Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise verständlich erklärt
Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise: Vorgehen und typische Fehler
Ein Sekundärzitat belegst du nach Harvard im Text mit Originalquelle, dem Zusatz „zitiert nach“ und der Sekundärquelle. Ins Literaturverzeichnis kommt nur die Sekundärquelle, die du wirklich gelesen hast. Hier findest du Muster, typische Fehler und eine Checkliste für die Abgabe.
Die kurze Antwort: Original nennen, zitiert nach, Sekundärquelle
Ein Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise belegst du im Fließtext mit der Originalquelle, dem Zusatz „zitiert nach“ und der Sekundärquelle samt Seitenzahl, also nach dem Muster (Weber 1922, zitiert nach Autor 2019, S. 45). Ins Literaturverzeichnis gehört dagegen nur die Sekundärquelle, denn nur sie hast du tatsächlich gelesen.
Ein Sekundärzitat liegt immer dann vor, wenn du eine Aussage nicht aus dem Originaltext übernimmst, sondern aus einem Buch oder Aufsatz, der dieses Original seinerseits zitiert oder zusammenfasst. Das Harvard-System arbeitet als Autor-Jahr-Verfahren direkt im Satz und macht diese Vermittlungskette deshalb für jeden Leser sofort sichtbar, ganz ohne Fußnote. Ein typischer Fall ist ein Weber-Zitat, das du nur aus einem aktuellen Lehrbuch kennst und nicht selbst im Original nachgelesen hast.
Für den Umgang mit Sekundärzitaten gelten drei klare Regeln. Erstens greifst du zuerst zum Original, sobald es über Bibliothek, Fernleihe oder eine digitale Sammlung erreichbar ist. Zweitens bleibt das Sekundärzitat die Ausnahme, etwa bei vergriffenen Werken, schwer zugänglichen Archivalien oder Texten in einer Sprache, die du nicht lesen kannst. Drittens gibst du die Seitenzahl der Sekundärquelle an, weil dein Leser genau dort nachschlagen kann, wo du die Stelle gefunden hast.
Gerade wer zum ersten Mal eine Hausarbeit schreiben muss, stößt in Lehrbüchern auf Klassikerzitate, die bequem zu übernehmen sind. Kennzeichnest du sie offen als Sekundärzitat, arbeitest du redlich; verschweigst du die Vermittlung, gibst du vor, ein Werk gelesen zu haben, das du nie in der Hand hattest, und genau hier setzt an, wer ein Plagiat vermeiden möchte.
Wenn du neben den Belegen auch den Aufbau deines Textes kontrollieren möchtest, hilft dir ein Blick auf die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit und ihre Reihenfolge.

Schritt für Schritt zum korrekten Beleg
Wenn ein Original für dich nicht greifbar ist, gehst du in fünf Schritten vor:
- Original suchen: Prüf im Bibliothekskatalog, über die Fernleihe und in digitalen Sammlungen, ob du das zitierte Werk selbst bekommst. Gelingt das, zitierst du direkt und brauchst gar kein Sekundärzitat.
- Angaben sichern: Notier aus der Sekundärquelle den Namen des Originalautors und das Erscheinungsjahr des Originals sowie Autor, Jahr und Seite des Werks, in dem du die Stelle gefunden hast.
- Kurzbeleg bilden: Setz im Text zuerst das Original, dann „zitiert nach“, dann die Sekundärquelle mit Seitenzahl: (Weber 1922, zitiert nach Autor 2019, S. 45). Manche Lehrstühle verlangen die Abkürzung „zit. n.“; prüf deshalb die Vorgaben deines Instituts.
- Beleg einbetten: Bei einem wörtlichen Zitat steht die Klammer direkt nach dem schließenden Anführungszeichen, bei einer sinngemäßen Wiedergabe am Ende des Satzes vor dem Punkt.
- Verzeichnis ergänzen: Trag nur die Sekundärquelle vollständig ins Literaturverzeichnis ein, mit Name, Vorname, Jahr, Titel, Ort und Verlag beziehungsweise Zeitschrift und Seitenbereich.
Willst du den Originalautor in den Satz einbauen, wandert sein Name aus der Klammer heraus, während Jahr und Vermittlungsquelle in der Klammer bleiben. Eine typische Formulierung lautet dann: Weber (1922, zitiert nach Autor 2019, S. 45) beschreibt die Bürokratie als besonders rationale Form der Herrschaft. Der Leser erkennt so auf einen Blick, wessen Gedanke es ist und wo du ihn gelesen hast.
Bevor du die Einträge formatierst, lohnt ein Blick auf die Grundregeln, mit denen du ein Literaturverzeichnis erstellen kannst, denn bei Sekundärzitaten fällt dort am schnellsten auf, wenn Kurzbeleg und Eintrag nicht zusammenpassen. Dieselbe Logik gilt, wenn du eine Masterarbeit schreiben willst, nur dass du dort meist mit deutlich mehr Quellen arbeitest und jede offen gelegte Vermittlung zählt.
Nutzt du mehrere Stellen aus derselben Sekundärquelle, bleibt das Muster gleich, nur die Seitenzahl ändert sich. Markier Sekundärzitate in deiner Literaturverwaltung mit einem eigenen Schlagwort, damit du sie vor der Abgabe gezielt durchgehen kannst; wer alle Quellenangaben richtig zitieren will, braucht genau diese Übersicht.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Bei Sekundärzitaten passieren immer wieder dieselben Fehler. Hier stehen die häufigsten neben der besseren Lösung:
- Original im Verzeichnis: Du trägst das Werk von 1922 ins Literaturverzeichnis ein, obwohl du es nie gelesen hast. Besser: Nur die Sekundärquelle aufnehmen, das Original erscheint allein im Kurzbeleg.
