HARKing in der empirischen Forschung verstehen und vermeiden

HARKing in der empirischen Forschung: HARKing heißt laut FORRT-Glossar

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2026 · Studium-Tipps

Eine Idee aus den Daten ist noch kein Problem. Heikel wird es erst, wenn sie im Bericht so auftritt, als hättest du sie von Anfang an geplant. Hier erfährst du, wie du beides sauber trennst.

Was HARKing bedeutet und worum es für dich geht

Das englischsprachige FORRT-Glossar beschreibt HARKing, kurz für Hypothesizing After the Results are Known, so: Eine Hypothese entsteht erst aus den eigenen Ergebnissen, wird im Forschungsbericht aber so präsentiert, als sei sie vor der Untersuchung festgelegt worden. Fachlich gesprochen wird also eine Post-hoc-Hypothese als A-priori-Hypothese dargestellt. Der Kern dieser Definition liegt in der Darstellung im Bericht. Er liegt nicht darin, dass dir beim Auswerten etwas Neues auffällt.

Für dich steht damit eine konkrete Entscheidung an. Du musst festlegen, wie du in deiner Arbeit sichtbar trennst, was du vorher vermutet hast und was dir erst beim Auswerten aufgefallen ist. Halte deine Antwort schriftlich fest und nimm sie als Arbeitsnotiz in dein wissenschaftliches Schreiben auf. Kläre auch, welche Art von Hypothesen dein Projekt überhaupt vorsieht. Vergleiche dafür, wie qualitative und quantitative Forschung mit Vermutungen umgehen. Prüfe dazu die Methodenliteratur, die in deinem Fach genutzt wird.

Ziel dieser Seite: Du sollst HARKing in der empirischen Forschung verstehen und in deiner eigenen Arbeit vermeiden können. Dafür bekommst du einen Ablauf, ein Beispiel, typische Stolperstellen und eine Checkliste.

Grenzen dieser Seite: Hier findest du keine Zahlen dazu, wie häufig HARKing vorkommt, und keine Fristen. Ob deine Hochschule oder dein Fach eine Vorabregistrierung von Hypothesen verlangt, wird hier ebenfalls nicht beantwortet. Ermittle das aus den offiziellen Unterlagen deines Studiengangs, etwa aus der Prüfungsordnung oder aus schriftlichen Vorgaben zur Abschlussarbeit.

Fortschrittsbalken für die einzelnen Ablaufstationen zu HARKing in der empirischen Forschung

Schritt für Schritt: Hypothesen sauber trennen

Der Schutz vor HARKing beginnt, bevor du die erste Zahl auswertest. Gehe in dieser Reihenfolge vor:

  1. Hypothesen vor der Auswertung festhalten. Schreibe deine Hypothesen auf, bevor du Daten analysierst, und versieh die Datei mit einem Datum. Leite jede Hypothese aus deiner Fragestellung ab. Willst du deine Forschungsfrage formulieren, erledige das vor den Hypothesen und leite diese erst danach ab.
  2. Geplante Analysen notieren. Lege schriftlich fest, welche Auswertungen du vorhast und welche Hypothese jede davon prüft. Prüfe bei der Auswahl passender Verfahren, welche Methoden wissenschaftlicher Arbeiten für dein Thema in Frage kommen.
  3. Subgruppenanalysen als nachträglich ausweisen. Wenn du nach der Auswertung einzelne Teilgruppen genauer betrachtest, schreibe im Bericht ausdrücklich dazu, dass diese Analyse nicht vorab geplant war.
  4. Post-hoc-Hypothesen offen kennzeichnen. Neue Vermutungen aus den Daten gehören nicht nachträglich in die Einleitung. Stelle sie als explorative Befunde dar, zum Beispiel in einem eigenen Unterabschnitt. Plane diesen Platz schon ein, wenn du die Gliederung einer Hausarbeit oder einer größeren Arbeit anlegst.
  5. Zuständige Stelle oder Person bestimmen. Ermittle aus den offiziellen Unterlagen deines Studiengangs, wer dich bei Fragen zur Auswertung und Darstellung berät. Das gilt, ob du gerade eine Hausarbeit schreiben möchtest oder eine Abschlussarbeit vorbereitest. Stelle deine Frage schriftlich und konkret.
  6. Ergebnis dokumentieren und nächsten Schritt festlegen. Halte die Antwort mit Datum fest und notiere, was du daraufhin änderst. Lege den nächsten Arbeitsschritt fest, bevor du weiter auswertest. Wenn du eine Masterarbeit schreiben willst, führe diese Notizen fortlaufend in einem Projektprotokoll.

Beispiel: Lena plant eine Befragung zu Lerngewohnheiten. Vor der Auswertung notiert sie zwei Hypothesen mit Datum und hält fest, welche Analysen sie dazu rechnen will. Beim Auswerten bemerkt sie einen Zusammenhang, der nur in einer Teilgruppe sichtbar wird. Sie schreibt dazu keine neue Hypothese in die Einleitung. Stattdessen beschreibt sie den Befund im Ergebnisteil als nachträglich entdeckt. Danach sucht sie in den Unterlagen ihres Studiengangs, wen sie dazu ansprechen kann, stellt ihre Frage per Mail und notiert die Antwort samt nächstem Schritt in ihrem Projektprotokoll.

