Wofür steht der Surrealismus und wie erkennst du ihn?

Surrealismus: Merkmale, Vertreter und Werke

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 · Literaturepochen

Der Surrealismus ist eine nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Richtung der Kunst und Literatur, die das Unbewusste und Träume als Ausgangsbasis nimmt. Entstehung, Vertreter und Merkmale helfen dir, die Epoche von verwandten Richtungen zu unterscheiden.

Was ist der Surrealismus?

Der Duden ordnet den Surrealismus als eine Richtung ein, die in Paris nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in der modernen Kunst und Literatur entstand und das Unbewusste, Träume und Visionen als Ausgangsbasis künstlerischer Produktion betrachtet. Das Wort selbst stammt aus dem Französischen und setzt sich aus sur (über) und realisme zusammen, was bereits auf das Ziel hinweist, über die gewöhnliche Wirklichkeit hinauszugehen. Diese Begriffsherkunft erklärt, warum die Bewegung sich nicht an der sichtbaren Alltagswelt orientierte, sondern an inneren Bildern, die sich der bewussten Kontrolle entziehen sollten. Wer sich für die genaue Wortbildung interessiert, erkennt darin den Anspruch, die gewohnte Realität bewusst zu überschreiten, statt sie lediglich abzubilden.

Das DWDS ergänzt diese Einordnung, indem es den Surrealismus als Stilrichtung beschreibt, die sich in mehreren künstlerischen Bereichen zeigt: in der Malerei, im Film und in der Dichtkunst. Ziel war es demnach, unterbewusste Gedankenwelten sichtbar oder lesbar zu machen. Als einen der wichtigsten Vertreter nennt das DWDS den Maler René Magritte, wobei sich diese Nennung auf die bildende Kunst bezieht und nicht automatisch eine literarische Tätigkeit bedeutet. Wenn du dir einen Überblick über die Zeiträume verschaffen willst, in die sich eine solche Stilrichtung einordnen lässt, hilft ein Blick auf die Übersicht zu Literaturepochen, die zeigt, wo der Surrealismus zeitlich steht.

Der Brockhaus beschreibt die Bewegung zusätzlich als eine künstlerisch-literarische Avantgardebewegung, die als Reaktion auf den Zusammenbruch traditioneller abendländischer Wertvorstellungen im Ersten Weltkrieg entstand. Der Krieg hatte demnach tief verwurzelte Überzeugungen erschüttert, und die Bewegung suchte nach einer Antwort darauf, indem sie den Geist aus inneren und äußeren Zwängen befreien wollte. Diese drei Einordnungen ergänzen sich: Die zeitliche und örtliche Verankerung in Paris nach dem Krieg, die stilistische Bandbreite über mehrere Kunstformen und der Charakter als Avantgardebewegung, die sich bewusst von überkommenen Normen abwandte, bilden zusammen ein Bild davon, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, ohne dass eine einzelne Definition das vollständige Spektrum allein abdeckt. Für Lesende, die sich erstmals mit der Epoche beschäftigen, lohnt sich daher der Blick auf alle drei Definitionen gemeinsam, statt sich auf eine einzelne Definition zu verlassen.

Surrealismus erkennen: der Ablauf in drei Schritten

Wann entstand der Surrealismus und wer gehört dazu?

wissen.de führt den Namen der Bewegung auf Guillaume Apollinaire zurück, der ihn im Jahr 1917 prägte. Später übernahm André Breton diesen Begriff und formulierte das Programm in den Surrealistischen Manifesten von 1924 und 1930 aus. Als zentrale Ziele dieser Manifeste nennt wissen.de die Ausschaltung der Logik und die Freilegung des Unbewussten, was die Richtung von einer rein formalen Stilübung unterscheidet. Auch Wikipedia bestätigt diese Chronologie und ordnet Breton seit 1924 in Paris ein, ergänzt durch das zweite Manifest von 1930 und die Technik des automatischen Schreibens, die eng mit dem Namen Breton verbunden ist.

