Wie du in einem Gedicht Schritt für Schritt das Reimschema ermittelst
Reimschema notieren: So gehst du in der Analyse vor
Das Reimschema entsteht aus den Endreimen eines Gedichts und wird mit Buchstaben notiert. Hier erfährst du, wie du Endreime findest, Buchstaben vergibst, das Schema aufschreibst und die Reimstellung für deine Gedichtanalyse benennst.
Was dir ein Reimschema zeigt
Das Reimschema entsteht aus den Endreimen eines Gedichts und wird mit Buchstaben notiert. Du schreibst zu den Versen je einen Buchstaben auf, sodass sichtbar wird, welche Verse sich reimen. Der Duden beschreibt den Endreim als Reim, der am Versende steht und Verse untereinander verbindet. Dieser Reim bildet den Ausgangspunkt, denn das Schema bezieht sich auf die Stellen am Versende und nicht auf Reime im Versinneren. Ein Reimschema ist daher eine Übersicht über die Endreimstellung und sagt noch nichts über die Wirkung des Gedichts.
Das Glossar des Portals MhdMetrikOnline der Universität Münster beschreibt den Reim als Klangwiederholung. Ein Reim entsteht demnach, wenn zwei Wörter von dem letzten betonten Vokal an identisch klingen. Für die Einordnung nennt das Glossar drei Kriterien: die Silbenanzahl, die Reinheit und die Stellung der reimenden Wörter. Maßgeblich ist dabei der Klang. Du prüfst also den Klang ab dem betonten Vokal und nicht allein die Schreibweise.
Das Schema hält fest, welche Verse sich reimen, und ist damit ein Werkzeug für die Analyse und kein Selbstzweck. Es beantwortet die Frage, wo die Reime stehen, nicht die Frage, warum der Dichter sie so gesetzt hat. Um das Schema in die Analyse einzubauen, kannst du im Hauptteil den Reim als Teil des Themas Sprachliche Mittel in Gedichten beschreiben. Die Einordnung zeigt, an welcher Stelle der Analyse das Schema steht.
Daraus folgt vorsichtig: Das Schema ist ein erster Schritt. Erst wenn klar ist, welche Verse sich reimen, lässt sich fragen, welche Deutung der Reim stützen könnte. Die Deutung folgt also erst danach und sollte den Befund nicht vorwegnehmen.

Das Reimschema Schritt für Schritt bestimmen
Am Anfang steht das Endreimschema. Das Metrik-Portal der Universität Münster, das mittelhochdeutsche Lyrik behandelt, hält fest, dass bei der metrischen Analyse das Endreimschema zunächst festgelegt wird. Endreime notierst du mit lateinischen Kleinbuchstaben, also a, b, c, und nicht reimende Zeilen mit einem x. Stellst du Vers für Vers die Stellung der Reime fest, entsteht das Reimschema. Der folgende Ablauf übernimmt diese Reihenfolge für die Arbeit an einem Gedicht.
- Lies das Gedicht laut.
- Markiere das letzte Wort jedes Verses.
- Prüfe, welche dieser Wörter sich reimen, und nenne den ersten Reim a.
- Führe neue Klänge mit b, c und weiter, solange neue Reime auftauchen.
- Vergib x für Zeilen, die sich mit keiner anderen reimen.
- Schreibe das Schema je Strophe auf, zum Beispiel als Folge wie abab.
Ein erfundenes Beispiel mit vier Versen zeigt den Ablauf; alle Verse sind frei erfunden und stammen aus keinem echten Gedicht:
- Der Tag ist kalt und grau (a)
- die Straße still und weit (b)
- ein Vogel singt im Tau (a)
- der Weg führt durch die Zeit (b)
Das Schema dieser erfundenen Verse lautet abab. Die Technik trainierst du an eigenen Texten: Wenn du Gedichte selbst schreiben probierst und das Schema danach notierst, prüfst du den Reim bewusst nach. Dabei übst du den Blick auf den Klang ab dem betonten Vokal, den das Glossar als Maßstab nennt.
Prüfe am Ende die Strophen einzeln, schreibe das Schema der Strophen getrennt auf und vergleiche die Buchstaben mit dem Klang der Wörter. Stimmen Notiz und Höreindruck nicht überein, prüfe erneut den betonten Vokal, bevor du einen Buchstaben änderst.
