Ausbildungsvergütung je Lehrjahr: Was 2026 gesetzlich gilt
Fachlich geprüft von Benjamin Lohrer, Lektor bei korrektur.de · Stand: 29. Oktober 2026
Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr: Mindestbetrag und Tarif 2026
Wie viel Geld dir in der dualen Berufsausbildung monatlich zusteht, richtet sich nach klaren gesetzlichen Vorgaben und geltenden Tarifverträgen. Hier erfährst du, wie sich die Ausbildungsvergütung je Lehrjahr zusammensetzt, welche Mindestbeträge aktuell gelten und wie du die Zahlen in deinem eigenen Ausbildungsvertrag gezielt überprüfst.
Gesetzlicher Rahmen und jährliche Staffelung nach Lehrjahr
Die Ausbildungsvergütung steigt gesetzlich gestaffelt von Lehrjahr zu Lehrjahr. Seit 2020 gibt es in Deutschland eine monatliche Mindestausbildungsvergütung, deren Beträge 2026 gegenüber 2025 spürbar gestiegen sind. Paragraf 17 des Berufsbildungsgesetzes verpflichtet Ausbildende, eine angemessene Vergütung zu zahlen, die mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich ansteigt. Genauer legt Absatz 2 desselben Paragrafen die gestaffelten Mindestbeträge fest: Im zweiten Ausbildungsjahr erhöht sich der Betrag des ersten Jahres um 18 Prozent, im dritten Ausbildungsjahr um 35 Prozent und im vierten Ausbildungsjahr um 40 Prozent. Wer den eigenen Vertrag prüft, vergleicht die dort vereinbarte Steigerung mit diesen in Absatz 2 genannten Prozentsätzen.
Wie hoch der Einstiegsbetrag im ersten Lehrjahr ausfällt, wird seit 2024 regelmäßig jeweils zum 1. Januar neu berechnet. Als Maßstab dient dabei der rechnerische Durchschnitt sämtlicher Ausbildungsvergütungen, die in den beiden zurückliegenden Kalenderjahren erfasst wurden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung veröffentlicht die aktualisierten Sätze jedes Jahr spätestens bis zum 1. November offiziell im Bundesgesetzblatt. Um die eigene Bezahlung verlässlich zu kontrollieren, stellst du die vertraglich zugesicherte Summe einfach dem im Bundesgesetzblatt genannten Mindestwert gegenüber und wendest dich bei offenen Fragen an deinen Ausbildungsbetrieb oder die zuständige Kammer. Weitere Themen für Aufstiegsfortbildungen findest du gebündelt in unserem Fachbereich zur Prüfungs- und Projektarbeit, wenn du schon über spätere Qualifikationsschritte nachdenkst. Das ganze Verzeichnis zur Ausbildung unterstützt dich zudem mit praktischen Ratgebern vom Bewerbungsstart bis zur Abschlussprüfung.

Gesetzliche Mindestbeträge je Ausbildungsjahr im Überblick
Für den Ausbildungsjahrgang 2026 weist das Bundesinstitut für Berufsbildung verbindliche Mindestwerte über alle vier Ausbildungsjahre hinweg aus. Im Vergleich zum Vorjahr 2025 bedeutet das ein Plus von knapp 6,2 Prozent. Wer 2026 in die Ausbildung startet, hat im ersten Ausbildungsjahr Anspruch auf mindestens 724 Euro pro Monat. Darauf aufbauend klettert die Untergrenze im zweiten Ausbildungsjahr auf 854 Euro, erreicht im dritten Ausbildungsjahr 977 Euro und beträgt im vierten Ausbildungsjahr schließlich 1014 Euro monatlich. Zur Einordnung: Im ersten Ausbildungsjahr des Jahrgangs 2025 lag dieser Startwert noch bei 682 Euro. Weil die prozentualen Sprünge von 18, 35 und 40 Prozent auf den Basisbetrag des ersten Jahres gesetzlich festgeschrieben sind, bleiben die relativen Abstände zwischen den Lehrjahren auch bei jeder neuen Jahresanpassung unverändert.