Typische Fehler, die du vermeiden solltest

Achte beim Schreiben deines Berichts besonders auf diese Stolperstellen:

  • Post-hoc-Hypothesen als vorab geplant ausgeben. Genau das beschreibt das FORRT-Glossar als HARKing. Formuliere eine Vermutung, die erst aus deinen Ergebnissen stammt, nie so, als hättest du sie vor der Datenerhebung aufgestellt. Eine saubere wissenschaftliche Argumentation trennt erkennbar zwischen Prüfung und Entdeckung.
  • Zahlen zur Häufigkeit behaupten. Schreibe nicht, HARKing sei in einem bestimmten Fach besonders verbreitet oder selten, solange du dafür keinen geprüften Beleg hast. Wenn du eine solche Angabe brauchst, suche eine Studie dazu und belege sie. Wie das formal geht, erklärt der Beitrag zum Thema Quellenangaben richtig zitieren.
  • Annahmen mit Regeln verwechseln. Dass ein Vorgehen sinnvoll klingt, macht es noch nicht zur Vorgabe deiner Hochschule. Prüfe, ob eine Anforderung wie eine Vorabregistrierung tatsächlich schriftlich festgelegt ist, bevor du dich darauf berufst oder sie anderen als Pflicht darstellst.
  • Nachweise aufschieben. Wenn du deine Hypothesen nicht vor der Auswertung datierst, kannst du später schwer zeigen, was zuerst da war. Sichere die Datei sofort und nicht erst beim Schreiben.
  • Rückfragen aufschieben. Wenn du unsicher bist, wie du einen nachträglichen Befund darstellen sollst, frage nach, sobald die Unsicherheit auftaucht. Notiere die Frage mit Datum, damit du die Antwort direkt in deinen Bericht übertragen kannst.
  • Fremde Hypothesen ohne Beleg übernehmen. Stammt eine Vermutung aus der Literatur, nenne die Quelle. So kannst du ein Plagiat vermeiden und zeigst zugleich, woher deine Annahme kommt. Trage jede genutzte Quelle ein, wenn du dein Literaturverzeichnis erstellen willst.
HARKing in der empirischen Forschung mit einer themenspezifischen Checkliste

Checkliste vor der Abgabe

Bevor du deinen Bericht abgibst, gehe diese Punkte einzeln durch und hake sie ab:

  • Zeitpunkt jeder Hypothese: Kannst du für jede Hypothese zeigen, wann du sie festgehalten hast, vor oder nach der Auswertung?
  • Vorab geplante Analysen: Stimmen die Analysen im Bericht mit deinem schriftlichen Plan überein? Sind Abweichungen benannt?
  • Nachträglich entstandene Ideen: Sind alle Ideen, die dir erst beim Auswerten gekommen sind, als solche erkennbar, auch Analysen einzelner Teilgruppen?
  • Kennzeichnung im Bericht: Steht keine Post-hoc-Hypothese in der Einleitung, als wäre sie von Anfang an geplant gewesen? Prüfe dazu, ob die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit bei dir klar getrennt sind, also Einleitung, Methode, Ergebnisse und Diskussion.
  • Belege: Sind alle übernommenen Vermutungen aus der Literatur nachgewiesen? Achte darauf, dass du durchgehend nur eine der Zitierweisen nutzt.
  • Einheitliche Form: Kontrolliere, ob du konsequent die deutsche Zitierweise mit Fußnoten oder die Harvard-Zitierweise im Text verwendest, je nachdem, was dein Studiengang vorgibt.
  • Zuständige Quelle oder Stelle: Weißt du, welche offiziellen Unterlagen deines Studiengangs gelten und welche Person dort für deine Fragen zuständig ist?
  • Persönlicher nächster Schritt: Schreibe einen konkreten Satz auf, was du als Nächstes tust, zum Beispiel: Ich datiere heute meine Hypothesendatei und schicke meine Frage zum Teilgruppenbefund an meine Betreuung.

Bleibt ein Punkt offen, kläre ihn, bevor du abgibst.

So zitieren Sie diese Seite

Stand: 26. Oktober 2026

korrektur.de. (2026, 26. Oktober). HARKing in der empirischen Forschung erkennen. korrektur.de. https://korrektur.de/harking

Quellen und Stand

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Fragen und Antworten zum Thema HARKing in der empirischen Forschung

Was bedeutet HARKing laut FORRT-Glossar?

Das englischsprachige FORRT-Glossar bezeichnet als HARKing (Hypothesizing After the Results are Known), eine aus den eigenen Ergebnissen abgeleitete Hypothese im Forschungsbericht so darzustellen, als sei sie vorab aufgestellt worden. Eine Post-hoc-Hypothese erscheint also als A-priori-Hypothese.

Ist jede Idee, die mir beim Auswerten kommt, schon HARKing?

Nach der Definition im FORRT-Glossar liegt der Kern in der Darstellung im Forschungsbericht: Problematisch ist, eine nachträgliche Hypothese als vorab geplant auszugeben. Kennzeichne neue Ideen aus den Daten deshalb offen als nachträglich entstanden.

Wie stelle ich einen Befund in einer Teilgruppe richtig dar?

Das FORRT-Glossar nennt Analysen von Teilgruppen als Beispiel, bei dem ein dort gefundener Effekt später als Hypothese in der Einleitung auftaucht. Schreibe einen solchen Befund deshalb im Ergebnisteil als nachträgliche Analyse und nicht als ursprüngliche Hypothese.

Muss ich meine Hypothesen vorab registrieren?

Diese Seite trifft dazu keine Aussage für deine Hochschule oder dein Fach. Prüfe in den offiziellen Unterlagen deines Studiengangs, etwa in der Prüfungsordnung, ob eine solche Vorgabe schriftlich besteht, und frage im Zweifel bei der dort genannten Stelle nach.

Wen frage ich, wenn ich unsicher bin?

Ermittle aus den offiziellen Unterlagen deines Studiengangs, wer für Fragen zu Auswertung und Darstellung deiner Arbeit zuständig ist. Stelle deine Frage schriftlich, beschreibe den konkreten Befund und halte die Antwort mit Datum fest.

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