtigt werden. Für den konkreten Anlass kann geprüft werden, ob eine einzelne Person, eine Gruppe oder ein Funktionskreis angesprochen wird. DIN 5008
Praxistransfer in schriftliche Dokumente
Für den von Genderleicht beschriebenen Geschäftsbrief kann „Sehr geehrte Damen und Herren“ durch „Guten Tag“ ersetzt werden. Danach folgt unmittelbar das Anliegen des Schreibens. Ist der Vor- und Nachname bekannt, das Geschlecht aber unklar, kann „Guten Tag“ mit diesem Namen verbunden werden. Ein lockeres „Hallo“ mit Namen kann im Geschäftsbrief zu flapsig sein.
Der Duden nennt außerdem das vorherige Erfragen der gewünschten Anrede oder des bevorzugten Pronomens als Möglichkeit. Dafür kann die Frage gestellt werden: „Wie darf ich Sie in Zukunft korrekt ansprechen?“ Sie ist eine Option, nicht eine Pflicht. Die Antwort kann anschließend bei der persönlichen Anrede berücksichtigt werden.
Muster A
Guten Tag,
ich melde mich wegen Ihrer Nachricht.
Muster B
Guten Tag, Alex Berger,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Die Muster enthalten keine echte Person. Sie zeigen zwei im Quellenmaterial genannte Formen: einen reinen Gruß und einen Gruß mit Vor- und Nachnamen. Welche Zeile verwendet wird, hängt davon ab, ob ein Name vorliegt und ob die gewünschte Anrede bereits bekannt ist.
Korrektur der Strategie im Bewerbungsprozess
Bei einer Bewerbung mit bekannter Ansprechperson gilt die allgemeine Formel laut Karrierebibel als schwerer Fehler. Deshalb kann zuerst nach der zuständigen Person gesucht werden. Als Wege nennt die Quelle die Stellenanzeige, LinkedIn und einen Anruf bei der Personalabteilung. Ist eine Person ermittelt, kann sie persönlich angesprochen werden.
Wenn sich trotz dieser Suche niemand ermitteln lässt, bleibt „Sehr geehrte Damen und Herren“ nach Karrierebibel eine Notlösung. Die Formel wird damit nicht als grundsätzlich verboten dargestellt. Für eine Person, deren Name bekannt ist, deren Geschlecht aber unklar bleibt, bietet sich „Guten Tag“ zusammen mit Vor- und Nachnamen an. Diese Form nennt auch Genderleicht für den Fall eines bekannten Namens bei unbekanntem Geschlecht. Die GfdS führt ebenfalls Grußformeln mit Vor- und Nachnamen als Möglichkeit auf.
Vor dem Absenden kann daher unterschieden werden: Ist eine Ansprechperson bekannt, wird sie persönlich angesprochen. Ist kein Kontakt ermittelbar, bleibt die allgemeine Anrede als Notlösung möglich. Ist nur das Geschlecht unklar, erlaubt der neutrale Gruß mit dem vollständigen Namen eine direkte Ansprache ohne Geschlechtszuordnung.
Typische Stolpersteine vermeiden
- Allgemein anreden trotz bekannter Person: Bei einer bekannten Ansprechperson kann die allgemeine Formel in der Bewerbung laut Karrierebibel als schwerer Fehler gelten. Gegenmaßnahme: Suchen Sie die zuständige Person über die Stellenanzeige, LinkedIn oder einen Anruf bei der Personalabteilung und sprechen Sie sie persönlich an.
- Ein flapsiges „Hallo“ im Geschäftsbrief: Genderleicht bewertet ein lockeres „Hallo“ mit Namen für Geschäftsbriefe als zu flapsig. Gegenmaßnahme: Verwenden Sie für diesen Fall „Guten Tag“ und gehen Sie danach zum Anliegen über. Bei bekanntem Namen kann der Gruß mit Vor- und Nachnamen ergänzt werden.
- Geschlecht aus dem Vornamen erraten: Ein Vorname muss nicht erkennen lassen, wie eine Person angesprochen werden möchte. Der Duden behandelt neutrale Anreden gerade auch für nicht eindeutig weiblich oder männlich wirkende Vornamen. Gegenmaßnahme: Nutzen Sie „Guten Tag“ mit Vor- und Nachnamen oder fragen Sie nach der gewünschten Anrede beziehungsweise dem bevorzugten Pronomen.
- Die klassische Formel als verboten darstellen: Die GfdS sagt nicht, dass „Sehr geehrte Damen und Herren“ generell falsch oder verboten ist. Sie weist darauf hin, dass die Formel nonbinäre Menschen nicht berücksichtigt. Gegenmaßnahme: Benennen Sie diese Lücke und wählen Sie bei Bedarf eine der belegten neutralen Alternativen, etwa einen reinen Gruß, eine Gruppenanrede oder eine Funktionsbezeichnung.
Die vier Punkte betreffen unterschiedliche Ausgangslagen. Für eine Bewerbung ist vor allem relevant, ob eine Ansprechperson bekannt oder noch zu ermitteln ist. Für einen Geschäftsbrief ist der Hinweis zu „Hallo“ mit Namen maßgeblich. Bei einem bekannten Namen ohne klares Geschlecht steht die neutrale Verbindung aus Gruß und Namen zur Verfügung. Wird eine individuelle gewünschte Anrede mitgeteilt, beschreibt die GfdS deren Beachtung als Teil einer wertschätzenden Ansprache.

Systematischer Weg zur passenden Formulierung
Ermitteln Sie zuerst die Ansprechperson. Bestimmen Sie danach die Tonlage des Anlasses. Wählen Sie anschließend eine passende neutrale Anrede aus der Tabelle. Ist die gewünschte Anrede einer bekannten Person bekannt, übernehmen Sie sie.
Quellen und Stand
- Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS): Geschlechterbewusste Sprache, die häufigsten Fragen: gfds.de (geprüft am 2026-09-13)
- Duden: Geschlechtsneutrale Anrede: Gendern in Briefen und E-Mails: www.duden.de (geprüft am 2026-09-13)
- Genderleicht.de: Textlabor Nr. 8, Anrede im Geschäftsbrief: www.genderleicht.de (geprüft am 2026-09-13)
- Karrierebibel.de: 'Sehr geehrte Damen und Herren': Tipps und Alternativen: karrierebibel.de (geprüft am 2026-09-13)
Die Einordnung „Moderne Anreden: Inklusive Kommunikation in Geschäftskorrespondenz“ berücksichtigt außerdem „Briefe“ und „Bewerbungen“.