| Lehrjahr | Mindestbetrag 2026 | Steigerung gegenüber dem ersten Jahr |
|---|---|---|
| 1. Ausbildungsjahr | 724 Euro | Basiswert |
| 2. Ausbildungsjahr | 854 Euro | +18 % |
| 3. Ausbildungsjahr | 977 Euro | +35 % |
| 4. Ausbildungsjahr | 1014 Euro | +40 % |
Maßgeblich sind diese Beträge für alle Auszubildenden, die ihre Ausbildung im Kalenderjahr 2026 aufnehmen. Wie stark der Einstiegswert für das erste Ausbildungsjahr jeweils angehoben wird, bemisst sich an der Lohnentwicklung der durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen aus den beiden davorliegenden Jahren. Verbindlich veröffentlicht werden die neuen Sätze durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung stets bis zum 1. November im Bundesgesetzblatt. Beim Check deines Ausbildungsvertrags solltest du darauf achten, dass für jede Stufe mindestens der gesetzliche Wert des jeweiligen Lehrjahres eingetragen ist. Fällt die vertragliche Summe geringer aus, empfiehlt sich eine zeitnahe Rücksprache mit dem Betrieb oder der zuständigen Kammer. Arbeiten Unternehmen nach einem Tarifvertrag, orientiert sich die Bezahlung an den tariflichen Tabellen und übertrifft die gesetzliche Mindestgrenze häufig deutlich. Eine überzeugende Bewerbung schreiben fällt dir zudem leichter, wenn du die gesetzlichen Mindestsätze schon vorab kennst und dein monatliches Budget realistisch kalkulieren kannst.
Tarifliche Ausbildungsvergütung im Vergleich zum Mindestsatz
Um zu zeigen, was Auszubildende in der Praxis verdienen, erfasst das Bundesinstitut für Berufsbildung bereits seit 1976 die tariflichen Ausbildungsvergütungen und wertet die Abschlüsse jedes Jahr zum Stichtag 1. Oktober systematisch aus. Seit 1992 sind auch die ostdeutschen Bundesländer fester Bestandteil dieser Untersuchung. Für das Auswertungsjahr 2025 umfasst die Statistik Daten zu 173 Ausbildungsberufen in Westdeutschland sowie zu 112 Berufen in Ostdeutschland. Auf dieser breiten Grundlage lässt sich sehr genau nachvollziehen, welche Beträge tarifgebundene Arbeitgeber tatsächlich überweisen. Dabei müssen gesetzliche Untergrenze und Tariflohn strikt getrennt betrachtet werden: Während das Gesetz lediglich das Minimum absichert, bewegen sich Tarifverträge oft spürbar darüber und unterscheiden sich je nach Beruf und Region erheblich.
- Kontinuierliche Erfassung der tariflichen Ausbildungsvergütungen seit 1976
- Regelmäßige Analyse zum Stichtag 1. Oktober, seit 1992 einschließlich der Werte für ostdeutsche Bundesländer
- Ausgewertete Tarifdaten für 173 Ausbildungsberufe in Westdeutschland und 112 Berufe in Ostdeutschland im Jahr 2025
- Zuwachs der tariflichen Vergütungen 2025 um durchschnittlich 6,7 Prozent auf 1209 Euro brutto im Monat über alle Ausbildungsjahre hinweg
Allerdings lässt sich das bundesweite Mittel von 1209 Euro nicht pauschal auf jeden einzelnen Ausbildungsberuf übertragen. Wie das Bundesinstitut für Berufsbildung betont, weichen die gezahlten Tarife je nach Beruf und Region stark voneinander ab. Hinzu kommt ein statistischer Effekt: Verschiebungen beim Gesamtdurchschnitt resultieren nicht ausschließlich aus regulären Tariferhöhungen, sondern entstehen auch dann, wenn einzelne Tarifvereinbarungen wegfallen oder neu in die Auswertung aufgenommen werden. Möchtest du nachschlagen, welcher Tarifdurchschnitt für deinen konkreten Wunschberuf gilt, stellt das Bundesinstitut für Berufsbildung detaillierte Gesamtübersichten nach Beruf, Region und Ausbildungsjahr kostenfrei als Download bereit. Den täglichen Ausbildungsnachweis führen gehört übrigens unabhängig vom gezahlten Tarif zu deinen festen Pflichten, weil das Berichtsheft für die Zulassung zur Abschlussprüfung unverzichtbar ist.
