Zeugnissprache im Arbeitszeugnis verständlich erklärt
Nach § 109 GewO muss ein Zeugnis klar und verständlich sein
Du hast ein Arbeitszeugnis aus einem Nebenjob, Praktikum oder einer Werkstudentenstelle bekommen und fragst dich, was die Sätze darin aussagen? Hier erfährst du, welchen Rahmen das Gesetz setzt und wie du dein Zeugnis geordnet prüfst.
Worum es bei der Zeugnissprache geht
Mit Zeugnissprache ist die Art gemeint, wie ein Arbeitszeugnis formuliert ist. Für Deutschland setzt § 109 der Gewerbeordnung (GewO) dafür einen klaren Rahmen: Endet ein Arbeitsverhältnis, besteht Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Es enthält mindestens Angaben zur Art und zur Dauer der Tätigkeit. Nur wenn du es verlangst, kommen Aussagen zu Leistung und Verhalten hinzu. Das erste nennt man einfaches Zeugnis, das erweiterte ein qualifiziertes Zeugnis.
Entscheidend für die Sprache ist eine zweite Vorgabe aus § 109 GewO: Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Merkmale oder Formulierungen, die bezwecken, etwas anderes auszusagen als das, was aus der äußeren Form oder dem Wortlaut ersichtlich ist, sind unzulässig. Ein Zeugnis soll also nichts zwischen den Zeilen transportieren, was der Text selbst nicht sagt.
Das Ziel dieser Seite ist, dir einen geordneten Prüfweg zu geben. Du lernst, dein Dokument sauber einzuordnen, die Sätze auf Klarheit zu lesen und offene Punkte festzuhalten. Die Grenzen sind ebenso wichtig: Hier findest du keine Notenskala für einzelne Zeugnisformeln, keine Fristen und keine Einschätzung, ob eine Berichtigung Erfolg hätte. Für deinen Einzelfall wendest du dich an die zuständige Stelle.
Die Entscheidung, die ansteht, ist überschaubar: Du klärst, ob dein Zeugnis die verlangte Zeugnisart hat und ob jeder Satz für sich verständlich ist. Leg dafür alle Zeugnisse aus Studentenjobs und Praktika nebeneinander und prüf sie nacheinander mit demselben Ablauf.

Schritt für Schritt dein Zeugnis prüfen
Geh beim Prüfen der Reihe nach vor, damit du nichts übersiehst und jeder Befund nachvollziehbar bleibt.
- Schriftliches Zeugnis sichern: Leg das Original sicher ab und mach dir eine Kopie, auf der du Notizen machen kannst. Arbeite nie im Original.
- Zeugnisart bestimmen: Prüf, ob nur Art und Dauer deiner Tätigkeit beschrieben sind (einfaches Zeugnis) oder ob auch Leistung und Verhalten bewertet werden (qualifiziertes Zeugnis). Gleich das mit dem ab, was du verlangt hast.
- Sätze auf Klarheit prüfen: Lies jeden Satz einzeln und frag dich, ob du ihn ohne Zusatzwissen verstehst. Markiere Stellen, bei denen du unsicher bist, was gemeint ist.
- Form und Wortlaut prüfen: Achte darauf, ob die äußere Form oder einzelne Formulierungen den Eindruck erwecken, etwas anderes auszusagen als der Text selbst. Notier solche Stellen wörtlich.
- Zuständige Person bestimmen: Ermittle aus deinen offiziellen Unterlagen zum Arbeitsverhältnis, wer für dein Zeugnis zuständig ist, und richte Rückfragen dorthin.
- Ergebnis dokumentieren: Fass deine Befunde in einer kurzen Liste zusammen und leg fest, welchen Schritt du als Nächstes gehst.
Ein kurzes Beispiel zeigt den Ablauf: Lena hat nach ihrer Werkstudentenstelle ein Zeugnis erhalten und damals um eine Bewertung von Leistung und Verhalten gebeten. Sie legt das Original ab, prüft, ob beide Punkte enthalten sind, und markiert einen Satz, den sie nicht eindeutig versteht. Diesen Satz schreibt sie wörtlich heraus, sucht in ihren Unterlagen die zuständige Ansprechperson und notiert, dass sie dort nachfragen will.
Bei Unsicherheit über deinen konkreten Fall wendest du dich an die zuständige Stelle, denn diese Seite erklärt nur den gesetzlichen Rahmen. Trenne in deinen Notizen Fragen zum Arbeitszeugnis von Fragen zum Studium, etwa solchen für eine Studienberatung.
Typische Fehler beim Lesen vermeiden
Beim Lesen eines Zeugnisses solltest du Vermutungen und Text sauber trennen. Die folgenden Punkte helfen dir, sachlich zu bleiben.
