Worauf es bei Interdisziplinarität in Studium und Forschung ankommt
Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität
Du willst mehrere Fächer in einer Arbeit oder einem Projekt verbinden? Hier erfährst du, wie du beteiligte Disziplinen benennst, den Beitrag jedes Fachs klärst, dein Begriffsverständnis offenlegst und deinen nächsten Schritt festhältst.
Worum es geht: Ziel und Grenzen dieser Orientierung
Wenn du in Studium oder Forschung mehrere Fächer zusammenbringen willst, stehst du vor einer Entscheidung: Arbeitest du deine Fragestellung bewusst fachübergreifend aus, oder bleibst du bei einer einzigen Disziplin? Diese Seite hilft dir, diese Entscheidung strukturiert anzugehen. Sie zeigt dir, worauf es bei deiner Planung ankommt, welche Fragen du dir stellen solltest und wie du dein Vorgehen schriftlich festhältst, damit du später darauf zurückgreifen kannst.
Ein konkreter Bezugspunkt ist das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Nach eigener Darstellung stellt diese Einrichtung Zeit, Raum und Fördermittel für interdisziplinäre Projekte bereit. Interdisziplinarität begreift das ZiF als einen Prozess, den man immer neu definieren muss. Das ist das Selbstverständnis dieser einen Einrichtung in Bielefeld. Es ist keine verbindliche Definition, die für alle Hochschulen, Fächer oder Studiengänge gelten würde.
Das Ziel dieser Seite ist deshalb praktisch: Du sollst deine fachübergreifende Arbeit so planen, dass andere nachvollziehen können, welche Fächer beteiligt sind, was jedes davon beiträgt und wie du zentrale Begriffe verstehst. Für wissenschaftliches Schreiben bedeutet das, dass du deine Entscheidungen offen benennst und begründest, statt sie stillschweigend vorauszusetzen.
Die Grenzen sind ebenso wichtig. Diese Seite nennt keine Zahlen, keine Fristen und keine Mindestzahl an Fächern. Sie legt auch keine Methode fest, nach der fachübergreifendes Arbeiten ablaufen müsste. Welche Anforderungen für deine Hausarbeit, deine Abschlussarbeit oder dein Projekt gelten, prüfst du anhand der offiziellen Unterlagen deines Studiengangs und klärst offene Punkte mit der zuständigen Person, die du daraus ermittelst. Wenn du prüfen willst, wie sich ein fachübergreifender Ansatz in die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit einfügt, halte dich an die Vorgaben deines eigenen Studiengangs.

Schritt für Schritt zur fachübergreifenden Fragestellung
Ein klarer Ablauf hilft dir, aus einer losen Idee eine prüfbare Planung zu machen. Geh die folgenden Schritte nacheinander durch und notiere zu jedem ein kurzes Ergebnis.
- Beteiligte Disziplinen benennen: Schreib auf, welche Fächer deine Fragestellung berühren. Nenne sie konkret, zum Beispiel Psychologie und Informatik, statt allgemein von mehreren Perspektiven zu sprechen.
- Fragestellung fachübergreifend formulieren: Wenn du deine Forschungsfrage formulieren willst, prüfe, ob sie ohne eines der genannten Fächer noch vollständig beantwortbar wäre. Ist das so, überlege, ob dieses Fach wirklich zur Frage gehört.
- Beitrag jedes Fachs klären: Halte fest, was jedes Fach liefert: eine Theorie, Daten, ein Verfahren oder einen Blickwinkel. Notiere auch, welche Methoden wissenschaftlicher Arbeiten du aus welchem Fach übernimmst und ob du Ansätze verbindest, die unter dem Stichwort qualitative und quantitative Forschung unterschieden werden.
- Eigenes Begriffsverständnis offenlegen: Schreib auf, wie du die zentralen Begriffe deiner Arbeit verwendest und aus welchem Fach diese Lesart stammt. Wenn ein Begriff in deinen Fächern verschieden belegt ist, entscheide dich für eine Lesart und begründe sie.
- Zuständige Stelle oder Person bestimmen: Ermittle aus den offiziellen Unterlagen deines Studiengangs, wer deine Arbeit betreut oder bewertet. Kläre mit dieser Person, ob ein fachübergreifender Zuschnitt erwünscht ist und welche Vorgaben gelten.
- Ergebnis dokumentieren und nächsten Schritt festlegen: Fass Fächer, Beiträge, Begriffe und die Antworten deiner Betreuung in einer kurzen Notiz zusammen. Schreib darunter einen einzigen, konkreten nächsten Schritt mit einem Datum, das du dir selbst setzt.
Ein Beispiel zeigt, wie das im Alltag aussehen kann. Lena will eine Hausarbeit schreiben, in der sie Lern-Apps und Motivation untersucht. Sie notiert Psychologie und Informatik als beteiligte Fächer. Aus der Psychologie übernimmt sie den Blick auf Motivation, aus der Informatik die Beschreibung, wie die App aufgebaut ist. In ihrer Notiz hält sie fest, in welchem Sinn sie das Wort Motivation verwendet. Dann ermittelt sie aus den offiziellen Unterlagen ihres Moduls, wer das Seminar leitet, und schickt dieser Person ihre Fragen zum fachübergreifenden Zuschnitt. Die Antwort trägt sie in ihre Notiz ein. Als nächsten Schritt plant sie die Gliederung einer Hausarbeit nach den Vorgaben ihres Moduls.