Wovon die Höhe deiner Ausbildungsvergütung konkret abhängt
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit entscheiden vor allem der gewählte Beruf, die jeweilige Branche, die Region sowie die Tarifbindung des Betriebs über die tatsächliche Ausbildungsvergütung. Im Zusammenspiel legen diese vier Einflussgrößen fest, welche Summe am Monatsende auf deinem Konto eingeht. Arbeitet dein Ausbildungsbetrieb mit Tarifbindung, steht dir mindestens der einschlägige Tarifsatz zu, der wiederum je nach Branche und Region variiert. Existiert im Unternehmen hingegen kein Tarifvertrag, greift automatisch die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung als verbindliche Untergrenze. Natürlich steht es auch nicht tarifgebundenen Arbeitgebern jederzeit frei, freiwillig mehr zu zahlen. Ob dein künftiger Betrieb an einen Tarif gebunden ist, erkennst du meist direkt im Ausbildungsvertrag oder erfährst es auf Nachfrage bei der zuständigen Kammer.
Anders sieht die Situation bei rein schulischen Ausbildungen aus, denn hier wird laut Bundesagentur für Arbeit in der Regel keine Vergütung gezahlt. Eine wichtige Ausnahme bildet allerdings der Bereich der Pflege, in dem Auszubildende ein festes Ausbildungsentgelt erhalten. Da duale und schulische Bildungsgänge rechtlich völlig unterschiedlich ausgestaltet sind, solltest du vorab genau klären, unter welches Modell dein Wunschberuf fällt. Bei Zweifeln helfen dir der Ausbildungsbetrieb oder die zuständige Kammer rasch weiter. Weil die gezahlten Tarife im dualen System je nach Beruf und Region stark auseinandergehen, liefern die Tabellen des Bundesinstituts für Berufsbildung einen verlässlichen Maßstab für deinen Gehaltscheck. Bachelor oder Fachwirt vergleichen bietet sich ergänzend an, wenn du neben dem Einkommen während der Lehrzeit auch deine langfristigen Aufstiegschancen abwägen möchtest.
Wann Betriebe vom Mindestsatz abweichen und was bei Teilzeit gilt
Eine rechtlich bedeutsame Sonderregel findet sich in Paragraf 17 Absatz 3 des Berufsbildungsgesetzes: Sie gestattet es Arbeitgebern, die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung zu unterschreiten, sofern im Betrieb eine entsprechende tarifvertragliche Regelung greift. Greift ein solcher Tarifvertrag, gibt ausschließlich dessen Entgelttabelle die Vergütungshöhe vor, selbst wenn der Tarifwert rechnerisch unterhalb des gesetzlichen Mindestsatzes liegt. Zulässig ist eine solche Abweichung nach unten jedoch nur dann, wenn tatsächlich ein gültiger Tarifvertrag angewendet wird.
Dass die gesetzliche Untergrenze in der Praxis eher die Ausnahme bildet, belegen Auswertungen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung. Seitdem die Mindestausbildungsvergütung im Jahr 2020 eingeführt wurde, sahen lediglich drei bis vier Prozent sämtlicher neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im ersten Ausbildungsjahr exakt diesen Mindestbetrag vor; die überwiegende Mehrheit startet mit höheren Sätzen. Umso wichtiger ist es bei der Vertragsprüfung, die angebotene Summe nicht nur mit dem gesetzlichen Mindestsatz für das jeweilige Ausbildungsjahr, sondern auch mit branchenüblichen Werten abzugleichen.
