Worauf es bei Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten ankommt
Laut Destatis sollte ein Kreisdiagramm nicht zu viele Segmente haben
Ein Kreisdiagramm eignet sich in wissenschaftlichen Arbeiten nur für Anteile eines Ganzen mit wenigen Kategorien. Hier erfährst du, welche Regeln gelten, wie du es Schritt für Schritt baust und woran du eine gelungene Grafik erkennst.
Wann ein Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten passt
Ein Kreisdiagramm passt in wissenschaftliche Arbeiten nur dann, wenn du die Anteile eines Ganzen zeigst, die zusammen 100 Prozent ergeben, und wenn es sich um wenige Kategorien handelt. Als bewährte Faustregel gelten höchstens fünf bis sieben Segmente. Kleine Anteile fasst du unter „Sonstige“ zusammen, und auf dreidimensionale Effekte verzichtest du vollständig.
Das Kreisdiagramm, oft auch Tortendiagramm genannt, übersetzt Prozentwerte in Winkel: Ein Prozent entspricht 3,6 Grad, ein Viertel also 90 Grad. Genau darin liegt seine Schwäche. Winkel und Flächen schätzt das Auge deutlich ungenauer ein als Längen, deshalb fällt ein Unterschied zwischen 22 und 25 Prozent im Kreis kaum auf, im Balkendiagramm dagegen sofort. Wer wissenschaftliches Schreiben ernst nimmt, wählt die Grafik deshalb nach der Aussage und nicht nach der Optik.
Für den Einsatz in deiner Arbeit gelten diese konkreten Regeln:
- Die Werte müssen Teile eines Ganzen sein, also sich auf genau eine Grundgesamtheit beziehen und sich zu 100 Prozent addieren.
- Für Entwicklungen über mehrere Jahre nutzt du ein Liniendiagramm, nicht mehrere Kreise nebeneinander.
- Die Segmente ordnest du der Größe nach und beginnst bei 12 Uhr im Uhrzeigersinn.
- Prozentwerte schreibst du direkt an die Segmente und gibst die Fallzahl n an.
- Bei vielen kleinen Teilen ist ein Balkendiagramm oder eine Tabelle oft die bessere Wahl.
Abbildungen brauchen in jeder Arbeit eine Nummer, einen Titel und eine Quellenangabe. Welche Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit dein Institut zusätzlich verlangt, etwa ein eigenes Abbildungsverzeichnis, prüfst du im Leitfaden deines Lehrstuhls. Das gilt gleichermaßen, wenn du eine Hausarbeit schreiben musst oder eine Abschlussarbeit vorbereitest.

So erstellst du ein Kreisdiagramm Schritt für Schritt
Ein gutes Diagramm beginnt nicht im Tabellenprogramm, sondern bei der Frage, was es belegen soll. Das folgende fiktive Beispiel zeigt den Ablauf: Eine Befragung von n = 240 Studierenden ergibt als Hauptverkehrsmittel zur Hochschule Fahrrad 38 Prozent, Bus und Bahn 31 Prozent, Auto 17 Prozent, zu Fuß 9 Prozent sowie E-Scooter 3 Prozent und Mitfahrgelegenheit 2 Prozent.
- Aussage festlegen: Notiere in einem Satz, was die Grafik zeigen soll, zum Beispiel „Das Fahrrad ist das häufigste Verkehrsmittel“. Dieser Satz leitet sich aus deiner Fragestellung ab; wenn du noch unsicher bist, hilft dir der Beitrag zum Thema Forschungsfrage formulieren.
- Daten prüfen: Addiere alle Werte. Ergeben sie nicht 100 Prozent, weil Mehrfachantworten erlaubt waren, ist ein Kreisdiagramm ungeeignet.
- Kategorien bündeln: Fasse sehr kleine Anteile zusammen. Im Beispiel werden E-Scooter und Mitfahrgelegenheit zu „Sonstige (5 %)“, sodass fünf Segmente bleiben.
- Sortieren: Setze das größte Segment bei 12 Uhr an und folge dem Uhrzeigersinn absteigend. „Sonstige“ steht immer am Ende, auch wenn der Wert größer ist als ein anderes Segment.
- Beschriften: Schreibe Kategorie und Wert direkt ans Segment, etwa „Fahrrad 38 %“. Bleib bei einer einheitlichen Genauigkeit, also entweder ganze Zahlen oder überall eine Nachkommastelle.
- Farben wählen: Nimm gedeckte, gut unterscheidbare Töne und hebe höchstens das Segment farbig hervor, um das es in deiner Aussage geht. Prüfe die Grafik im Graustufendruck.
- Abbildungsunterschrift ergänzen: Zum Beispiel „Abbildung 3: Hauptverkehrsmittel auf dem Weg zur Hochschule (n = 240). Quelle: eigene Erhebung.“
- Im Text verankern: Verweise ausdrücklich auf die Grafik, etwa „Wie Abbildung 3 zeigt, nutzen 38 Prozent der Befragten das Fahrrad.“ Erst dieser Bezug macht das Diagramm zu einem Teil deiner Begründung.
Der letzte Schritt ist entscheidend, denn eine Grafik ohne Textbezug ist für die wissenschaftliche Argumentation wertlos. Ordne die Abbildung deshalb dem Kapitel zu, in dem du das Ergebnis interpretierst; wo genau dieser Ergebnisteil liegt, klärt die Gliederung einer Hausarbeit.
Stammen die Daten nicht aus deiner eigenen Erhebung, gehört die Herkunft unter die Abbildung, etwa „Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Darstellung“. Wie du Quellenangaben richtig zitieren kannst, hängt von deinem Fach ab, denn die Zitierweisen unterscheiden sich deutlich.