Zu den Autoren, die wissen.de konkret nennt, zählen Paul Éluard mit dem Werk Hauptstadt der Schmerzen aus dem Jahr 1926, André Breton selbst mit dem Roman Nadja aus dem Jahr 1928 sowie Louis Aragon mit Pariser Landleben aus dem Jahr 1926. Diese Werke dienen als Beispiele dafür, wie sich das Programm der Manifeste literarisch niederschlug, ohne dass daraus folgt, dass jedes weitere Werk dieser Autoren derselben Linie folgte. Neben den literarischen Vertretern nennt das LeMO des Deutschen Historischen Museums auch bildende Künstler, die der Bewegung zugeordnet werden, darunter als deutsche Vertreter Hans Arp, Paul Klee und Max Ernst. Das LeMO beschreibt zudem, dass die Bewegung ab den frühen 1920er Jahren von Paris ausging und dass Bretons Manifest von 1924 die Aufhebung des Widerspruchs von Irrealität und Realität in einer Über-Wirklichkeit forderte.

Tabelle: Name, Bereich, Genanntes Werk
NameBereichGenanntes Werk
Paul ÉluardLiteraturHauptstadt der Schmerzen (1926)
André BretonLiteraturNadja (1928)
Louis AragonLiteraturPariser Landleben (1926)
Roger VitracDramaVictor oder Die Kinder an die Macht (1928)

Eine inhaltliche Nähe besteht zum Expressionismus, da beide Richtungen aus der Erschütterung durch den Ersten Weltkrieg Antworten suchten, auch wenn sich ihre künstlerischen Mittel deutlich unterschieden und die Bildsprache jeweils eigene Wege ging. Die Vielzahl der genannten Personen zeigt, dass die Bewegung von Anfang an mehrere künstlerische Felder zugleich erfasste, von der Dichtung über das Drama bis zur bildenden Kunst.

Welche Merkmale hat surrealistische Literatur?

Als zentrale Ziele der surrealistischen Literatur nennt wissen.de die Ausschaltung der Logik und die Freilegung des Unbewussten. Diese beiden Merkmale stehen in engem Zusammenhang: Wenn die gewohnte logische Ordnung eines Textes aufgegeben wird, entsteht Raum für Inhalte, die sonst im Unbewussten verborgen bleiben. Daraus ergibt sich eine Traum- und Symbolwelt, die als Beobachtung gilt und nicht als feste Regel, die jeder surrealistische Text erfüllen müsste. Es handelt sich also um eine Beschreibung dessen, was wissen.de an den genannten Werken und Manifesten beobachtet, nicht um eine allgemeingültige Vorschrift für sämtliche Texte der Richtung.

Das LeMO beschreibt ergänzend, dass Bretons Manifest die Aufhebung des Widerspruchs von Irrealität und Realität in einer sogenannten Über-Wirklichkeit fordert. Dieser Begriff der Über-Wirklichkeit bringt zum Ausdruck, dass Traum und Wachzustand nicht als Gegensätze, sondern als zwei Seiten einer gemeinsamen Erfahrung verstanden werden sollten. Eng damit verbunden ist der von Wikipedia beschriebene Automatismus, konkret das automatische Schreiben, bei dem Texte ohne bewusste Kontrolle entstehen sollen, um dem Unbewussten direkten Ausdruck zu verschaffen. Diese Technik gilt als eine der charakteristischen Arbeitsweisen, die im Zusammenhang mit der Bewegung genannt werden.

Ein erfundenes Beispiel kann diesen traumhaften Ton veranschaulichen, etwa ein Satz wie: Die Uhr tropfte aus dem Fenster und wurde zu einem Vogel, der die Zeit davontrug. Ein solcher Satz ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung, wie sich die Aufhebung der Logik in einem Bild zeigen könnte. Die hier genannten Merkmale lassen sich als Beobachtungen zu bestimmten Werken verstehen, nicht als Checkliste, die auf jeden beliebigen Text der Epoche angewendet werden kann. Zeitlich steht diese literarische Praxis im Zusammenhang mit der Moderne um 1900, da die Suche nach neuen Ausdrucksformen jenseits traditioneller Erzählweisen bereits in jener Zeit begann und der Surrealismus daran anschloss.

