Die 5 Stolpersteine beim wissenschaftlichen Schreiben auf Englisch
Fünf Stolpersteine in wissenschaftlichen Texten
Englisch ist in vielen Disziplinen eine zentrale Publikationssprache. Die für 2015 berichteten Werte von über 95 Prozent beziehen sich auf Datenbankauswertungen einzelner Fachbereiche, nicht auf sämtliche wissenschaftlichen Publikationen. Beim wissenschaftlichen Schreiben auf Englisch können diese fünf Stolpersteine besonders für Deutschsprachige relevant sein.
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1. False Friends, die beim Überarbeiten leicht übersehen werden
Beim wissenschaftlichen Schreiben auf Englisch können Deutschsprachige häufig auf False Friends stoßen. Englisch und Deutsch haben viele ähnlich aussehende Wörter, doch die Bedeutung verschiebt sich oft subtil. Prüfe deshalb Begriffe, die ein Reviewer anders verstehen könnte als beabsichtigt.
Diese häufigen Beispiele verdienen einen Blick ins Wörterbuch: eventually bedeutet meist „schließlich, am Ende“ und nicht „eventuell“; dafür passt je nach Kontext possibly. Actually bedeutet meist „tatsächlich, in Wirklichkeit“ und nicht „aktuell“; dafür steht häufig currently. Sensible kann „vernünftig“ bedeuten, während für „sensibel“ oft sensitive passt. To become bedeutet „werden“; „bekommen“ heißt je nach Zusammenhang beispielsweise to receive.
Auch concept, control, meaning, character und genial können je nach Kontext zu Fehlübertragungen verleiten. Lege vor der Abgabe eine Liste mit Wörtern an, bei denen du unsicher bist, und prüfe sie im Wörterbuch oder in fachlichen Beispielen.

2. Warum deutsche Kommaregeln nicht einfach übertragbar sind
Die Kommasetzung folgt im Deutschen und Englischen unterschiedlichen Konventionen. Im Deutschen sind etwa dass-Sätze und Relativsätze grundsätzlich durch Kommas abgegrenzt; bei Infinitivgruppen hängt die Setzung vom jeweiligen Fall ab. Auch im Englischen ist das Komma nicht rein rhetorisch, sondern richtet sich nach Satzbau, Bedeutung und Stilkonvention. Übernimm deutsche Kommas deshalb nicht schematisch.
Drei nützliche Orientierungspunkte: Erstens steht vor that in einem Ergänzungssatz wie „I argue that the model fails“ in der Regel kein Komma; „I argue, that…“ ist falsch. Zweitens werden restriktive Relativsätze mit that oder who nicht durch Kommas abgetrennt; nicht-restriktive Relativsätze mit which oder who stehen dagegen gewöhnlich zwischen Kommas. Drittens steht vor einer unmittelbar anschließenden Infinitivkonstruktion wie „We aim to show“ normalerweise kein Komma; bei vorangestellten oder eingeschobenen Infinitivgruppen können andere Regeln gelten.
Wenn du unsicher bist, prüfe zuerst, welche Satzglieder und Nebensätze vorliegen, und orientiere dich am Zitier- oder Stilhandbuch des Fachs. Eine hörbare Pause allein entscheidet im Englischen nicht über ein Komma.
3. Zu tiefe Schachtelsätze, die niemand mehr versteht
Deutsch und Englisch ordnen Satzglieder oft unterschiedlich an. Lange Abstände zwischen Subjekt und Hauptverb können einen Satz schwer lesbar machen, sind aber keine feste Fehlergrenze. Prüfe bei einer Übertragung besonders, ob ein deutsches Verb-am-Ende im Englischen eine klarere Satzstruktur braucht.
Praxisnah: Zerlege umfangreiche deutsche Schachtelbildungen in zwei bis drei getrennte englische Sätze. Greife stattdessen zu Bindeworten wie however, therefore, thus oder in contrast am Satzanfang, statt Informationen in einen einzigen komplexen Zusammenhang zu packen. Starte neue Argumentationsgänge direkt mit Subjekt und Prädikat („This result indicates…“) und verzichte auf ausgedehnte Vorbemerkungen („In the context of the present analysis it can be shown that…“).
