Auswertung einer Statistik klar und nachvollziehbar darstellen
Auswertung einer Statistik
Eine statistische Auswertung wird verständlich, wenn Fragestellung, Datenbasis, Auswertungsschritt, Ergebnis und Grenzen sauber voneinander getrennt werden.
Was eine statistische Auswertung leisten soll
Statistik umfasst das Sammeln, Analysieren, Interpretieren und Präsentieren von Daten. Bei einer Auswertung einer Statistik steht deshalb nicht nur eine Zahl im Mittelpunkt, sondern der nachvollziehbare Weg von der Fragestellung über das verwendete Material bis zum Ergebnis.
Für die Darstellung ist zunächst zu klären, welche Daten ausgewertet werden. Eine amtliche Statistik kann beispielsweise Angaben zu Bevölkerung, Behinderung, Migration, Einbürgerungen oder Schutzsuchenden enthalten. Der Deutsche Bildungsserver verweist dabei auf unterschiedliche amtliche Statistiken und beschreibt Auswertungen zu Lebenslagen, Gesundheit, staatlichen Unterstützungsangeboten sowie Gewalt und Schutzmaßnahmen. Diese Beispiele gehören jeweils zu den ausdrücklich benannten statistischen Bereichen und dürfen nicht ohne Prüfung auf andere Themen übertragen werden.
Bei einer deskriptiven Statistik werden vorhandene Daten dargestellt, beschrieben, aufbereitet und zusammengefasst. Quantitative Daten können dabei in Tabellen, grafischen Darstellungen und Kennzahlen verdichtet werden. Eine Auswertung beschreibt also zuerst, was in der vorliegenden Datenbasis erkennbar ist. Erst danach folgt eine vorsichtige Einordnung im Hinblick auf die Fragestellung.
Die drei Ebenen lassen sich sprachlich trennen: Die Datenbasis beantwortet, welches Material betrachtet wird. Der Auswertungsschritt beschreibt, welche Ordnung, Zusammenfassung oder Gegenüberstellung vorgenommen wird. Das Ergebnis hält fest, was diese Bearbeitung sichtbar macht. Eine Interpretation darf den Befund nicht ersetzen. Wenn eine Aussage über eine Grundgesamtheit aus einer Stichprobe abgeleitet werden soll, ist zu prüfen, ob tatsächlich eine induktive statistische Auswertung vorliegt.
Wer wissenschaftliches Schreiben anwendet, sollte daher jede Aussage auf ihren konkreten Bezug zur Datenbasis prüfen. Für die Einordnung in eine Arbeit hilft ein Blick auf die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit: Fragestellung, Material, Auswertung, Ergebnis und Begrenzung müssen als zusammengehörige, aber unterscheidbare Teile lesbar sein.
Unbelegte Zusatzbehauptungen gehören nicht in die Auswertung. Wenn eine Information zur Herkunft, zum Berichtsjahr, zur Personengruppe oder zum statistischen Bereich fehlt, wird sie nicht ergänzt. Stattdessen wird die fehlende Angabe als konkrete Prüfaufgabe festgehalten.

Die Bestandteile in nachvollziehbarer Reihenfolge
Der Aufbau beginnt mit der Fragestellung. Formuliere, welche Information aus der Statistik gewonnen werden soll. Beim Forschungsfrage formulieren wird deshalb zuerst der Gegenstand eingegrenzt. Eine Frage nach der Verteilung vorhandener Angaben verlangt eine andere Auswertung als eine Frage, die aus einer Stichprobe auf eine Grundgesamtheit schließen möchte.
- Fragestellung und Daten abgleichen: Benenne die Datenquelle, den sachlichen Bereich, den möglichen Zeitbezug und die erfassten Merkmale. Prüfe anschließend, ob das Material die Frage tatsächlich berührt. Ergebnis dieses Schrittes ist eine begründete Abgrenzung des verwendeten Datenmaterials.
- Material bereinigen: Halte fest, welche Einträge berücksichtigt, ausgeschlossen oder wegen fehlender Angaben gesondert behandelt werden. Verändere keine Werte stillschweigend. Ergebnis ist eine dokumentierte Arbeitsgrundlage.
- Auswertungseinheiten festlegen: Bestimme, welche Fälle, Personen, Gruppen, Berichtsjahre oder Merkmalsausprägungen miteinander verglichen werden. Verwende nur Einheiten, die in der Datenbasis erkennbar sind. Ergebnis ist eine klare Vergleichs- oder Beschreibungseinheit.
- Verfahren auswählen: Bei der deskriptiven Statistik können Daten tabellarisch, grafisch oder durch Kennzahlen dargestellt, beschrieben, aufbereitet und zusammengefasst werden. Wähle den Auswertungsschritt passend zur Fragestellung und wende ihn in einer festgehaltenen Reihenfolge an. Ergebnis ist die bearbeitete Darstellung.
