So nutzt du non-binäre Pronomen wie dey, hen und xier richtig
Non-binäre Pronomen: dey, hen, xier und der Umgang im Alltag
Im Deutschen fehlen traditionelle Optionen jenseits von er und sie. Dieser Leitfaden erklärt Neopronomen, zeigt belegte Formen und liefert praktische Tipps für den respektvollen Umgang im Team und Unterricht.
Begriffsklärung und Hintergrund
Non-binäre Pronomen sind Pronomen für Menschen, die weder er noch sie für sich nutzen. Im Deutschen wird bei er und sie die Wahl üblicherweise über das Geschlecht der genannten Person getroffen. Für nichtbinäre Personen fehlen im üblichen Sprachgebrauch dadurch weitere Optionen. Neopronomen sind neu gebildete Pronomen, die als mögliche Formen für diesen Fall vorgeschlagen werden. Dazu gehören zum Beispiel dey, hen oder xier.
Die Formen unterscheiden sich je nach System. Für dey werden etwa dey, deren, denen und dey genannt; nibi.space führt im Dativ zusätzlich demm an. Für hen nennt das Material hen, hens, hem und hen. Auch en, ens, em und en sowie xier, xieser, xiem und xien werden aufgeführt. Eine Person kann außerdem sie oder er verwenden oder ganz ohne Pronomen auskommen und stattdessen mit ihrem Namen bezeichnet werden.
Die genannten Formen sind keine amtliche Vorgabe. nibi.space sammelt Vorschläge für die deutsche Sprache und versteht sich nicht als Regelwerk. Die Frage nach der Form lässt sich daher nicht durch eine allgemeine Zuordnung lösen, sondern durch die Angabe der jeweiligen Person. Beim Thema gendergerechte Sprache ist die Wahl einer persönlichen Form von der Frage zu trennen, welche Sonderzeichen innerhalb eines Wortes das amtliche Regelwerk behandelt.

Belegte Formen und Beugungsmuster
Die folgende Tabelle ordnet die im Material genannten Formen. Sie zeigt nur Angaben, die für die jeweilige Stelle belegt sind. Eine leere Zelle bedeutet daher nicht, dass es keine weitere Form geben kann, sondern nur, dass das Material hierfür keine Form nennt. Die Deklination von dey wird bei Wikipedia als dey, deren, denen, dey angegeben. nibi.space nennt für den Dativ von dey zusätzlich demm.
| Pronomen | Nominativ | Genitiv/Possessiv | Dativ | Akkusativ |
|---|---|---|---|---|
| dey | dey | deren | denen; demm | dey |
| hen | hen | hens | hem | hen |
| en | en | ens | em | en |
| xier | xier | xieser | xiem | xien |
| sier | siere; sieret | |||
| nin | nin |
Für hen beschreibt nibi.space außerdem eine Variante, in der die Form gleich bleibt und nur im Possessiv ein s erhält. Bei sier werden siere und sieret genannt, ohne dass die Quelle diese Angaben bestimmten Fällen zuordnet. nonbinary.ch nennt nin als Beispiel für ein Neopronomen, liefert dort aber keine weitere Formreihe. Deshalb bleiben die entsprechenden Zellen leer.
Bei xier stehen zwei Jahresangaben nebeneinander: Wikipedia nennt eine Entwicklung durch Illi Anna Heger seit 2009, nibi.space nennt xier als ein seit 2012 entwickeltes Pronomen. Die Angaben werden hier nicht zu einer einheitlichen Jahreszahl zusammengezogen. Wer eine Form in einem Satz verwenden möchte, kann die passende Reihe nachschlagen und die jeweilige Angabe der Person berücksichtigen. Die Tabelle macht keine Aussage darüber, wie verbreitet einzelne Pronomen sind.
Respektvolle Frageweise im sozialen Kontakt
Pronomen kann man einer Person nicht ansehen. Du kannst deshalb zunächst dein eigenes Pronomen nennen und dann neutral fragen, welches Pronomen die andere Person verwendet. Eine mögliche Formulierung lautet: „Ich verwende …; welches Pronomen verwendest du?“ Frage dabei nicht nach einem „bevorzugten“ Pronomen. Nach der Erläuterung von nonbinary.ch ist ein Pronomen keine Vorliebe, sondern eine Tatsache.
Manche nichtbinäre Personen verwenden sie oder er. Das schließt ihre Nichtbinarität nicht aus. Manche Menschen übernehmen außerdem das englische they ins Deutsche. Wenn jemand kein Pronomen nutzt, kann der Name an seine Stelle treten. Diese Angaben beziehen sich jeweils auf die Person, die du ansprichst oder über die du schreibst; errate die Form nicht aus dem Aussehen oder dem Namen.
- Muster mit dey: Die erfundene Person Deyra kommt später; ich warte auf dey.
- Muster mit xier: Die erfundene Person Xira ist heute nicht da; ich schreibe xiem eine Nachricht.
Die beiden Muster sind nur erfundene Beispielsätze. Sie zeigen, wie die genannten Formen im Satz stehen können, ohne sich auf eine reale Person zu beziehen. Wenn eine Person ihre Form nennt, verwende diese Form im weiteren Gespräch oder Text. Bei Unsicherheit kannst du nachfragen oder, falls kein Pronomen verwendet wird, den Namen einsetzen. So vermeidest du die Annahme, dass alle nichtbinären Personen dieselben Formen verwenden. Auch sie oder er können die von einer nichtbinären Person genannten Formen sein.
Abgrenzung zum amtlichen Standard
Der Rat für deutsche Rechtschreibung bekräftigte am 15. Dezember 2023 seine frühere Entscheidung vom 14. Juli 2023. Er empfiehlt, Sonderzeichen im Wortinnern nicht in das amtliche Regelwerk aufzunehmen. Genannt werden der Gender-Stern, der Unterstrich als Gender-Gap und der Doppelpunkt. Das amtliche Regelwerk gilt für Schulen und die öffentliche Verwaltung.