Formuliere möglichst eine Idee pro Satz und halte Subjekt und Verb, soweit es der Inhalt erlaubt, nah beieinander. Eine feste Höchstlänge von 22 Wörtern gibt es nicht; entscheidend sind Verständlichkeit und fachliche Präzision.
4. Nominalstil: unnötig schwere Formulierungen erkennen
Die deutschsprachige Fachprosa verwendet häufig substantivierte Formen auf -ung, -heit und -keit. Formulierungen wie „Die Durchführung der Untersuchung erfolgte unter Berücksichtigung…“ können im Deutschen angemessen sein. Bei einer Übertragung ins Englische lohnt sich jedoch zu prüfen, ob ein Verb die Aussage klarer und direkter ausdrückt; die Entscheidung hängt vom Fach, Satz und Stil ab.
Entwickle einen Verb-Reflex: Steht im Deutschen ein -ung-Terminus, prüfe im Englischen eine verbale Formulierung. Aus the implementation of the method kann etwa we implemented the method werden. Ebenso lässt sich an analysis was conducted je nach gemeinter Handlung durch we analyzed ersetzen. a comparison with prior work shows ist bereits eine vollständige Formulierung; compared with prior work, X shows passt nur, wenn X den Vergleich tatsächlich trägt.
Wie viele Wörter eine Umformulierung spart, hängt von Ausgangstext und Fachstil ab. Eine allgemeine Ersparnis von 15 bis 25 Prozent lässt sich nicht verlässlich versprechen; wichtiger sind Klarheit und der jeweilige Umfangsvorgabe.

5. Hedging und aktive Stimme sinnvoll einsetzen
In deutschen und englischen Fachtexten unterscheiden sich Konventionen zu Passiv, unpersönlichen Formulierungen und der Wir-Perspektive je nach Fach und Zeitschrift. „Es kann angenommen werden, dass…“ kann passend sein, wenn die Evidenz begrenzt ist. Prüfe die Vorgaben des Zieljournals, bevor du ein man oder ein autorbezogenes we verwendest.
Hedging mit aktiver Stimme kann helfen, die Stärke einer Aussage an die Evidenz anzupassen. Statt it can be assumed that können, je nach Befund, we argue that, this suggests that oder the data indicate that passen. it was found lässt sich häufig durch we found präzisieren, sofern die Autorinnen und Autoren die Untersuchung durchgeführt haben. Als vorsichtige Ausdrücke dienen unter anderem suggest, indicate, imply, point to, appear to, tend to. Für stärker gestützte Befunde kommen je nach Nachweis show, demonstrate, confirm, establish infrage; keines dieser Verben ersetzt die Begründung durch Daten und Methode.
Faustregel: behaupte, was deine Daten hergeben, und hedge dort, wo du extrapolierst. Nicht umgekehrt.
Studien zum Thema
- Akademie für Politische Bildung Tutzing, Analyse der Datenbank Web of Science: Für 2015 werden rund 95 Prozent englischsprachige sozialwissenschaftliche und 98 Prozent englischsprachige naturwissenschaftliche Publikationen berichtet. Die Werte beziehen sich auf diese Datenbankauswertung, nicht auf alle Publikationen. Quelle
- Hochschulrektorenkonferenz (HRK): Der Hochschulkompass bietet eine aktuelle Suche nach Studiengängen und Merkmalen wie internationaler Ausrichtung. Die Angabe „über 1.000 rein englischsprachige Studiengänge“ für 2024 ist ohne Abrufdatum und genaue Filter nicht belastbar. Wissenschaftliches Englisch bleibt für viele Studien- und Forschungszusammenhänge relevant; prüfe für eine aktuelle Zahl die Datenbank mit den gewählten Filtern.