Surrealismus erkennen: Prüfliste mit vier Punkten

Wie grenzt du den Surrealismus von anderen Richtungen ab?

Wikipedia beschreibt den Surrealismus als zeitlich auf die Zeit zwischen den Weltkriegen begrenzt. Diese Eingrenzung hilft dabei, die Bewegung von anderen Richtungen zu unterscheiden, die in andere Zeiträume fallen oder sich länger erstrecken. Eine solche Begrenzung bedeutet nicht, dass es außerhalb dieses Zeitraums keine vergleichbaren künstlerischen Ansätze gegeben hätte, sondern beschreibt lediglich, worauf sich die Hauptphase der Bewegung nach Wikipedia bezieht.

Für den Vergleich mit einer Richtung, die den Unsinn zum Prinzip machte, lohnt sich ein Blick auf eine Bewegung, die bereits aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammt und damit zeitlich vor der eigentlichen Hauptphase des Surrealismus liegt. Wer den Unterschied sucht, findet ihn beim Dadaismus, während der Surrealismus mit dem Unbewussten und Träumen arbeitete, um neue Bedeutungsschichten freizulegen. Für Einzelheiten zu den jeweiligen Zielen beider Bewegungen lohnt sich ein Blick in weiterführende Fachliteratur zur Avantgarde, da hier keine weiteren Angaben dazu folgen.

Für eine ältere Richtung lohnt sich ebenfalls ein Vergleich, da sie in einem früheren Zeitraum als der Surrealismus liegt. Die Abgrenzung gelingt mit einem Blick auf den Symbolismus, der als ältere Strömung gilt, während der Surrealismus das Unbewusste direkter, etwa durch automatisches Schreiben, freizulegen versuchte. Diese zeitliche Reihenfolge, vom älteren Symbolismus über den Dadaismus bis zum Surrealismus, kann als grobe Orientierung dienen, ohne dass damit feste Jahreszahlen für jede dieser Richtungen behauptet werden.

Quellen und Stand

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Häufige Fragen zum Surrealismus

Woher kommt der Begriff Surrealismus?

Der Duden erklärt, dass das Wort aus dem Französischen stammt und sich aus sur (über) und realisme zusammensetzt. wissen.de ergänzt, dass Guillaume Apollinaire den Namen 1917 prägte, bevor André Breton ihn später in seinen Manifesten programmatisch ausformulierte.

Welche Rolle spielt Paris für den Surrealismus?

Der Duden beschreibt den Surrealismus als eine nach dem Ersten Weltkrieg in Paris entstandene Richtung der Kunst und Literatur. Das LeMO ergänzt, dass die Bewegung ab den frühen 1920er Jahren von Paris ausging.

Wer zählt zu den deutschen Vertretern des Surrealismus?

Das LeMO des Deutschen Historischen Museums nennt als deutsche Vertreter die bildenden Künstler Hans Arp, Paul Klee und Max Ernst, ohne dass daraus eine literarische Tätigkeit dieser Personen folgt.

Was bedeutet automatisches Schreiben?

Wikipedia nennt das automatische Schreiben als Technik, bei der Texte ohne bewusste Kontrolle entstehen sollen, um dem Unbewussten direkten Ausdruck zu verschaffen. Diese Technik wird im Zusammenhang mit André Breton beschrieben.

Gab es nach Breton noch weitere Manifeste?

wissen.de und Wikipedia nennen neben dem ersten Surrealistischen Manifest von 1924 ein zweites Manifest von 1930, das ebenfalls von André Breton verfasst wurde.

Welches Werk wird von Roger Vitrac genannt?

wissen.de nennt im Zusammenhang mit der Bewegung das Werk Victor oder Die Kinder an die Macht aus dem Jahr 1928 von Roger Vitrac als Beispiel aus dem dramatischen Bereich.

Ist der Surrealismus dasselbe wie der Dadaismus?

Nein, es handelt sich um unterschiedliche Richtungen: Der Dadaismus stammt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, während Wikipedia den Surrealismus zeitlich auf die Zwischenkriegszeit begrenzt; der Surrealismus arbeitete mit dem Unbewussten statt mit radikaler Sinnverweigerung.

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