Gesonderte Regeln greifen außerdem, wenn du deine Berufsausbildung in Teilzeit durchläufst. Laut Bundesagentur für Arbeit verlängert sich die Gesamtdauer dabei entsprechend, darf jedoch höchstens das 1,5-Fache der regulären Ausbildungszeit erreichen. Dadurch dehnt sich beispielsweise der Zeitraum einer regulär dreijährigen Ausbildung auf maximal viereinhalb Jahre aus. Parallel zur reduzierten Wochenarbeitszeit wird auch die monatliche Ausbildungsvergütung anteilig an die tatsächlich geleisteten Stunden angepasst. Wer dieses Modell nutzen möchte, sollte Stundenumfang und Vergütung frühzeitig mit dem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Kammer abstimmen. Einen Rabatt als Azubi sichern verschafft dir im Alltag zusätzlichen finanziellen Freiraum, falls dein monatliches Ausbildungsbudget durch Teilzeit oder den gesetzlichen Mindestsatz enger bemessen ist.

Drei Schritte zur Prüfung deiner Ausbildungsvergütung
- Prüfe zunächst die gesetzliche Untergrenze: Nach Paragraf 17 des Berufsbildungsgesetzes schulden Ausbildungsbetriebe eine angemessene Vergütung, die mit jedem Lehrjahr ansteigt. Da das Bundesinstitut für Berufsbildung für 2026 feste Mindestbeträge je Ausbildungsjahr veröffentlicht hat, kannst du die im Ausbildungsvertrag genannten Summen direkt neben den gesetzlichen Mindestsatz deiner jeweiligen Stufe legen.
- Ermittle anschließend, ob für deinen Ausbildungsbetrieb ein Tarifvertrag gilt: Bei Tarifbindung sind die tarifvertraglich ausgehandelten Beträge maßgeblich. Schlage dazu in den Fachübersichten des Bundesinstituts für Berufsbildung den tariflichen Durchschnittswert für deinen konkreten Beruf und deine Region nach, um einzuschätzen, wie dein Vertragsangebot im Vergleich zu gängigen Tarifsätzen abschneidet.
- Berücksichtige zum Schluss vertragliche Sonderfälle: Greift im Betrieb ein Tarifvertrag, darf die Zahlung gemäß Paragraf 17 Absatz 3 auch unterhalb des gesetzlichen Mindestsatzes liegen. Absolvierst du deine Ausbildung in Teilzeit, dehnt sich die Dauer auf bis zu das 1,5-Fache aus und das Gehalt passt sich anteilig an die Wochenstunden an. Kläre solche Detailfragen vorab mit Betrieb oder Kammer, um deinen genauen Zahlungsanspruch abzusichern.
Stimmen die finanziellen Rahmenbedingungen im Vertrag, rückt die praktische Vorbereitung auf den Ausbildungsstart in den Mittelpunkt. Wer frühzeitig lernt, eine überzeugende Bewerbung schreiben zu können, legt den Grundstein für einen guten Ausbildungsplatz, und im späteren Berufsalltag sorgt die laufende Dokumentation für Sicherheit: Den täglichen Ausbildungsnachweis führen und regelmäßig abzeichnen lassen belegt gegenüber Betrieb und Kammer jederzeit, dass sämtliche Ausbildungsinhalte vollständig vermittelt wurden.
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Stand: 29. Oktober 2026korrektur.de. (2026, 29. Oktober). Ausbildungsvergütung 2026 nach Lehrjahr. korrektur.de. https://korrektur.de/ausbildungsverguetung-nach-lehrjahr
„Ausbildungsvergütung 2026 nach Lehrjahr.“ korrektur.de, 29. Okt. 2026, korrektur.de/ausbildungsverguetung-nach-lehrjahr. Zugriff 31. Okt. 2026.
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korrektur.de. Ausbildungsvergütung 2026 nach Lehrjahr [online]. 2026 [Zugriff am 31.10.2026]. Verfügbar unter: https://korrektur.de/ausbildungsverguetung-nach-lehrjahr
Quellen und Stand
- Quelle: Berufsbildungsgesetz (BBiG), Paragraf 17, gesetze-im-internet.de: www.gesetze-im-internet.de (geprüft am 2026-09-17)
- Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Pressemitteilung Mindestausbildungsvergütung 2026: www.bibb.de (geprüft am 2026-09-17)
- Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Tarifliche Ausbildungsvergütungen: www.bibb.de (geprüft am 2026-09-17)
- Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Was du in der Ausbildung verdienst: www.arbeitsagentur.de (geprüft am 2026-09-17)