- Entscheidungen dokumentieren: Notiere Auswahl, Bereinigung, Gruppierung und jeden relevanten Zwischenschritt. So bleibt sichtbar, wie aus dem Ausgangsmaterial der Befund entstanden ist. Ergebnis ist eine prüfbare Dokumentation.
- Ergebnis zurückbinden: Formuliere zunächst den beobachteten Befund. Beziehe ihn anschließend auf die Fragestellung und nenne die Grenze der Aussage. Ergebnis ist eine sachlich abgegrenzte Schlussdarstellung.
Eine solche Reihenfolge unterstützt eine wissenschaftliche Argumentation, weil jeder Abschnitt an den vorherigen anknüpft. Für die Planung einer Hausarbeit schreiben Aufgabe oder beim Masterarbeit schreiben sollte die Auswertung als eigener nachvollziehbarer Arbeitsgang sichtbar bleiben.
Die Position des Abschnitts lässt sich außerdem in der Gliederung einer Hausarbeit prüfen. Entscheidend ist nicht eine behauptete allgemeine Vorgabe, sondern dass die gewählte Ordnung im eigenen Text verständlich bleibt.
Schritt für Schritt von den Daten zum Ergebnis
- Frage notieren: Schreibe einen Satz, der den gewünschten Informationsgewinn benennt. Ergebnis: eine überprüfbare Arbeitsfrage.
- Datenbasis beschreiben: Erfasse Titel oder Bezeichnung des Materials, statistischen Bereich, Berichtsbezug und erkennbare Merkmale. Ergebnis: eine präzise Beschreibung dessen, was vorliegt.
- Passung prüfen: Markiere, welche Datenspalten oder Angaben die Frage beantworten können. Ergebnis: eine begründete Auswahl.
- Bereinigung festhalten: Schreibe jede entfernte, zusammengeführte oder gesondert behandelte Angabe auf. Ergebnis: ein nachvollziehbarer Bereinigungsschritt.
- Einheiten bestimmen: Lege fest, ob einzelne Fälle, Gruppen, Altersangaben, Geschlechter, Grade, Arten, Bundesländer oder Berichtsjahre betrachtet werden. Nutze diese Einheiten nur, wenn sie in der jeweiligen Quelle ausgewiesen sind. Ergebnis: eine eindeutige Auswertungseinheit.
- Darstellung wählen: Entscheide, ob Tabelle, grafische Darstellung oder Kennzahl die vorliegenden quantitativen Daten angemessen zusammenfasst. Ergebnis: eine begründete Darstellungsform.
- Auswertung durchführen: Führe den gewählten Schritt aus und notiere Zwischenergebnisse. Ergebnis: ein dokumentierter Befund.
- Befund formulieren: Beschreibe, was die bearbeiteten Daten zeigen, ohne eine weitergehende Ursache zu behaupten. Ergebnis: eine beobachtungsnahe Aussage.
- Grenze benennen: Prüfe, welche Angaben nicht vorliegen oder welche Schlussfolgerung die Daten nicht tragen. Ergebnis: eine klar begrenzte Aussage.
Bei der Auswahl des Vorgehens kann ein Vergleich von Methoden wissenschaftlicher Arbeiten helfen. Die Unterscheidung zwischen qualitative und quantitative Forschung ist dabei nur dann aufzunehmen, wenn sie für die konkrete Fragestellung und Datenbasis relevant ist. Eine statistische Darstellung quantitativer Daten ist nicht automatisch eine Aussage über Ursachen, Wirkungen oder eine gesamte Bevölkerung.
Für die Quellenarbeit kannst du das Literaturverzeichnis erstellen, indem du die tatsächlich verwendeten Quellen vollständig nach den geltenden Vorgaben erfasst. Bei der formalen Gestaltung helfen Quellenangaben richtig zitieren und die Prüfung der verwendeten Zitierweisen. Welche Form verwendet wird, wird nicht aus der Statistik selbst abgeleitet. Wenn eine deutsche Zitierweise verlangt ist, prüfe ihre konkrete Anwendung anhand der maßgeblichen Vorgaben. Entsprechendes gilt für die Harvard-Zitierweise.
Ein kurzes durchgängiges Anwendungsbeispiel
Angenommen, eine Tabelle enthält Angaben zu einer ausdrücklich benannten Personengruppe und weist mehrere Merkmale aus. Die Arbeitsfrage lautet: Welche Merkmalsausprägungen werden in der Tabelle für die betrachteten Einheiten ausgewiesen?
Datenbasis: Verwendet wird ausschließlich die vorliegende Tabelle mit den darin bezeichneten Einheiten und Merkmalen. Die Bezeichnung der Quelle, der statistische Bereich und der Berichtsbezug werden wörtlich aus dem Material übernommen und vor der Auswertung geprüft.
