Was bedeutet qualitative Forschung?
Qualitative Forschung Definition
Eine Definition hilft dir erst dann weiter, wenn du sie mit einer konkreten Frage, passendem Material, einem nachvollziehbaren Vorgehen und einer klaren Grenze deiner Aussage verbindest.
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Fachbegriffe des wissenschaftlichen Arbeitens: 16 Lernkarten
Die Definition qualitativer Forschung, daneben die kurze Übersicht der Grundbegriffe. Sechzehn Wörter stehen darauf, Hypothese, Operationalisierung, Validität, Reliabilität, Paraphrase und Peer-Review inbegriffen, jedes mit Definition auf der Karte im Format A7.
Qualitative Forschung im sozialwissenschaftlichen Kontext einordnen
Qualitative Forschung bezeichnet im sozialwissenschaftlichen Zusammenhang eine Forschung mit qualitativen, hermeneutischen Methoden zur Untersuchung sozialer Phänomene. Sie richtet den Blick auf Phänomene, die sich standardisierten Zugängen wie Fragebögen oder der Auswertung demografischer Daten entziehen können. Qualitativ Forschende vertreten zudem, dass Methoden jeweils ein eigenes Wissen hervorbringen. In dieser Sicht entsteht Wissen im Kontext und lässt sich nicht davon trennen. Um dem Einwand ausschließlich subjektiver oder willkürlicher Ergebnisse zu begegnen, wurden methodisch kontrollierte Verfahren qualitativer Sozialforschung entwickelt. Sie beanspruchen, ein dokumentierbares und zwischen Forschenden diskutierbares Vorgehen bereitzustellen.
Eine Definition qualitativer Forschung muss nicht als einzelner Merksatz stehen bleiben. Mach daraus eine konkrete Frage, etwa dazu, wie ein abgegrenztes Material ein soziales Phänomen beschreibt oder deutet. Als Ergebnis, das sich überprüfen lässt, hältst du dann eine begrenzte Auswertung dieses Materials fest. Notiere, welches Material du betrachtest, in welchem Kontext du es liest und welche Textstellen deine Beobachtung tragen.
Für die Einordnung benennst du das soziale Phänomen und die Grenze deiner Frage. Die Reflexion der verwendeten Methoden gilt als wichtiger Teil qualitativer Forschung. Halte deshalb fest, wie dein Vorgehen beeinflusst, was du im Material wahrnimmst und darstellst. Prüfe anschließend, ob Frage und Material zueinander passen.
Beim wissenschaftliches Schreiben kannst du Definition, Anwendung und Prüfung getrennt darstellen. Die Definition hält den sozialwissenschaftlichen Rahmen fest. Die Anwendung verbindet ihn mit Material und Frage. Die Prüfung begrenzt deine Aussage auf das, was deine Auswertung zeigt. Die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit können dir beim Ordnen deiner Darstellung helfen, solange du sie an deiner Aufgabe überprüfst.

Der Aufbau von der Frage bis zur Grenze deiner Aussage
Ordne deine Bearbeitung in einer nachvollziehbaren Reihenfolge. Beginne mit einer Frage zur Definition qualitativer Forschung. Formuliere sie so, dass du ein abgegrenztes Material daran betrachten kannst. Wenn du deine Forschungsfrage formulieren willst, notierst du Gegenstand, Kontext und den gewünschten Ausschnitt in einem Satz.
- Frage festlegen: Schreibe eine einzelne Frage auf und markiere darin Gegenstand, Kontext und das geplante Ergebnis.
- Literatur wählen: Wähle die Literatur aus, mit der du deine Erklärung abgleichst. Halte getrennt fest, welche Passage qualitative oder hermeneutische Methoden, Kontextbezug, Methodenreflexion oder kontrollierte Verfahren behandelt.
- Literatur auswerten: Formuliere aus den markierten Passagen kurze Notizen. Prüfe dabei den Wortlaut, statt eine Aussage aus dem sozialwissenschaftlichen Zusammenhang auf ein anderes Fachgebiet zu übertragen.
- Material ordnen: Lege fest, welche Texte, Aussagen oder Dokumente du für deine Frage betrachtest. Trenne dieses Material von deinen Notizen zur Literatur. Für das Literaturverzeichnis erstellen sammelst du die Angaben zu den Quellen, die du selbst heranziehst.
