Duales Studium – Vorteile, Nachteile, Anbieter
Duales Studium – Theorie und Praxis kombinieren
Das duale Studium kombiniert ein Hochschulstudium mit Praxisphasen in einem Unternehmen. Es ist die Antwort auf eine alte Klage: Studierende kommen mit theoretischem Wissen aus dem Hörsaal, aber ohne praktische Erfahrung. Im dualen Studium gehst du Bachelor-Niveau im Hörsaal und parallel arbeitest du beim Praxispartner – mit Gehalt vom ersten Tag an. Dieser Beitrag erklärt die verschiedenen Modelle, Vor- und Nachteile, beliebte Anbieter und worauf du bei der Bewerbung achten solltest.
Was ist ein duales Studium?
Ein duales Studium ist ein Studiengang, in dem Theoriephasen an einer Hochschule mit Praxisphasen in einem Unternehmen verzahnt sind. Du hast einen Studienvertrag mit der Hochschule und einen Arbeitsvertrag mit einem Praxispartner. Das Unternehmen zahlt dir ein monatliches Gehalt, oft auch Studiengebühren, und stellt dir eine Stelle für die Praxisphasen.
Drei Hauptmodelle
- Praxisintegrierendes Studium: du studierst regulär an einer Hochschule und bist parallel als Werkstudent oder Praktikant beim Unternehmen. Theorie und Praxis wechseln sich ab. Beispiel: 3 Tage Hochschule, 2 Tage Unternehmen.
- Ausbildungsintegrierendes Studium: du machst gleichzeitig Bachelor und Berufsausbildung (z. B. Industriekaufmann/-frau). Doppelter Abschluss am Ende.
- Berufsintegrierendes Studium: für Berufstätige, die parallel zum Job studieren. Häufig in Form eines Abend- oder Wochenendstudiums.
Vorteile
- Gehalt vom ersten Tag (üblich 800–1.500 € brutto).
- Praxiserfahrung, die im Lebenslauf zählt.
- Hohe Übernahmequote – Studierende werden oft direkt vom Praxispartner übernommen.
- Studiengebühren werden meist vom Unternehmen übernommen.
- Frühzeitige Orientierung im Berufsfeld.
Nachteile
- Hohe Doppelbelastung: kaum Semesterferien, parallele Klausuren und Praxisarbeit.
- Bindung an das Praxisunternehmen: oft 1–2 Jahre Übernahme-Verpflichtung nach Abschluss.
- Wenig Zeit für Auslandssemester oder Hobbys.
- Bei Kündigung des Praxispartners verlierst du auch deinen Studienplatz.
- Geringer fachliche Tiefe gegenüber regulären Vollzeit-Studiengängen, weil weniger Vorlesungszeit.
Beliebte Anbieter und Hochschulen
- Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) – Pionier des dualen Studiums in Deutschland.
- IU Internationale Hochschule (Privat) – sehr breites duales Studienangebot.
- Hochschule Niederrhein, Hochschule Mainz, Hochschule Aalen – staatliche Hochschulen mit dualen Studiengängen.
- FOM Hochschule – Schwerpunkt berufsbegleitend.
- Berufsakademien in Sachsen, Thüringen, Hamburg.
Beliebte Studienfächer
BWL, Wirtschaftsinformatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Soziale Arbeit und IT/Informatik sind die häufigsten dualen Studiengänge. Praxispartner sind oft Konzerne (DAX-Unternehmen) oder solide Mittelständler.
Bewerbungsablauf
- Praxispartner finden – das ist der entscheidende Schritt. Bewerbung 12–18 Monate vor Studienbeginn beim Unternehmen.
- Auswahlverfahren (oft ähnlich zu Ausbildungsbewerbungen mit Tests und Assessment-Center).
- Studienvertrag mit der Hochschule – das geht meist über das Unternehmen.
- Doppelimmatrikulation und Vertragsabschluss.
Gehalt im dualen Studium
Übliche Bandbreite: 800–1.500 € brutto monatlich. In Konzernen wie BMW, Bosch, Siemens 1.200–1.700 €. Im Mittelstand oft niedriger. Steigerung jedes Studienjahr ist üblich. Plus Übernahme der Studiengebühren (an staatlichen Hochschulen meist sowieso 0 €, an privaten ein erheblicher Wert).
Wer ist der typische duale Studierende?
Schulnoten gut bis sehr gut, klares Berufsbild, hohe Belastbarkeit, soziale Kompetenz. Die Auswahlverfahren der Konzerne sind anspruchsvoll. Wer nicht weiß, was er beruflich will, ist im regulären Studium oft besser aufgehoben – im dualen Studium musst du dich früh festlegen.
Tipps für die Bewerbung
- Frühzeitig mit der Recherche anfangen (mind. 1 Jahr vor Studienbeginn).
- Lebenslauf gezielt auf das Unternehmen ausrichten – bei Konzernen Praktika, Auslandsaufenthalte, Engagement zeigen.
- In der Bewerbung klar benennen, welcher Studiengang und welcher Studienort gewünscht ist.
- Plan B haben – auch reguläre Studiengänge bewerben.
Häufige Fragen vor der Entscheidung
- Will ich nach 3 Jahren in den Beruf oder noch weitere Bildung?
- Will ich mich auf ein Unternehmen festlegen?
- Halte ich eine Doppelbelastung über 3 Jahre durch?
- Habe ich Lust auf eine Branche / einen Berufszweig?