Katalogtext und Verlagsvorschau schreiben
Dieser Text verkauft nicht an Leser, sondern an den Buchhandel
Der Katalogtext in der Verlagsvorschau ist der am meisten unterschätzte Text im Buchgeschäft. Er entscheidet mit darüber, wie viele Exemplare der Buchhandel bestellt, und wird von Menschen gelesen, die an einem Vormittag durch hunderte Titel gehen.
Das unterscheidet ihn grundlegend vom Klappentext: Der wirbt um Leserinnen, die das Buch schon in der Hand halten. Der Vorschautext wirbt um Einkäufer, die entscheiden müssen, ob sich ein Platz im Regal lohnt.
Was Einkaufende suchen
Im Buchhandel wird nicht gefragt, ob eine Geschichte schön ist, sondern ob es Kundinnen dafür gibt. Ein guter Vorschautext beantwortet deshalb vier Fragen in den ersten Zeilen: Worum geht es, für wen ist es, was vergleichbar ist erfolgreich gelaufen, und warum jetzt.
Die dritte Frage ist die, die Autorinnen am unangenehmsten ist, weil sie nach Vergleichbarkeit klingt. Für den Handel ist sie die wichtigste, denn sie sagt, in welches Regal das Buch gehört und neben welche Titel es passt.
Die vierte Frage betrifft den Anlass: ein Jubiläum, eine laufende Debatte, eine Verfilmung, eine Saison. Wo es einen gibt, gehört er hinein, denn er liefert dem Handel ein Argument für die Platzierung.
Aufbau und Länge
Vorschautexte sind kurz, meist 400 bis 900 Zeichen, und der Platz ist fest vergeben. Wer mehr schreibt, wird gekürzt, und zwar nicht immer an der Stelle, die er selbst gewählt hätte.
Bewährt ist dieser Aufbau: ein Aufhänger in einem Satz, zwei bis drei Sätze zum Inhalt, ein Satz zur Zielgruppe oder zum Anlass. Dazu die Angaben, die neben dem Text stehen: Autorenvita in einem Satz, Umfang, Preis, Erscheinungstermin, Warengruppe.
Vermeiden Sie die Nacherzählung. Ein Vorschautext, der die Handlung bis zur Mitte referiert, verbraucht Platz ohne Wirkung. Es geht um das Versprechen, nicht um den Inhalt.

Ton: Begeisterung ohne Superlative
Der häufigste Fehler ist die Häufung von Adjektiven. "Ein atemberaubender, mitreißender und zutiefst bewegender Roman" sagt weniger als ein konkretes Detail, weil dieselben Wörter in jedem zweiten Text stehen.
Statt: Ein packender Roman über Familie, Schuld und Vergebung.
Besser: Als ihre Mutter stirbt, findet Ines 42 unbeantwortete Briefe an eine Adresse in Lissabon. Ein Roman über das, was Familien voreinander verbergen.
Die zweite Fassung nennt eine Situation, die man sich vorstellen kann, und ordnet erst danach ein. Genau diese Reihenfolge macht Vorschautexte wirksam.
Sachbuch, Roman, Ratgeber: drei Zuschnitte
Die Gewichtung im Text unterscheidet sich nach Programmbereich. Beim Roman zählt der Sog: Situation, Konflikt, Ton. Beim Sachbuch zählt der Nutzen und die Autorität der schreibenden Person, also Position, Vorerfahrung, mediale Präsenz.
Beim Ratgeber ist die Zielgruppe das Wichtigste, und zwar möglichst eng benannt. "Für alle, die besser schlafen wollen" ist keine Zielgruppe, "für Schichtarbeitende mit unregelmäßigen Dienstplänen" schon. Der Handel bestellt für Menschen, die er sich vorstellen kann.
Konsistenz über alle Kanäle
Aus dem Vorschautext werden später Buchhandelsdaten, Onlineshop-Beschreibungen, Presseinformationen und oft der Klappentext abgeleitet. Wenn sich Titelschreibweise, Untertitel, Reihenangabe oder Erscheinungsdatum zwischen diesen Fassungen unterscheiden, entstehen Fehler, die sich durch das ganze System ziehen.
Wir prüfen deshalb nicht nur den Text, sondern gleichen auf Wunsch alle Fassungen gegeneinander ab: Vorschau, Klappentext, Metadaten und Pressetext. Abweichungen listen wir auf, statt sie zu vereinheitlichen, weil nur Sie wissen, welche Fassung gilt.
Für die Datenseite gibt es die Seite zu den Buch-Metadaten für den Buchhandel, für den Text am Buch selbst den Klappentext.

Der Zeitpunkt: ein halbes Jahr vor Erscheinen
Vorschauen erscheinen lange vor dem Buch, meist ein halbes Jahr. Zu diesem Zeitpunkt ist das Manuskript oft noch nicht endgültig, und genau daraus entsteht ein wiederkehrender Fehler: Der Vorschautext beschreibt eine Fassung, die es am Ende nicht mehr gibt.
Halten Sie den Text deshalb an den Stellen offen, die sich noch ändern können, und präzise dort, wo es sicher ist. Ein Nebenstrang, der später gestrichen wird, sollte nicht im Vorschautext stehen, das Grundthema dagegen schon.
Was wir prüfen
Wir korrigieren Rechtschreibung und Zeichensetzung und arbeiten im Lektorat an Aufhänger, Länge und Ton. Zusätzlich prüfen wir die harten Angaben: Titel, Untertitel, ISBN, Preis, Umfang, Termin, und ob sie zu den übrigen Unterlagen passen.
Ein Vorschautext ist zu kurz für einen eigenen Auftrag. Sinnvoll ist die Prüfung einer kompletten Vorschau mit allen Titeln einer Saison: Dort kommen schnell 15 bis 40 Normseiten zusammen, und die Einheitlichkeit über alle Titel hinweg ist ohnehin der eigentliche Gewinn.