Worauf es bei Tabula rasa in Philosophie und Sprachgebrauch ankommt

Tabula rasa bezeichnet philosophisch den ursprünglichen Zustand

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2026 · Studium-Tipps

Tabula rasa hat laut Duden eine philosophische Bedeutung, einen übertragenen Gebrauch und eine feste Wendung. Hier lernst du, die Lesarten zu unterscheiden und belegt zu verwenden.

Tabula rasa: drei Lesarten im Überblick

Wenn du im Studium auf den Ausdruck Tabula rasa triffst, hast du es mit mehreren Lesarten zu tun. Der Duden ordnet ihn zuerst der Philosophie zu. Dort bezeichnet Tabula rasa den ursprünglichen Zustand der Seele, also ihre Verfassung, bevor irgendwelche Eindrücke sie prägen. Neben dieser philosophischen Bedeutung verzeichnet der Duden einen übertragenen Gebrauch für etwas, das noch nicht vorgeprägt ist. Als dritte Angabe führt er die feste Wendung Tabula rasa machen.

Die Entscheidung, die vor dir steht, betrifft deshalb die passende Lesart. Meint ein Text den philosophischen Fachbegriff, den übertragenen Sprachgebrauch oder die Wendung? Worauf es dabei ankommt, ist eine saubere Zuordnung: Ordne jede Fundstelle einer dieser drei Lesarten zu und halte fest, wie du diese Zuordnung begründest.

Das Ziel dieser Seite ist, dass du die drei Lesarten auseinanderhältst und sie mit Beleg verwendest. Die Grenzen sind ebenso klar gezogen: Hier steht nur, was der Duden-Eintrag trägt. Welche Denker den Begriff vertreten haben und woher er stammt, belegt dieser Eintrag nicht. Deshalb nennt diese Seite weder Namen noch Herkunft, Jahreszahlen oder andere Zahlen. Brauchst du solche Angaben für eine Hausarbeit, kläre die Quellenlage mit der Person, die deine Arbeit betreut.

Die Unterscheidung der Lesarten kannst du auf Fachtexte anwenden, unabhängig davon, welche Studiengänge dich interessieren. Weitere Studium-Tipps für den Umgang mit Fachbegriffen stehen auf einer eigenen Seite.

Tabula rasa in Philosophie und Sprachgebrauch

Schritt für Schritt zur richtigen Lesart

Mit einer festen Reihenfolge ordnest du jede Fundstelle nachvollziehbar zu. Geh die folgenden Schritte für jede Textstelle einzeln durch.

  1. Philosophische Bedeutung prüfen: Lies die Stelle und frag dich, ob vom ursprünglichen Zustand der Seele die Rede ist, also von der Zeit, bevor Eindrücke sie formen. Trifft das zu, ordnest du die Stelle der philosophischen Lesart zu.
  2. Übertragenen Gebrauch abgrenzen: Beschreibt der Satz stattdessen etwas, das noch nicht vorgeprägt ist, ohne dass es um die Seele geht, gehört er zum übertragenen Gebrauch.
  3. Duden-Eintrag zur Wendung nutzen: Taucht die Wendung Tabula rasa machen auf, vergleiche Wortlaut und Schreibung mit dem Duden-Eintrag. Leite ihre Bedeutung nicht aus dem philosophischen Fachbegriff ab.
  4. Zuständige Stelle oder Person bestimmen: Ermittle aus den offiziellen Unterlagen deiner Lehrveranstaltung, wer für Rückfragen zu deiner Arbeit zuständig ist. Für Fragen, die über den Begriff hinaus dein Studium betreffen, prüfe in den offiziellen Unterlagen deiner Hochschule, welche Studienberatung dort genannt ist.
  5. Ergebnis dokumentieren und nächsten Schritt festlegen: Notiere zu jeder Fundstelle die gewählte Lesart, den Beleg aus dem Duden und offene Fragen. Leg danach fest, was du als Nächstes tust: die Formulierung anpassen, eine Rückfrage stellen oder die Stelle unverändert lassen.

Ein kurzes Beispiel: In deiner eigenen Hausarbeit steht der selbst formulierte Satz „Für die neue Arbeitsgruppe war das Thema eine Tabula rasa.“ Im ersten Schritt stellst du fest, dass es nicht um die Seele geht. Im zweiten Schritt erkennst du, dass ein noch nicht vorgeprägtes Thema gemeint ist, und ordnest den Satz dem übertragenen Gebrauch zu. Die Wendung Tabula rasa machen kommt nicht vor, also entfällt der dritte Schritt. Du notierst Lesart und Duden-Beleg und hältst als offene Frage fest, ob der übertragene Gebrauch in deiner Arbeit erwünscht ist. Als nächsten Schritt stellst du diese Frage der zuständigen Person aus den Unterlagen deiner Lehrveranstaltung.

Dieselbe Arbeitsweise kannst du auch einsetzen, wenn du noch vor dem Studium stehst und erst einen Studiengang wählen willst, etwa beim Lesen von Studienbeschreibungen. Die Schritte bleiben dieselben, ob du dabei an eine Universität oder Fachhochschule denkst.

Die Zuordnung der Lesarten ersetzt keine Orientierung bei der Studienwahl. Einen Überblick über Hochschulen und Universitäten oder einen Studienorientierungstest findest du auf gesonderten Seiten.