Der Rat beschreibt gendergerechte Sprache als gesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein durch orthografische Regeln gelöst werden kann. Zugleich hält er fest, dass die Entwicklung im Fluss ist. Diese Aussagen betreffen die Schreibung mit Sonderzeichen innerhalb von Wörtern. Sie betreffen nicht die Wahl von Pronomen für nichtbinäre Personen.
Aus der Stellungnahme folgt daher weder eine amtliche Regelung noch ein Verbot von Neopronomen. Der Rat regelt nach der vorliegenden Erläuterung Orthografie und Schreibung, nicht den Wortschatz oder die persönliche Pronomenwahl. Die in diesem Artikel genannten Formen werden davon getrennt betrachtet. nibi.space sammelt Vorschläge für die deutsche Sprache; die Seite ist kein amtliches Regelwerk. Für eine Einordnung ist es deshalb wichtig, die Entscheidung zu Sonderzeichen nicht mit der Frage zu verwechseln, welche Form eine Person für sich verwendet. Die dort genannte Abgrenzung lässt beide Themen getrennt: Wortinnere Zeichen auf der einen Seite, persönliche Formen auf der anderen Seite.
Typische Stolperfallen vermeiden
Ein möglicher Fehler ist die Frage nach einem „bevorzugten“ Pronomen. nonbinary.ch erläutert, dass ein Pronomen keine Vorliebe, sondern eine Tatsache ist. Als Gegenmaßnahme kannst du schlicht fragen, welches Pronomen die Person verwendet. Damit fragst du nach der Angabe der Person, ohne die Form als bloßen Wunsch zu bezeichnen.
Ein weiterer Fehler ist die Annahme, sie oder er könne nicht zu einer nichtbinären Person gehören. Die Quelle hält fest, dass manche nichtbinären Personen diese Formen verwenden. Als Gegenmaßnahme gilt: Übernimm die Form, die die Person nennt, statt aus einer Form auf ihre Identität zu schließen.
Auch eine unpassende Beugung kann vorkommen. Für dey nennt Wikipedia die Reihe dey, deren, denen, dey; nibi.space nennt im Dativ außerdem demm. Als Gegenmaßnahme kannst du die Form vor dem Schreiben nachschlagen und den Satz mit der angegebenen Variante bilden. Für xier sind xier, xieser, xiem und xien belegt.
Schließlich kann die Entscheidung des Rats für deutsche Rechtschreibung falsch als Verbot von Neopronomen gelesen werden. Sie betrifft Sonderzeichen im Wortinnern wie Gender-Stern, Unterstrich und Doppelpunkt. Als Gegenmaßnahme hilft die Abgrenzung: Die Stellungnahme behandelt nicht die Wahl eines Pronomens. nibi.space ist zudem eine Sammlung von Vorschlägen und kein amtliches Regelwerk.
Passend dazu findest du weitere Hinweise im Beitrag Pronomen.

Konkrete Schritte für sichere Umsetzung
Schritt eins: Stelle dich mit deinem eigenen Pronomen vor und frage die andere Person, welches Pronomen sie verwendet. So kann sie die Angabe selbst machen. Verwende in der Frage nicht „bevorzugt“: Ein Pronomen ist keine Vorliebe. Manche nichtbinäre Personen nutzen sie oder er. Andere verwenden englisches they, ein Neopronomen oder gar keine solche Form. Frage daher nicht aus einer vermuteten Geschlechtszuordnung heraus.
Schritt zwei: Schlage die genannten Formen nach und übe sie mit kurzen erfundenen Sätzen. Für dey führt die Sammlung von nibi.space Nominativ dey und die Possessivform deren auf; im Dativ steht dort demm. Bei xier nennt die Sammlung Formen mit xies, zum Beispiel xiem. Die Quelle ist eine Sammlung von Vorschlägen und kein amtliches Regelwerk. Schreibe einen eigenen kurzen Satz, setze die passende Form ein und lies ihn anschließend erneut. So kannst du prüfen, ob alle Satzteile zusammenpassen, ohne eine Form zu raten. Wenn die Person eine andere Form nennt, richte dich nach dieser Angabe und schlage genau dieses System nach.
Schritt drei: Bleibe bei der genannten Person im ganzen Text konsequent bei dem gewählten Pronomen. Wechsle nicht zu einer anderen Form, nachdem die Person ihre Angabe gemacht hat. Verwendet sie kein Pronomen, nutze stattdessen ihren Namen. Der Name kann auch helfen, wenn du bei einer Form unsicher bist. Lies den vollständigen Satz noch einmal: Prüfe, ob Name oder gewählte Form durchgehend dieselbe Person meinen. Wiederhole diese Prüfung beim nächsten Satz, damit der Bezug klar bleibt. Bei Unsicherheit kannst du die Person erneut nach ihrer Angabe fragen.
Quellen und Stand
- Nichtbinär-Wiki (nibi.space): Pronomen: nibi.space (geprüft am 2026-09-13)
- nonbinary.ch (Verein): Pronomen Anwendung: www.nonbinary.ch (geprüft am 2026-09-13)
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Geschlechtergerechte Schreibung, Erläuterungen und Begründung vom 15.12.2023: www.rechtschreibrat.com (geprüft am 2026-09-13)
- Wikipedia: Nichtbinäre Geschlechtsidentität, Abschnitt Neopronomen: de.wikipedia.org (geprüft am 2026-09-13)
Zum vollständigen Zusammenhang „So nutzt du non-binäre Pronomen wie dey, hen und xier richtig“ gehören auch „korrekt“.