Reimstellungen im Überblick
Das Metrik-Portal der Universität Münster, das mittelhochdeutsche Lyrik behandelt, nennt mehrere Endreimstellungen. Neben den drei Formen der folgenden Tabelle führt es verschränkte Reime, Haufenreime und Schweifreime auf. Die Tabelle zeigt dir Paarreim, Kreuzreim und umarmenden Reim mit ihrem Schema.
| Reimform | Schema | Beispielvers |
|---|---|---|
| Paarreim | aa | Eigenes Beispiel aus deinem Gedicht eintragen |
| Kreuzreim | abab | Eigenes Beispiel aus deinem Gedicht eintragen |
| Umarmender Reim | abba | Eigenes Beispiel aus deinem Gedicht eintragen |
Den Reim beschreibt das Glossar der Universität Münster als Klangwiederholung: Zwei Wörter klingen ab dem letzten betonten Vokal gleich. Als Kriterien für Reimformen nennt es die Silbenanzahl, die Reinheit und die Stellung der reimenden Wörter. Für deine Gedichtanalyse heißt das, dass du die Endreime zuerst anhand dieser Merkmale prüfst, bevor du Buchstaben vergibst.
Die Reimstellung benennst du mit ihrem Namen und dem Schema in Klammern, etwa Kreuzreim (abab). Vergib Buchstaben für die Endreime, notiere sie Vers für Vers und bezeichne nicht reimende Zeilen mit x, damit das Schema vollständig ist. Der Duden definiert Endreim als Reim von Versenden untereinander; Reime im Versinneren gehören deshalb nicht zum Endreimschema.
Die weiteren Stellungen des Metrik-Portals sind verschränkter Reim (abcabc), Haufenreim (aaabbb) und Schweifreim (aabccb). Prüfe am Gedicht selbst, ob die Endreime einem dieser Schemata entsprechen, bevor du eine Reimform benennst. Wer ein Beispiel mit Kreuzreim sucht, prüft zuerst, ob die Endreime dem Muster abab folgen; bei der Gedichtanalyse Im Frühling von Mörike führst du diese Prüfung Vers für Vers durch.

Das Schema in der Analyse nutzen
Benenne das Reimschema zunächst in einem Satz, zum Beispiel als erfundene Formulierung: Das Gedicht folgt einem Kreuzreim, abab. Danach frag nach der Wirkung, etwa ob der Klang die Gliederung der Strophe unterstreicht. Diese Formulierung ist ein Vorschlag für deine Analyse und keine feste Regel, denn die Wirkung eines Reims bleibt eine Beobachtung, die du am Text belegst.
Eine mögliche Verwechslung lautet, dass allein das letzte Wort eines Verses zählt. Das Glossar beschreibt den Reim jedoch ab dem letzten betonten Vokal, sodass der Klang der Silben maßgeblich ist. Das Glossar nennt außerdem die Reinheit als Kriterium für Reimformen. Ob ein Reim rein ist, prüfst du am Klang der reimenden Wörter. Unreine Reime und Ausnahmen beschreibst du als Beobachtung, sobald du sie im Gedicht findest. Welche Bewertung dein Fachbereich für unreine Reime erwartet, klärst du mit der betreuenden Person.
Ein Gedicht mit auffälligem Reimbild verlangt einen genauen Blick, und bei Er ist's von Mörike prüfst du, ob sich die Reimbilder der Strophen unterscheiden. Notiere das Schema der Strophen getrennt.
Für die Verbindung von Form und Inhalt ordnest du das Reimschema neben die weiteren Stilmittel der Lyrik ein und beschreibst es gemeinsam mit ihnen. Dabei gilt der Reim nicht als alleinige Erklärung.
Daraus folgt vorsichtig: Nenne das Reimschema, deute die Wirkung nur als Vorschlag und kennzeichne eigene Beispiele in deiner Analyse ausdrücklich als erfunden.
Quellen und Stand
- Universität Münster, MhdMetrikOnline: Reimarten und Topologie: www.uni-muenster.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Münster, MhdMetrikOnline: Reimarten und Topologie: www.uni-muenster.de (weitere Quelle) (geprüft am 2026-10-06)
- Duden: Endreim: www.duden.de (geprüft am 2026-10-06)
- Universität Münster, MhdMetrikOnline: Glossar R: www.uni-muenster.de (geprüft am 2026-10-06)