Arbeitest du mit Fußnoten, richtet sich die Angabe nach der Logik, die die deutsche Zitierweise vorgibt; im Autor-Jahr-System nutzt du die Harvard-Zitierweise direkt in der Abbildungsunterschrift. In beiden Fällen gehört die Quelle zusätzlich ins Verzeichnis am Ende, die Anleitung Literaturverzeichnis erstellen zeigt dir die Form.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Die meisten misslungenen Kreisdiagramme scheitern nicht an der Software, sondern an der falschen Datenlage oder an Dekoration. Diese Fehler solltest du kennen:
- Zu viele Segmente: Zwölf schmale Tortenstücke kann niemand vergleichen. Besser: kleine Anteile unter „Sonstige“ bündeln oder gleich ein sortiertes Balkendiagramm nutzen.
- 3D-Effekte und Schattierungen: Gekippte Kreise vergrößern die vorderen Segmente optisch und verzerren so die Wahrnehmung. Besser: ein flacher, zweidimensionaler Kreis ohne Schatten.
- Summe ungleich 100 Prozent: Bei Mehrfachantworten addieren sich die Werte oft auf mehr als 100. Besser: Balkendiagramm mit dem Hinweis „Mehrfachnennungen möglich“.
- Zeitvergleich mit mehreren Kreisen: Drei Kreise für drei Jahre zwingen den Leser zum Winkelvergleich über Grafiken hinweg. Besser: Liniendiagramm oder gestapeltes Balkendiagramm.
- Fehlende Fallzahl: „50 Prozent“ wirkt bei n = 4 und n = 4.000 gleich. Besser: n immer im Titel oder in der Unterschrift angeben.
- Legende statt Beschriftung: Wer zwischen Farbkästchen und Kreis hin und her springen muss, verliert den Faden. Besser: Werte und Namen direkt an die Segmente.
- Herausgezogene Segmente ohne Grund: Ein abgesetztes Stück lenkt den Blick. Besser: Hervorhebung nur für die Kategorie, um die es im Text geht.
Ein weiterer häufiger Fehler betrifft die Herkunft. Übernimmst du eine fremde Grafik oder baust sie mit fremden Zahlen nach, ohne die Quelle zu nennen, gilt das als unbelegte Übernahme. Wenn du sicher ein Plagiat vermeiden willst, kennzeichnest du jede Abbildung mit „Quelle:“ oder „eigene Darstellung nach“.
Auch die Wahl des Diagramms selbst kann falsch sein, wenn sie nicht zur Methode passt. Interviews und Textanalysen liefern selten Anteile, die ein Kreisdiagramm sinnvoll abbildet; welche Daten welcher Ansatz erzeugt, erklärt der Vergleich qualitative und quantitative Forschung.

Checkliste vor der Abgabe
Bevor du die Arbeit einreichst, gehst du jede Grafik einzeln durch. Diese Punkte kannst du konkret abhaken:
- Die Werte beschreiben Teile eines Ganzen und ergeben zusammen 100 Prozent.
- Das Diagramm hat höchstens fünf bis sieben Segmente, kleine Anteile stehen unter „Sonstige“.
- Das größte Segment beginnt bei 12 Uhr, die übrigen folgen absteigend im Uhrzeigersinn.
- Jedes Segment trägt Namen und Prozentwert, die Genauigkeit ist einheitlich.
- Die Darstellung ist flach, ohne 3D-Effekt und ohne Schatten.
- Die Fallzahl n steht im Titel oder in der Unterschrift.
- Die Abbildung hat Nummer, Titel und Quellenangabe, fremde Daten stehen auch im Literaturverzeichnis.
- Im Fließtext wird die Abbildung ausdrücklich genannt und gedeutet.
- Die Farben bleiben im Graustufendruck unterscheidbar.
- Die Nummerierung stimmt mit dem Abbildungsverzeichnis überein, falls dein Institut eines verlangt.
Bleibt bei einem Punkt Zweifel, stell dir die Gegenprobe: Würde eine kleine Tabelle dieselbe Aussage klarer zeigen? Wenn ja, nutze die Tabelle. Worauf es am Ende ankommt, ist die Lesbarkeit für deine Prüfer, nicht die Zahl der Grafiken.
Bei längeren Projekten lohnt sich diese Prüfung früh, denn wer eine Masterarbeit schreiben will, sammelt oft Dutzende Abbildungen. Welche Darstellungsformen zu deinem Design gehören, ordnest du am besten gemeinsam mit den Methoden wissenschaftlicher Arbeiten ein.
So zitieren Sie diese Seite
Stand: 28. Oktober 2026korrektur.de. (2026, 28. Oktober). Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten richtig nutzen. korrektur.de. https://korrektur.de/kreisdiagramm
„Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten richtig nutzen.“ korrektur.de, 28. Okt. 2026, korrektur.de/kreisdiagramm. Zugriff 28. Okt. 2026.
korrektur.de (2026) Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten richtig nutzen. Verfügbar unter: https://korrektur.de/kreisdiagramm (Zugriff: 28. Oktober 2026).
korrektur.de. „Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten richtig nutzen.“ Zuletzt geändert 28. Oktober 2026. https://korrektur.de/kreisdiagramm.
korrektur.de. Kreisdiagramm in wissenschaftlichen Arbeiten richtig nutzen [online]. 2026 [Zugriff am 28.10.2026]. Verfügbar unter: https://korrektur.de/kreisdiagramm
Quellen und Stand
- Offizielle Quelle: service.destatis.de (geprüft am 2026-10-28)
- Wikipedia: Kreisdiagramm: de.wikipedia.org (geprüft am 2026-10-28)
- Duden: Kreisdiagramm: www.duden.de (geprüft am 2026-10-28)