Dieselben Schritte kannst du nutzen, wenn du eine Masterarbeit schreiben willst. Kläre dort den Zuschnitt und die beteiligten Fächer besonders früh mit deiner Betreuung, damit du deine Planung auf deren Antworten stützen kannst.
Typische Fehler beim fachübergreifenden Arbeiten vermeiden
Bei der Planung fachübergreifender Arbeiten lauern einige Stolpersteine, die du mit etwas Sorgfalt umgehen kannst. Die folgenden Punkte helfen dir, sie zu erkennen.
- Interdisziplinarität als feste Methode darstellen: Schreib nicht, Interdisziplinarität sei ein festes Verfahren mit vorgegebenen Schritten. Behaupte auch keine Mindestzahl an Fächern und keine Definition, die angeblich an allen Hochschulen gilt. Wenn du eine Begriffsbestimmung brauchst, nenne die Quelle und ihren Kontext, etwa das Selbstverständnis des Bielefelder ZiF, das Interdisziplinarität als immer neu zu definierenden Prozess beschreibt.
- Annahmen mit Regeln verwechseln: Was du über die Erwartungen deiner Betreuung vermutest, ist noch keine Vorgabe. Formuliere jede Vermutung als Frage und lass sie dir beantworten. Das gilt zum Beispiel für die Frage, ob in deiner Arbeit die deutsche Zitierweise oder die Harvard-Zitierweise verlangt wird.
- Begriffe unerklärt lassen: Wenn du einen Fachbegriff aus einem Fach übernimmst, ohne zu sagen, wie du ihn verstehst, wird deine wissenschaftliche Argumentation für Leser aus dem anderen Fach schwer nachvollziehbar. Leg deine Lesart deshalb an der Stelle offen, an der du den Begriff einführst.
- Nachweise aufschieben: Belege Übernahmen aus jedem Fach gleich beim Lesen und nicht erst am Ende. Wer ein Plagiat vermeiden will, notiert Autor, Titel und Fundstelle sofort. Wie du Quellenangaben richtig zitieren kannst, klärst du am besten, bevor du größere Textteile schreibst.
- Rückfragen aufschieben: Offene Fragen zum Zuschnitt, zu den beteiligten Fächern oder zu den geltenden Zitierweisen solltest du nicht bis kurz vor der Abgabe liegen lassen. Stell sie, sobald sie auftauchen, und halte die Antwort schriftlich fest.

Checkliste: Was du abschließend prüfst
Bevor du mit dem Schreiben beginnst oder deine Planung abgibst, geh diese Punkte einzeln durch. Hak nur ab, was du schriftlich festgehalten hast.
- Ich habe die beteiligten Disziplinen konkret notiert.
- Meine Fragestellung ist fachübergreifend formuliert und braucht jedes der genannten Fächer.
- Den Beitrag je Fach habe ich benannt: Theorie, Daten, Verfahren oder Blickwinkel.
- Mein Begriffsverständnis habe ich offengelegt, samt Herkunft der jeweiligen Lesart.
- Ich habe die zuständige Quelle oder Stelle ermittelt, etwa Prüfungsordnung, Modulbeschreibung oder Betreuung, und meine Fragen dort gestellt.
- Die Antworten auf meine Rückfragen stehen in meiner Notiz.
- Ich weiß, welche Zitierweise für meine Arbeit gilt, und belege Übernahmen laufend.
- Mein persönlicher nächster Schritt ist konkret beschrieben und mit einem selbst gesetzten Datum versehen.
Die Belege aus mehreren Fächern sammelst du am besten an einem Ort. Wenn du dein Literaturverzeichnis erstellen willst, hilft dir diese Sammlung, damit keine Quelle aus einem der beteiligten Fächer fehlt.
Formuliere zum Schluss deinen persönlichen nächsten Schritt so genau wie möglich, zum Beispiel: Ich schreibe meiner Betreuung bis Freitag eine Mail mit meinen drei offenen Fragen. Ein solcher Satz macht deinen Plan überprüfbar und zeigt dir, womit du morgen anfängst.
So zitieren Sie diese Seite
Stand: 27. Oktober 2026korrektur.de. (2026, 27. Oktober). Interdisziplinarität in Studium und Forschung angehen. korrektur.de. https://korrektur.de/interdisziplinaritaet
„Interdisziplinarität in Studium und Forschung angehen.“ korrektur.de, 27. Okt. 2026, korrektur.de/interdisziplinaritaet. Zugriff 27. Okt. 2026.
korrektur.de (2026) Interdisziplinarität in Studium und Forschung angehen. Verfügbar unter: https://korrektur.de/interdisziplinaritaet (Zugriff: 27. Oktober 2026).
korrektur.de. „Interdisziplinarität in Studium und Forschung angehen.“ Zuletzt geändert 27. Oktober 2026. https://korrektur.de/interdisziplinaritaet.
korrektur.de. Interdisziplinarität in Studium und Forschung angehen [online]. 2026 [Zugriff am 27.10.2026]. Verfügbar unter: https://korrektur.de/interdisziplinaritaet
Quellen und Stand
- Offizielle Quelle: uni-bielefeld.de (geprüft am 2026-10-27)