- Fehlender Zusatz: Im Text steht nur (Weber 1922, S. 45). Das täuscht eine Primärlektüre vor. Besser: Immer „zitiert nach“ ergänzen und die Sekundärquelle nennen.
- Falsche Seitenzahl: Du übernimmst die Seitenangabe des Originals aus der Fußnote der Sekundärquelle. Besser: Die Seite angeben, auf der die Stelle in der Sekundärquelle steht.
- Vertauschte Reihenfolge: (Autor 2019, zitiert nach Weber 1922) dreht die Vermittlung um. Besser: Original vorn, Sekundärquelle hinten.
- Uneinheitliche Form: Mal „zitiert nach“, mal „zit. n.“, mal „in“. Besser: Eine Form wählen und in der ganzen Arbeit beibehalten.
- Sekundärzitat als Normalfall: Ganze Kapitel stützen sich auf Zitate aus zweiter Hand. Besser: Zentrale Belege im Original prüfen und Sekundärzitate auf Ausnahmen beschränken.
Der letzte Fehler wiegt inhaltlich am schwersten, weil eine tragfähige wissenschaftliche Argumentation auf Texten beruht, die du selbst geprüft hast. Wer seine Forschungsfrage formulieren und belastbar beantworten will, sollte die Kernquellen deshalb im Original lesen und nur Randaspekte über Sekundärliteratur belegen.
Verwirrung entsteht oft auch beim Wechsel zwischen verschiedenen Zitierweisen, weil jedes System den Hinweis auf die Vermittlung anders unterbringt. Die deutsche Zitierweise verlagert ihn in die Fußnote, während Harvard ihn in die Klammer im Fließtext setzt; vermisch beide Systeme deshalb nie innerhalb einer Arbeit.
Auch die Methodik ist betroffen: Je nach Fach gehören die Methoden wissenschaftlicher Arbeiten zu den Stellen, an denen Sekundärzitate besonders heikel sind, weil du ein Verfahren korrekt wiedergeben musst. Gerade wenn du qualitative und quantitative Forschung gegenüberstellst, solltest du Definitionen und Gütekriterien möglichst direkt aus den Methodenwerken belegen.

Checkliste vor der Abgabe
Geh vor der Abgabe jedes Sekundärzitat einzeln mit diesen überprüfbaren Punkten durch:
- Hast du für jedes Sekundärzitat geprüft, ob das Original über Bibliothek oder Fernleihe erreichbar ist?
- Steht im Kurzbeleg zuerst der Originalautor mit Jahr, danach „zitiert nach“ und die Sekundärquelle?
- Bezieht sich die Seitenzahl auf die Sekundärquelle und nicht auf das Original?
- Ist nur die Sekundärquelle im Literaturverzeichnis aufgeführt, vollständig und alphabetisch eingeordnet?
- Verwendest du in der ganzen Arbeit dieselbe Form, also durchgehend „zitiert nach“ oder durchgehend „zit. n.“?
- Stimmen Name und Jahr der Sekundärquelle im Kurzbeleg exakt mit dem Eintrag im Verzeichnis überein?
- Sind wörtliche Sekundärzitate buchstabengetreu aus der Sekundärquelle übernommen, inklusive Auslassungen in eckigen Klammern?
- Stützen sich deine zentralen Thesen auf Originale und nicht überwiegend auf Zitate aus zweiter Hand?
Saubere Belege sind ein Kern dessen, was gutes wissenschaftliches Schreiben ausmacht, denn sie zeigen, woher jeder Gedanke stammt. Das Literaturverzeichnis selbst zählt zu den festen Bestandteilen einer wissenschaftlichen Arbeit und wird daher genauso kritisch gelesen wie Einleitung und Fazit.
Plan außerdem schon in der Gliederung einer Hausarbeit, welche Kapitel auf Originalquellen angewiesen sind, damit du rechtzeitig Fernleihen bestellen kannst und am Ende nicht aus Zeitnot auf Sekundärzitate ausweichen musst.
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Stand: 28. Oktober 2026korrektur.de. (2026, 28. Oktober). Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise: so geht's. korrektur.de. https://korrektur.de/harvard-sekundaerzitat
„Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise: so geht's.“ korrektur.de, 28. Okt. 2026, korrektur.de/harvard-sekundaerzitat. Zugriff 28. Okt. 2026.
korrektur.de (2026) Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise: so geht's. Verfügbar unter: https://korrektur.de/harvard-sekundaerzitat (Zugriff: 28. Oktober 2026).
korrektur.de. „Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise: so geht's.“ Zuletzt geändert 28. Oktober 2026. https://korrektur.de/harvard-sekundaerzitat.
korrektur.de. Sekundärzitat in der Harvard-Zitierweise: so geht's [online]. 2026 [Zugriff am 28.10.2026]. Verfügbar unter: https://korrektur.de/harvard-sekundaerzitat
Quellen und Stand
- Offizielle Quelle: www.fernuni-hagen.de (geprüft am 2026-10-28)
- Wikipedia: Zitieren: de.wikipedia.org (geprüft am 2026-10-28)
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