- Auswerten: Beschreibe deine Beobachtungen am ausgewählten Material in einer Reihenfolge, die du selbst wiederholen kannst. Mit der wissenschaftliche Argumentation kannst du Frage, Material, Beobachtung und deine begrenzte Deutung nebeneinander prüfen.
- Ergebnis prüfen: Vergleiche deine Deutung mit dem Material und den Aussagen, die du aus der Literatur notiert hast. Kennzeichne, wo deine Auswertung endet.
Für die äußere Ordnung kann eine Gliederung einer Hausarbeit als Gerüst dienen. Wenn du eine Hausarbeit schreiben oder eine Masterarbeit schreiben willst, bleibt deine Frage der Bezugspunkt. Eine Übersicht über Methoden wissenschaftlicher Arbeiten kannst du zum Sortieren von Begriffen nutzen. Was du in deiner Auswertung beschreibst, entscheidest du anhand von Material und Frage.
Schritt für Schritt zu einem Ergebnis, das du prüfen kannst
Arbeite mit einem Ablauf, bei dem jeder Schritt ein sichtbares Ergebnis hat. So bleibt die Definition mit deiner konkreten Anwendung verbunden.
- Frage notieren: Formuliere eine enge Frage zu einem sozialen Phänomen. Ergebnis: ein Satz, der Gegenstand und Kontext nennt.
- Literatur lesen: Markiere Passagen zu qualitativen oder hermeneutischen Methoden, Kontextbezug, Methodenreflexion oder kontrollierten Verfahren. Ergebnis: kurze Notizen zu den Aussagen, die du im Text verwenden möchtest.
- Grenzen festhalten: Schreibe neben jede Notiz, auf welchen Zusammenhang sich die Passage bezieht. Ergebnis: eine Abgrenzung gegen Aussagen, die deine Literatur nicht hergibt.
- Material auswählen: Ordne das Material, das du für deine Frage bearbeiten willst. Ergebnis: ein benannter Ausschnitt aus Texten, Aussagen oder Dokumenten.
- Auswertung durchführen: Beschreibe die Bedeutungen, Zusammenhänge oder Deutungen, die du am Material untersuchst. Ergebnis: eigene Beobachtungen, die du einzelnen Textstellen zuordnest.
- Kontext reflektieren: Prüfe, wie deine Vorgehensweise deine Wahrnehmung und Darstellung des Materials beeinflusst. Ergebnis: ein kurzer Abschnitt zu dieser Reflexion.
- Schluss formulieren: Verknüpfe deine Beobachtungen mit der Frage. Ergebnis: eine begrenzte Antwort, die sich auf Material und Literatur bezieht.
- Angaben ordnen: Sammle die Angaben zu den Texten, die du verwendet hast. Zu den Zitierweisen, der deutsche Zitierweise und der Harvard-Zitierweise notierst du zunächst nur, welche Vorgaben für deinen Text vorliegen. Für Quellenangaben richtig zitieren vergleichst du deine Notizen mit den Angaben der Literatur, ohne aus diesem Artikel ein allgemeines Zitiermodell abzuleiten.
Der Ablauf liefert nicht automatisch ein fertiges Ergebnis. Er zeigt dir, wie du von einer Erklärung zu einer Auswertung kommst, die sich überprüfen lässt. Ob dein Vorgehen zu deiner Frage passt, prüfst du an der Literatur, am Material und an der Grenze deiner Aussage.
Kurzes Beispiel für eine eigene Anwendung
Angenommen, deine Frage lautet: „Wie wird Zugehörigkeit in zwei persönlichen Berichten über einen sozialen Lernort beschrieben?“ Als Material legst du zwei kurze, erfundene Berichtsausschnitte fest. Im ersten Ausschnitt steht: „In der ersten Woche saß ich meist allein am Rand.“ Im zweiten Ausschnitt steht: „Nach dem gemeinsamen Projekt fragten mich die anderen, ob ich morgen wiederkomme.“ Dein Ergebnis bezieht sich nur auf diese beiden Ausschnitte.