- Geheime Codes nicht als erlaubt ansehen: Formulierungen, die heimlich etwas anderes sagen sollen als ihr Wortlaut, sind nach § 109 GewO unzulässig. Behandle ein Zeugnis daher nicht so, als dürfe es verschlüsselte Botschaften enthalten.
- Kein qualifiziertes Zeugnis voraussetzen: Aussagen zu Leistung und Verhalten gehören nur auf Verlangen ins Zeugnis. Hast du das nicht verlangt, ist ein Zeugnis ohne diese Bewertung kein Fehler des Dokuments.
- Annahmen nicht mit Regeln verwechseln: Was du im Bekanntenkreis über bestimmte Formeln hörst, ist keine gesetzliche Vorgabe. Halte auseinander, was § 109 GewO festlegt und was nur deine Deutung ist.
- Nachweise nicht aufschieben: Leg die Unterlagen ab, aus denen hervorgeht, wann und wie du ein qualifiziertes Zeugnis verlangt hast, und prüf, ob sie vollständig sind.
- Rückfragen nicht verschieben: Stell deine Fragen zu unklaren Sätzen, solange die Unterlagen und Erinnerungen frisch sind.
Ein weiterer Fehler ist, das Zeugnis mit Regeln aus deinem Studium zu vermischen. Eine Prüfungsordnung regelt Prüfungen an deiner Hochschule, nicht die Sprache eines Arbeitszeugnisses. Ebenso wenig gelten Hinweise aus allgemeinen Studium-Tipps automatisch für dein Arbeitsverhältnis.
Auch bei Bewerbungen lohnt sich der klare Blick: Ob du später einen Studiengang wählen oder dich um eine Stelle bewerben willst, ein sorgfältig geprüftes Zeugnis gehört zu deinen geordneten Unterlagen.

Checkliste zum Abschluss
Bevor du das Thema abschließt, geh diese Punkte durch und hak sie einzeln ab.
- Ausstellungsdatum des Zeugnisses festgehalten
- Zeugnisart notiert: einfach oder qualifiziert
- Beleg vorhanden, dass du Angaben zu Leistung und Verhalten verlangt hast, falls das zutrifft
- Unklare Formulierungen wörtlich herausgeschrieben
- Stellen markiert, bei denen Form oder Wortlaut eine andere Aussage nahelegen könnten
- Zuständige Person oder Stelle aus deinen Unterlagen ermittelt
- Persönlicher nächster Schritt mit Datum notiert
Als Quelle für den Rahmen dient dir § 109 GewO. Für deinen konkreten Fall ist die zuständige Stelle maßgeblich, die du aus deinem Arbeitsvertrag oder den Schreiben deines Arbeitgebers ermittelst. Prüf dort, wie Rückfragen eingereicht werden sollen.
Dein nächster Schritt hängt von deinem Befund ab: Ist alles verständlich, legst du das Zeugnis zu deinen Bewerbungsunterlagen. Bleiben Fragen offen, formulierst du sie schriftlich und schickst sie an die ermittelte Ansprechperson. Wer ein Auslandssemester plant, ordnet seine Unterlagen am besten vorher, damit sie griffbereit sind.
Ein fester Ablageort für wichtige Papiere hilft dir auch, wenn du Unterlagen für Wohnen im Studium zusammenstellst. Passende Erstsemester-Tipps zur Organisation deiner Dokumente findest du ebenfalls auf dieser Website.
Willst du dich darüber hinaus orientieren, kannst du Studiengänge vergleichen oder einen Studienorientierungstest nutzen. Auch die Frage, ob Universität oder Fachhochschule besser zu dir passt, lässt sich mit einem Überblick über Hochschulen und Universitäten in Ruhe angehen.
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Stand: 27. Oktober 2026korrektur.de. (2026, 27. Oktober). Zeugnissprache im Arbeitszeugnis verständlich erklärt. korrektur.de. https://korrektur.de/zeugnissprache
„Zeugnissprache im Arbeitszeugnis verständlich erklärt.“ korrektur.de, 27. Okt. 2026, korrektur.de/zeugnissprache. Zugriff 27. Okt. 2026.
korrektur.de (2026) Zeugnissprache im Arbeitszeugnis verständlich erklärt. Verfügbar unter: https://korrektur.de/zeugnissprache (Zugriff: 27. Oktober 2026).
korrektur.de. „Zeugnissprache im Arbeitszeugnis verständlich erklärt.“ Zuletzt geändert 27. Oktober 2026. https://korrektur.de/zeugnissprache.
korrektur.de. Zeugnissprache im Arbeitszeugnis verständlich erklärt [online]. 2026 [Zugriff am 27.10.2026]. Verfügbar unter: https://korrektur.de/zeugnissprache
Quellen und Stand
- Offizielle Quelle: www.gesetze-im-internet.de (geprüft am 2026-10-27)