Typische Fehler beim Gebrauch von Tabula rasa

Die folgenden Fehler betreffen die Zuordnung, die Begründung und den Umgang mit Belegen. Prüf deinen Text gezielt auf jeden einzelnen davon.

  • Begriff und Redewendung gleichsetzen: Der philosophische Begriff und die Redewendung Tabula rasa machen stehen im Duden als getrennte Angaben. Wer beide gleichsetzt, überträgt Inhalte der einen Lesart ohne Beleg auf die andere. Ebenso fehlerhaft ist es, einem bestimmten Philosophen oder einer Denkrichtung eine Lehre zur Tabula rasa zuzuschreiben, wenn du dafür keinen Beleg vorweisen kannst.
  • Annahmen mit Regeln verwechseln: Ein Satz wie „In wissenschaftlichen Texten ist nur die philosophische Lesart erlaubt“ ist eine Annahme, keine Regel. Ob es für deine Arbeit Vorgaben gibt, klärst du anhand des Wortlauts deiner Prüfungsordnung und der Hinweise der zuständigen Person.
  • Nachweise und Rückfragen aufschieben: Halte den Beleg fest, sobald du eine Lesart zuordnest. Stell offene Rückfragen sofort, statt sie bis kurz vor der Abgabe zu sammeln.
  • Schreibung ungeprüft übernehmen: Schreib Tabula rasa so, wie der Duden-Eintrag den Ausdruck führt. Abweichende Schreibweisen aus anderen Texten übernimmst du nicht, ohne sie mit dem Eintrag zu vergleichen.

Lege dir für Fachbegriffe wie diesen ein eigenes Glossar mit Lesart und Beleg an, damit du Zuordnungen später nachvollziehen kannst. Organisatorische Erstsemester-Tipps findest du getrennt davon auf einer eigenen Seite.

Tabula rasa in Philosophie und Sprachgebrauch mit einer themenspezifischen Checkliste

Checkliste vor der Abgabe

Bevor du einen Text mit Tabula rasa abgibst, geh diese Punkte der Reihe nach durch:

  • Philosophische Bedeutung belegt: Die Stelle mit dem ursprünglichen Zustand der Seele vor allen Eindrücken ist mit dem Duden-Eintrag belegt.
  • Übertragener Gebrauch geprüft: Stellen, die etwas noch nicht Vorgeprägtes beschreiben, sind als übertragener Gebrauch markiert.
  • Redewendung korrekt zitiert: Die Wendung Tabula rasa machen steht im Wortlaut des Duden-Eintrags und ist nicht mit dem Fachbegriff vermischt.
  • Schreibung laut Duden geprüft: Jede Schreibweise von Tabula rasa stimmt mit dem Eintrag überein.
  • Keine Zuschreibung ohne Beleg: Dein Text nennt keine Philosophen und keine Herkunft, die du nicht belegen kannst.
  • Zuständige Quelle oder Stelle: Der Duden-Eintrag ist als Beleg notiert, und die zuständige Person für Rückfragen hast du aus den offiziellen Unterlagen deiner Lehrveranstaltung ermittelt.
  • Persönlicher nächster Schritt: Du hast schriftlich festgelegt, was du als Nächstes tust, zum Beispiel eine Formulierung ändern oder eine Rückfrage abschicken.

Diese Checkliste betrifft ausschließlich den Begriff und seine Lesarten. Themen wie Wohnen im Studium oder Studentenjobs behandeln eigene Seiten.

Bereitest du deutschsprachige Texte für ein Auslandssemester vor, kannst du dieselbe Prüfung der Lesarten auch dort anwenden.

So zitieren Sie diese Seite

Stand: 27. Oktober 2026

korrektur.de. (2026, 27. Oktober). Tabula rasa in Philosophie und Sprachgebrauch. korrektur.de. https://korrektur.de/tabula-rasa

Quellen und Stand

Du möchtest deinen Text vor der Abgabe sprachlich prüfen lassen?

Datei hochladen

Fragen und Antworten zum Thema Tabula rasa in Philosophie und Sprachgebrauch

Was bedeutet Tabula rasa in der Philosophie?

Laut Duden bezeichnet Tabula rasa in der Philosophie den ursprünglichen Zustand der Seele, bevor Eindrücke sie prägen. Welche Denker diesen Begriff vertreten haben, belegt der Duden-Eintrag nicht.

Gibt es auch einen übertragenen Gebrauch von Tabula rasa?

Ja. Neben der philosophischen Bedeutung nennt der Duden einen übertragenen Gebrauch für etwas, das noch nicht vorgeprägt ist.

Ist Tabula rasa machen dasselbe wie der philosophische Begriff?

Nein, der Duden führt die Wendung Tabula rasa machen als eigene Angabe neben der philosophischen Bedeutung und dem übertragenen Gebrauch. Setz die beiden deshalb nicht gleich.

Kann ich Tabula rasa einem bestimmten Philosophen zuschreiben?

Der Duden-Eintrag nennt dazu keinen Namen und keine Herkunft. Schreib eine solche Zuordnung nur, wenn du einen eigenen Beleg dafür hast, und kläre die Quellenlage mit der Person, die deine Arbeit betreut.

Wie dokumentiere ich die gewählte Lesart?

Notiere zu jeder Fundstelle, ob du sie der philosophischen Bedeutung, dem übertragenen Gebrauch oder der Wendung Tabula rasa machen zuordnest, und halte den Duden-Eintrag als Beleg fest. Ergänze offene Fragen und deinen nächsten Schritt.

Unsere Partner