Für den Auswertungsschritt markierst du zunächst Wörter und Formulierungen, die Nähe oder Abstand beschreiben. Im ersten Ausschnitt notierst du „allein“ und „am Rand“ als Stellen, die du mit Abstand verbindest. Im zweiten notierst du die Einladung zum Wiederkommen als Stelle, die du mit Einbezug verbindest. Anschließend hältst du zu jeder Markierung fest, aus welchem Ausschnitt sie stammt und welche Deutung du daran knüpfst. Angaben zu tatsächlichen Personen, zum Ort oder zu einer größeren Gruppe lässt du aus deiner Deutung heraus, weil sie nicht Teil des festgelegten Materials sind.
Aus dem Vergleich formulierst du ein begrenztes Ergebnis: In den zwei ausgewählten Ausschnitten erscheint Zugehörigkeit einmal über die Beschreibung von Abstand und einmal über die Einladung zur weiteren Teilnahme. Damit beschreibst du zwei Textstellen, nicht Erfahrungen an sozialen Lernorten außerhalb dieses Beispiels. Der Weg von der Markierung zur Deutung bleibt sichtbar, wenn du deine Notizen zu beiden Ausschnitten nebeneinanderstellst und ihre Wörter erneut vergleichst.
Wenn du das Beispiel in eine eigene wissenschaftliche Arbeit überträgst, trennst du dein festgelegtes Material von deiner Auswertung. Für das Literaturverzeichnis erstellen sammelst du nur die Angaben, die du für deine Arbeit verwenden willst. Beim Plagiat vermeiden kannst du prüfen, ob deine Deutung in eigenen Worten formuliert ist und ob du Stellen aus anderen Texten getrennt von deinem erfundenen Beispiel notiert hast. Das Beispiel ersetzt keine Auswertung von Material, das du für eine andere Frage ausgewählt hast.

Qualitätscheck: Inhalt und Form getrennt prüfen
Teile deine Schlusskontrolle in zwei Bereiche. Inhaltlich vergleichst du Erklärung und Auswertung mit der Literatur und dem ausgewählten Material. Danach kontrollierst du getrennt die Darstellung deiner Arbeit.
Inhaltliche Prüfung
- Ist die Frage so gefasst, dass du ein abgegrenztes Material bearbeiten kannst?
- Bezieht sich deine Erklärung auf den sozialwissenschaftlichen Zusammenhang, den deine Literatur behandelt?
- Hast du die Literatur und die für deine Erklärung verwendeten Passagen getrennt notiert?
- Ist dein Material abgegrenzt und in deinen Notizen erkennbar geordnet?
- Kannst du dein Vorgehen vom Material bis zur Deutung beschreiben?
- Verbindet dein Ergebnis Beobachtung und Frage, ohne über dein Material hinauszugehen?
- Hast du die Grenze deiner Aussage sichtbar formuliert?
- Hast du reflektiert, wie dein Vorgehen beeinflusst, was du im Material wahrnimmst?
Zur qualitativen Sozialforschung gehören methodisch kontrollierte Verfahren sowie die Diskussion von Qualitätskriterien und Gütestandards. Lies die Passage deiner Literatur noch einmal und übernimm in deine Notizen nur, was dort steht. Eine Liste aus einem anderen Zusammenhang nutzt du nicht als Maßstab für deine Auswertung.
Formale Prüfung
- Lies deine Überschriften, Absätze und Listen daraufhin, ob sie Material, Beobachtung und Deutung klar voneinander trennen.
- Vergleiche deine eigenen Notizen mit dem Text, den du daraus formuliert hast.
- Suche nach Sätzen, die über das ausgewählte Material hinausreichen, und streiche sie oder begrenze sie auf die beobachteten Textstellen.
- Prüfe, ob du deine Frage am Ende mit einer Antwort aus deiner eigenen Auswertung verbindest.
Erst nach dieser getrennten Durchsicht schließt du die Darstellung deiner Anwendung ab. Bei der Unterscheidung von qualitative und quantitative Forschung notierst du nur Aussagen, die deine Literatur im jeweiligen Zusammenhang behandelt. Alles andere bleibt ein offener Punkt.
Quellen und Stand
- Alle Meldungen: Universität Bremen: www.uni-bremen.de (geprüft am 2026-08-30)
- Qualitative Sozialforschung, Wikipedia: de.wikipedia.org (geprüft am 2026-08-30)