Ruhm von Daniel Kehlmann
Neun Geschichten über Identität und Medien
Ruhm ist ein Roman von Daniel Kehlmann und erschien 2009 mit dem Untertitel „Ein Roman in neun Geschichten“. Die Geschichten handeln von Handys, Internet, Prominenz und dem Verlust der eigenen Identität, und sie sind auf überraschende Weise miteinander verbunden. Diese Seite bietet eine kompakte Zusammenfassung, die wichtigsten Figuren und eine Deutung für Unterricht, Klausur und Abitur.
Überblick: Autor, Jahr, Gattung und Epoche
Ruhm stammt von Daniel Kehlmann (geboren 1975), der mit „Die Vermessung der Welt“ bekannt wurde. Das Buch erschien 2009 und gehört zur Gegenwartsliteratur. Es steht zwischen Roman und Erzählband: Jede Geschichte ist für sich lesbar, doch Figuren und Motive tauchen in anderen Geschichten wieder auf.

Inhalt und Handlung
Der Techniker Ebling kauft sein erstes Handy und bekommt durch einen Fehler die Nummer des Schauspielers Ralf Tanner. Er nimmt die Anrufe an und beginnt, ein fremdes Leben mitzuspielen. Tanner selbst bekommt plötzlich keine Anrufe mehr, fühlt sich ersetzt und tritt bei einem Doppelgänger-Wettbewerb als sein eigener Nachahmer auf, bis ein anderer seinen Platz einnimmt.
Im Mittelpunkt mehrerer Geschichten steht der Schriftsteller Leo Richter. Er reist mit der Ärztin Elisabeth und verarbeitet Menschen aus seiner Umgebung in Erzählungen. In „Rosalie geht sterben“ will eine von ihm erfundene, krebskranke Frau in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch nehmen und verhandelt mit ihrem Autor um ihr Leben. Die Krimiautorin Maria Rubinstein reist an Leos Stelle zu einer Lesereise nach Zentralasien, verliert ihren Weg zurück und verschwindet aus ihrem eigenen Leben.
Weitere Geschichten erzählen von einem Abteilungsleiter einer Telefongesellschaft, der ein Doppelleben mit zwei Familien führt, von dem Internetnutzer Mollwitz, der unbedingt in eine Geschichte gehören will, und von dem Ratgeberautor Miguel Auristos Blancos, der am Sinn seiner eigenen Bücher zweifelt.
Die Figuren
Die Figuren haben gemeinsam, dass ihre Identität unsicher wird. Ralf Tanner verliert sie durch seinen Ruhm, Ebling gewinnt eine geliehene. Leo Richter ist ein eitler, ängstlicher Autor, der alles zur Vorlage macht, und gilt als ironisches Spiegelbild des Schriftstellers. Elisabeth wehrt sich dagegen, zur Figur zu werden. Rosalie ist die einzige, die weiß, dass sie erfunden ist, und widerspricht ihrem Schöpfer.
Aufbau und Sprache
Die neun Geschichten sind wie ein Netz verknüpft: Ein Anruf, eine Nebenfigur oder ein Ort verbindet sie. Kehlmann wechselt Erzählweisen, darunter Ich-Erzählung, personale Erzählung und Blogeinträge. Die Sprache ist klar, pointiert und oft ironisch. Mehrfach durchbricht der Text die Fiktion und zeigt, wie Geschichten gemacht werden.

Themen und Deutung
Ruhm fragt, wer wir sind, wenn Telefone, Internet und Medien unser Bild bestimmen. Prominenz macht Menschen austauschbar, Technik verwischt die Grenze zwischen echt und erfunden. Ein zweites großes Thema ist das Erzählen selbst: Der Autor hat Macht über seine Figuren, doch die Figuren melden sich zu Wort. Der Titel wirkt dabei ironisch, denn Ruhm bringt hier vor allem Leere.
Fazit
Ruhm ist unterhaltsam und klug gebaut. Für die Klausur solltest du die Verknüpfung der Geschichten, das Motiv des Identitätsverlusts und die Metafiktion in „Rosalie geht sterben“ sicher erklären können. Wer diese drei Punkte am Text belegt, deutet den Roman überzeugend.
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