Bereinigung: Eine Zeile ohne erkennbare Zuordnung wird nicht eigenmächtig einer Gruppe zugerechnet. Sie wird als ungeklärter Eintrag markiert. Diese Entscheidung wird vor der Zusammenfassung notiert.
Auswertungseinheit: Verglichen werden nur die in der Tabelle vorhandenen Gruppen. Nicht ausgewiesene Gruppen werden nicht ergänzt. Die Einheiten bleiben über alle Auswertungsschritte hinweg gleich.
Auswertungsschritt: Die Angaben werden in einer übersichtlichen Tabelle nach den vorhandenen Merkmalen geordnet. Anschließend wird beschrieben, welche Ausprägungen in den betrachteten Einheiten sichtbar sind. Es wird kein zusätzliches Merkmal gebildet, dessen Definition nicht aus der Datenbasis hervorgeht.
Befund: Die bearbeitete Tabelle weist für die geprüften Einheiten unterschiedliche vorhandene Merkmalsausprägungen aus. Dieser Satz beschreibt nur die Darstellung. Er behauptet nicht, warum die Unterschiede bestehen.
Interpretation: Formuliere die Interpretation getrennt vom Befund und nimm sie nur auf, wenn Fragestellung und Material sie tragen. Fehlen Angaben zu Ursachen, Auswahl oder Vergleichsbedingungen, wird keine Ursache ergänzt.
Grenze: Die Aussage beschränkt sich auf die ausgewerteten Angaben der Tabelle. Ob daraus Eigenschaften einer größeren Grundgesamtheit abgeleitet werden dürfen, wird nicht behauptet. Dafür wäre zunächst zu prüfen, ob eine Stichprobe vorliegt und ob die Voraussetzungen der schließenden Statistik erfüllt sind.
Dieses Beispiel zeigt, wie eine Gliederung einer Hausarbeit die Trennung unterstützen kann: erst Material und Entscheidungen, dann Befund, anschließend Interpretation und Grenze. Wer Plagiat vermeiden möchte, hält außerdem fest, welche Formulierungen eigene Beschreibung sind und welche Angaben unmittelbar aus der Quelle stammen.

Qualitätsprüfung für die fertige Auswertung
Am Ende wird die Auswertung in zwei sichtbar getrennte Bereiche geprüft: die inhaltliche Abgrenzung und die formale Prüfung.
Inhaltliche Abgrenzung:
- Ist die Fragestellung ausdrücklich genannt?
- Ist die Datenbasis mit statistischem Bereich, Berichtsbezug und ausgewiesenen Merkmalen beschrieben?
- Ist die Passung zwischen Frage und Daten geprüft?
- Ist jede Bereinigung dokumentiert, einschließlich ungeklärter oder fehlender Angaben?
- Sind die Auswertungseinheiten eindeutig festgelegt?
- Ist das Verfahren passend zur Fragestellung beschrieben und schrittweise angewendet?
- Sind Entscheidungen und Zwischenergebnisse nachvollziehbar festgehalten?
- Ist der Befund von seiner Interpretation getrennt?
- Wird das Ergebnis an die Fragestellung zurückgebunden?
- Wird die Grenze der Aussage ausdrücklich genannt?
Die Prüfung muss auch feststellen, ob aus einer deskriptiven Darstellung unbelegt eine weitergehende Schlussfolgerung gemacht wurde. Die deskriptive Statistik beschreibt, bereitet auf, stellt dar und fasst vorliegende Daten zusammen. Eine Aussage über Eigenschaften einer Grundgesamtheit aus einer Stichprobe gehört dagegen zur induktiven Statistik und darf nicht ohne Prüfung vorausgesetzt werden.
Formale Prüfung:
- Sind die verwendeten Quellenangaben vollständig und einheitlich erfasst?
- Passt die gewählte Zitierform zu den Vorgaben des eigenen Textes?
- Sind Tabellenbezeichnungen, Einheiten und Merkmale verständlich bezeichnet?
- Ist erkennbar, welche Sätze Befunde und welche Sätze Einordnungen enthalten?
- Wurde keine nicht ausgewiesene Zahl, Gruppe, Ursache oder Folge ergänzt?
- Wurde jede Übernahme so gekennzeichnet, dass die Herkunft nachvollziehbar bleibt?
Für die formale Kontrolle können Zitierweisen verglichen und die konkrete Umsetzung der deutsche Zitierweise oder der Harvard-Zitierweise geprüft werden. Der Qualitätscheck endet erst, wenn Fragestellung, Datenbasis, Bereinigung, Auswertungseinheit, Verfahren, Dokumentation, Ergebnis und Grenze jeweils auffindbar sind.
Quellen und Stand
- Statistiken im Bereich Sozialer Arbeit: [Deutscher Bildungsserver]: www.bildungsserver.de (geprüft am 2026 bis 08 bis 31)
- Statistik, Wikipedia: de.wikipedia.org (geprüft am 2026 bis 08 bis 31)
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